Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Beirut 2× ep/1047833
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26, Mai 1936 D I a e 1 i t Nr. 22 Seite 7 geahntes boten, bringt Herr Rabbiner Dr. Micha 1-S'ki im Schlußwort der Bezirkstagung zum Ausdruck. Er kennzeichnet den Umschwung, den der Redner des Abends in der Ägudas Jisroel hervorgerufen, die, wie es die ganze Tagung gezeigt hat, die Lösung der Gegenwartsaufgaben darin sieht, zum Geiste der Thora zu führen. So nachhaltig ist der Eindruck des Referates, daß es zu der Anregung führte, im engeren Kreise einen ,;Chug Thora und Müssar" zu bilden, eine Arbeitsgemeinschaft zu geistiger und : sittlicher Vervollkommnung, die die zahlreichen Anregungen krönt, zu denen die Bezirkstagung Anlaß gab. Verbandstag der Synagogengemeinden Niederschlesiens. . Breslau, 22. Mai. In Breslau fand der Verbandstag der Synagogengenieinden der Provinz Niederschlesien statt. Diesem Verbände gehören mit einerr Ausnahme sämtliche Synagogengemeinden der Provinz Niederschlesien an. Im Mittelpunkt der Tagung stand neben einem Vortrag des Seminardozenten Dr. Lewköwitz „Aufklärung und Romantik in ihrem Verhältnis zum Judentum", der Bericht über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahr, aus dem hervorgeht, daß keine Gemeinde aufgelöst wurde, wenn auch die Abwanderung stark war und ein G'tteshaus aufgegeben werden mußte. Neben der Tätigkeit des Bezirksrabbiners Dr. Wahrmann wurden Kulturabende veranstaltet. Der Religionsunterricht wurde ausgebaut. In der Gemeinde Wohlau wurde erstmalig Unterricht für die Kinder erteilt, ebenso im Kreis Hoyerswerda, dagegen wurde in Festenberg der Unterricht eingestellt, da keine Kinder mehr vorhanden sind. Ruf Grund vorbereitender Verhandlungen wurde die Zusammensetzung der Verbandsorgane so umgestaltet, daß in ihnen nunmehr auch die Zionisten entsprechend vertreten sind. Schweiz. Frühjahrstagung der Ständigen Mandatskommission. —s Palästinadebatte voraussichtlich Anfang Juni. Genf, 22. Mai. Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes tritt am 27. Mai zu ihrer ordentlichen Frühjahrstagung zusammen. Die Kommission wird u. a. den Jahresbericht für 1935 der Mandatarmacht in Palästina prüfen. Dieser Bericht — ein Buch von zirka 300 Druckseiten — war schon vor den letzten Ereignissen in Palästina gedruckt und beschäftigt sich daher nur mit den Ereignissen im Berichtsjahr 1935. Er wird in den ersten Tagen des kommenden Monats in London veröffentlicht werden. Auf der Tagesordnung der Kommission steht die Prüfung einer Reihe anderer Jahresberichte der Mandatarmächte in Syrien, Tanganyika, Neu-Guinea etc., sowie zahlreicher allgemeiner Fragen und seit der letzten Tagung eingelaufener Petitionen. Unter den letzteren bezieht sich' eine Anzahl auf Palästina. Die; wie immer, streng geheim gehaltenen Beratungen der Kommission werden vom 27. Mai bis etwa 15. Juni dauern. Die Palästinadebatte wird wahrscheinlich Anfang Juni beginnen und zwei bis drei Tage dauern. ' Ein neuer Vorschlag zur Lösung der Palästinafrage, Zürich, 22, Mai, Der Chefredakteur der „Baseler Nachrichten", Nationalrat Dr.. A. Oerj>, der seit, mehreren Jahren auch als Mitglied der, Delegation der Schweizer Regierung an. den Völ£erbundsversammlungen teil-; nimmt,, behandelt nach einem Berichte der ITA. unter r..der Ueberschrift „Ungelöst! Unlösbar?" die letzten Palästina-Eereignisse. Nach einer historischen^ Einleitung, in. welcher an die Balfour- Deklaration, die weitere Entwicklung, des Landes als Mandatsgebiet,, die,■,sfeigende Bevölkerungszunahme und. Prosperität und, die Schwierigkeiten des arabisch-jüdischen Zusammenlebens in Palästina erinnert wird, schreibt Dr. Oeri u. a.:- »>?,',.,••>>?,•••*;• „Die Lösung wäre sicher leichter gewesen, wenn man sie unmittelbar nach dem Kriege mutig in die Hand genommen härte, solange die arabischen, Nationalstaaten noch nicht konsolidiert waren und die britische Unterstützung noch dringend nötig . Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel Awiw. Aus der Konkurrenz von 7 pharmazeutischen Fabriken in Palästina ergeben sich einige Schwierigkeiten. Diese wirken auf die pharmazeutische Industrie Pallästina besonders schwerwiegend, da sie zugleich gegen die in Palästina so stark verbreiteten ausländischen Präparate zu kämpfen hat. Wie wir erfahren, ist kürzlich zwischen der ältesten pharmazeutiischen Fabrik Palästinas „Zori" und der neuesten „Hillel" ein Abkommen getroffen worden. Dieses Abkommen, das die Unabhängigkeit der beiden Unternehmungen nicht berührt, regelt die Verteilung der Präparate, die von beiden Unternehmungen hergestellt werden, und schließt damit die Konkurrenz zwischen ihnen aus. Tel A w i w. Der Export palästinensischer Erzeugnisse hat sich im Jahre 1935 auf LP 4215.486 gegenüber LP 3.217.562 im vorhergehenden Jahre — also um rund LP 1 Million — erhöht. Die Exportsteigerung entfällt zum größten Teil auf den gesteigerten Citrusexport des Jahres 1935, der sich gegenüber 1934 um LP 863.065 erhöhte. Beirut. Die Rückwirkungen des arabischen Streike® in Palästina auf Syrien werden in Syrien sehr stark empfunden, da ungefähr die Hälfte des «gesamten syrischen Exportes von Palästina auf^enhommen wird, das bei weitem der wichtigste Abnehmer syrischer Produkte ist Der Präsident der arabischen I Handelskammer in Jaffa hat an die syrischen Kaufleute einen Appell gerichtet, vorläufig von der Geltendmachung ihrer Forderungen abzusehen. Auch auf die Messe von Damaskus werden Rückwirkungen befürchtet, da anzunehmen ist, daß palästinensische Aussteller und Besucher durch die Ereignisse davon abgehalten werden, an der Messe teilzunehmen. Tel Awdw. Die Einfuhr von Nahrungsmittehi, Getränken und Tabak hatunter Berücksichtigung dies pelfruchtimportes im Jahre 1935 die Höhe von annähernd LP 4 Millionen erreicht und damit die starke Steigerungstendenz der letzten Jahre unvermindert fortgesetzt. Wenn man ferner den Import von lebenden Tieren und Holz, die ebenfalls land— und forstwirtschaftlich erzeugt werden (von der Händelsstatistik aber unter anderer Rubrik erfaßt sind), in Betracht zieht, so ■ ergibt sich noch ein wesentlich höherer Importwert. Tel A w i w. Die zunehmende Anzahl von Radiohörern in Palästina hat in den letzten Jahren zu einer starken Steigerung des Importes von Radioapparaten und Zubehörteilen -geführt,. der sich von LP 20.932 im Jahre 1933 auf LP 52.759 im Jahre 1934 und LP 81.873 im 'Jähre 1935 erhöhte. Eine starke Steigerung weist ferner der Import elektrischer Kühlschränke auf, der sich von LP 35.795 im Jahre 1934 auf. LP 84.699 im Jahre 1935 erhöhte und sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelte. Beirut. Der Entwicklung der Baumwollkultur; wird seit einigen Jahren — ähnlich wie in der Türkei, im Irak und Iran — auch in Syrien größere Aufmerksamkeit zugewendet. Nach mißglückten Versuchen mit ägyptischen und* einigen amerikanischen Qualitäten hat sich die Texas-Qualität „Lone Star" bewährt. Die Anbaufläche vor allem im Gebiet von Aleppo und Damaskus stellte sich 1934 auf 13.000 ha und erhöhte sich im letzten Jahre 1935 auf 30.000 ha. Die einheimische „Baladi'-Qualität macht nur noch 30 Proz. des Anbaues aus. ^Di.e Faserproduktdon erreichte bereits. 