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Der Israelit · 1936-06-04 · Heft 23 (4.6.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 23 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 23 Der Israelit 4. Juni 1936 erfüllen könne. Aber nicht .gelungen ist uns die Vermählung von TauroJi .und Derez Erez in dem wahren Sinne des Wortes, welcher darunter die souveräne Beherrschung und eindringende Kenntnis des Thorawortes und im Verein damit die ebenso restlose Durchdringung der Persönlichkeit mit allem Guten, Edlen und Schönen der Weltkultoir versteht. Diese Erfahrung und Erkenntnis mahnt uns dringend genug, den Versuch zu unterlassen, unser Kultursystem in jene Länder, wo, G'tt sei Dank, die Tauroh ihre Pflegestätten hat, zu übertragen . . ." Die Bewunderung und Anerkennung der Organisationsfähigkeit der deutschen Juden spricht aus allen Reden der östlichen Führer. „Wenn wir uns unter der Führung unsrer deutschen erfahrenen Brüder organisieren, werden wir eine Macht bilden, die bald zur Geltung kommen wird." . . . Ein einziger Redner, der sich auch mit Erez Jisroel beschäftigt, (mit Ausnahme des Herrn Jacob Rosenheim; siehe unten) Herr Aron Marcus Krakau, sagt: „Nur das Eine sei heute schon erwähnt, daß Erez Jisroel im Mittelpunkt dieses Programms wird stehen müssen; nur in Erez Jisroel werden wir Groß es und Dauerndes erreichen können." (Lebhafter Beifall.) Die Eröffnungssitzung der Hauptkonferenz. Rabbiner Dr. Salomon Breuer, Frankfurt am Main: Dans Referat Rose n fa eim, Frankfurt a. ML: „ . . . Was uns. als Höhenziel vorschwebt, ist die Wiederbelebung uralten jüdischen Besitzes: der überlieferte Begriff des Klall Jisroel, Israels Gesamtkörrper, erfüllt und. getragen von seiner Tauroh als organisierender Seele. . . Um unsrer Jugend willen, der Jugend Westeuropas, bedürfen wir der Agudas Jisroel ... Es ist ja der gefährlichste psychologische Irrtum, zu glauben, daß die Erziehung Sache des einzelnen Vaters sei. Wir müssen unsrer Jugend den Zusammenhang wiedergeben mit Klall Jisroel, nicht nur den geistigen mit der Vergangenheit, sondern auch den mit der g e - genwärtigen jüdischen Volksmasse, wir müssen sie hineinstellen in eine Organisation, aus der sie ihre individuelle Stärke saugen und Lebensinhalt, Widerstandskraft und Kampfesmut gewinnen, das Bewußtsein, Glied eines großen Ganzen zu sein, das auf sie rechnet." „ . . . Es ist geradezu eine Schicksalsfrage für dasi Volk der Tauroh, ob diese ungeheure, durch nichts aufzuhaltende Extensivierung jüdischer Siedlungen überstanden wird, ohne daß der alte Taurohgeist verloren geht. Eine das Ganze umfassende einheitliche Organisation, die tief Wurzel geschlagen hat im religiösen Bewußtsein jedes Einzelnen, die d e n j ü - dischen Wanderer begleitet aus der alten in die neue Heimat, ihn dort empfängt und fest verknüpft hält mit den führenden Geistern und tragenden Ideen jener Heimat." Einige Umrisse des praktischen Arbeitsprogramms: „Bereits vor nahezu 15 Jahren habe ach die Notwendigkeit eines solchen Bundes .gelegentlich einer in Frankfurt stattgefundenen Versammlung nachdrücklichst betont. Ab vor mehreren Dezennien die Pariser Alliance Israelite Universelle gegründet wurde, da war es mein Schwiegervater, Rabbiner S. R. Hirsch, der die Tendenz dieses Vereins auf das heftigste bekämpfte . . . Inzwischen ist wiederum eine Art Weltorganisation unter dem bekannten Namen „Zionismus" ins Leben gerufen worden, die auf ihre Fahne „Nationaljuidentum ohne Tauroh" schrieb. Wie nicht anders zu erwarten, wurde dies« Bewegung von sämtlichen Gedaule Hatauroh und von allen Rabbonim, mit geringen Ausnahmen, als Kefiroh b'ikkor verurteilt . . . Nun aber frage ich, meine Herren, sollen wir wirklich weiter in dieser unverantwortlichen Passivität verharren und die vitalsten Interessen der Gesamtheit Israels' solchen Händen anvertrauen, zu denen wir zu unserm großen Bedauern in religionsgesetzlicher Beziehung kein Vertrauen haben können, haben dürfen ... „ . . . Erster und oberster Zweck der Agudas Jisroel bleibt, das