Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 22 Der In a'el i U 26. Mai 193& sondern die u n v e r k ü m m e r t e S e e 1 e der deutschen Judenheit ist! Dieses „Aber" will jedoch nicht das ,,efes' des „mäkelnden Kundschafters", es will Viel mehr Hoffnung und. Wunsch für die weitere Ar beit des Zentralausschusses sein: Daß seine berufenen Männer und Frauen sich bewußt werden, daß die jüdische Gemeinschaft ohne ihre Seele, das Gesetz G'ttes, nicht leben kann, nicht leben wird. Daß der Wiederaufbau der jüdischen Seele, ihre Gesundung, allein den jüdischen Kör per wieder gesund und widerstandsfähig gegen alles, was von draußen kommt, machen kann. Dann erfüllt sich an ihnen auch das andere Wort (Gittin 67b): „Groß ist die Arbeit, sie gibt Wärme und Begeisterung denen, welche sie leisten!" Wolf S. Jacobson. '1-v ■' V m Korrespondenzen. Deutsches Reich. Zur Reichsnährstandsausstellung in Frankfurt M. Berlin, 17. Mai. Im „Völkischen Beobachter" veröffentlicht Stabsamtsführer Dr. Reischle einen Artikel zur Reichsnährstandsausstellung in Frankfurt a. M., in dem es heißt, daß der Unterschied zwischen früher und jetzt i n diesem südwestdeutschen Äusstellungsgau besonders deutlich sei. Der jüdische Kapitalismus habe hier in den letzten Jahrzehnten starke Positionen erobern können. Jüdisches Händler- und Spekulantentum habe sich auf dem Land« ausgebreitet und hatte sich zum großen Teil maßgebend bei der Verwertung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse unter der Belieferung mit landwirtschaftlichen Bedarfsstoffen eingeschaltet. Hierin sei heute Wandel geschaffen. Die Besucher der Ausstellung würden auch hier den Einfluß des Judentums in der Einährungswirtschaft gebrochen finden. Man soll einen Ueberblick über die schriftliche und mündliche Tihora gewinnen. Dazu ist Mischnah geeignet. In einfachem Stil vermittelt „Mizwaus Haschern" einen solchen Uebedblick. Mit Mädchen lerne man die Haftarah des zweiten Tages. Es ist das letzte Kapitel aus Habakuk: Ein befreites, aufatmendes Gebet des K'3J, der mit dem bekannten Problem "in sni pns gerungen und es gelöst hat. Vgl. dazu Teh, H, das inhaltlich und sprachlich ähnlich. Erklärungen: M: Hirsch, „Die Haftaroth", Nobel „Tabor". Bei Jüngeren lerne man Deworim 26, 1—11. MAsch-; nah Bikkurim, besonders Perek III., 1—9. Man weise auf die Entweihung des ursprünglich als Korbon eingerichteten Bikkurim durch die Schaffung eines „Erntefestes" nach „der Weise der Völker" im heutigen Palästina hin. Wochenkalender. Vom 30. Mai bis 6. Juni 1936 / Vom 9. - .16. Siwan 5696 V3V- 5]T Samstag 30 msiaw Mai 9 0 '3 'S p>"S Sonntag 31 10 ■> Montag 1 11 K» Dienstag 2 ]"PD 12 3' Mittwoch Juni 3 13 V Donnerstäg 4 14 V Freitag 5 15 1t> Samstag 6 16 7t5 "i 'i i?is -]T)b9Ta Eine Tagung des NS-Juristenbundes: „Das Judentum in der Rechtswissenschaft". Berlin, 19. Mai. Wie die „Frankfurter Zeitung"' meldet, wird vom Nationalsoziaiistischen Deutschen Juristenbund eine große Tagung über „Das Judentum in der Rechtswissenschaft" geplant. Die Vorbereitung der Tagung liegt in den Händen des Reichsgruppen leiters der Hochschullehrer, Staatsrat Professor Dr Karl Schmidt. Im Seminar der Berliner juristischen Fakultät "ist eine Liste jüdischer rechtwissenschaftlicher Autoren ausgelegt worden. Die Reichsgruppe Hoch^ schullehrer des Juristenbundes hat sich mit der Seminarleitung in Verbindung gesetzt, um diese Liste zu prüfen und zu ergänzen. In dem völligen Fernhalten des jüdisch beeinflußten Schrifttums vom juristischen Nachwuchs sieht, wie aus dem „Mitteilungsblatt" des Juristenbundes hervorgeht, die