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Der Israelit · 1936-06-04 · Heft 23 (4.6.1936) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 23 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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. 4/ Juni 1936_ ' Zurückstellung des Schächtverbotgesetzes in Polen? War schau, 29. Mai, Nach einer Meldung der Tageszeitung „Hajnt" soll das Gesetz über die Kontinentierung rituell geschächteten Schlachtviehs, das am 1. Januar 1937 in Kraft treten sollte, auf unbestimmte Zeit zurückgestellt werden, und zwar deshalb, weil von den christlichen Fleischern befürchtet wird, daß , infolge des partiellen Schacht Verbots eine Preissteigerung- und damit ein Konsumrückgang des Fleisches von nicht rituell geschlachteten Tieren eintreten werde. Eine solche Folge des neuen Gesetzes ist seinerzeit schon von den jüdischen Rednern in den Debatten in Sejm, und Senat vorausgesagt worden. Eine Bestätigung der Meldung des „Hajnt" von anderer Seite war bisher nicht zu erlangen. - ■ i , i , Rußland. Rabbi Abe Feingold Riga, 24. Mai. Im Älter von 62 Jahren starb in Moskau Rabbi Abe Feingold, einer der hervorragendsten Rabbiner Rußlands. Er war. ein Schwiegersohn des vor kurzem heimgegangenen „RogaczowerGaon" und kam als sein Nachfolger fürDwinsk in Betracht. S"*»' Rumänien. Die Juden Rumäniens und der Jüdische Weltkongreß. Bukarest, 25. Mai. Die Repräsentanz der Union rumänischer Juden (U. E. R.) hat sich in ihrer letzten Sitzung ein- . gehend mit der Frage einer eventuellen Beteiligung an dem bevorstehenden Jüdischen Weltkongreß in Genf befaßt. Es wurde beschlossen, an dem Kongreß nicht teilzunehmen. Auch die Union der jüdischen Gemeindeverbände Rumäniens, der die Verbände Altrumäniens, Transsulvaniens, Bessarabiensj und der Bukowina angeschlossen sind, hat eine außerordentliche Beratung abgehalten, um zu der auch 'an sie ergangenen Einladung zu dem Kongreß Stellung zu nehmen. Die Beratung führte gleichfalls zu einem ablehnenden Beschluß. Außerdem ist die Einladung auch von dem Verband der israelitischen Gemeinden mit spanischem Ritus (Sephardischer Gemeinde verband) abgelehnt worden. Die Jüdische Partei, eine der beiden jüdisch-politischen Organisationen des Landes, hat ihre teilnähme an dem Kongreß beschlossen.1 England. Ein Einwanderungsgesetz für Cypem v Athen, 25. Mai. Die Regierung von 'Cupern hat den Entwurf eines Einwanderungsgesetzes veröffentlicht, das die Berstimmungen über Einwanderung und Aufenthaltsrecht zusammenfaßt. Das Gesetz sieht vor, daß kein Ausländer unbedingt den Anspruch auf Zulassung nach Cypern hat. Die, Erlaubnis zum ständigen Aufenthalt ist von einer besonderen schriftlichen Bewilligung der Einwanderungsbehörden abhängig. Gewisse Kategorien von Personen dürfen überhaupt; nicht nach 'Cypem einwandern. Das Echo der Palästinaereignisse auf der ' zionistischen- Jahreskonferenz. ■'-':-:VMh ' -j '*S'..' '"' '' '? London, 1. Juni. Am 31. Mai wurde in London die Jahreskonferenz der .eng lischen Zionisten eröf f net. Die Versammlung stand in den ersten Tagen ganz im Zeichen der Ereigimsse in Palästina, i^eizmann schilderte; in groß angelegter Rede ■den Aufschwung der Araber in Palästina seit Errichtung des Jüdischen Nationalheims. Die Ereignisse untergraben das Ansehen des nahen Ostens!1 Das Judentum habe nach wie vor Vertrauen zül England und zum' High 'tonimissioner. Die' ge- '»7 V<?tt 1 ->' t!i, 1 r> i^D *>•' m j plante Untersuciiungskotninission werde bekanntlich von den Araberri efrgelehnt,' 'aber auch <\!t 't ' MI III 1 ' ( Der i Israelit