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Der Israelit · 1936-05-20 · Heft 21 (20.5.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 21 (20.5.1936)
Date
1936-05-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^f^^^^^^^^^^W^m^^^?^ (y Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum/ Begründet von Dr. Lehmann in Maine Frankfurt a. M. 20. Mai 1936 28. Ijar 5696 Nummer 21 4500Zertifikate bewilligt Javon1200fiir Juden aus Deutschland Jerusalem, 18. Mai. Nach offiziellen Mitteilungen wind die Einwanderungsschedule. für\das laufende Halbjahr April bis Oktober 1936 insgesamt 450 0 Zertifikate zählen. Von dieser Gesamtzahl sind 500 für illegale Einwanderer, die sich bereits im Lande befinden, bestimmt worden. 1200 Zertifikate, einschließlich der 300 Zertifikate für Verheiratete, sollen Juden aus Deutschland zugeteilt werden. Die letzte Einwanderungsschedule für das Halbjahr Oktober 1935 bis April 1936 belief sich auf 4350 Zertifikate, von denen 100O bereits als Vorschuß vor der endgültigen Zuteilung ausgegeben worden waren und 1200 für illegale Einwanderer, die sich schon im Lande 'befanden, zurückbehalten wurden. Ausnahmezustand über Jerusalem. Jerusalem, 19. Mai. Seit Samstag abend herrscht in der ganzen Stadt Jerusalem Ausnahmezustand. Die unmittelbare Veranlassung dazu gab eine Schlägerei am Samstag im Kino Edison, wobei drei Juden durch Schüsse getötet und drei andere verletzt wurden. Die drei Opfer heißen: Alexander Polinski, Isaak Cyalowski und Dr. Zwi Schabohowski. Die Täter, konnten unerkannt entkommen. Dieser blutige Zwischenfall in Verbindung mit anderen Meinen Unruhen führten dazu, daß der Ausnahmezustand über die Stadt verhängt wurde. (Am Freitag sind \z w e i J u d en: ums Leben gekommen,. und der A u s n a h im e zus t a n d wurde erst am S a m s t ä g verhängt, nicht am Freitag, wie in der Korrespondenz auf 'Seite 8 irrtümlich gemeldet wird.) >' Die Beerdigung der drei Opfer am. Sonntag, .an der Zehntausende teilnahmen, war eine erschütternde Trauerkundgebung. Am gemeinsamen Grabe sprachen die Vertreter aller Richtungen des Jischiuw, auch Rabbi Mosche Blau, der Unit seinem Worte der Klage und Anklage alle .Herzen erschütterte. Am Sonntag marschierten die Truppen :durch die Stadt. Der Führer der arabischen Streikbewegung, Hassan le Dajany, hat einen neuen Aufruf erlassen), in. dem. erklärt wird, daß die Araber keinen Schritt zurückweichen würden. Er; vergleicht im Aufruf die Eroberung Palästinas durch die Juden mit der Eroberung Abessiniens durch die Italiener, mit dem Unterschied, daß die Juden ihr Ziel unter dem Schutze der tenglischen Bajonette zu erreichen suchten. Nach Verlautbarungen von Seiten der Regierung sind die britischen Behörden nicht gesonnen, sich von den Arabern einschüchtern zu lassen. Unter dem 18. Mai wird aus London gemeldet, daß Kolonienminister Thomas dem Unterhause mitteilte, daß die Regierung eine königliche Kommission nach Palästina entsenden wird, um die Ursachen der Unruhen und die Beschwerden der beiden Völker zu prüfen. Die Unruhen hielten am Montag in Jerusalem in gesteigertem Maße an. Auf einer Hauptverkehrsstraße wurde ein Oesterreicher, i der kein Jude war, aber wohl für einen solchen gehalten wurde, erschossen. Bei seiner Beerdigung kam es zu Tumulten. Alle Schulen der Stadt sind geschlossen. , In Galiläa wurden in verschiedenen Araberdörfern, die