Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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*^J^^^^^'*^ r Seit© 4 Nr. 22 — ■>fc>5»*ffl«*:5ä8 D e 1 s r a e 1 i t; 26. Mai 1936 Dieser jüdische Trotz ist bekannt Und nat sich in der Geschichte auch, als Lebens- und Erhaltungsferment für uns bewährt. Aber in diesem Falle scheint uns der Eifer fehl am Orte. Wir gehen nicht zur Demonstration an die Mauer, sondern um dort zu beten. Wer vorn anderen Intentionen geleitet ist, der bleibe lieber zu Hause. Der blutige August 1929 steht als lebendige Warnung da, denn man erinnert sich, daß die Hatikwahlieder an der Mauer am 9. Aw dabei eine gewisse Rolle spielten. Wessen Herz aber zur heiligen Stätte drängt, der tröste sich mit dem talmudischen Worte, daß jede gute Absicht von G'tt als Tat gewertet wird. Und hj»k Ölpan 'TTD-iai -p^K am« w na *MtK „Wo auch meines Namens gedacht wird, lasse ich mich zu dir herab und segne dich ..." Im übrigen sei an das Wort von Rabbi Chajim Sonnenfeld V'XT' der für seine Person manche einsame Nachtstunde im Gebete an der Mauer verharrt hat, erinnert: „Heilig sind die Steine, noch heiliger ist aber das Leben eines Menschen. Ein warmschlagendes jüdisches Herz darf den in ihrer Heiligkeit doch kalten Steinen nicht geopfert werden! . . Verdächtigungen, die wir uns nicht aneignen sollten. Aus Jerusalem wird unter dem 18. Mai gemeldet: „Der ab e s s i n i s e he Kaiser Haile S elassie hat den Vertretern der ITA. und der jüdischen Tagespresse Palästinas den Dank für 'das Interesse ausgesprochen, das die Juden der Welt Abessinien entgegengebracht haben; Er knüpfte daran die Hoffnung, daß die jüdische Weltpresse sich auch weiterhin für Abessinien freundlich zeigen werde." . Wir glauben nicht, in dieser Danksagung mehr als einen Höflichkeitsakt sehen zu müssen. Man muß nicht italienfeüidlich gesinnt sein, um Teilnahme mit dem Schicksal des Volkes im Nil, das sich selbst mit Stolz seiner alten jüdischen Verwandtschaft rühmt, zu zeigen. Aber Italien nimmt der jüdischen Presse Palästinas ihre sonstige Stellungnahme übel, darum wäre u. E. für letztere etwas mehr taktvolle Reserve geboten. Insbesondere sollte man sich auf jüdischer Seite davor hüten, in 'die Auseinandersetzung zwischen Rom und London einzugreifen. Es wird England vorgeworfen, Dum-Dumgeschosse Abessinien geliefert zu haben, London antwortet mit der Beschuldigung gegen Italien, daß es seine Hand mit im grausamen Spiele in Palästina habe. Uns diese Verdächtigung anzueignen, liegt nicht der geringste Anlaß vor, denn einmal kennen wir die Untergründe der Unruhen nur zu genau, und dann hat Italien es nie und nirgends an Verständnis für das Lebensreoht der Juden fehlen lassen. Mussolini wie der italienische König haben sich wiederholt zugunsten des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina ausgesprochen. Hat danach das „Giornale d'Italia" Grund zu seiner Anklage gegen die palästinensischen Blätter ,daß sie „im Dienste der «englischen Sanktionspresse" Verdächtigungen wegen angeblicher i t a 1 i e xi i s c h. <e r Umtriebe in Palästina veröffentlichten? Das halbamtliche italienische ©latt schiebt die Verantwortung für die Unruhen in Palästina einzig und allein auf die englische Regierung und verwahrt sich entschieden gegen hebräische Zeitungen in Palästina, die Italien verdächtigten. Die jüdischen Blätter Palästinas, soweit sie uns zu Gesicht kommen, sparen nicht mit Vorwürfen gegen England im Sinne des „Giornale d'Italia". Verdächtigungen gegen Italien haben wir nicht wahrgenommen. Sollte es aber irgend ein Blatt geben, das Verdacht gegen Italien ausr gesprochen oder nur angedeutet hat, so wäre es in gleichem Maße ungerecht und unklug. Als Stellungnahme des jüdischen Volkes darf Italien solche vereinzelte Entgleisungen nicht ansehen- Die Arbeit