Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1936)
- Date
- 1936-06-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450931--82156-2540093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Otwock 1× ep/1184560
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Seite 12 Nr. 23 Der Ist a;,et;l i t 4. Juni 1936VJ. ruhen bisher fünfzig Personen getötet und 325 verwundet wurden. Unter den Toten befinden sich 29 Juden, 22 Mohammedaner, davon 2 arabische Polizisten, ein arabischer und ein europäischer Christ. Verwundet wurden 175 Mohammedaner, 110 Juden und 40 Christen, darunter 23 englische Polizisten, zwei englische Soldaten und acht euro päische Christen. 1200 Personen wurden seit Beginn der Unruhen verhaftet, von ihnen sind 930 Araber und 250 Juden. 409 Araber und 204 Juden diese hauptsächlich wegen Ueberschreitung der Polizeistunde, wurden bestraft. - Ein Appell der Agudas Jisroel, Je rusalem, 2. Juni. Folgender Aufruf der Leitung der Agudas Jisroel kam in Erez Jisroel zur Verteilung: ,.An den jüdischen Jischuw! In einem Augenblick höchster politischer Span nung, da vielleicht das Schicksal des ganzen jüdischen Jischuw auf dem Spiele steht,; in einem Augenblick, da wieder einmal unschuldiges jüdi sches Blut den heiligen Boden unseres Landes tränkt und schwerstes Leid über tausende jüdische Familien verhängt ist, halten wir uns verpflichtet, uns öffentlich an alle unsere Brüder und Sch westerüyi m Lande zu wenden, wobei wir wissen, daß wenn wir auch organisatorisch einstweilen nur einen kleinen Teil der ge samten jüdischen Bevölkerung vertreten, unsere Worte nur gleichwohl das aussprechen, was gegenwärtig ungezählte j ü d ische Herzen aufs tiefste empfinden. Brüder und Schwestern! Not und Unglück haben einigende Kraft. Zum ersten Male in der Geschichte des jüdischen Nationalheims steht unter Tränen und Schmerz der ganze jüdische Jischuw zu einer ges chlossenen Einheit geschweißt dem Feinde gegenüber, gewillt und bereit, das dem jüdischen Volk von den Mächten der Erde gewährte Anrecht auf den Mitbesitz von Erez Jisroel bis zum äußersten zu verteidigen und kein Tütelchen von diesem Anrecht freiwillig preiszugeben. Aber, Brüder und Schwestern, genügt diese Einheit nach außen? Wird sie nicht, wenn mit Hilfe des Hüters Israels die gegenwärtige Gefahr überwunden, der alten jämmerlichen Zwietracht und Zerrissenheit wieder Platz machen, und werden wir dann nicht wieder unseren Feinden innen) und außen ... das Bild eines mörderischen Bruderkampfes geben, der unsere Kräfte schwächt, unser Ansehen mindert und unsere Feinde ermuntert? Brüderr und Schwestern! In all den vergangenen Jahrhundeten des Galuth, solange wir alle, unserem G'tte bei seiner Thora die Treue wahrten, waren wir alle trotz räumlicher Zerstreutheit einig und haben vermöge dieser Einigkeit alle Angriffe unserer tausendfältigen .Feinde, die uns nach dem Leben trachteten, siegreich überwunden. Nun aber, da ein Teil unseres Volkes im Lande der Väter versammelt ist, da es gilt die stets bewährte passive Einigkeit der Jahrhunderte des Galuth in eine aktive Einigkeit zum Aufbau unseres Landes zu wandeln, durchziehen auf dem engen Raum der Heimat die schlimmsten Risse unseren Volkskörper, stehen Parteien als unversöhnliche Gegner einander gegenüber und trennen sich die Herzen der Kinder von den Herzen der Väter im Abfall vom G'tte Israels und in Treulosigkeit gegen Israels heiligen Nationalschatz der Thora. Weil wir das Joch G'ttes und seiner Thora abgeworfen haben, ist über uns das Joch des Bruderhasses, der Bruderzwietracht und der Selbstzerfkischung gekommen. Weil wir das Joch G'ttes und seiner Thora abgeworfen haben, sank unser Ansehen in den Äugen der Völker, die in der Geschichte uns als Volk der Bibel kannten und ein jüdisches Nationalheim nicht begreifen und nicht achten, das nicht zugleich das Natipnalheim der jüdischen Kultur ist, wie sie