Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1936)
- Date
- 1936-06-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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S$?IP3*&555*: P%gS8jPP&3&^^ ,3 '**Wm -° v - - - MJ"W».4(., WUJS JflL Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. 4. Juni 1936 14. Siwan 5696 Nummer 23 Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes tagt. Genf, 3. Juni. Die Sitzung der Ständigen Mandatskommission de s Völkerbundejs begann am 2. Juni unter dem Vorsitz des Italieners A, T h e o d o Ii. Es steht noch nicht fest, ob diese Session, die in erster Reihe den Bericht der Mandatarmacht für 1935 zu prüfen hat, sich auch mit den derzeitigen Unruhen befassen wird. Doch war es unvermeidlich, daß. der Generalstaatsanwalt der Palästinaregierung, H. H. Trusted, sich .gleich zu Anfang kurz zu der Lage in Palästina äußerte. Der Aktentisch, der Mandatskommission ist übrigens überladen mit Petitionen von privater Seite und auch von Amtsstellen, U. a. wird die Sitzung auch über die Eingabe des ¥aa d H o a s oh k en a s i m in Jerusalem vom 24. Mai 1935 (mit Bemerkung der Mandatarmacht vom 14. und 15. November 1935), mit dem Verlangen auf An e r k enn u n g d e s W aad H o- .ascik enasira als S on d e r g e m ei n d e zu befinden haben.. Eine Petition cvon Israel Ami k a n verlangt, die Beförderung von Telegrammen in h e b r.ä i - seihen Biichstaiben in Palästina. Die. Eingabe beschäftigte schon im vorigen Jahre die Korn-, mission und wurde vertagt. Andere arabische und jüdische Petitionen vom vorigen Jahre sind inzwischen durch die Verhältnisse sehr überholt. Ein arabischer Arzt beschwert sich über die Einwa mde r u n g jüdischer Aerzte und andere Araber stellen Entschädigungsansprüche für Verluste, die sie bei früheren Unruhen erlitten hätten. Der Bericht der Jewish Agency. Es liegt außerdem der Mandatkommission ein- Bericht der J e w i s h A g e n c y ,; vor, der mit einem Be gleit wort W e i z m & n n s versehen ist. In diesem Berichte nimmt , das Kapitel der Einw an d e r un g den größten Raum; ein. Die U eberwi n d >u n g des durch den abessini- .sohen Krieg entstandenen R ü c k s c h 1 a g e s wird für absehbare Zeit vorausgesagt, womit .auch der Arbeit erb ©darf wachsen und eine höhereEinwanderungsquote nötig sein wird. Eine Einschränkung der Einwanderung könne sich nicht auf die, geringe Aufnahmefähigkeit des Landes berufen, sondern die Einschränkung hedin gel im-G e g ent eil die Verringerung der Aufnahmefähigkeit. In dieses Kapitel fälle auch die durchaus notwendige A u f e n t ih a 11 s 1 e g a 1 d s i e r u n g für die sogenannten „Illegalen". . Im Weiteren wind in dem Bericht der L egislative C o.u n c i 1 - P l a n besprochen und 'die Unmöglichkeit seiner DurcWührung: unter den Jheutigeh' .Umständen nachgewiesen. Ein irgendwie geartetes Gesetz zur Einschränkung des freien Bodenverkaufs an Juden wäre ein Verrat an dem Balf ourmand a t und dem M a c d o n a 1 d - B r.i e f. Es wird im Berichte Abgabe von Staatsländereien für jüdische Siedlungen und Beteiligung der Regierung an der Erschließung des Huleh-Geb i ete s verlangt. Auf dem Gebiete von Handel und Industr i e wird im Berichte auf die Notwendigkeit der Bekämpfung des Dumping hingewiesen. Ferner wird die Forderung nach erhöhten Staatsbeihilfen für E r z i e h u n g s - und Gesundheitswesen und nach stärkerer Beteiligung von Juden an öffentlichen Arbeiten und in Amtsstellen aufgestellt. Klage wird geführt über die administrative Abhängigkeit Tel