von jüdischer Seite werden schwere Bedenken gegen eine neue Kommission zur „Erforschung Palästinas" erhoben. Palästina muß jüdisches Nationalheim bleiben und nicht zu einer Mausefalle für uns werden. Es sprachen noch weiter in ähnlichem Sinne Paul Goodman und Reverend M. L. P e r J - zweig. Ueber Palästina und die Juden aus Deutschland referierte Simon Marks. Andere Redner klagten England und die Palästinaregierung an, die mit der Politik der Konzessionen die Araber ermutigt hätten. In einer Resolution wurde erkannt, daß ein entschlossenes einheitliches Vorgehen das erste Gebot der Stunde sei. Es wird ferner die Absetzung des Großmufti und des Bürgermeisters von Jerusalem verlangt. Zum Präsidenten der English Z ionist Federation wird Weizmann wiedergewählt. Die Quellen der revolutionären Propaganda in Palästina, — Anfrage im Unterhaus. London , 28. Mai. Auf eine Anfrage des Abgeorneten Lieut. Commander F 1 e t c h e r erklärte der Minister für die Dominien Malcolm MacDonald in der. Unterhäussitzung vom 27. Mai, die englische Regierung sei nicht im Besitze von Beweisen betreffend den Ursprung der unter den Arabern Palästinas und Transjordaniens getriebenen Propaganda, durch die die Stabilität der englischen Verwaltung dieses Gebiets beeinträchtigt werden soll. Der Abgeordnete Fletcher bemerkte daraufhin, es sei unfaßbar, daß der palästinensische Nachrichtendienst keine Informationen hierüber besitzen sollte und fragte, ob das Colonial Office nicht einen Bericht vom High Commissioner einfordern wolle. Der Minister antwortete, er sei hierzu durhaus bereit, aber es sei undenkbar, daß man hier nichts davon erfahren haben würde, wenn der High Commissioner Beweise in Händen hätte. Der Abgeordnete Morgan fragte, ob der Minister auf das von den Jaffaer Botsleuten gestellte Ultimatum aufmerksam geworden sei, in dem mit weiteren Gewaltakten für den Fall gedroht wird, daß das Löschen von Schiffsladungen in dem provisorischen Hafen von Tel Awiw nicht eingestellt werden * sollte, und ob der Minister versichern könne, daß man gegenüber diesem Einschüchterungsversuch fest bleiben werde. Minister Mac Donald antwortete, er habe einen Bericht hierüber bekommen. Der High Commissioner habe bereits Maßnahmen gegen diesen Einschüchterungsversuch getroffen. »Das Judische Nationalheim wird die Schwierigkeiten 'überwinden". — Erklärung Weizmanns. London, 24. Mai. In der Schlußsitzung einer von der englischen Völkerbundsliga veranstalteten Konferenz über Auswandererfragen hielt der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Ägencu, Dr. Chaim Weizmann, einen Vortrag über die Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina. Bei dieser Gelegenheit wies Dr. Weizmann auch auf die großen Schwierigkeiten hin, mit denen das Nationalheim jetzt zu kämpfen habe. Aber so groß diese Schwierigkeiten augenblicklich auch zu sein scheinen', das Nationalheim sei' entschlossen, sie zu überwinden. Dr. Weizmann gab sodann einen Ueberblick über das Ansiedlungswerk für Juden aus Deutschland und stellte fest, daß Palästina imstande war, die größte Zahl der aus Deutschland ausgewanderten Menschen aufzunehmen. Die deutschen Juden hätten es schwieriger gehabt, sich, den neuen Verhältnisseh anzupassen als die Juden aus Osteuropa, .denn das ganze Wanderungsproblem sei für sie neu gewesen. Während es den osteuropäischen Juden stets zumv Bewußtsein gebracht wurde, daß sie Juden sind, seien die' Juden in Deutschland mit ihrem ganzen Wesen und Streben Deutsche gewesen, die viele hunderte' Jahre in Deutschland gelebt hatten und mit seinem