Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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TS&S^f^f^^^ 26. Mai 1936 Israelit Nr. 22 Seite 3 ■„Maseltow, Reb Asriel!" „Maseltow, lieber G'tt! Miaseltow, ihr Juden! Maseltow, ganz Israel!" ruft Asriel mit zitternder Stimme, und Tränen laufen aus seinen Augen. Freudenträmen sind es, Tränen der Liebe zu G'tt und zu seinem Volke Israel — heilige Tränen! ... Ich sehe, wie der Lederhändler Reb Kalmen, sonst ein Gegner Asriels, zu ihm herantritt und ihn umarmt: „Maseltow, Asriel! Verzeih mir, mein Freund!" — und dicke Tränen laufen seine Wangen hinunter. Mian tanzt, trippelnd bewegen sich die Füße, man macht «inen Reigen; Männer für sich, Frauen für siöh. Man ist aus vollem Herzen lustig. Und alle singen ein Lied: . „Was.iwir seinen, seinen wir, Aber Juden seinen wir! \X4as wir seinen, seinen wir, Aber Juden seinen wir!" Die Melodie erfüllt die ganze Schul, sie scheint von einem Ende der Welt zum anderen zu dringen! ... Seit diesem Tage hat Asriel, der Schuster, statt des Beimamens „Narr" den Titel ,,Reb" erhalten! * Das Schwuausfest ist da . . . Man liest aus Asriels Thora ... Mit feierlicher Stimme ruft Reb Schmarja, der Chasen und Thora-Vorleser, auf: r tS&mmk 5Pv%sf&?cj£« n -.-..--vv1' t *■ * ->~>* 'r/fjr * *i **J"y i >x-C'i "r> J*$j£ij' 1 '* *'> -5, i » ' "ß^"^- ' ' ' 1 « r ■> ' t*£rÄi*<<% j- «*W\ JÄ*, - . / A »♦ .* .Ti^r-I,?»''1 v?~^-> ~^ 1?•< ^Jf^kät,-WifA,- — f^V« Jüdischer und arabischer Polizist im Dienst» auf Kosten des Sabbat vorzubereiten, und wir wollen gerne hoffen, daß es in Zukunft auch nicht mehr geschieht. Wiederum wird unsere Liebe zu Palästina mit Blut besiegelt^und die wachsedne Stadt »deren Ruhm der Turm der Levantemesse zum Himmel kündet, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Was sich ereignete, erreichte das Zentrum der Stadt nicht, spielte sich auf dem Grenzgebiet zwischen Tel Awiw und Jaffa ab. Wir sehen hier eine Straßenkreuzung der Stadt mitten im lebhaftesten, friedlichen Verkehr. Die Berliner nennen diesen Platz, wo drei Straßen auf die Allenby Road zulaufen, den „Potsdamer Platz". Der Name hat sich eingeführt und wird durch den großen Trubel und Autoverkehr auch einigermaßen gerechtfertigt. Durch diese und die anliegenden Straßen zog auch am Freitag die Demonstration, die die ersten jüdischen Opfer gekostet hat. Auf der Verkehrsinsel zwischen den hier zusammenlaufenden Straßen stehen Männer an der Litfaßsäule und lesen die hebräischen Ankündigungen. Wir sehen die interessierten Blicke und bekommen auch Kenntnis von den avisierten Veranstaltungen. „Am Donnerstag Volksversammlung mit Vortrag über das Thema: Regierung, Alijah und Nationalheim." Obendrüber Plakate, 'die gemeinsame Spaziergänge, auch Theater- und Kinovorstellungen in hebräischen Lettern anzeigen. Denn es ist noch ruhig im Lande und die Gemüter des stets fröhlichen Tel Awiw sind für Politik, aber auch für alle Art von Ausspannung sehr zugänglich. Aber Tel Awiw lebt nicht allein dem Vergnügen. Es wind gearbeitet. Es ist noch nicht lange her, da man sagte, ganz Palästina sei ein Bauplatz. Darin drückte sich der Respekt vor dem Tempo des ~ ,:r2^ » - - r- - v . u -<. ,r >; * .