SelbstäncUgkeitsbewußtsein in den Herzen aller Jereim zu wecken und"---es klingt wie ein Ruf aus der Gegenwart, „wenn einst irgendwo unsre Brüder genötigt sein sollten, den Wanderstab zu ergreifen, so werden wir ihnen mit allen Uns ZU Gebote Stehenden Mitteln helfend und ratend zur Seite stehen, für sie ein Asyl suchen, wo sie nach den Gesetzen der Tauroh werden leben können." Eldod und Medod im Lager. Es ist nicht ganz geklärt, was Eldod und Medod in ihrer fortfahrenden Weissagung Uebles gesagt, das &ö die Entrüstung Josuas hervorgerufen hat, Talmud und Midrasch lassen die Möglichkeit offen, daß sie die bevorstehende Ankunft der Wachteln, also die „Fleischversorgung" der Gemeinide vorausgesagt hatten. Andere meinen, sie sahen und sagten voraus, daß nicht Moses, sondern J o s u a das Volk über den Jordan ins gelobte Land führen werde. Wieder andere wollen wissen, daß idie beiden ungekannten jungen Propheten ihre Weissagung auf ganz lange Sicht von sich geben« Sie sprachen vom Kampf des Gog Migog und der letzten Erlösung, nach Ankunft des Messias, der den letzten und grimmigsten Feind der Menschheit niederringt. Wir haben hier offensichtlich mit drei Meinungen zu tun, die sehr weit auseinanderliegen. Sie konnten vielleicht nur die nächste Zukunft voraussehen, vielleicht auch schauten sie weiter bis zum Endziele der Wüstenwanderung. Auch das setzt noch kein übergroßes Maß von prophetischer Gabe voraus. Möglicherweise waren sie aber richtige Propheten, •geistige Väter jener Seher, die die Leiden und die Erlösung der Menschheit, nicht nur der Wüsteriwan- Erlösung der Menschheit bis ans Ende vorausgeschaut hatten. a) Großzügige Förderung des Thorastudiums und der jüdischen Erziehung. b) Die Aufnahme des Kampfes gegen das sozusagen normale Elend der jüdischen Massen, wirtschaftliche Aktionen in der Diaspora, Kolonisation Er ez Jisroelsim Geiste der T a u r o h. c) Schaffung einer wahrhaft jüdischen Presse, Literatur, einer wahrhaft jüdischen öffentlichen Meinung, In der G e n & r a 1 d i s k u js s i o n geht es um zwei Probleme. Einerseits die sogenannte ungarische Forderung (Ausschluß der Mitglieder nichtorthodoxer Gemeinden)! und andererseits um die Kulturfrage, ob die Agudas Jisroel die Absicht habe, die Bildungsform der deutschen Orthodoxie nach dem Osten zu übertragen. Den Besorgnissen in Bezug auf letzteren Punkt, der von fast sämtlichen Rednern desi Ostens betont wird, begegnet Herr Jacob Rosenheim mit folgenden Worten: ,, . . . Die A. J. wäre von vornherein unmöglich gewesen, dächte die westeuropäische Orthodoxie heute noch daran, ihr eigenes Bildumgssystem nach dem Osten zu verpflanzen. Davon kann gar keine Rede sein." Zur Auswanderungsfrage: Rabbiner Gr aub arth B en d zin : „ . . . Bemühen wir uns, materielle Existenzmöglichkeiten für unsre Volksmassen zu schaffen, damit sie nicht gezwungen werden, in Länder auszuwan- Bei der Gelegenheit sei an die Definition von S. R. Hirsch für den Begriff nn n erinnert. Es wird danach mit aa der „Dachgedanke" zum Ausdruck gebracht, der den Menschen und den Völkern jene trügerische Sicherheit vorgaukelt, bis der Sturm kommt, der das Dach abträgt. Diesem Dachgedanken gegenüber steht die jüdische S uk.k a, die Laubhütte, deren Wert und Wesen in ihrer Dachlosigkeit liegt; die uns sagt: „Wir Menschen bauen wohl die Wände, das Dach über unserem Hause wird aber von dem Höchsten im Himmel erhalten, zu dem wir in allen Lagen des Lebens hinaufschauen." Mit' dem Dachgedanken 'hat die Menschheitsgeschichte begonnen, dem „Turmbau au Babel". Mit der dachloeen Hütte wird sie ihr glückliches Ende erreichen, mit der ]n'i^> bv *nsr nso- Wenn unweit der Jordangrenze, also des Endzieles, wo das Volk nach vierzig Jahren der Dachlosigkeit zum ersten Male ein schützendes Dach in einer gesicherten Heimat finden sollte, die neuen jungen Propheten von aan aa sprachen, so liegt die Vermutung nahe, daß sie viel mehr gesagt haben als hier angedeutet wird, daß sie das Volk warnten vor allzu großem Vertrauen aufdieses-Dach, auf die gesicherte