Boden fest verwurzelt1 waren. Der plötzliche'Zusammenbruch ihrer Welt, habe sie und die;__ Nr. 23 Seite 11 Weltjudenheit tief getroffen. Diesen Umständen mußte man Rechnung tragen. Zum Schluß erwähnte Dr. Weizmann, daß bei der Zentralstelle für die Änsiedlung von Juden aus Deutschland viele Gesuche von Eltern, die zur Zeit aus verschiedenen Gründen aus Deutschland nicht auswandern können, vorliegen, in denen gebeten wird, ihren Kindern den Aufbau einer Existenz in Palästina zu ermöglichen. Der Minister konstatiert eine Besserung der Lage in Palästina, London, 2. Juni. Auf eine Frage im Unterhaus über die Errichtung des jüdischen Hafens in Tel Awiw gab der Minister für die Dominien, Malcolm Mac Donald, folgende iAntwort: Es ist eine Tatsache, daß die Verhältnisse im Hafen von Jaffa unbefriedigend waren und daß die Schwierigkeiten gegenwärtig durch den arabischen Streik zeitweilig vermehrt sind. Man erwartet, daß bis Jahresende ein umfassender Verbesserungsplan durchgeführt sein wird; seit langem vorbereitete Pläne für die Erweiterung der Anlagen in Haifa werden durchgeführt werden, sobald Mittel zur Verfügung stehen. Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß die Bedürfnisse der gegenwärtigen Situation nicht.durch die Verbesserungen und Erweiterungen befriedigt werden könnten, die jetzt in Jaffa und Haifa durchgeführt! werden oder geplant sind. Weiter sagte der Minister für die Dominien in Beantwortung verschiedener Anfragen am 29. Mai, daß obwohl immer noch in Palästina Unruhen herrrschen und auch noch für die nächste Zeit zu erwarten sind, sich in den letzten Tagen eine Besserung der allgemeinen Lage bemerkbar mache. Der High Commissioner sei überzeugt, daß die ihm jetzt zur Verfügung stehenden Kräfte völlig ausreichend seien, sodaß sich weitere Truppenentsendungen erübrigen. Er gab ferner noch Auskunft über die in Palästina jetzt zur Verwendung kommenden Tränengasbomben, von denen nur in dein äußersten Fällen Gebrauch gemacht werden soll. Im Allgemeinen erklärt der Minister sich mit allen Anordnungen des High Commissioner solidarisch. Für Einmischung fremder Mächte, wiederholte der Minister auf dringende Anfragen einiger Abgeordneten, lägen keine Beweise vor. Ueber die Zusammensetzung und das Arbeitsprogramm der geplanten Unters uchungskommission für Palästina könne er zur Zeit keine Auskunft geben. Palästina. Appell des Waad Leumi an die Araber. Jerusa lern, 24. Mai. Der Waad Leumi hat einen Aufruf veröffentlicht, in dem die Behauptung der arabischen Führer, daß durch die Juden die Existenz der Araber in Palästina untergraben werde, zurückgewiesen wird. Demgegenüber wird in dem Aufruf gezeigt, daß die jüdische Einwanderung und Aufbauarbeit den Arabern viel Nutzen gebracht hat. An die arabische Bevölkerung wird der Appell gerichtet, mit den Juden in Frieden zusammenzuleben. Wir sind sicher, so heißt es in dem Aufruf, daß es bei gutem Willen und gegenseitiger Achtung möglich ist, einen gemeinsamen Weg zu finden, der weder die jüdischen Rechte auf Einwanderung und den Aufbau Palästinas, noch die arabischen Interessen und eine freie arabische Entwicklung beeinträchtigen und Juden wie Arabern in gleicher Weise zum Segen gereichen wird. Eine traurige Statistik. Jerusa lern, 2. Juni. Drei arabische Zeitungen sind verboten worden. Der Haüptschriftleiter, Scheich Faroüchi; hat drei Monate Hausarrest in Rämleh'' bekömmeri: Ueber; vierzig Streikführer würden bisher'"iii entlegene Dörfer verbannt. Ämtlich .wird bekannt gegeben, daß bei den Uh-

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