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Der Israelit · 1936-05-20 · Heft 21 (20.5.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 21 (20.5.1936)
Date
1936-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite'2 Nr. 21 Der Israelit 20. Mai 1936 Die Palästinapolitik der englischen Regierung. London, 19. Mai. In der gestrigen Untenhaussitzung enthüllte der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Mr. Thomas, das Geheimnis 'der vorwöchentlichen Spezialsitzung des Kabinetts über die verworrene Lage im heiligen Land. Es wird ikemen Menschen befriedigen, der nicht von vornherein Ausweichen und Vertagen für die Patentlösung aller politischen Schwierigkeiten hält: m a n s c h i c k t wieder einmal eine königliche Untersuchungskommission in den unbekannten Erdteil Palästina, die nach dem Muster der Haycraft-, Shaw- und Simpson- Enqueten die „Ursachen der Beschwerden sowohl der Araber als der Juden erforschen" soll! Difficile est satiram non scribere! Das ist denn auch tatsächlich die Empfindung, mit der die Ankündigung des Staatssekretärs von der öffentlichen Meinung bis weit in die Kreise der konservativen Parlamentarier aufgenommen worden ist. Eine Verlegenheitsmaßnahme, 'die zunächst einmal gestattet, den Arabern noch einmal wie unartigen Kindern freundlich zuzureden, sie zur Abstellung ihres Terrors und ihrer radikalen politischen Forde rungen in Sanftmut zu ermahnen und auf das künftige Ergebnis der „Forschungen" der Königlichen Kommission zu vertrösten. Ob das wie 1921, 1929 und 1930, nun zum vierten Male gelingen wind, ist mehr als zwei felhaft. Beruhigend wirkt nur, daß die Regierung zunächst offenbar nicht an eine grundsätzliche Aenderung ihrer mandattreuen Politik im Sinne des Macdonald-Briefes von 1930 denkt und auch die jüdische Einwanderungsquote — trotzdem die durch die Unruhen bewirkten Wirtschaft liehen Hemmungen eine Ausrede dafür abgegeben hätten — nicht über das bisherige Maß einzuschränken entschlossen ist. Für die Sicherheit der ausländischen Staatsangehörigen. Jerusalem, 17. Mai. Vertreter der ausländischen Konsulate in Jerusalem haben verschiedene Stadtviertel, in denen es zu Unruhen gekommen ist, besucht, um sich von der Lage der in Jerusalem ansässigen fremden Staatsangehörigen zu überzeugen. Der polnische Generalkonsul in Jerusalem hat die Konsuln der Vereinigten Staaten, der Tschechoslovakei und anderer Länder eingeladen, über einen gemeinsamen Schritt zum Schutze der Bürger ihrer Länder zuberaten. Es wurde beschlossen, eine Abordnung zum fiigh Commissioner zu entsenden, die entsprechende Maßnahmen zum Schutze von Leben und Eigentum der in Palästina ansässigen Ausländer fordern soll. Sollten seitens der Palästinaregierung nicht ausreichende Schutzmaßnahmen getroffen werden, so werden sich die Konsulate an ihre Regierungen um weitere Instruktionen wenden. Keine jüdische Selbstwehr in Palästina. Jerusalem, 17. Mai. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat die ihm von einer Abordnung unter Führung von Ben Zwi überbrachte Forderung, die jüdische Jugend zum Schutze von Leben und Eigentum der Juden zu einer Selbstwehr zu mobilisieren, abgelehnt. (Weitere Berichte aus Palästina auf Seite 8, 9 und 10.) Die Bezirkstagung der Agudas Jisroel in Karlsruhe. Karlsruhe, 19. Mai. Wer die Ueberzeugung noch immer nicht gewonnen hat, daß die Agudas Jisroel heute eine Werbekraft besitzt, der hätte die Tagung in Karlsruhe besuchen sollen, die von der Ortsgruppe in Karlsruhe in wundervoller Weise vorbereitet war, den vollbesetzten großen und schönen Logensaal betrachten sollen, mit Männern und Frauen, Jugend und Alter, bis zum letzten Platz besetzt, durch Stehreihen ergänzt, wie sie während eines langen und schwülen Sonntagnachmittags von 3 bis 8 Uhr und — nach einstündiger Pause — bis in die späten Nachtstunden ausharrten, ja, begeistert und interessiert, den verschiedenen Referaten und Diskussionsrednern lauschten, unter denen jugendliche Menschen merkwürdig stark dominierten. Das war für Alle ein Erlebnis, das gab allen, die es miterleben durften, das stolze Bewußtsein: Die Agudas Jisroel marschiert. (Ein genauer Bericht folgt.) Nahum Sokolow gestorben London, 17. Mai. Am Abend des 17. Mai ist in London der Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, im Alter von 75 Jahren gestorben. Nahum Sokolow entstammte einer Gelehrtenfamilie in Polen und setzte schon in ganz jungen Jahren mit seiner Begabung, Frühreife und