Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1936)
- Date
- 1936-06-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 23__^ Schluß gesagt: „Das jüdische Volk hat bei ähnlichen Gelegenheiten in 'der Vergangenheit gezeigt, daß Angriffe dieser Art seine Entschlossenheit, das Nationalheim in Palästina wieder aufzubauen, nicht erschüttern können." An den Beratungen der Kommission nehmen alle Mitglieder teil. Es sind dies; Graf A. Theodoli-Italien, Pierre Orts-Belgien, Frl. Dannewig- Norwegen, Lord Lugard-Großbritannien, J. Manceron-Frankreich, L. Palacios-Spanien, Graf de Penha - Garcia - Portugal, William Rappard- Schweiz, Baron van Asbeck-Holland, N. Sakenobe-Japan und als nichtstimmberechtigter Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes C. W. H. Weaver-Großbritannien. Als Vertreter der Mandatarmacht für Palästina und Transjordanien werden an der Debatte der Mandatskolmission über dieses Gebiet der Oberstaatsanwalt der Palästinaregierung H. H. Truste d und der Vizeresident in Transjordanien, N. K i r k b r i d e , teilnehmen. Die Beratungen. Genf, 2. Juni. Ueber die ersten Beratungen der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes wurde ein Communique herausgegeben, dem wir folgendes entnehmen: Mit der Prüfung des Jahresberichtes der Mandatarmacht für Palästina und Transjordanien für 1935 wurde begonnen. Mr. Trusted, der Generalstaatsanwalt der Paläsitnaregierung, gab einige ergänzende Erklärungen zum Berichte und Auskunft über die Finanzlage. Die jüdische Einwanderung in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres war niedriger als im gleichen Zeiträume des Jahres 1935. Die Jerusalemer Wasserleitung funktioniere gut, auch für andere Städte werden Wasserleitungspläne erwogen. Die Ernte litt unter Regenmangel. Bezüglich der Unruhen in Palästina sprach Mr. Trusted sein Bedauern darüber aus, daß sie noch nicht nachgelassen haben. Die Wiederherstellung der Ordnung sei nach Ansicht D Israelit der Regierung eine Aufgabe von allererster Wichtigkeit; die Regierung Sr. Majestät werde sich von ihrer Politik durch Aufruhr und Drohungen irgendwelcher Art nicht abbringen lassen. Die englischen und palästinensischen Abteilungen der Polizei wurden verstärkt und die Militärgarnison wesentlich vermehrt, um der gegenwärtigen Lage Herr zu werden. Es wurden auch gewisse einschränkende Maßnahmen in Bezug auf die Bewegungsfreiheit der Agitatoren und Streikführer getroffen. Trusted schloß seine Erklärung mit dem Hinweis auf die Ankündigung des Staatssekretärs vom 18. Mai 1936, daß eine Untersuchung an Ort und Stelle durchgeführt und nach Wiederherstellung der Ordnung eine Kgl. Kommission eingesetzt werden würde, die, ohne die Bestimmungen des Mandates in Frage zu stellen, die Ursachen der Unruhe und der vielen Beschwerden von Arabern oder Juden erforschen solle. Vertagung der Prüfling des Palästinaberichtes? Genf, 4. Juni. In der weiteren Berätung der Mandatskommission wurden mehrere Fragen an Trusted gestellt. Trusted lehnte es aber ab, auf Erörterung der in das Berichtsjahr nicht fallenden Geschehnisse einzugehen. Aus diesem Grunde wurde in .einer geheimen Sitzung beschlossen, an die Mandatarmacht die Frage zu richten, ob sie bereit sei, der Mandatskommission noch im Laufe der laufenden