Steuerzahlung verweigerten, die Häuser beschlagnahmt. Aus dem Inhalt: Zur Lage in Erez Israel . . . Seite 1, 2, 8, u. 9 Zum Tode Nahum Sokolows.....Seite 2 Allenby ..............Seite 3 Zur Schowuausaktion .......Seite 4 Was geht in Litauen vor?......Seite 5 Devisenanträge für jüdische Studierende Seite 6 WirtSchaitSnachrichten aus Erez Israel Seite 6 Die Krakauer Bes Jakob-Tagung . . . Seite 7 'Judenfeindliche Unruhen in Polen . . . Seite 7 Jüdisches im englischen Unterhaus . . Seite 8 Unsere Interessen in Abessinien. Die Falaschas am Scheidewege. Mit der .Annexion A 'be ss i ni e n s durch Italien'und'"mit der Ausrufung des italienischen Königs zümjK: a'iservonAbessinien gehen1 500100. bis 60.000 Juden des Landes, die bis dahin als„Falaschas'' (Fremde) zwischen der Gunst und Willkür der Rasi ihrer Bezirke ein armseliges Leben führten, in die italienische Rechtssphärie: über, erfahren vielleicht als Vollbürger Italiens eine umwälzende Aenderung ihres Lebens und-ihrer, sozialen Stellung. Was wollen, was k ö n n'e n . wir. heute für diese verschollenen Brüder, die seit" Jährzehnten, nach Anschluß an Israels Gesamtheit ringen, tun? Werden, sie unserer Hilfe noch bedürfen und für unseren Brtiderruf noch ein Öhr haben? Die Falaschafrage ist, was wir nachdrücklich betonen möchten, weit älteren Datums, als man gemeinhin zu glauben geneigt ist. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wußte man schon in Europa von der Existenz der Falaschas und diskutierte man in den ralbbinischen Kreisen dar übe^^pb, und inwieweit sie als Angehöchen Stammes anzusehen speien; i d b en Simr a (t^aT^)/ ein gur Geschichte und Verhältnisse der Stämme, vertritt in einem Gutachten, das sich in der in Livorno gedruckten Responsensamnilüng; T"3*n ■ T\"W beiindeti mit aller Entschiedenheit, den Standpunkt, daß die Falaschas Juden und als Glaubensbrüder anzusehen und zu behandeln seien. Berichte von> Missionären und Forschungsreisenden aus dem 17. und 18. rige des RabbiD ter* Kenner abessinischi Jahrhundert haben die Angaben der genannten rabbinischen Autorität in allen Teilen bestätigt, so daß in der Folge die Zugehörigkeit der Falaschas zum Judentum kaum noch von irgend einer Seite ernstlich in Zweifel gezogen wurde. In einem äußerst interessanten, auf Grund fleißiger Quellenstudien abgefaßten Artikel in Nr. 7 des „Jeschurun" vom Jahre 1865 behandelt auch Rabb. Dr. J. Gugenheim V'XT aus Kolin die Frage; er kommt nach Anführung und übersichtlicher Zusammenstellung des gesamten einschlägigen historischen, ethymologischen und auch halachischen Materials zu dem Schlüsse: „Die Falaschas sind Juden, deren Vorfahren vor mindestens 1800 bis 2000 Jahren in Abessinien einwanderten; ihre Verletzung des mündlichen Gesetzes beruht nicht auf Leugnung, sondern auf Unkenntnis der Tradition; auch die Falaschas mit äthiopischem Rassentypus sind Juden, und zwar höchst wahrscheinlich Nachkommen der zum Judentume übergetretenen Eingeborenen." . ' Die unmittelbare Veranlassung zu dieser gepfejirten Abhandlung war ein in Nr. 2 des ,,Jes'icäiurun" gleich. Jhrg, veröffentlichter „Hochwichtiger Aufruf an alle Glaubensgenossen" zu Gunsten einer Falaschaaktiori von Rabbiner Dr. J. Hildesheimer h'"&> (damals noch in Eisenstadt.) In diesem Appell, der als Dokument (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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