Vielseitigkeit Alle in Staunen. In seiner Jeschiwahzeit eignete er sich neben talmudischem als Autodidakt auch immenses profanes Wissen an und entwickelte schon in ganz jungen Jahren eine sehr produktive literarische Tätigkeit, so daß er noch beinahe zu den letzten Klassikern der Haskalah gezählt werden kann. Jahrzehntelang wirkte er als Redakteur der „Hazefirah" an der Seite von Slonimski. Seit Herzl schloß er sich mit ganzer Seele dem politischen Zionismus an und diente ihm mit allen Gaben seines Geistes und der ganzen Gewandtheit seiner Feder und seiner Sprache. Noch bis zuletzt unternahm er weite Propagandareisen und wurde wiederholt von großen Persönlichkeiten, so auch vom Papst, empfangen. Der Tod dieses zionistischen Führers reißt eine empfindliche Lücke in die jüdisch-nationale Front. Anordnung zur Wahrung der Unabhängigkeit des Zeitschriftenverlagswesens Berlin, 17. Mai. Der Präsident der Reichspressekammer hat eine Anordnung zur Wahrung der Unabhängigkeit des Zeitschriftenverlagswesens •erlassen, in deren Artikel III bestimmt ist, daß unbeschadet weiterer Bedingungen, die Voraus-' setzung für die Mitgliedsaufnahme in der Reichspressekammer (Reichsvenband der deutschen Zeitschriftenverleger) nicht Personen erfüllen, die für sich und den Ehegatten, mit dem sie zur Zeit des Inkrafttretens der Anordnung verheiratet sind, oder mit dem sie später eine Ehe eingehen, nicht den Nachweis der Abstamumng von Vorfahren deutschen oder artverwandten Blutes bis zum Jahre 1800 zurück erbringen können. Diesen Personen ist auch jegliche . sonstige Betätigung in Zeitschriftenverlagen untersagt. Die dem Reichsverband der deutschen Zeitschriftenverleger angehörenden Mitglieder der Reichspressekammer sind, wie Artikel IV bestimmt, verpflichtet, für die Beteiligten und sonstigen Berechtigten sowie deren Ehegatten den Nachweis der Abstammung bis zum Jahre 180Ö zurück zu erbringen. Nach Artikel XI wird unbeschadet der Anwendung des § 10 der Ersten Verordnung zur Durchführung des Reichskulturgesetzes im Einzelfall, soweit Zeitungsverlage von diesen Bestimmungen des Artikel III Ziffer ld betroffen und bei Erlaß der Anordnung bereits Mitglied der Reichspressekammer sind, eine Uebergangsfrist bis zum 31. Juli 1936 gewährt. Wie in den Erläuterungen zu dieser Vorschrift .zum Ausdruck kommt, schiebt sie nicht etwa die Beseitigung jedes nichtarischen Einflusses auf die Verlage bis zum 31. Juli hinaus. Dies ergibt sich, wie es in der Erläuterung heißt, an sich schon aus dem Vorbehalt der Anwendung des § 10 der ersten Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes. Die Bestimmung will nur eine ausreichende Zeit in den Fällen gewähren, in denen trotz nachdrücklicher Bemühungen die erforderlichen Nachweise nicht früher beigebracht werden können. (ITA.) Die antisemitischen Unruhen in Polen. W i 1 n a , 17. Mai. Der junge Chaluz Jakob Feldmans wurde, als er mit Bekannten eine Straße in Wilna passierte, von zwei Nationaldemokraten überfallen, die mit Eisengewiohten auf ihn losschlugen und mit Messern auf ihn einstachen. S t e r b e n d wurde er ins Hospital überführt. Das Schicksal des jungen Chaluz, der unmittelbar vor der Alijah nach Palästina stand, hat auf die jüdischen Kreise einen erschütternden Eindruck gemacht. Die Mörder Feldmanns konnten verhaftet werden. In Warschau wurde der jüdische Friedhof geschändet. Die Grabhütten der berühmten Rabbis von R a d z i n s und Aiiszinow wurden niedergerissen, mehrere Grabsteine wurden zertrümmert. Weitere Terrorakte werden aus dem ganzen Lande gemeldet. Aufruf der in Amerika lebenden Palästinajuden. N e w Y o r k , 17. Mai. Der Verband der in Amerika lebenden Palästinajudc n, dem ausschließlich in Palästina gebürtige Juden als Mitglieder angehören, hat in New York seine Jahresversammlung abgehalten. Es wurde eine Resolution gefaßt, die sich an die „arabischen Brüder" in Palästina wendet und von ihnen verlangt, die Haßpropaganda der Parteiführer unbeachtet zu lassen. Gleichzeitig wird an das jüdische Volk der Appell gerichtet, sich durch die Gewaltakte, die von Terroristen und Mördern verübt werden, nicht abschrecken zu lassen. Die Jewish Agency und die Zionistische Organisation Amerikas werden aufgefordert, die öffentliche Meinung gegen diese Gewalt- und Terrorakte zu mobilisieren. Zum Schluß wird verlangt, daß zu dem Amt eines Oberrabbiners von Palästina ein Palästin e n - ser berufen werde.

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