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Der Israelit · 1936-05-20 · Heft 21 (20.5.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 21 (20.5.1936)
Date
1936-05-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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20; Mai 1936 D e r ' I s r a_e J i t Nr. 21 Seite 7 Interesses stehenden Schulfragen. In der Spezialdebatte wurden zugleich die eingegangenen Resolutionen behandelt. Der Finanzdezernat der Gemeinde, Dr. Bre^Iauer, antwortete auf die in der Debatte vorgetragenen Wünsche und unterstrich auch seinerseits die schwierige, von den Beamten und" Angestellten' der Gemeinde mit Verantwortungsge-; fühl und Umsicht geleistete Ärbeit. Der Haushaltsentwurf für das Jahr 1936 wurde hierauf in erster und zweiter Lesung'einstimmig angenommen. J Standesbeamte und Nürnberger Gesetze. G 1 e i w i t z , 13. Mai. Die „Deutsche Ostfront" berichtet von einer SchuTtingstagung der Bezirksgruppe der Standes-' beamten Beuthen, Gleiwitz und Hindienburg, bei der Bezirksgruppenführer Weide einen Vortrag über die? Behandlung der Aufgebotsanträge im Sinne der£ Nürnberger Gesetze hielt. Er führte aus, daß durch" das Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes die Grundlagen für die durchzuführenden Maßnahmen geschaffen worden seien.;, Die Nürnberger Gesetze dürften nicht tote Buch-; staben bleiben und müßten durch die Standesbeamten in das Volk hineingetragen und mit Leben, erfüllt werden. Die Behandlung, von Hufgebotsanträgen sei im Gesetz klar umrissen worden. Polen. Die Krakauer Beth Jakob-Tagung. Krakau, 15. Mai. Vom 4. bis 7. Mai fanden hier wichtige Beth \ Jakobkonferenzen statt, an denen vom G.' A. der Ägudas Jisroel die Herren M. Dubin-Riga. Rabbiner Wolf S. Jacobson-Kopenhagen und Kalmann Pappenheim-Wien teilnahmen. Rabbiner Ja- * cobson, vom polnischen Beth Jakobkuratorium als Nachfolger Dr. Deutschländers s. A. auch in der polnischen B. J. 'Zentrale bestätigt, leitete :die Sitzungen. Neben den Herren des Krakauer Kuratoriums waren die Herren Z. Frydman und A. :; . t M! Rogowy-Warschau und . L.. E. Frydenzon und N. J. Berliner-Löcjz als prominente Vertreter der polnischen Beth Jakobbewegung anwesend. Zunächst wurden die wirtschaftlichen Fragen des B. j. Seminars und der B. J. Zentrale verhandelt. Nach langen Debatten wurde eine Finanzkommission,' mit Herrn A. Spira-Krakau als Vorsitzendem und Herrn Kalmann Pappenheim- Wien' als Vertreter' des G. Ä. der A. ]., gewählt, die gemeinsam1 mit Herrn Senator Deutscher-Krac kau ein'"genaues Budget aufzustellen und auf dessen peinlichste Innehaltung zu wachen haben. In das polnische B. J. Kuratorium wurden, vorbehaltlich der" Bestätigung durch das Präsidium der Ä. J., die Herren Biala-Krakau, Berliner-Lodz, Panzer-Krakau, Pappenheim-Wien und Rogoivy- Warschau kooptiert. Des weiteren fanden, angeregt durch Fräulein Bertha Pappenheim-Neu-Isenburg, s o z i a 1 p ä d a g 6gi s c he Aussprachen statt, bei danen die Situation der jüdischen Mädchen Polens, insbesondere der gesetzestreuen, nach allen Seiten beleuchtet und neben der Diskussion . der Pappenheimschen Vorschläge eine Fülle wertvollster Anregungen gegeben wurde. * ' .. Die Verhandlungen fanden ihren Niederschlag in folgender Entschließung: ] 1. Die Konferenz stellt fest, daß Handwerk und Ärbeit für die weibliche Jugend Polens von lebenswichtiger Bedeutung sind. Die agudistische Judenheit Polens "hat die Pflicht, sich sogleich mit allen ihiermit im Zusammenhang stehenden Problemen zu . befassen und zudiesem Zwecke auch mit dem Joint in Warschau , und Fräulein B. Pappenheim . in Verbindung "zu treten.,;, 2. Eine Spezialkommission hat:sofort zu untersuchen, inwieweit die Anregungen Fräulein Pappenheims und die weiteren, aus der Versammlung geäußerten Vorschläge zu verwirklichen sind, Sie hat rihre Aufgabe in enger Fühlung-mit Berufsorganisation und Fachleuten zu lösen. - 3. Nach Abschluß i ihrer Arbeiten >hat