Reichsgruppg Hochschullehrer eine besonders dringliche Äufgabe. Die Gaugruppenleiter sind deshalb gebeten worden, darüber zu berichten, welche Schritte in dieser Richtung in den Seminaren und Universitätsbibliotheken bisher erfolgt sind und welche Methoden zur Kennzeichnung jüdischer Rechts literatur sich bisher bewährt habe. Bezirkstagung der Agudas JisroeL Karlsruhe, 18. Mai. ' Die Bezirkstagung der Ägudas Jisroel in Karlsruhe hat jedem der Erschienenen den Beweis erbracht, daß die Ägudas Jisroel nach dem Grund Paragraphen ihrer Verfassung die Lösung der Tagesaufgaben im Geiste der Thora erstrebt, ja, daß Sie diese in der Gegenwart in der Verbreitung des Geistes der Thora sieht. In seiner Begrüßungsansprache erinnerte der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Rabbiner Dr. M i c h a 1 s k i, an die Bezirkstagung, die vor fünf Jahren im' gleichen Räume stattgefunden hat, erinnert in wehmutsvollem Gedenken an die in dieser Zeitspanne verstorbenen Freunde und Mitarbeiter, insbesondere an Herrn Meier Ältmann-Karlsr'uhe und Herrn Professor Loewg-Freiburg, und richtete herzliche Worte der Begrüßung an die Vertreter der . Israelitischen Religionsgesellschaft, des Oberrates der badischen Juden, der Karl Friedrich-Loge und des Vereins zur Wahrung, an die so zahlreich ver-' sammelten Mitglieder, wie an die Gäste, die in großer Zahl aus Königsbach, Mannheim, Rastatt, Mosbach, Pforzheim, Flehingen, Ettlingen, Großeicholzheim, Ihringen, Freiburg, Ittlingen, sowie, ausi' dem weitentlegenen Gailingen herbeigeeiltwaren. Herr Dr. Michalski, übergibt den Vorsitz an den Tagüngspräsidenten Herrn Josef Hitmann, der in kunstvoller Weise den Saal mit sinnentsprechenden Emblemen und Symbolen geschmückt hat.' Herr; Rabbiner Dr. Pinchas Kohn-Rnsbach hatte in Vertretung der verhinderten Referenten das Referat überjf Erez Jisroel übernommen. In wohldurchdacht ten/geistvoll gewählten Worten schildert er wie: Ägudas Jisroel bemüht ist, in dem Lande, das in wirtschaftlicher Beziehung an Amerika, in kultureller an Europa sich anzugleichen im Begriff ist, dent;.Geiste der Thora eine Heimstätte zu schaffen.' DasHTalmudwort, das" die Arbeiter stets von der Verpflichtung des Grußes entbindet, nur nicht wenn; ein Kind zur Beschneidung, ein Toter zu Grabe und die Erstlingsfrüchte nach Jerusalem getragen, werden, lehrt uns, bei der Ärbeit des Aufbaues nicht, des Grußes, des Anschlusses an die Zukunft, des fhRespektes für die Vergangenheit, und ' des Geistes der Thora bei den' Erstlingsfrüchten zu vergessen! Wie die bereits vorher in Erez' Israel Lebenden jeden Zugewanderten mit Freude und Liebe; als Bruder begrüßten, sollen auch wir jeden Hin^andernden mit Treue u'hd Anhänglichkeit, die in tatkräftiger Hilfe und Mitarbeit Ausdruck findet,r'als Bruder in. der Erinnerung behalten.-;Den Geist der Thora bei * den : Erstlingsfirüchten . der Arbfit: will die Kenessio Gedaulo, die für den Herbst dieses Jahres' nach Jerusalem1 einberufen ist,;2üm Bewußtsein all jenen bringen, die für einen religiösen Aufbau des heiligen Landes Verständnis haben. Sie will den heiligen Weg der ewigen Jugend zum heiligen, Lande lehren. Reicher. Beifall lohnte die tief schürfenden, mit glühendem Empfinden vorgetragenen Ausführungen des so jugendlich fühlenden Gelehrten. In der sich anschließenden Diskussion weist Herr Lehrer G o I d b e r g - Pforzheim auf sinnverwandte Stellen des dieswöchentlichen Thora? abschnittes hin. Herr Lehrer Rabbinowitz- Karls.ruhe zeigt die Leistungsfähigkeit und Un-. terstützungsbedürrftigkeit des . jüdischen Schuir werks in Erez Jisroel