Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 22 Der Israelit. England. Union d^r Zionisten-Revisionisten beteiligt sich nicht am Jüdischen Weltkongreß. London, 17. Mai, Die Exekutive der Weltunion der Zionisten- Revisionisten hat folgende Entschließung gefaßt: Die Revisionisten waren und sind überzeugte Anhänger eines jüdischen Weitkongresses, der das ganze jüdische Volk in seinem Kampf um seine Interessen und Rechte in der Diaspora repräsentiert. Der für den 8. Äugust nach Genf einberufene Kongreß beruht jedoch nicht auf allgemeinen demokratischen Wahlen und kann infolgedessen das jü dische Volk nicht repräsentieren. Die Revisionisten werden daher zu ihrem großen Bedauern nicht in der Lage sein, an diesem Kongreß teilzunehmen. Standrecht in Jerusalem? London, 25. Mai. Der Jerusalemer Korrespondent der „Times" stellt in einem etwas pessimistisch gehaltenen längeren Bericht aus Palästina fest, daß, wenn sich die Dinge so weiter entwickeln, aus dem Äusnahmezustaand in Jerusalem und anderen Städten Palästinas bald ein regelrechtes Standnecht werden müßte. Entsendung einer Untersuchungskommission sei bereits genau so überholt, wie der Empfang einer arabischen Delegation in London, denn die Unruhen könnten erst dann ein Ende nehmen, wenn das Standrecht verhängt werde, es sei denn, daaß beide Parteien aus Kampfmüdigkeit zwischendurch einen Waffenstill st and abschließen. Älle bisherigen Notverordnungen reichten nicht aus, um dem „Guerillakrieg" ein Ende zu machen. Wenn auch die Feldbrände abgenommen hätten, so verschlechtere sich doch der allgemeine Sicherheitszustand im Lande mit jedem Tage. Die Begräbnisfeier für Nahum Sokolow. London, 20. Mai. Die Beisetzung des Ehrenpräsidenten der Jewish Agencg und der Zionistischen Orgaanisation Dr. Nahum Sokolow gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung des nationalen Judentums. Unter den Trauergästen, die der Zeremonie in. der Friedhofshalle beiwohnten, befanden sich Ladg R e a d i n g sowie führende Perrsönlichkeiten des englischen Zionismus und zahlreiche Abordnungen jüdischer Verbände. Der Chief-Rabbi des Britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, hielt die Trauerrede. Der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Ch. Weizmann, sagte das Kaddisch- Gebet. Äbends wurde in der Großen Londoner Synagoge eine Trauerfeier für Nahum Sokolow abgehalten, bei der Dr. Chajim Weidmann die Gedenkrede hielt. High Commissioner Sir Arthur Wauchope. hat an den Leiter des politischen Departements der Palästina - Exekutive der Jewish Ägencu Mosche Shertok anläßlich des Ablebens Sokolow's ein Beileidsschreiben' gerichtet. Erklärung Baldwins: England wird seiner Verantwortung in Palästina in vollem Maße entsprechen. London, 21. Mai. Der englische Ministerpräsident Baldwin hat in Beantwortung einer Anfrage in der Unterhaussitzung vom 21. Mai die Erklärung abgegeben, daß England die Verantwortung für die Verwaltung und den Schutz Palästinas in .Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Mandats trage und dieser Verantwortung in vollem Maße zu entsprechen gedenke. * Vor einer Veranstaltung der englischen Völkerbundsliga, die unter dem Vorsitz von Lord Rutfierford am 21. Mai in der School of Economics in London stattfand, hielt Sir Herbert Samuel als Vorsitzender des Council for German Jewry einen Vortrag über die jüdische Auswanderung aus Deutschland. In diesem Zusammenhang führte Sir Herbert über die palästinensischen Unruhen ungefähr folgendes aus: Augenblicklich herrschen ernste Unruhen in Palästina; niemand aber kann sich vorstellen, daß die Balfour-Deklaration, die sich zu Gunsten der Errichtung eines Jüdischen Naationälfoeims in diesem Lande ausspricht und Erleichterungen für seine Errichtung zusagt, widerrufen werden kann. Diese Die Woche. Breslau. Nach einer Bekanntmachung des Vorstandes der Synagogengemeinde Breslau sieht «ich der Vorstand bei der in erschreckendem Maße sich häufenden Zahl von Arm'enbeierdiLgungen veranläßt, den Gemeindemitgliedern nahezulegen, eine Kleinlebens- oder Sterbeversicherung abzusichließen, am besten mit .der Auflage, bei Eintritt des Versicherungsfalles die Versicherungssumme an die Gemeindeka&se abzuführen. Warschau. Die Repräsentanz der Warschauer J ü d dschen Gemeinde hat eine scharfe Resolution gegen die Unruhen in Palästina angenommen. Wilna. Bei Ausführung von Grabungsarbeiten auf einem alten Platz in Wilma wunden Steine gefunden, die jüdische Inschriften trugen. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, daß 'es sich um das Territorium eines' alten jüdischen Friedhofs handelt, auf dem Pogrom -Märtyrer bestattet wurden. Die Steine trugen die Jahreszahl 5517 (1757 der übl. Ztr.). Rom« In der Großen Synagoge von Rom fand ein feierlicher G'tte&dienst für dasi neue italienische Kaisertum" und den Kaiser Victor Emanuel statt, dem Vertreter der Armee und der iRegiecrung beiwohnten. Die Festrede hielt Oberraibbiner Dr. Latte s. London. König Eduard VIII. gab am 14. Mai zu Ehren de® ehemaligen jüdischen Generalgouverneur von Australien, Sir Isaac I s a a c s, und Lady I s a a c s ein Frühstück, an dlem auch die Königin-Mutter teilnahm. Tel Awiw. Im Rahmen der Levantemesse fand eine Wirtsichaftskonferenz statt, an der Vertreter von 15 Ländern teilnahmen. Bei der feierlichen Eröffnung des Schweizerischen Pavillons hielt Bürgermeister Dizengoff eine Rede, in der er auf das stets gute Verhältnis zwischen Palästina und der Schweiz und auf den ersten wie auf den letzten Kongreß, diie in der Schweiz stattfanden, hinwies. — Bürgermeister Dizengoff mußte sich wegen neuerlicher Erkrankung ins Krankenhaus „Hadassah" begeben. New York. Im Alter von 62 Jahren ist der Seniorchef des Bankhauses Lehman, ein Bruder des Gouverneurs von New York, gestorben. Lehman betätigte sich in vielen jüdischphölan tropischen Organisationen. — Im Alter von 73 Jahren ist der berühmte Orientalist, Prof. Richard James Horatio Gottheil, Dozent für semitische Sprachen an der Columbia-Uiniversität, gestorben. Gottheil war Sohn eines amerikanischen Rabbiners und betätigte sich an vielen jüdischen wissenschaftlichen und philanthropischen Aktionen. — Der ehemalige polnische Schachmeister Samuel Reshevsky, der Jude ist, hat die Meisterschaft der Vereinigten Staaten im Schachspiel gewonnen. — Der United Palestine Appeal hat in den ersten drei Monaten seiner über ganz Amerika sich erstreckenden Sammelaribeit 700.000 Dollar aufgebracht. Insgesamt sollen durch die Kampagne für das Jahr 1936 3,500.000 Dollar gesammelt werden. Deklaration wurde von allen großen Nationen der Welt und von dem Völkerbund bekräftigt. Im Vertrauen auf sie sind 300 000 Juden nach Palästina gegangen und haben ihr Schicksal mit dem Lande verknüpft. Im Vertrauen auf sie sind dort etwa 10 Millionen Pfund investiert worden und es ist sicher, \ 'daß, welche Mittel immer erforderlich sein mögen,' um die Ruhe wieder herzustellen, die Einstellung ,' der Einwanderung nach Palästina und, der Widerruf; dieses Teiles des Mandates nicht zu ihnen gehören'\ können. ' Palästina* Scharfe Bestimmungen geg&i* Wafjentragen und Geheimbündelei,' Jerusalem, 19. Mai. In der „Palestine Gazette" werden folgende außerordentliche Maßnahmen und Verordnungen der Palästinaregierung angekündigt: Wer Dolche erzeugt, verkauft oder trägt wird mit drei Jahren Gefängnis oder 100 Pfund, Geldstrafe bestraft. Wer in öffentlichen Straßen Messer, trägt, wird mit einem Jahr Gefängnis bestraft. Die Polizei wird ermächtigt, ohne Haftbefehl Personen zu verhaften, die illegale Ansammlungen bilden. An öffentlichen Orten getragene Waffen jeder Hrt einschließlich von Knüppeln und Eisenstöcken sind von der Polizei zu beschlagnahmen. In einem amtlichen Comuniquee wird bekannt gegeben, daß das arabische Dorf Z1 f f bei Akko mit einer Kollektivstrafe belegt wurde, weil die Telefondrähte abgeschnitten worden sind. Gegen die Eisenbahnbrücke bei Sefaria 'ist ein Bombenanschlag versucht worden; auch -in Jaffa wurde eine Bombe geworfen. Gegen ein jüdisches Haus in Tiberias ist ein Sprengstoffanschlag verübt worden. Die Agudat Jisraei hat für Donnerstag, den 21. Mai, einen Fasttag für ganz Palästina im Hinblick auf die fortdauernden Unruhen proklamiert. Schutz der amerikanischen Staatsangehörigen. Ausgestaltung des Arbeitsrechts in Palästina, Jerusalem, 19. Mai. Der amerikanische Generalkonsul in Jerusalem, Loland B. Morris, (hat an die in Jerusalem lebenden amerikanischen Staatsangehörigen Verhaltungsmaßregeln für den Fall von Unruhen herausgegeben. Der Generalkonsul hat an das amerikanisch-jüdische Zentrum, dem 600 amerikanische Bürger angeschlossen sind, ein Schreiben gerichtet, in dem er empfiehlt, zunächst amerikanische Flaggen vorzubereiten, die im Falle von Unruhen auf den Gebäuden des Zentrums auffällig gezeigt werden sollen. Sodann hätten sich bei einem allgemeinen Hufruhr sämtliche amerikanische Juden in dem Zentrum zu versammeln, bis Konsulatsbeamte eintreffen. Schließlich seien beim Konsulat alle Namen und die Paßnummern der in Jerusalem lebenden amerikanischen Juden einzutragen. Vorher hatte der Generalkonsul das Zentrum besucht, um den jüdischen Mitgliedern zu ' versichern, daß das Konsulat in dauerndem Kontakt mit den lokalen Behörden betreffend Leben und Eigentum der Amerikaner stehe. ' Ausgestaltung des Arbeitsrechts in Palästina. Jerusalem, 22. Mai. Die Palästinaregierung veröffentlichte den Entwurf einer neuen Wopkman's Compensation Ordinance 1936, durch die Bestimmungen des gleichnamigen Gesetzes von 1927 sowie seine Ergänzungen neu gefaßt und vervollständigt werden. Das Gesetz behandelt die Entschädigung von Arbeitern für im Betrieb erlittene Unfälle. Während die Angestellten von dem Unfallschutz bisher ausgenommen waren, ist der Kreis der Entschädigungsbereehtigten erweitert worden. Auch der Kreis der Ärbeitgeberr, die unter die Bestimmungen des Gesetzes fallen, ist ausgedehnt worden. Dem englischen Recht entsprechend wurde 'eine Bestimmung eingefügt, nach der eine Entschädigungspflicht; im Falle des Todes oder der dauernden Invalidität auch bei Verschulden des Arbeitnehmers besteht * Weitere Vorschriften behandeln den Konkurs des Arbeitgebers, seine Pflicht zur, Eingehung eijierr Versicherung und die Entschädigung bei'verseWedeneh Krankheiten.' Die Eritschä^igungssätze württen''e.b^nfalls heu bestimmt^ ',"'"'"";"A/ '"' (ITA.) '•' .': V' '..'1 ■ •-; ' ... V ■ '. ... "