des Z. A. im Jahre 1935. „Groß ist die Arbeit, ^ie ehrt die, welche sie leisten!" Dieses Wort aus Nedorim 49b möchte ich an die Spitze des kurzen Berichtes stellen, in welchem ich über den „Arbeitsbericht des Zentralaussch-usses für Hilfe und Aufbau" für das Jahr 1935 referieren will. In diesem Wort soll der große Dank zum Ausdruck kommen, den die deutsche Judenheit, den die Weltjudemheit den Menschen schuldet, welche die Arbeit geleistet und denen, welche sie ermöglicht: den Initiatoren, Vollbringern und Finanziers des großen Werkes der Liebe und Treue, das in diesem Bericht von fast erschütternder Sachlichkeit dargestellt wird. Bücher haben ihr Schicksal: dieses Buch "von 157 Seiten ist ein Schicksal: in ihm spiegelt sich die Not der deutschen Judenheit und der Wille zum Helfen, der oft und oft diese Not überhand, vielfältig wieder! Die Abteilung III des Berichtes schildert die Tätigkeit des Ausschusses auf den fünf Gebieten, in die die Arbeit geteilt wurde. Eigentlich müßte man die ganzen 135 Seiten, in denen diese Tätigkeit beschrieben ist, abdrucken, denn es steht auf ihnen kein überflüssiges Wort, es linde't sich dort nicht eine Ziffer, die nicht höchst lehrreich, nicht eine Tabelle, die nicht von klarster Eindringlichkeit wäre. Da dies nicht möglich ist, so möge ein Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis dieser Abteilung den Umfang des Werkes und die Größe der Leistung andeuten. A. W a n d e r u n g. Die Planung der Wanderung, sie erforderte drei Dinge: die organisatorische Erfassung der Palästinawanderung, die Vorbereitung der Auswanderungswilligen, die Erschließung von Einwanderungsmöglichkeiten. Das gewaltige Werk, durch das etwa 30 O'OO Juden aus Deutschland in Palästina und etwa 15—20000 Menschen in den USA., Südamerika und Südafrika untergebracht und zum größten Teil eingeordnet wurden, konnte natürlich nur durch engste Zusammenarbeit der im Wanderungsausschuß vertretenen deutschen Organisationen — Palästinaamt der Jewish Agency, Hilfsverein der Juden in Deutschland und Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge — mit den ausländischen großen jüdischen Wanderungs- und Kolonisationsorganisationen wie Hicem und Ica erreicht werden. Die Palästina Wanderung wird im Rahmen des P. A., der Jewish Agency für Deutschland durchgeführt und arbeitet in vier Abteilungen, deren Arbeitsgebiet stichwortmäßig gekennzeichnet werden kann: Organisation, Beratung, Zertifikate und Passage. Die Betreuung der Auswanderung nach den anderen Ländern lag in den Händen des Hilfsvereins. Die Rückwanderung — unter diesen Begriff fallen Rück-, Durch- und Binnenwanderung — hatte auch im Jahre 1935 noch die „Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge" in 9998 Fällen zu beschäftigen. B. Wohlfahrtspflege: Die Zentralwohlfahrtsstelle ist die Repräsentantin der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. Zwar genießt sie nicht mehr die vollen Rechte eines Reichsspitzenverbandes, ist einem solchen jedoch durch eine Verfügung des Reichsversorgungsamtes vom 10. Mai 1935 gleichgestellt worden, so daß auf dem Gebiet des Unfallschutzes die der Zentralwohlfahrtsstelle angeschlossenen Anstalten und Einrichtungen durch die Zentralwohlfahrtsstelle in der Berufsgenossenschaft für ^IB^vIV ^lir * ^Sv» r-. *D3K „Ich bin der Ewige, Dein G'tt"! Von Rabb. M. Feuerwerker in Frankfurt a. M. Schon der Midrasch lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Anfangsiwort „Anochi" der Zehn Gebote. Ibn Esra erklärt am Anfange der Sidrah Schmoth das Wort „Anochi" als verwandt mit „Anach". Den Sinn ■erläutert mm' 'P'sx (Horn. 24): „Anach ist der Gewichtstein, der die Schnur 'beschwert, mit der ein Baumeister die Gradheit einer Mauer feststellt. Würde dieser Stein nicht an der Schnur hängen!, so könnte sie sich nicht herabsanken," (Vgl. Arnos 