auf, die er mit persona liehen Erfahrungen belegt. Herr Dr. med. W. Weil erachtet es als eine Äufgabe unserer jüdischen Lehrer, die Jugendlichen auf die religiösen Schwierigkeiten vorzubereiten, die ihrer als Siedler in Erez Israel warten. Ihm erwidert in längeren, mit warmer Begeisterung erfüllten Darlegungen das Mitglied des Vorortsvorstandes der Landesorganisätion, Herr Dozent Julius Ehrentren, daß die auf den Jeschiwoth im Geiste der Thora erzogene Jugend in grenzenloser Selbstaufopferung sich den Schwierigkeiten gewachsen zeige. Diesem Geiste der Thora dienen die im Stillen rastlos, unentwegt, segensreich wirkenden Institutionen der Agudas Jisroel, der Keren Hathora, die Beth Jakob-Bewegung, der Keren Hajisehuw der Palästina Zentrale, das Beth Chirinuch und Beth Neorim, die Kinder aus ganz Deutschland erfassen und sie dem Geiste der Thora zuführen. Herr Dr. Weil interpretiert seine früheren Ausführungen dahin, daß er eine systematische Bearbeitung mit Änschauungs- und Aufklärungsmaterial für vordringlich halte. Herr Gottfr. Neuburger-Frankf. a. M., der sich in selbstloser Weise ehrenamtlich in.den Dienst der Vorbereitung der Kenessio Gedaulo gestellt hat, weist auf deren Bedeutung und Notwendigkeit hin und ruft alle zur Mitarbeit auf. Eine Resolution der Versammlung bringt die Bereitwilligkeit hierfür zum einmütigen Ausdruck. Eine Ergebenheitsadresse an den Präsidenten der Ägudas Jisroel, Herrn Jakob Rosenheim, entbietet ihm .die Grüße derr Bezirkstagung vom Heimatsort seiner Lebensgefährtin. Nach kurzer Pause erhält Rabbiner Dr. Bohrer- Gailingen das Wort zu seinem Referat über das Thema „Judentum auf dem Lande". In temperamentvollen, feurigen, Geist und Witz sprühenden Betrachtungen beklagt er es, daß Schritt für Schritt Unkenntnis und falsche Pietät das Bollwerk der Gesetzesvorschriften gelockert hat. * Er erkennt an, daß aber der Wille, vorhanden sei, dem Geiste der Thora sich zuzuwenden, daß es verheißungsvolle Anfänge schon gibt. Gespannt, und mitgerissen lauschen, die Versammelten seinen Worten, die sie mit reichem Beifall lohnten. Herr Bezirksrabbiner Graiisamer-Mosbach, Herr Lehrer Goldberg-Pforzheim und Herr Lehrer Schloß-Flehingen gaben bemerkenswerte Ergänzungen eigener Erfahrung. Den Höhepunkt erreichte die Tagung in dem abschließenden Vortrag des Vorsitzenden der Landesorganisätion der Agudas Jisroel in ^Deutschland, des Herrn Rabbiner J. Horovitz-Frank- , furt a. M. über das Thema: „Religjpse Erneuerung, die Aufgabe, der Gegenwart". Er war ein tief ergreifendes Erlebnis, dieses Erfülltsein der.Tnbrunst wahrzunehmen, das in sprudelnde, flammende Worte gegossen wurde. Ausgehend von dem Ruf zur inne- , j-erf Sammlung, der die Tagung beseelt, gibt der Referent seiner Freude Ausdruck,, daß in Karlsruhe, das schon früher eine Stätte des Thoralernens gewesen, jetzt eine Jeschiwa gegründet ist. Sodann belegte der Redner den Nachweis, daß die messianische Idee die Erlösung der ganzen Menschheit umschließt, mit Bibelstellen und geschichtlichen Erkenntnissen. DeH1 Soriderbeitrag, den das jüdische Volk zu dieser" Erlösung beiträgt, sieht er in der vollkommensten, Beispiel gebenden, religiösen und sittlichen Selbsterziehung, wie sie aus seinen Losungsworten Thora und Mussar sich •verpflichtend ergibt. Nicht durch Selbstüberhebung den noch nicht vollkommenen Mitmenschen aburteilen, sondern Verbundenheit mit ihnen und Verantwortlichkeitsgefühl sollen ihm beim Aufstieg; zur reihen ' Höhe hilfreich die Hand', reichen. Den Dank für die herrlichen : Worte, die der begeisterten Versammlung etwas ganz1 Ungewohntes, Ün-