Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 21 (20.5.1936)
- Date
- 1936-05-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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P^^^^^^g^^^^5g^^^^^^p^^«^^^^??P^^?s^f 20. Mai 1936; Angesicht der Thora wird die Frage gestellt nach dem Bewähren oder Versagen -unserer Kinder! Wissen unsere Kinder Bescheid in der Thora, kennen sie ihre Pflichten gegen G'tt -und Menschen — dann ist Schowuaus, dann ist -das Bündnis zwischen G'tt und Israel lebendig! Wenn, der Keren Hatorah immer und unermüdlich 'hinweist, wo-die Quellen der Kraft strömen, die unser Volk in allen Zeiten, doppelt aber in seinen schwersten Zeiten, erhalten hat, wenn er wieder und wieder .aufruft zum „Lernen", zur Unterstützung des „Lernens", wenn er den Mut hat, die Beschäftigung mit der Thora, die sich nicht in bare Tagesmünze umsetzen läßt, als den wichtigsten Teil aller „Hachschara" zu betonen und zu unterstreichen, wenn er dies täglich tut, dann -muß er es doppelt und dreifach tun im Angesicht des Schowuausfestes! U^ber die Früchte sitzt man im Himmel am Schowuaus zu Gericht, über unsere Kinder wird an diesem Tage das Urteil gesprochen! Von den Gütern der Weit u m uns vermögen wir ihnen nicht mehr viel zu bieten — gewiß war es unser Versagen, daß wir ihnen davon z u viel bieten wollten — die Güter der Welt in uns müssen wir ihnen darum mit doppelter Treue und Hingebung erschließen! Wir haben sie fest und sicher in dem Boden ZU verwurzeln, wieder zu verwurzeln, -der unser ureigener, von niemanden antastbarer Besitz ist: im Boden von Thora und Mizwaus! Sind die Früchte mißraten, dann taugt auch der Baum nichts mehr! Das Urteil über die Früchte bedeutet Urteil über den 'Baum! An der Treue und Hingebung unserer Kinder messen wir unsere eigene Treue und Hingebung, ihr Versagen ist unsere Schuld, ihr Sichbewähren unser Werk! Der KEREN HATORAH ruft zu seiner SCHOWUAUS-AKTION auf! Um unserer Kinder willen ruft er un s auf! Wir wollen nicht verdorrenden Bäumen gleichen, wir wollen auch in Zukunft Früchte tragen, gesegnete, gesunde Früchte! Nun, wohlan! So wollen wir unsere Pflicht tun! Wir wollen mit aller Kraft das Werk des Keren Hatorah fördern, die Arbeit des Keren Hatorah zur Angelegenheit unserer Herzen machen. Wir wollen für ihn werben, wollen für ihn leisten, wollen wissen, daß alles, was wir dem Keren Hatorah spenden, Früchte t rä g t! rer, fede-s Kind ein Schüler, jedes Haus sine Schule! Unter die Weltenvölker hat G'tt ■ Israel) gestellt. Es ist nur logisch und natürlich, daß an zahlreichen Stellen die min diese Tatsache berührt und beleuchtet. Die historische Tendenz des. Judentums blieb aber ständig eine nach innen, gerichtete bis auf den heutigen Tag. Unsere Mission ist eine stille. Die Kelle - zum Aufbau blieb unser Symbol1, nicht das Schwert zur Abwehr. Q^to im min iitön auch in den drang voll? sten Zeitläuften. Wo nichts gebaut wird — was soll da verteidigt werden? Die Kelle ist unser bestes Schwert: Thorastudium über alles! Wir werden damit auch vor den Weltenvölkern zurechtkommen. K'n »3 a ■>nsn •»ryV oarirai Dsnasn Unser Geltungsbedürfnis wendet sich nach innen, an die eigene Gemeinschaft. Proselytenhascherei und Religionskriege kann man uns nicht nachweisen, es sei denn, -daß wir in der Abwehr standen. Erst spät und quasi nebenbei wird empfohlen, aus taktischen Gründen sich auch auf' geistige Abwehr einzustellen: onp'SKi» 3>(tt?P na rn Das ist alles. Es blieb immer eine bescheidene Forderung von bescheidener Anwendung und Auswirkung gegenüber der Riasenaufgabe des intensiven Gesetzesstudiums, der obersten und heiligsten Pflicht der jüdischen Gesamtheit. Möchte man auch heute in diesem Sinne das Sinaiwort am Offenbarungsfeste begrüßen. Wenn da® harte Weltgeschehen für uns schicksalhaft .geworden und jüdische