7). Die Seele ist mit jener Schnur zu vergleichen. Denn sie bildet gleichsam «in Band, von dem ein Ende der Baumeister im Himmel hält und dessen anderes Ende zur Erde herabreicht. Der Körper ist das Schwergewicht, das dieses Band der Seele zur Erde herniederzieht. Ohne ihn würde die Seele in himmlischen Höhen schweben und die Richtung zur. Erde nicht finden. Dies nun ist. der Unterschied zwischen den Wörtern „Anochi" und „Ani": „Ana" weist auf die Seele, ■die nur von sich selber, der Seele, spricht. Im Worte „Anochi" dagegen spricht die Seele von sich in Verbindung mit dem Körper, denn dieser ist das Senkgewicht der Seele, Viele meinen nun, nur die Seele sei G'ttesi Anteil am Menschen. Jüdische Lehre ist es aber, zu wissen, daß von G'ttes Herrlichkeit die ganze Welt erfüllt ist. „Die Seele ist Dein, o G'tt und .auch der Leib ist Dein!" G'tt erfaßt die Totalität des Irdischen und1 Himmlischen. G'tt selbst ist — wenn auch allem Körperlichen nach menschlicher Vorstellung unvergleichbar — die uns unfaßbare Vereinigung von Körper und Seele der Welt. Und überall, wo wir von Offenbarung sprechen, wenn nämlich — am Dornbusch und am Sinai — himmlisches Künden irdischen Sinnen venrehmbar wird, dann spricht „Anochi" nicht nur die Seele, sondern das ganze Wesen, Körper und Seele des Menschen an. Es spricht G'tt, Seele und Körper des Alls, seinen schwachen- Abglanz, das kleine „Anochi" im Menschen an und heischt damit von Körper und Seele des Menschen Gefolgschaft, wenn er anhebt, zu verkünden: „Ich, '33«/ bin der Ewige, Dein G'tt!" (Aus dem demnächst erscheinenden Werk: •o»wnS> fiiavsm isu?) Bemerkungen zu Ort und Datum der Gesetzgebung. ♦*3*o iaia ivn ntn oW o'isn pun Ski»», '33 rureV wbvn «n'ro Uebersetzt man. wbvn snna im dritten Monat, dann sind die Worte rtTfi ova sdnnlos, da nicht angegeben ward, an welchem Tage die Söhne Jisraels in die i Wüst©; Sinai kamen.; Dje ursprüngliche Bedeutung. ..von ■ «nn r ist. nicht . Monat, sondern Neumond*), Anfang des Monats. Kipa s*ip» tnviwifi .(Jeschaiähü'i, 13) heißt N, e u m o n d und Schabbat, Ausrufen von *) Vgl. snn neu. Berufung, ''waa nsiw D3'i?mi D3*ann (ebenda 14) ist zu übersetzen Eure Neumonde und Eure Festzeiten haßt meine Seele 'wbvn ©im bedeutet daher am dritten Neumond, am ersten des dritten Monats. ■ 'J'o mit fi3D Dornbusch zusammenhängend, ist der Ort der zahlreichen Dornbüsche. Daher trägt das Sinäigebirge auch den Namen 3"in die dürre, trockene Gegend. (Vgl. 3-m, Glut, Bereschit 31, 40). Im Dornbusch wird Mosche zum Propheten berufen. An der gleichen Stätte erhält Jisrael die Thora. Die Wahl des Ortes ist symbolisch aufzufassen: Der Weg Mosches und der seines Volke® ist mit Dornen eingehegt. (Siehe Eben Esra zu Schemot 3, 1—2 und Rambam zu Deborim 1, .2). V. 3. " ■b&iv> 'isV n'arn 3ps?' jm^-umhi m Nach der Entscheidung des Rabbi Jisrael Meir Hakohen V"ST (o"n fsn) ist es heutzutage unbedingt nötig ("na"i nix»")» daß die Frauen Tenach lernen, da sie in die nicht jüdische Literatur eingeführt werden. («"3 ntno Mbn 'rmbn 'üipW- In Anbetracht der Aufgaben der FraU -als Erzieherin ihrer Kinder gewinnt diese Mizwa noch an Bedeutung. Unter apv n' a sind die Frauen, die Träger dies Familienlebens, zu verstehen. (Mechilta z. St.) Das Wort />'3 wird in Mischle 2, 18 in der weiblichen Form gebraucht. 0i'3 Hin nw '3/ dehn es sinkt ihr Haus zum Tode, nritf von rw)- Danach kann sich in unserem Vers das Zeitwort Tarn, als dritte Person feminin, auf das. vorhergehende n»3 beziehen. Der Satz»; wäre also zu übersetzen: Also sprich zum Hause Jakobs, damit es verkünde dein' Kindern. Jisraels. -'(Siehe Ägadot Meharschä zu? ^Mäs'echet iSdta 21a^8^JR3}ve: V; 21. G'tt sprach v zu r.Mosehe: Steige, hinab^ warne das Volk, daß sie nicht zu G'tt vordringen, um zu sieben, es könnten viele von ihnen fallen»