Heimstätte drüben; daß es auch in der Heimat noch genug Kämpfe kosten werde, bis Israels und der Menschheit Wanderfahrt ihr Ende gefunden haben. Kein Wunder, daß gerade Josua, der berufen, war, alsi erster drüben das' Dach zu errichten, diese Mahnungen übel nahm, sie vielleicht. gefühlsmäßig als persönliche Herajusforderung nahm. Mosche aber, der große Führer -durch die Wüste, dessen klares Auge bis ans Ende sah, belehrte den Schüler, wie gut und zuträglich diese Mahnung sei, und wie oft in der Geschichte sich noch die (Prophetenstimme mahnend und warnend wird erheben müssen, um dem dem, wo die Lebensverhältnisse sie zwingen/, in erster Reihe den Schabbos .zu entweihen und sich allmählich über alle Grundeinrichtungen, des Judentums hinwegzusetzen. Sorgen wir für Arbeitsmögliohkeiten für die arbeitswillige Jugend unter 'der Voraussetzung, daß ihnen gestattet werde, den Schabbos zu halten und koscher zu essen." Sehr interessant ist es auch, in Anbetracht der späteren Entwicklung des* Verhältnisses zwischen Agudoh und Misrachi; die Rede des Misrachistenführers Dr. med. Franek, Altona, zu lesen: .• ..- „Wir haben diese Versammlung begrüßt, wir werden uns mit ganzer Kraft in den Dienst der Agudohsache stellen. Sie (die Misrachisten) seien von ihrer innersten Ueberzeugung geleitet, wenn sie innerhalb der zionistischen Organisation für die Idee des gesetzestreuen Judentums eintreten und~ sind darum als Bundesgenossen zu betrachten, die zwischen den Jereim und den fernabst eh enden Söhnen des jüdischen Volkes die Vermittlung herstellen . . . „ . . . Wir wollen an dem Werk als Misrachisten mitarbeiten und hoffen, daß der Tag nicht fern ist, an dem Klall Jisroel in des Wortes weitester Bedeutung alle. Elemente des jüdischen Volkes: umfaßt, die sich um das Banner der Thora sammeln . . ."' Als die G e t> u r t s s t u n d e des grandiosen Bes Jaakauw - Erziehungswerks kann der Tag von Kattowitz gelten. Hören wir die erschütternde Rede von Aron Marcus, Krakau: „ . . . Eine der wichtigsten Fragen, in denen die A. J. unbedingt in Galizien intervenieren muß, ist: die Frage der Mädchenerzi e-h u n g. Es ist eine brennende Schmach, ein C h i 1 l.u 1 Haschern schlimmster Sorte, wenn man sieht, wie unsere Töchter der Taufe entgegengeführt werden. Das Schulgesetz von 1873 schreibt zum Schutze der einzelnen Konfession 'die Interkonfessionalität der Schule und der Schulbücher vor. Trotzdem hat man die Schulbücher für den Leseunterricht zu förmlichen Propagandaschriften für die katholische Kirche gestaltet, so daß sich selbst die kleinen jüdischen Kinder gegen die Lektüre auflehnen; Während die Knaben in chassidisehen Kreisen keine Schule be- , suchen, wachsen die Mädchen in der Atmosphäre^ dieser katholischen Schul buch er auf, ohne jeden jüdischen Religionsunterricht. Sie geraten so allmählich in eine geradezu feindselige Stimmung gegen Juden und Judentum, und die Folgen sind vernichtend' für die ganze Zukunft der gesetzestreuen Judenheit in Galizien. Ich habe es für meine Pflicht gehalten, schon heute auf dieser Tribüne der Weltorthodoxie diese Schmach zur Sprache zu bringen., und Abhilfe für sie zu fordern." Und heute? . . . 24 0: Bes Jaakauw- Mä d che n-- Sc faulen, mit 450 Lehrerinnen, und mehr als 30 000 Schülerinnen! Hat A g u d as Jisroel etwas geleistet? Volke die Illusion des Geborgenseins zu nehmen und' seinen Blick nach oben zu zwingen, •D'H'ai 'n dj? "»m. ]n> ■>» Kleines Feuilleton, Wenn die Erde erzittert. Von Sch» Schalem, Komm', verbirg dich mein Bruder. Des Verderbers Schiffe sind der Anker müd* . . > Unter Bombenflugzeugen, in giftiger Gase Geruch Oeffne ein Psalmenbuch Und mach dir ein Lied ... Und also sprich: Zion! - Wenn alle Wege naß vom Blute sind, Erheb' ich meine Augen zum Menschenkind. , Zion! Und beug' 'dich über deine Seele tief Hör: Aus Jesreel und Chef er ein Brachfeld dir rief . .. ~ Nimm' eine Hand voll Samen und gehe '* Und .säe! ... Autorisierte Uebertraguriig aus dem Hebräischen; von Ben-Charin,.

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