die Kommission [(einer .zweiten, von den Dolnischen Äguda- Die Woche. Frankfurt a. M.'Naoh einem Berichte der; „Frankfurter Zeitung" hat der Dichter Hermann Burte von der Amtsleitung der NS- Kultur gemeinde den Auftrag erhalten, einen neuen Text zu Handels „Judas Makkabäus" zu schreiben. Berlin. Das jüdische Lehrgut Groß-Brees e n braucht für den Aufbau seines Betriebes noch einige Volontäre als Handwerkerpraktikanten, vor allem Installateure, Maler, Schuster, Schneider, Schlosser und Sattler. Auskunft erteilt die Geschäftsstelle der Jüdischen Auswandererschule, Berlin W. 15, Kurfürstendamm 200. .? Nürnberg. Die „Fränkische Tageszeitung" j meidet, daß Juden in sämtlichen Somh merbädiern der Stadt Nürnberg keinen Zutritt haben. Stettin. Die „Pommersche Zeitung" berichtet, daß. die Einrichtungen % ' des Seebades Hering s d o r I für Juden .! gesperrt bleiben. Ulm, Im „Ulmer . Tageblatt" " veröffentlichte die Kriminalpolizei, daß in der Nacht zum 16. April ■ auf dem alten jüdischen Friedhof etwa 15 Gräbsteine stark beschädigt wurden. Für die v Ermittlung der'Täter sind von der Synagogengemeinde RM. 100.— ausgesetzt. Regensg: bürg. Rabbiner Dr. F. Salomon, bisher in Bayreuth, hat das Bezirksrabbinat in Regensburg angetreten. Warschau. Auf Wunsch ■ der Militärbehörde Endet eine religiöse Schulung der jüdischen Soldaten des polnischen Heeres statt. Lehrgegenstände sind Chumisch mit Raschi, Schulchan Aruch usw. — An den Gedenkfeiern, die anläßlich des ersten Todestages Marschall P i 1 s u d s k i s stattfanden, haben;i sich die Juden Polens besonders stark beteiligt. Iii allen Synagogen wurden Gedenkg'ttesdienste abgehalten. Die jüdische Presse veröffentlichte umfangreiche Artikel über das Leben und Wirken des Marschalls und seine Beziehungen zu den Juden. Budapest. Der Israelitische Frauenverein feiert sein 70jähriges Jubiläum. Mit ihm begeht das gleiche Fest das Israelitische Mädcheriwaisenhaus, das die erste Gründung des vor 70 Jahren entstandenen f; FrauenvereiniS darstellt. Paris. Der be- 'kannte französische Jurist und Volkswirlschaftler, Prof. William O u a 1 i d , ist zum Vizepräsidenten der Alliance I s. r a e 1 i t e Universelle gewählt worden. — Die Vereinigung Jüdischer " Gesellschaften in Frankreich feiert ihr lOjähriges Bestehen. Sie umfaßt \ gegenwärtig über achtzig Gruppen mit über 1 20.000 Familien. Sie unterhält eine Volkshochschule und andere Bildungseinrichtungen. London. Die Sammlungen des Council for G er man Je w r y belaufen sich bis. jetzt insgesamt auf 560..000 Pfund. — j Nach einem Berichte der britischen Bibelgesellschaft ist die Bibel im letzten Jahre in weiteren 13 Sprachen herausgegeben worden, so daß jetzt die Bibel in 705 verschiedenen Sprachen vorhanden ist. Southamp- , : ton. Im Hafen von Southampton nahm der Oberrabbiner des Britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, die feierliche Einweihung der an Bord des größten Ozeandampfers der Welt, der „Queen Mary", eingerichteten Synagoge vor. Rom. Papst Pius XI. hat " den berühmten jüdischen Bildhauer. Arrijjo; ' M inert i, der .sich insbesondere durch; seih'Monumentalwerk, „Das heilige Abend- \: .') mahl" hohen Ruf erworben hat, in Audienz empfangen. Minerbi übergab dem Papst ein;ij!; Album mit Reproduktionen .seiner Werke. \\\: : Madrid. Eine interessante Entdeckung wurde '>; h ' in einer Kirche in Toledo gemacht, die jetzt den Namen Santa Maria la Bianca führt. Die Kirche, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde, war ursprünglich eine Synagoge und wurde i. J. 1405 in eine IKirche umgewandelt. Die alten Grundrisse der Synagoge wurden entdeckt. vEs besteht;.;;.«S die Absicht, den Eingang der Synagoge, nach den vorhandenen Plänen wiederherzurichten. . Jerusalem. In der palästinensischen Presse wird berichtet, daß binnen kurzem eine Ünjj-rj tersuchung der; bei .Jerusalem gelegenen f Höhle Zd d lc:i j a h us auf Metall -und |f j«: b insbesondere K.u p f e i-y. orkommen statt- }$}!' finden soll. Ein Kapitalist aus Südafrika hat \{\{\ von der Mandatsregierung das,, S.chürfrecht ,'Hj? hierfür erhalten-;. , ,... r -;> i v "•. : 'z;'. ^1, Instanzen zu beschickenden Konferenz Bericht zu erstatten. Diese Konferenz wird alsdann endgültige Beschlüsse fassen. 