1934 2800 Tonnen, die von der in Entstehung begriffenen syrischen Industrie nicht voll verarbeitet werden konnten. Deutschland war mit 550 Tonnen der Hauptabnehmer, es folgten. England, Italien, Palästina und Frankreich. Den Anstoß zur''Belebung^ des syrischen Baumwollahbaues gaben Mühihauser Textilfirmen. Neben kleineren Betrieben. bestehen drei große Entkörnungsanstaltenv Die Aussichten "werden für sehr günstig gehalten, wenn die Bewässerungsanlagen entwickelt werden. :"s>. ' hatten. Damals hätte man tun können, was man im vorderen Orient seit Jahrtausenden immer wieder getan hat: man hätte die paar hunderttausend verarmten Araber Palästinas aussiedeln und anderwärts in Syrien — an Siedlungsland fehlt es keineswegs! — unter günstigen Bedingungen ansässig machen können. Heute würde, da die palästinensische« Äraber, dank der Juden, zu prosperieren begonnen haben, ein solcher Bevölkerungsschub ungleich größere finanzielle Opfer fordern. Und doch zwingt er sich erst recht auf! In viel größerem Maßstab — es handelt sich um anderthalb Millionen Menschen — ist das Experiment mit dem griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch versucht worden und ist gelungen. Aber allerdings erst nach der fürchterlichen Kriegskatarophe in Kleinasien. Soll man für Palästina auch den Zwang einer Katastrophe abwarten? Im griechisch-türkischen Falle hat der Völkerbund das erfolgreiche Massenexperiment unter seine Äegide genommen. Stellt sich heute nicht gerade ihm in seinem Mandatsgebiet Palästina eine ähnliche Aufgabe? Sein Prestige hat. so sehr gelitten, daß er eine wahrhaft providenzielle Gelegenheit zum Vollbringen einer großen Leistung nicht vorbei gehen lassen sollte." Polen. Antisemitischer Vorstoß im polnischen Aerzteverband zurückgewiesen. Warschau, 19. Mai. In Warschau fand die Jahresversammlung des polnischen Äerzteverbandes statt. Nachdem der Jahresbericht erstattet worden war, stellten die Delegierten der Äerzte aus Posen und Pomereilen den Antrag, die jüdischen Äerzte aus dem Verband auszuschließen. Dieser Äntrag löste außerordentliche Erregung aus, besonders, weil die Antragsteller geheime Abstimmung gefordert hatten. Bei der Abstimmung wurde der Antrag abgelehnt. Nach Verkündung des Äbstimmungsresultates verließen die Delegierten aus Posen und Pomerellen demonstrativ den Saal. Fortdauer der antisemitischen Unruhen an den Warschauer Hochschulen. Warschau, 18. Mai. In der Warschauer Universität demonstrierten die nationalistischen Studenten gegen den angeblich demokratisch gesinnten neugewählten Rektor Prof. Antoniewicz. Die Kundgebung artete in Attacken gegen die jüdischen Studenten aus. An der Hochschule für Bodenkultur wurden die jüdischen Studenten von Nationalisten aufgefordert, ,,Ghetto"- Bänke zu besetzen; als die Juden der Aufforderung nicht Folge leisteten, wurden sie geschlagen und hinausgeworfen. Jüdische Gemeindewahlen in Polen. War scii/au^ 17. Mai. Im Einvernehmen mit dem Innenministerium hat das Kultusministerium Neuwahlen für die Vertretungen aller jüdischen Gemeinden Polens für den 13. September 1936 festgesetzt. Der Czenstochauer Rabbiner Nachum Asch gestorben. Czenstochau, 17. Mai. Im Alter von 75 Jahren, nach 50 Jahren rabbinischer Tätigkeit, von denen 13 auf Czenstochau entfallen, starb der Rabbiner von Czenstochau Nachum Asch. Er genoß großes Ansehen in der jüdischen orthodoxen Welt, war Verfasser einer Reihe religiöser Bücher und hat sich zuletzt im Kampf um die Schechita sehr hervorgetan. Der polnische Rabbinerverband sandte an die Czenstochauer jüdische Gemeinde ein Kondolenzschreiben, in welchem die Bedeutung des Dahingeschiedenen gewürdigt' wird.- rrawn