unser Volk in hingebender Treue aus G'ttes überliefertem Wort, in einer geistigen. Arbeit von Jahrtausenden entwickelt hat. Weil wir das Joch G'ttes und seiner Thora abgeworfen haben,; versagt uns G'tt; der alleinige Herr dieses heiligen. Landes, seinen Schutz, trifft uns Leid und Unglück und droht unserem Nationälheirh Gefahr. Brüder und Schwestern! ■ Einigkeit' im Innern Schutz und Zuversicht nach, außen, kann uns nur aus einer, entschlossenen Rückkehr zu G 'tt und seiner, Thora blühen. Lächelt nicht ob dieses unseres Glaubens! Euer eigener Glaube1, als ob wir, ohne die Hilfe unseres G'ttes, aus eigener Kraft einer Welt von Feinden widerstehen könnten, ist wahr-r lieh lächerlich. , Die Woche. Frankfurt a. M. Wie >dde „Frankfurter Zeitung" anhand einer Klagesache berichtet, wurde vom Gericht entschieden, daß die Abtretung der Forderungen gegen einen SA- Mann an eine jüdische Firma unzulässig sei. Berlin. Der bisherige Leiter des Orchesters des Jüdischen Kulturbundes, Generalmusikdirektor Rosenstock, wurde für zwei Jahre an das kaiserliche Orchester in Tokio in Japan .berufen. Warschau. Das Czenstochauer Kreisgericht hat zwei Nationaldemokraten zu je 15 Monaten und einen dritten zu 6 Monaten Gefängnis;?wegen Bombenanschlags auf ein. jüdisches Geschäft verurteilt. Nur dem Umstand, daß die Bombe zufällig nicht explodiert war, hatten es die Angeklagten zu verdanken, daß sie nicht strenger bestraft wurden. — Der Innenminister hat den Befehl erlassen, die Ordnung auf der Eisenbahn Warschau — Otwock, wo Juden ständig belästigt wurden, strengstens aufrecht zu erhalten. Der Warschauer Gouverneur wird in dem Befehl für die Sicherheit der Passagiere persönlich haftbar gemacht. — Das Warschauer Oberrabbinat ha te für d<»n vorletzten Donnerstag wegen der Unruhen in Palästina einen Fasttag proklamiert. In sämtlichen Synagogen wurden besondere Gebete und Psalmen rezitiert. — Am 29. Mai hi elt der St anislauer Gymnasiälpröfessor Mark Asch im polnischen Rundfunk einen dem Andenken Marschall Josef P i I - u d s k i s gewidmeten Vortrag in hebräischer Sprache. London. Die Schott ische Kirche, die eben in Edinburgh eine Hauptversammlung abhielt, erließ einen warmen Appell an die Teilnehmer zu Gunsten der „bedrängten jüdischen Brüder". Es wurde auch ein besonderer B i 11 a g für .die notleidenden Juden in der Welt proklamiert. Saloniki. Der neue Erzbischof von Griechenland erklärte einer jüdischen Delegation, er erachte es als seine heilige Pflicht, den Juden zu helfen. Athen, Der König von Griechenland, der sich dieser Tage in Korfu aufhielt, empfing eine jüdische Delegation, die von Oberrabbiner Ne hama geführt war, und erklärte ihr, daß er den jüdischen Bürgern seines Landes mit gro-' ßem Wohlwollen gegenüberstehe. New York. Vom United Palästina Appeal wurde bis jetzt die Stimme 1.200.000 aufgebracht. Washington. Eine Abordnung christlich-amerikanischer Führer, an deren Spitze der protestantische Bischof von Washington, Dr. James Edward Freeman, stand, ist beim englischen Botschafter i in < Washington, Sir Ronald Lindsay, erschienen, um ihm eine Petition zugunsten der Juden in Palästina zu überreichen. Montreal, In einer Sitzung des kanadisch-jüdischen Kongresses wurde von einer Reihe von Rednern an England der Appell . gerichtet, die Ordnung in Palästdna zu wahren. Der Kongreß brachte die Eritschlos-! . sienheit der kanadischen Judenheit zum; Ausdruck, Palästina „trotz barbarischen Widerstandes" aufzubauen. Brüder und Schwestern! Wir wissen, der Weg der Rückkehr zu G'tt und seiner Thora ist schwer. Er kann leider nicht sofort und auf. einmal und von allen bis zu Ende gegangen werden. S o macht w e. ri;i g s t e, n s denAnfang rn i t, d e r, Hut des Sabbat, dieser Grundlage des heiligen Judentum«, Grundlage der 'gesamten jüdischen1 Kultur! Die' S, a. b b a t s et ändung sch w.in dej.au s u n-- s.erem heiligen Land. M;ach.2t die