4. Die Kommission hat die bei uns bestehenden zentralen Einrichtungen für Handwerk und Arbeit — wie z. B. das Auhel Soro in Lodz, die Handelsschule in Warschau — zu besuchen, um festzustellen, wie weit bereits Bestehendes mit dem zu Schaffenden organisch verbunden werden kann. Die Kommission besteht aus den Herren Senator M. Deutscher-Krakau, Direktor I. L. Orlean- Krakau, Frydenzon und Berliner-Lodz und Frydman und Rogowy-Warschau. Sie hofft, ihre Arbeit innerhalb eines Monats durchführen zu können. Die pädagogische Aussprache, an der sich auch die Dozentinnen des Krakauer Seminars lebhaft beteiligten, beschäftigte sich mit allen aktuellen B. J. Problemen. Die erhöhte Pflege von Loschaun Hakaud e s c h im Krakauer Seminar, die von vielen Seiten gefordert urtd vom polnischen. R; R. der A. J. 'gestattet wurde, wurde lebhaft debattiert. Maßnahmen, die diesen ziemlich einhellig geforderten Wünschen Rechnung tragen, wurden beschlossen und werden zu einem späteren Zeitpunkt der Öffentlichkeit bekanntgegeben werden. Um dem allseits empfundenen Mangel einer regelmäßigen pädagogischen Inspektion der B. J. Schulen abzuhelfen, wurde beschlossen, in das Budget der B. J. Zentrale einen Posten für ein ständiges Schulin spektorat einzustellen. Ein von Frydenzon-Lodz vorgelegtes Exposee über den Umfang der durch den B. J. Verlag Lodz herausgegebenen B. J. Literatur wird zur Kenntnis genommen. Die K. H. Zentrale erklärt sich bereit, diesen Verlag auch materiell zu fördern, sofern ihr Einblick in die Wirtschaftsführung dieses Verlages gegeben vyird. Der Stand der B h o s b e w e g u n g , deren Mitglieder sich hauptsächlich aus ehemaligen B. J. Schülerinnen rekrutieren, wurde diskutiert; die Abhaltung von Führerinnenkursen in Lodz und Krakau, bald nach Schowuaus, unter finanzieller Beteiligung der K. H. Zentrale, wurde beschlossen. Weitere Verhandlungspunkte waren: der Profanunterricht an den B. J. Profanschulen, die finanzielle Sicherung der bestehenden und die Gründung neuer B. J. Schulen, Fortbildungs- und Ferienkurse, Lehrerinnennachwuchs und Fragen allgemeiner Propaganda. Die judenfeindlichen Unruhen in Polen. : W a r s ch a u , 12. Mai. In Buska (Ostgalizien) kam es zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen, als sich das Gerücht verbreitete, ein Jude habe gegen eine reli- 'giöse Prozession einen Stein geschleudert. In den jüdischen Häusern wurden-die Fenster eingeschlagen und viele Juden wurden schwer mißhandelt. Die Polizei stellte fest, daß der Stein von einem Zigeuner geworfen worden war. In Proposzna haben unbekannte Täter den jüdischen Friedhof geschändet und mehrere Grabmäler zerstört. In Rembi.'ic-Szlachecld Kivi? Czenstoch.au wurde die Wirtschaft des Juden Meir Binantal niedergebrannt. Das Wohnhaus, ein Laden mit der gesamten Ware und die Getreidespeicher wurden vernichtet. Während des Brandes wurden viele Gegenstände, die der Eigentümer zu retten versuchte, von Bauern geraubt. Nur die Thorarolle konnte Binantal aus dem brennenden Hause retten. Auf der Kleinbahn zwischen Warschau und Gora-Kalwarja wurden der Sohn des „Gerer Rebbe", Israel Alter, und sein Begleiter mißhandelt. Die Ueberfalienen wurden gewaltsam daran gehindert, die Notbremse zu ziehen. Die polnischen Rabbinen diskutieren wegen der Schechita. Warschau, 3. Mai. In einer Versammlung polnischer Rabbiner wurde die Lage nach Einführung des Schächtgesetzes erörtert.' Zu Beginn der Sitzung wurde der Opfer der; Unruhen des jüdischen Palästina gedacht und beschlossen, eine Sympathiekundgebung telegrafisch dem Oberrabbinat von Jerusalem zu übermitteln.

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