Session ausführliche Aufschlüsse über die Lage zu geben oder ob sie es vorziehe, dies zu 'einem späteren Zeitp u n k t e zu tun. Im letzteren Falle müßte die gesamte Prüfung der Verwaltung des Palastinamandats bis zur Herbstsession vertagt werden. Trusted hat diesen Beschluß telefonisch nach London weitergegeben und um Instruktionen gebeten. Allgemein herrscht die Ansicht, daß die Londoner Antwort zur Verta g u n g führen werde. Die Situation in Palästina. Weitere zwei jüdische Todesopfer. — Belagerungszustand? — Streik der Stadtverwaltungen. — Verschobene Rabbinerwahl. Jerusalem, 3. Juni. Zu Beginn der siebenten Woche der Palästinaunruhen kann man im Ganzen 29 jüdische Todesopfer registrieren. Zu den früheren kommt noch der 59jährige Franz Borchardt, der am Pfingstsonntag auf einem Spaziergang meuchlings erschossen wurde, und der 29jäbrige Student Rachman Kolontarew, der am Montag, den 1, Juni ,fieL Zugleich mit ihm wurden schwer verletzt der Chauffeur Meier Schuchmann und Chaijim Jalowsky. Borchardt war" erst vor wenigen Monaten aus Deutschland nach Palästina eingewandert. Die Beerdigung beider Opfer fand abends 8.30 Uhr in aller Stille statt. Die Baumfrevel und Brandstiftungen halten an. Der Schaden an jüdischem Eigentum soll nun eine Million Pfund betragen. Die Tel Awiwer Feuerwehr, die an der Grenze von Jaffa den Brand am großen jüdischen Holzlagerplatz löschen wollte, wurde mit Bombenwürfen empfangen und an der Löscharbeit verhindert. Nachdem sie sich für einige Minuten zurückgezogen hattet nahm sie die Löscharbeiten wieder auf, konnte aber nicht mehr verhindern, daß auch viele jüdische Häuser in der Nähe bis auf den Grund abbrannten. Die Verkündung des regelrechten Belagerungszustandes für die Unruhegebiete ist nach diesen Umständen unvermeidlich und nur noch eine Frage von Tagen oder auch nur Stunden. Nachdem das Streikkomitee mit einigem Erfolg auch die arabischen Beamten der Stadtverwaltungen zur1 Niederlegung der Arbeit gezwungen hatte, wurden mehrere jüdische Beamte und Arbeiter für öffentliche Arbeiten eingestellt. Der Bürgermeister von Jerusalem 'versieht noch seinen' Dienst, doch ist der jüdische Vizebürgermeister verständigt worden, sich in Bereitschaft zu halten. Allen Warnungen, Strafen und Verbannungen zum Trotze, werden immer neue Aufrufe zur „bewaffneten Erhebung" verbreitet. Eine Bombe platzte im Garten des High Commissioner, ohne. Schaden anzurichten. Es ist be2Giohnend,1 daß zahlreiche Araber ihre Einlagen in arabischen Banken abheben und in jüdischen Banken einzahlen, da die arabischen Banken eine zehnprozentige Abgabe an den Streikfond verlangen. Es zeigt sich immer mehr, daß die Araberführer die Herrschaft über die Massen verlieren. * * Die für den 11. Siwan angesetzte Wahl eines Oberrabbiners der Waad Leumi-Gemeinden wurde mit Rücksicht auf die unsichere Lage bis auf weiteres verschoben. (Weitere Berichte aus Palästina siehe auf Seite 11 und 12.) Eine Aeußerung vonDr. Isaac Breuer zu den Ereignissen in Palästina, , Jerusalem, 22,. Mai. In dem wöchentlichen Bulletin der Histadruth Poale Agudas Jisroel ist an erster Stelle unter dem Tffel f?KlEPn rnsnö' jmsa eine Erklärung und ein Aufruf von dem Vorsitzenden der Pöäle Agudas Jisroel-Organisation, Dr. Isaac Bretter, veröffentlicht. Es wird im _, ,, , . . 