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Der Israelit · 1936-05-26 · Heft 22 (26.5.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 22 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 22 D Israelit 26-"Mai 1936: Und weiterhin gilt in der jüdischen Geschichte Schowuaus als das Fest König Davids, als welches es besonders im Orient mit Psalmgesängen gefeiert wird. Das Buch Ruth, die Lektüre des Schowuausfestes, zeigt uns den Stammbaum König Davids und damit die Ahnentafel Moschiachs, der aus dem Hause Davids kommt. Nach Midraschüberlieferung ist der 6. Siwan sowohl der Geburtswie der Todestag des großen Sängerkönigs. Also Thorafest, Bikkurimfest und Davidisches Fest! Schowuaus zwingt unseren Blick zurück zum rauchenden Sinai und in die Zukunft zur messianiseben Zeit, Zwischen Sinai und Moschiach stellt das Fest die B i k - kurim, das jüdische Feld, die Arbeit, das reale Leben des Tages. Im Sonnenglanze einer großen, welterlösenden Vergangenheit und einer glorreichen, wiederum welterlösenden Zukunft steht das jüdische Feld. Wie weit sind wir noch von jenem letzten Ziele? Es ist dies das große Fragezeichen der Geschichte. Wann kommt die Antwort und wer gibt sie? Wir selbst, sagt Talmud, und wenn wir nur wollen, heute schoifc.ttrattfn iVlpa DX OTT!» :: Man bekam es bei den letzten Tumulten in Palästina immer und wieder im Sprechchore zu hören! naiirwn n^nnn 'mt „Es ist für uns die letzte Station!" Nein, die.letzte Station wird nicht in! den Sprechchören auf der Straße, sondern an der Heiligen Mauer jn t tränenreichen Gebeten genannt: m i^vb nwjn um 'im tsb^o -vn* '"iDi irrrmn immp ,,Es sei Dein Wille, daß Du uns ins Land ver pflanzest, daß wir dort unsere Pflichtopfer, darbringen können, beständig nach ihrer Ordnung." „Erbaue Dein Haus, wie am Anfang und errichte Dein Heiligtum auf seinem festen Boden!" Nein, die letzte Station ist es nicht, das zeigten gerade «He traurigen Anlässe, die jenen Chor auslösten. Aber die vorletzte ikönnte es sein, von der vielleicht nur ein kleiner Schritt bis zur letzten ist: Wenn wir das jüdische Heim in der vollen Sonne zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Sinai und Moschiach errichten; wenn einmal bei uns Thora und Boden so eins sind, wie sie uns das Fest der Thora und der B i k k u r i m zeigt. Der „Kleinkrieg" in Palästina. Schlacht in Nablus. — Die Samaritaner. — Die „Schwarze Hand". — Neues Opfer. — Brände. — Araber wollen keine Untersuchung. — Fasttag. Jerusalem, 26. Mai. Was nach den allerneuesten Berichten in Palästina vor sich geht, kann nur noch mit „Kleinkrieg" bezeichnet werden. In Nablus wütete am Sonntag eine regelrechte Schlacht zwischen Arabern und Militär, wobei es zahlreiche Tote und Verwundete gab. Es wurde dort und in der Umgegend der Ausnahmezustand verkündet. Bekanntlich wohnen in Nablus keine Juden, aber in einem Viertel der Altstadt hausen noch die letzten Reste der Samarit aner, die sich zur jüdischen Rasse zählen. Auch diese unglücklichen Menschen leiden schwer unter den Verhältnissen, da sie einerseits den Anschluß an die jüdische Gemeinschaft vollkommen verloren halben und auf der anderen Seite von den fanatischen Arabern in Nablus als Juden beargwöhnt werden. Bezeichnend ist, daß sie dieses Jahr ihr Opferfest auf dem Berge Gerd s i m , das sonst eine große Attraktion war. die den Etat der aussterbenden Gemeinde für das. ganze Jahr vielleicht sicherte, ausfallen