g.e^' w;isse nh a.f te Hut des S a bib a t z u m. S g m ~. hol der Einheit des ga nzen- Jischuw! Errichtet d&l gewissenhafte Hjit ■ desf: Sabbat als herrliches Denkmal für die ermordeten Heiligen^, die ob unserer eigenen Schuld fielen, ein Denkmal,', das sich Woche für Woche erneuert und: Woche für; Woche unsere Schuld an ihnen abträgt: Wisset, daß Jakobs G'tt lebt und daß Israel und der Sabbat für immer einander sich verbunden hat. Um des Sabbat willen haben wir nach , dem Wort der Thora und Propheten unser Land verloren. Um des Sabbat willen werdenwir unser Land gewinnen, 'aufbauen und behalten." :' ••■ Der jüdische Selbstschutz in Palästina,; Jerusalem, 1. JunL Die Erlaubnis zut Bildung eines jüdischen Selbstschutzes (Hilfspolizei) ist mit Begeisterung' aufgenommen worden. In. Te 1 A wi w allein sind 600 junge Männer,. Angehörige aller jüdischen Gruppen, für die H i 1 f s p o 1 i z e i rekrutiert worden. Sie werden in Alarmbereitschaft gehalten und sofort eingesetzt, wenn -irgendwo eine jüdische Kolonie bedroht ist. Mit der Verwendung von Tr änengasbomben gegen' Aufruhrer . wurde am Freitag, den 29. Mai, begonnen. Der'Wunsch der Studenten der Hebräischen Universität, die Jüdische Legion von neuem zu gründen, hat bei der Regierung wenig Verständnis gefunden." Schwuoth in Palästina. Jerusalem, 29. Mai. Am. 25. Mai wurde in Jerusalem wieder ein Jude, und zwar der 36jährige Arbeiter Jakob Razim i 1 i, tot aufgefunden. Es war das 27. jüdische Todesopfer. Weitere bis Schwuoth gemeldete Ueberfälle und Zusammenstöße in allen Gegenden des Landes spielten sich zwischen Arabern und Polizei ab und berührten Juden nicht. Es sollen an einem Tag si eben Araber gefallen sein. Kleine Brandstiftungen richteten keinen große, Snchaden an. Am Schwuothfest war die Festfreude in Jerusalem nicht gestört. Polizei und Militär waren überall auf dem Posten. Der Jerusalemer Sender gab die „Akdamoth-Melodie" am Festtage durch. Zu den kleinen Zwischenfällen, klein nur im Vergleich: zu den früheren großen Exzessen, gehört auch die Brandlegung an der Orangerie von Felix M. Warburg zwischen Jaffa' und' Jerusalem. Auch in Petach Tikwa und in den Pardesim „Bajitte Wegan" kamen Brände vor. In J a f f a , wo die Hafenarbeiter immer noch; streiken, ist der Hafen vollkommen verödete In der Stadt herrscht'am Abend Finsternis, weil die-. Straßenlaternen von den Arabern gesprengt wurden. Mit Hilfe von Spürhunden, die erst dieser Tage zum ersten Male eingesetzt wurden, konnten. .. viele Brandstifterr festgenommen werden. < In En Charod und anderen Kolonien des, Emek konnten die Kolonisten mit der Schußwaffe, arabische Angriffe leicht abwehren, was. in einem. Regierungskomunique hervorgehoben wird. . Dieser Tage ist das i englische A d m' i; r ä 1 s - schif f „Sir Dudleg Fpund" in, Haifa eingetroffen.; Der Ausnahm e z. u s t. a nd wurde, verhängt, über Gaza und Safed. In Akka .wurdeder 51 jährige Elimaleh B e r k o wit s c h am -26. Mai ~ so schwer verletzt, daß ah seinem Aufkommen' qe- , •" ,....... r zweifelt wird. jW;ahrre Schiächten zwischen Arabern und Polizei spielten sich..am Fuße des Berges. T a b o r ab. Raananah ist immer noch Ziel, wiederholter Angriffe. Das „Neweh Schalom"- Viertel auf dem Grenzgebiet zwischen Jaffa und Tel Awiw mußte wiedorum gerahmt werden. Die- Bewohner verlebten das* Schwuothfest in Tel Awiw. Um die Abendgebete am Festtage zu,ermöglichen, würde in Jerusalem Dienstag und Mittwochdie- -\. Polizeistunde bis auf 8.15 Uhr ausgedehnt.;Äri der-:, Heil igen Mauer fielen' die Gebets versämm-!i hingen aus. . Aus: Arilaß -des Empiretages hielt' der High Corri- ' missloher l eine Rundfunkrede, in rder es u. a. hieß:: „KeinV.St?eiik';.Hnd^ Ketog' Gewalttat werden die Regierung auch nur um ein; Jota von ihren Mandatsu. verpiliehtürigen abbringen." Im übrigen sei bei1* die' ' l s'er Gelegenheit berichtet, daß alle: Görüchte;J'über J('