4.; Jum,1936 ersten Teile der Erklärung auf die Tatsache'Hingewiesen, daß Einbrüche in die jüdische Arbeit von außen her die Arbeit stets nur .gefördert hätten, was ganz gewiß auch jetzt der Fall sein wird. Dann aber wird an die Chawerim die Frage gerichtet, ob man es bei dieser zu erwartenden Folge bewenden lassen ' soll. „Sollten wir uns nicht fragen, ob wir genügend unsere Pflicht getan haben, ob wir G'tt in unserem Lande .geheiligt haben, durch intensives Thorastudium, durch inbrünstiges Gebet, durch Selbstprüfung und Unterweisung Anderer? Haben wir den Anderen, die nicht unsere Wege gehen, ein Muster und Beispiel von Rechtlichkeit, Bruderliebe und Thorageist gezeigt, um sie unter die Fittiche der Schechinah zu bringen? Haben wir nicht, indem wir uns in unsere Privatsorgen vertieften, unsere Aufgaben als Soldaten G'ttes vergessen, denen es obliegt, die Wege für die Ankunft des Königs zu ebnen? An uns liegt es, die Schickungen in eine Quelle des Segens zu wandeln. Heute sehen wir wie kaum je, daß wir auf rein natürlich e m Wege, der besonderen Vorsehung G'ttes entraten, alle verloren wären, prniv p-Tn* Auf und seid stark! Aber nicht im Sinne jener, die da nach Bericht der Bibel riefen: ü">22b nJ3J rrm iböl „Wir wollen noch Besseres aufbauen!", sondern nach alter Art der Väter, die in jeder Schickung eine Aufrüttelung sahen, um sich innerlich zu stärken. Stark wollen wir in unserer Organisation bleiben als Kämpfer für die Sache G'ttes, und jetzt, «g e r a d e j e t z t, unser Werk zu Ende führen. Und. in diesem Werke wollen wir ein Denkmal denen setzen, die nicht um ihrer Schuld willen, sondern um der Schuld des Volkes wegen gefallen sind." Aus den weiteren Mitteilungen des Blattas geht hervor, daß überall im Lande, so in Rischon, Rananah, Rechowoth, Natanjah, Bne Brak, Chug S. R. Hirsch, Kibbuz Chof ez Chajim u, v. m. kräftig im Sinne des Thorajudentums gearbeitet wird. Pogromartige Ausschreitungen in Polen. Warschau, 2. Juni. In Minsk Mazowieck kam es zu pogromartigen Ausschreitungen, nachdem ein junger Jude namens Juda Leib Chazkelewicz wegen Ermordung eines polnischen Sergeanten namens Jean Bujak verhaftet worden war. Die Ausschreitungen dauerten von 6 Uhr morgens bis gegen Mittag. 16 Juden wurden erheblich verletzt ins Krankenhaus gebracht. In den jüdischen Häusern wurden die Fenster eingeworfen, Geschäftsläden wurden demoliert. Aus Warschau wurden Polizei Verstärkungen herangezogen, die 'die Ordnung wiederherstellten. Sämtliche jüdischen Geschäfte sind geschlossen, über 3000 Juden, mehr als die Hälfte der jüdischen Bevölkerung, haben ihre Wohnungen geräumt. Chazkelewicz, der geistig nicht normal sein soll, würde nach Warschau gebracht. Senator Dr. Schorr hat sich wegen der Vorfälle in Minsk Mazowieck an den Ministerpräsidenten General Skladkowski gewandt, der energische Maßnahmen zur Sicherung der Ordnung versprach. Hafenarbeiter aus Saloniki für Tel Äwiw. Saloniki, 3. Juni. In Saloniki bereiten sich zahlreiche Hafenarbeiter auf die Auswanderung nach Palästina, vor, wo sie in dem neuen Hafen von. Tel jAwivy- Besohäftigung zu finden hoffen. Es heißt, daß die Exekutive der Jewish .Agency die Zuteilung besonderer Zertifikate außerhalb 'der Quote für diese Hafenarbeiter bewilligen werde.'