Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1936)
- Date
- 1936-05-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr- 20 Der Israelit 14. Mai 1936 „Du bist ein ungetreuer Knecht geworden, Schmuel Ben Elieser, ein schlechter Jude, daß Du mich nicht erkennst," ,,Ich kenne Sie nicht," sagte Kauer schneidend, „und lege keinerlei Wert darauf, Ihre Bekanntschaft zu machen," Da aber schrie Hermann, der die Sprache wieder gewonnen hatte, plötzlich auf: „Aber Papa, das ist doch der Prophet Elijahu . . . sieh nur her, genau so ist es in meiner Hagada abgebildet!" Und er lief hin, um dem Propheten ehrerbietig die Hand zu küssen. „Hermann," sagte Frau Erna streng, die bisher schreckhaft erstaunt und schweigend auf ihrem Stuhle wie angewurzelt gesessen hatte, „hier geblieben! Was fällt Dir ein? Papa wird allein mit dem Herrn fertig werden." Und zu Elijahu gewandt, sagte sie begütigend: „Mein Mann ist sehr nervös. Sagen Sie kurz, was Sie wollen," und etwas zögernd fügte sie hinzu: „In der Küche können Sie noch etwas Warmes zu essen bekommen." „Misch' Dich auch Du nciht ein!" schrie nun Kauer erregt. „Was wollen Sie, Herr, und wie kommen Sie hier herein?" Der Prophet Elijahu gab keine Antwort mehr. Weder Herrn Kauer, noch Frau Erna. Nur dem kleinen Hermann fuhr er mit liebender Geste übers Haar, dann verließ er wortlos die Wohnung des reichen Herrn Kauer über die Lieferanten- und Dienerschaftstreppe. (Schluß folgt.) Etwas Uraltes zur neuesten Industrie Palästinas, « Wie eine Notiz meldet, die zur Zeit durch die jüdischen Zeitungen geht, werden soeben die Vorbereitungen zur Aufnahme der G 1 a s produktion in Palästina beendet und ist die erste Glasgewinnung in diesen Tagen zu erwarten. Hersteller sind die Phoenicia-Glaswerke, die 70 Arbeiter beschäftigen werden und mit einem Kapital von 49 000 Pfund ausgestattet sind. Die Fabrik befindet sich in der Haifa-Bay und ergibt sich für den Fachmann die Selbstverständlichkeit der Errichtung der Fabrik gerade in dieser Gegend Palästinas aus der Tatsahe, daß wohl von dem dortigen Bodenprodukt Gebrauch gemacht werden wird, nämlich dem Seesande, der wie Bonne in «einem Palästinabuch Tabelle Seite 287 berichtet, dort an der Küste einen außerordentlich hohen Kieselsäuregehalt gegenüber allen anderen Sandproben Palästinas besitzt. Der Nichtfachmann muß an seine früheren Schulkenntnisse erinnert werden, nämlich daran, daß Glas aus dem Verschmelzen von Sand (Kieselsäure), Kalk und Natriumsalzen (z. B. Kochsalz) gewonnen wird. Diese neueste Industrie de« Landes ist aber zugleich die älteste, wenn wir nicht sogar die Ursprungsquelle für diese Industrie überhaupt dort vermuten dürfen. Das Glas wird in der Bibel schon sehr früh erwähnt unter gleichzeitiger Bekanntmachung mit dem Ursprungsort und der Quelle des benötigten Rohstoffes. Kein Geringerer als Mosche Rabbenu hat genaue Kenntnis hiervon, und so finden wir in seinem letzten Segen, dem letzten Kapitel der Thora, Kap. 33, Vers 19, eine Schilderung der Aufgaben der am Meere wohnenden Stämme Sebulon und Jissachar und deren Erwerbsmöglichkeit, unter anderem folgende Stelle in deutscher Uebersetzung: „Den Ueberfluß der Meere saugen sie und das Verwahrte, Verscharrte des Sandes." Raschi bemerkt