ließen. Ueber 20 Streikführer in der Gegend von Nablus wurden verhaftet und dann nach verschiedenen Dörfern verkannt, wo sie sich unter Polizeiaufsicht befinden. Flugblätter in englischer Sprache voller Drohungen werden zu vielen Tausenden besonders unter das Militär verteilt. Sie sind von einer schwarzen Hand unterzeichnet. In Jerusalem geht das Gerücht um, daß von arabischen Terroristen ein Attentat auf den High Commissioner geplant war und noch rechtzeitig verhütet wurde. Die großen Vorsichtsmaßnahmen vor dem Regierungsgebäude geben diesem Gerüchte Nahrung. Die Streikbemühungen des Streikkomitees konzentrieren sich jetzt auf die Häfen, da unter den Hafenarbeitern sich zu allererst Streikmüdigkeit zeigt. Die Regierungsbehörden bemühen sich, die Streikagitation in Haifa nach Möglichkeit zu unterdrücken. Im Zusammenhang >mit dem, dreifachen Morde im Kino „Edison" wurden viele Verhaftungen vorgenommen, doch sind die eigentlichen Mörder noch nicht ermittelt. Im Ganzen wurden bis jetzt 814 Araber und 53 Juden verhaftet. Der Ausnahmezustand wurde auf alle Eisenbahnlinien und Bahnhöfe ausgedehnt. Der Abendzugverkehr ist im ganzen Lande eingestellt, am Tage verkehren nur wenige Züge unter Militärbegleitung. Auch die wenigen Lastwagen auf den Landstraßen werden von Militär - oder Polizeiposten begleitet. Als sechsundzwanzigstes jüdisches Opfer fiel am Montag in der Jerusalemer Altstadt der 35jährige Maler Feivel Snitzer, Sohn des Bezirksvorstehers der Altstadt. Er wurde von drei Revolverschüssen niedergestreckt. .Die Zahl der jüdischen Verwundeten beträgt, soweit sich bisher ermittlen ließ, 67. Das oberste arabische Komitee lehnt in einer Erklärung die von London angekündigte Entsendung einer königlichen Unter suchungskommission nach Palästina strikte und bedingungslos a b und gibt dabei die rücksichtslose Fortsetzung des Streikes bekannt. Auf dem Messegelände in Tel Awiw brach eine Feuersbrunst aus, die großen Sachschaden anrichtete. Die jüdische Löschmannschaft konnte das Feuer lokalisieren. Die Brandstifter konnten bis jetzt nicht entdeckt werden. Neue Verwüstungen von Feldern und Pflanzungen werden aus allen Gegenden gemeldet. Pinchas Ruthenberg hatte eine mehrstündige Aussprache mit dem High Commissioner über die nötigen Sicherheitsmaßnahmen in seinen- Werken. Die jüdischen Feuerwehrleute in Tel Awiw wurden b e w a f f n e t und; beauftragt, im Bedarfsfalle auch. P o 1 i z e i h i 1 f s d i e n s t zu leisten. Am Donnerstag vor dem Siwanneumonde wurde im alten Jischuw auf Anordnung der Oberrabbinate überall ein F a s t1 ag mit' Slichausgebeten abgehalten. Der „Doar Hajom" wurde wegen einer Kritik an den englischen Maßnahmen für fünf Tage verboten, ebenso ein arabisches Blatt, das den Namen ,,Der Hammer1 Allalis" führt. . n .; (Weitere Berichte 'siehe i auf Seite 8 und 9.) Der jüdische Hafen in Tel Awiw, Tel Awiw, 22. Mai. Die neu errichtete Anlagestelle in Tel Awiw wurde eröffnet. Die erste Löschung eines großen Frachtdampfers am Dienstag: zog eine gewaltige Menge an. Araber; die die jüdischen Hafenarbeiter zu stören suchten,* wurden■[ von', einem großen Polizeiaufgebot im Zaune gehalten. Zur gleichen Zeji.t gabj es im Hafen, von .Jaffa eine kleine .Revolte; gegen das' Streik^ komitee. Arbeiter und Träger schrieen im Chore, feie wollten 'nicht Hungers iterben,iräie' wollten wieder a r b"e>it e n tiiid hätten von den: Unruhen und Streiks genug. Einige Führer vom