Menschen und Massen sorgenschwer bedrückt und bedrängt, so schöpfen wir Kraft, Ruhe und neue Zuvesricht, innere Stärke und seelisches Gleichgewicht aus der alten, bewährten Forderung: obw u» mm ymbtu Thorastudium über alles! . : f^-^^^V^^T^^m^^r^^^^^^x^c^S^SI^tl Der Israelit Der Doppelschwur, an den Schowuaus gemahnt, stehe vor unseren Augen, die „Zeit unserer Gesetzgebung" lebe in unseren Herzen, die Bäume in Synagogen und Häusern gemahnen uns an unsere* Früchte — K o w n o , 14. Mai. Litauen befindet sich zur Zeit in einem Fieber von gesetzgeberischen Erneuerungen. Fast tagtäglich erfährt man von neuen Projekten, fertigen Gesetzen und Ausführungsbestimmungen zu -diesen Gesetzen. Die neuen Gesetze berühren das gesellschaftliche, kulturelle, wirtschaftliche und sogar religiöse Leben der Bevölkerung, oft sogar tief einschneidend. Insbesondere jetzt, da das Parlament eine Erneuerung erfahren und demnächst V o 1 k s w a h- 1 e n ausgeschrieben werden sollen, nimmt der Hagel von Gesetzen gar kein Ende mehr und er greift jetzt auch sark auf das jüdische Leben über. So wunde die litauische Judenheit vor zurzem von dem sogenannten Fachgesetz in tiefe Unruhe versetzt, einem Gesetze, das die Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit der jüdischen Handwerker bedrohte. Es kam eine neue Instruktion, mit der das jüdische Lehrerseminar liquidiert wunde. Nun beschäftigt sich das Bildungsministerium mit der Vorbereitung eines neuen Rabbinergesetzes und der Regelung der Rechtsbefugnisse der rabbinischen Instanzen. Bisher allerdings nur negativ — indem alte Rechte a u f g e h o b e n und neue noch nicht geschaffen werden. Diese Neuerungen liegen im Zuge der Reorganisierung aller kulturellen und gesellschaftlichen Vereine und Institutionen, deren Programm und Statuten mit dem Geiste der Regierung übereinstimmen müssen. Eine Ausnahme ist nur für die sogenannten Kultusorganisationen, d. h. die religiösen Einrichtungen, vorgesehen, die aber in der Kompetenz des Kultusdepartements im Bildungsminist e r i u m bleiben. Angeregt von diesem Gesetz, wandte sich die R a b b i n e r v e r e i n i g u n g an den Bildungsminister, ihre Statuten einer Revision und Aenderung in dem Sinne unterziehen zu dürfen, daß sie als religiöse Instanz angesehen werden könne. Die Antwort lautete, daß die Agudath Hatabbanim als Fachorganisation in den Kompetenzbereich des Innenministeriums ge- (Wasservorräte und Erdölvorkommen in Palästina.) Der seit einigen Jakren in -Palästina anisä&Sig-e, EUS Deutschland stammende Fachmann für Wasserforschung, Dr. Stern, hielt im J-erusalemer Verband der Ingenieure einen Vortrag über die Wasservorräte und Erdölvorkommen in Palästina. Mit Hilfe der modernsten und empfindlichsten Instrumente hat Dr. Stern in letzter Zeit ganz Palästina nach Wasservorräten gründlich untersucht und festgestellt, in welchen Mengen und in welcher Tiefe Wasser vorhanden ist. Der Vortragende kam zu -dem Ergebnis, daß Palästina eines der wasserreichsten Länder sein könnte, wenn seine Wasservorräte erschlossen werden. Manche Teile Palästinas seien sogar. wasserreicher als im Durchschnitt Deutschland. Daß das Wasser sich in gewissen Gegenden erst in großer Tiefe vorfindet, mache nichts aus, da die moderne Technik die Hebung auch aus größerer Tiefe ermöglicht. Bei den gegenwärtigen Wasserpreisen würden sich -die Kosten dieser Tiefbohrungen sehr schnell wieder hereinbringen lassen. Bezüglich des Erdölvorkommens ist Dr. Stern der Ansicht, daß es in Palästina Mineralöle in großen Mengen gibt. Die Palästinare-gierung stehe aber allen Forschungsversuchen unfreundlich gegenüber. Sie selbst führe derartige Forschungen in allen Teilen des Landes durch, halte aber ihre Ergebnisse -geheim. Immerhin habe man erfahren, daß große Mengen von Erdöl in der Gegend des Toten