Awiws von dem viel kleineren Jaffa, und eigene Regierungsämter für Tel A w i w werden verlangt. Von den Unruhen und dem arabischen Generalstreik wird zum (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Palästina vor der ständigen Mandatskommission.......Seite 2 Erklärungen zu den Ereignissen in Erez Jisroel Seite 2 u. 12 Ormsby Gore, der neue Kolonienminister........Seite 3 Kattowitz, zum 24. Gründungstag der Agudas Jisroel .......Seite 3 Der jüdische Hafen in Tel Awiw . . Seite 5 Beschäftigung deutschblütiger Mädchen in jüdischen Haushaltungen . . . Seite 9 Keine Auswanderung ohne Sprachkenntnisse........ Seite 6 Nachspiel zu polnischen Pogromen . Seite 6 Die Lage Palästina.......Seite 2 u. 7 Olam haba. Von Schalom Alechem . . Seile 8 Kinderecke.............Seite 8 Beilage: Erziehung und Lehre IST ZEIT ZU HANDELN. ♦ .* n > X *) V D 37 K b n K 1 Von Gottfried Neuburger. Wieder wirst Du, taurohtreuer Jude von heute, vor eine entscheidende Prüfung gestellt! Wirst Du wieder versagen? Der gewaltige Umbruch des Jahres 1933 stellte die erste große Aufgäbe, die ein kleines, allzu schwaches Gesohlecht fand. Welch herrliche, einzigartige Aufgabe, die fast schön verlorenen, abgesprengten, abgeirrten Teile des jüdischen Volkes!'wieder heim zu rufen, wieder heim zu führen und wie kleinmütig fand sie uns! Wir Juden in Deutschland standen im Mittelpunkt des Geschehens, wir erlebten.es, wie Geschichte gemacht wurde, wie ein neuer Geist rings um uns an die Stelle des alten trat. Gerade wir taurohtreuen und taurohgläubigen Juden wußten genau, warum es so kam und so kommen mußte, mit einer in Generationen und Jahrhunderten einzigartigen Deutlichkeit sprachen die Ereignisse zu uns; wer anders als wir und nur wir konaite * den jüdischen Massen, dem jüdischeri . Volke den. Sinn des ganzen Geschehens, begreiflich und verständlich machen, wer außer uns konnte den unzählig. Vielen, die' das alles erschüttert, fassungslos, völlig verständnislos auf sich hereinbrechen sahen, die Erklärung geben, die sie brauchten, auf die sie wartete^ auf die sie he u t e noch w arte n? :- > Die Sorgen nim die eigene Existenz, um die Erhaltung der Familie, der Gemeinde,, der engeren Gemeinschaft ließen das jüdische Verantwortungsbewußtsein, den Blick für das Ganze nicht zum Durchbruch kommen, die Nöte des Alltags machten uns taub für den Ruf der Geschichte. Es ist erfreulich und begrüßenswert, wenn Juden die Synagoge und die Schiurim besuchen. Aber ist das wirklich genug für Dich, der Du gewürdigt bist, diese große Zeit zu erleben? Ist es heute genug, so zu leben wie vor 20 und 30 Jahren? Glaubst Du, Deine Pflicht erfüllt zu haben, wenn Du im jüdischen Kreise verkehrst und wenn Du am Freitag Abend besonders gut zu speisen pflegst? Wir hören oft, daß uns gesagt wird, man ist jüdischer geworden. Ist es j ü d i s c h e Tat — für so viele doch die einzige! —, wenn ausgerechnet als „Jüdische Kultur" bezeichnet wird, was vom jüdischen und für jeden Juden verbindlichen Gesetz verpönt und verboten ist, ist man jüdischer geworden, wenn Dinge, die dem Gesetz der- Juden ins Gesicht schlagen, nunmehr im jüdischen statt wie früher im nichtjüdisohen Kreis yor sich gehen, in der heiligen Sprache statt in einer anderen gesprochen werden? Sind nicht w i r daran schuld, wenn Juden, die es nicht besser wissen, die von der Peripherie des Judentums . kommen, so weit entfernt schon halt machen. Wir haben viel versäumt in den letzten drei Jahren, alle Gelegenheiten, die sich boten, gin- (Fortsetzung siehe Seite 3.)