Streikkomitee mußten geholt werden, die sich bemühten, die erregten Gemüter zu beruhigen. . Es wurde eine Versammlung der Hafen- und Dockarbeiter einberufen, in der entschieden werden soll, ob der Streik fortzusetzen sei roder nicht. Inzwischen wurden alle zum Hafen führenden Straßen durch Polizei abgeriegelt. Einige Kilometer von Jaffa wurde das Schiff „Riebard Burghardt" von , entgegenfahrenden arabischen Boten mit Schüssen und Bombenwürfen empfangen, die aber an der Schiffswänd zurückprallten. Das Schiff wurde, da es den Kurs nach Tel Awiw nahm, für ein jüdisches gehalten. Das Schiff konnte die Anlegestelle in Tel Awiw erreichen und unter Polizeischutz ungestört seine Ladung löschen. Laut Vereinbarung mit den Zollbehörden werden folgende Frachten am Tel Awiwer Ufer gelöscht: Holz, Eisen, Zement, Baumaterialien, alle Waren, die' in Säcken verpackt werden. Ferner ist in Tel Awiw eine H a f e n b a u g e s e l 1 - schaft mit einem Kapital von 150.000 Pfund gegründet worden. Die Aktien haben eine Nominale von 15 Pfund und sollen in Palästina selbst abgesetzt werden. Die Jaffaer Hafenarbeiter haben an den Higih Commissioner, Sir Arthur Wauchope, ein Ultimatum gerichtet, in dem sie verlangen, daß das Löschen von Schiffsladungen an der Küste von Tel Awiw sofort eingestellt werde, andernfalls könnten sie für die Folgen keine Verantwortung übernehmen. Inzwischen geht das Ausladen des vor Tel Awiw ankernden Dampfers ruhig weiter. Als in. Begleitung seiner Aerzte Bürgermeister Di z eng of f abermals den Strand besuchte, um die Löschüngsarbeiteri zu beobachten, bereitete ihm die angesammelte Menge herzliche Ovationen, Der Distriktskommissar für den Süddistrikt, R, E. H. Crosbie, hat der Stadtverwaltung von Tel Awiw einen Besuch abgestattet und offiziell mitgeteilt, daß der High Commdssioner die Verlegung der Regierungsämter von Jaffa nach Tel Awiw genehmigt habe. Zum Rücktritt des Kolonienministers Thomas. London, 25. Mai; Unerwartet erfuhr man am Samstag morgen aus den Zeitungen, daß Kolonienminister Tb omas zurückgetreten ist. Im englischen Kabinett ist für uns Juden hinsichtlich der Mandatspolitik in Palästina der Kolonienminister die wichtigste Person, Da aber der Grund für den Rücktritt I. H, Thomas im Persönlichen liegt, so wird sich danach mit dem Personenwechsel im Kolonialamt nichts an der Palästinapolitik der englischen Regierung ändern. Als sein Nachfolger wird der frühere Unterstaatssekretär Ormsby-Gore genannt, der in seiner früheren Amtszeit großes Verständnis f ürj PalästinW;,irfndjr(ias' jüdische: jNatiorialheiim gezeigt hat. Definitiv ist der neue Kolonienminister noch nicht ernannt. Emir Abdullah als Vermittler? Ein sensationelles Gerücht. Jerusalem, 24, Mai. In Jerusalem hat sich die sensationelle, aber bisher nicht nachprüfbare Nachricht verbreitet, daß E m i r Abdullah von Tr ans jor dariien den jüdischen';Führern ein neues Angebot in der Frage der - E'i n w a n d e r u n g gemacht habe. Danach soll1'sich der Emir bereit erklärt haben, die Einwanderung von Jud^n nach Transjordanien drei Jahre lang z,u;g e s t a<t - ten , falls andererseits für dieselbe Zeit 'die jüdische Einwanderung nach Palästina eingestellt wird. Die Zustimmung der Ajraber zu diesem Plan wolle ef selbst'herbeiführen, während es andererseits Aufgabe der jJuden twä)He, die Zu-. stnnmüiig der englischen 'Behörden, zir erlangen^

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