Meeres, im Gebiet von Beer Schewa, in Trans Jordanien und an anderen Stellen gefunden wurden. Wenn -die Palästinaregierung sich von -der Rentabilität der Ausbeutung dieser Erdölquellen überzeugen wird, werde sie sicherlich selbst die notwendigen Arbeiten -durchführen. __Nr. 21 Seite 5 und so tun wir freudig und liebend unsere Pflicht! (Spenden erbeten an: Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland. Postscheckkonto: Hamburg 24 753. Briefanschrift: Hamburg 13, Heinrich Barth-str. 21 b. Pels.) höre und mit Bildungsministerium und Kultusdepartement nichts zu tun hätte. Auf den Hinweis, daß eine rabbinische Institution doch religiösen Charakter habe und mithin zum Gebiete des Kultus gehöre, wurde dem Vorsitzenden der Rabbinervereinigung kurz und entschieden bedeutet, daß die Regierung die vereinigten Rabbinen nicht als religiöse Repräsentanz des litauischen Judentums ansehe. Das war keine geringe Ueberraschung für die litauische Judenheit. War man doch in den letzten Jahren gewöhnt, daß die Regierung in allen jüdischen Angelegenheiten das Gutachten der Agudath Har-abbanim, als der legitimen führenden Instanz der Judenheit, einholte. Es hatte sich schon eine ^Tradition, gewissermaßen ein Gewohnheitsrecht, herausgebildet, das die Tatsache, daß die veralteten Statuten der Rabbinei Vereinigung diese wirklich zu einer nur professionellen Organisation herabdrücken, ganz vergessen ließ. Den Bemühungen, die Statuten so zu ändern, daß die rabbinische Vereinigung alle Rechte und Machtbefugnisse einer religiösen Repräsentanz erhalte, da es eine andere religiöse Vertretung nicht gibt, tritt nun das Ministerium mit dem Bescheide entgegen, wonach die Vereinigung nur den Charakter einer Fachorganisation habe und ihr auch nicht das Recht zugestanden werde, durch eine Statutenänderung neuen Charakter anzunehmen. Damit ist den Juden Litauens der Weg zur Bildung einer religiösen Instanz zur Vertretung der jüdisch-religiösen Interessen nach außen (hier waren es wirklich berufene Rabbiner) für absehbare Zeit versperrt. Aus dieser Situation heraus wurde der Gedanke geboren, ein jüdisches Konsistorium nach Art der anderen Konfessionen mit einem Oberrabbiner an der Spitze zu schaffen. Der Regierung könnte eine solche Lösung nur recht sein, da ihr damit eine zentrale Stelle gegeben wäre, um mit deren Hilfe jüdische Angelegenheiten zu beraten und zu regeln. Minister Tschaplikas äußerte sich aber einem jüdischen Journalisten gegenüber, -daß die Regierung wohl das Recht der Rabbiner, sich -als legitime Vertreter der jüdischen Konfession auszugeben, annullierte, aber an die Schaffung einer anderen legitimen -jüdischen Repräsentanz noch gar nicht denke. Die Frage' sei noch nicht spruchreif. Es ist anzunehmen, daß die Regierung in dieser hochwichtigen Angelegenheit erst Vorschläge von jüdischer Seite abwartet. Auf diesem Hintergrunde kam die Mär auf, daß Oberrabbiner Schapiro in Kowno jetzt schon für die . Stelle des Oberhauptes im geplanten jüdischen Konsistorium kandidiere. Dieses Gerücht eilt den Dingen sehr weit voraus, da, wie gesagt, man in Regierungskreisen heute noch andere Sorgen hat, als die Regelung der jüdischen Dinge und die Schaffung einer jüdischen Vertretung. Von brennender Aktualität dagegen ist die Frage der angesetzten Prüfungen für die Rabbiner. Nach dem neuen Gesetz sollen sämtliche Rabbinen ohne Ausnahme vor einer speziellen R-egierungskommission eine Prüfung in der litauischen Sprache, ebenso in der litauischen Geschichte, Geographie und anderen profanen Fächern ablegen. An der Spitze -der Prüfungskommission steht der Direktor des Kultusdezernats Aschka, Der fünfgliedrigen Kommission sollen auch zwei von der Rabbinervereinigung delegierte Rabbinen angehören. Weitere Instruktionen und Bestimmungen über diese Prüfun- Was geht in Litauen vor?