> "'V'., "-/jvi* ^.L*-^ * i" / *>\ Arbeiterhäuser am Toten Meere ,, Ja'amaud Reb Asriel ben Reb Schlome Salmon Hakauhen!" Ich höre die schluchzende Stimme meines Freundes Asriel: „0, Herr der Welt! O, Herr der Welt!" Ich höre alber auch eine andere Stimme,, eine ahtworten.de Stimme, durchdringend, von oben her, aus den Höben, aus den Himmeln klingende Töne: - „Ich höre, ich höre, mein geliebtes Volk Israel!" Zu unseren Bildern. Wir zeigen an erster Stelle den Hauptturm der Ausstellungshalle in Tel Awiw, in der zur Zeit die Levantemesse untergebracht ist. Die Levantemesse, hebräisch „Taarucbba", ist heute ein Wahrzeichen von Handel und Industrie in Palästina. 1924 hatten die ausgestellten Waren noch Platz in einem Zelte und zwei Jahre später in einem einzigen Schulzimmer. Heute umfaßt das Ausstellungsgelände eine Bodenfläche von 100.000 qm. Die Sond'erpavillons, die infolge des Generalstreiks nicht gleich mit. der Einweihung der Haupt messe geöffnet werden konnten, sind nunmehr alle eröffnete Es ist eine Weltausstellung im eigentlichen Sinne des Wortes, an der die meisten Staaten Europas und alle Staaten des nahen Orientes beteiligt sind. Daß wir in einigem, von den Vorbereitungen für die Messe und dem Ausstellungsbetrieb nicht befriedigt sind, gehört auf ein änderest Blatt. An sich läge vgar keime Notwendigkeit vor, diese dem jüdischen Palästina zum Ruhme gereichende Schaustellung der jüdischen Arbeit und des jüdischen Fleißes 88* Ein Falascha-Hauptmann in Addis Abeba Das Dizengoff-MuSeum in Tel Awiw Tel Awiwer Aufbauwillens aus. Dieses Tempo hat leider heute stark nachgelassen. Aber fleißig gearbeitet wird, besonders am Straßenbau, wie unser Bild zeigt, in Tel Awiw heute noch. Auf dem eigentlichen „Schlachtfelde", auf dem Grenzgebiete zwischen Jaffa und Tel Awiw, hat die Polizei keinen leichten Stand. Trotz allem und allem sieht man heute noch jüdische und arabische Polizisten, die Schulter an Schulter ihre schwere Pflicht tun. Der erste Polizist von links nach rechts auf unserem Bilde, der auf dem Schimmel reitet, ist ein Jude; neben ihm thront hoch zu Roß sein arabischer Kollege. Weit weg vom Unruhegebiet geht die Arbeit ungestört weiter. Das Bild zeigt uns die Arbeiterhäuser am Toten Meere, in denen ungestört Juden und Araber, zusammen etwa 600 Mann, wohnen. Es ist die P o 11 as c h e g.es el 1 ® c h a f t, die mittels dieser Arbeiter die Salze des Toten Meeres auswertet. Diese Häusersiedlung muß mit Rücksicht auf die ungewöhnlichen klimatischen Verhältnisse nach ganz besonderen Prinzipien angelegt und mit besonderen sanitären Einrichtungen ausgestattet werden. Das Besondere in Bau und Form dieser Häuser fällt auch auf dem Bilde deutlich ins Auge. Neben der Messehalle zeigen wir hier noch das neue Museum in Tel Awiw, das als Dizengoff-Stiftung vor einiger Zeit errichtet wurde. Das letzte Bild zeigt einen Falaschahauptm a n n in seinem vollen Kriegsschmuck in Addis Ebeba. (Die ersetn sechs Bilder, teilweise auch ihr Text, sind dem P a 1 ä s t i n a b i 1 d e r b u c h des Verlages E, P. Tal und Co., Leipzig-Wien, entnommen. Das Werk enthält 96 ausgezeichnete Photographien von Hans Casparaus und begleitende Worte von Arthur Rundt, Die zwei letzten Bilder sind der „Mult es Jövö", Budaaest, Wien, Tel Awiw, entnommen.)