zu dieser Stelle, daß es sich außer um die Pürpurschnecke zur Bereitung der Techelettfarbe auch um den weißen Sand handelt, den man zur Herstellung des Glases benötigt. Auch Tacitus und Plinius berichteten, daß man südlich von Akko beim Flusse Belus wahrscheinlich das Glasmachen erfunden habe oder doch wenigstens in größerer Menge zu bearbeiten verstand. Auch im Buche Josua, Kap. 11, Vers 8 und Kap. 13, Vers 6, werden alte Glasmacherstätten erwähnt. Josua verfolgte bei "seinen Kriegszügen im Norden des Landes die Feinde bei Sidon, dem heutigen Saida etwa 90 km nördlich von Haifa und zwar bis zu rriawö O1». Luther übersetzt diese Worte mit „warmen Wassern", Zunz mit „Wassergräben" und Fürst mit „Salzbrennereien". Letztere Uebersetzung scheint die passendste zu sein, zumal ja das Wort nisnwtt von tpv abgeleitet ist, was allgemein die Bedeutung „brennen" hat. Auch heute wird wieder im Hebräischen das Wort r-nsiWM zur Bezeichnung „Brennerei" gebraucht. Das zugefügte Ca'» kann zu keinen Bedenken Anlaß geben, weil eben hier Salzwasser zur Gewinnung des Salzes verarbeitet wurde. Man könnte also noch besser O'» msnwn mit Salzwasserverdunstereien übersetzen, da mit „brennen" in der chemischen Industrie sehr oft die Wasserentfernung gekennzeichnet wird. Natürlich diente sicher das dort gewonnene Salz nicht nur als Komponente zur Glasherstellung, sondern auch für Speisezwecke. Aber in einem solchen Lande, in dem doch die Salzgewinnung auf leichteste Weise mit bester Ausbeute am Toten Meere möglich war, wäre die Notwendigkeit dies&r Salzgewinnungrsstättett am Meere nicht zu verstehen, wenn nicht der Ueberschuß des Salzas auch für industrielle Zwecke nämlich zur Glasfabrikation in der Verbindung mit Seesand des Meeres und des Kalks der Gebigre ausgenutzt worden wäre. Noch heute soll man in der Nähe von Tyrus (heute Zor) solche alten Stätten in Verbindung mit alten Glashütten antreffen. Die Fabrikation schien nicht leicht gewesen zu sein, 'da das Glas als etwas sehr kostbares im alten Israel galt. Aus Hiob Kap. 28, Vers 17 über die Unschätzbarkeit der Weisheit läßt sich entnehmen, daß Glas sogar dem Golde gleichgesetzt wurde. Dort heißt es: „Nicht schätzt man sie (die Weisheit) nach Gold und Glas". Glas wird hier mit ri'3131 übersetzt, ein Wort, welches auch heute wieder in der Umgangssprache verwendet wird. Aus altägyptischen Grabfunden geht hervor, daß das Glas schon sehr früh erzeugt wurde und zwar in Aegypten aus Kalk, Soda und höchstwahrscheinlich Bergkristall. Letzteres in Vertretung der kieselsäurehaltigen Beimischung. Sollten also nach den Worten von Mosche rabbenu israelitische Stämme zuerst den Sand als Beimengung verwendet haben, so hätten wir hier in der noch heute gültigen wichtigsten Darstellungsmethode des Glases aus Sand, Kalk und Salz eine jüdische Erfindung zu sehen und erleben zu unserer Freude in unseren Tagen das Wiederaufblühen einer Industrie, der unser großer Lehrer Mose Ort und Ziel gewiesen hat. Dr. Emanuel Grünthal. Zwischen Tel Awiw und Jerusalem. Eine AutobuSreise nach Jerusalem. In einer hebräischen Tageszeitung von Jerusalem schildert ein Passagier, der in der ersten Unruhewoche am Montag im Auto nach Jerusalem fuhr, seine Erlebnisse folgendermaßen: Wie wir Tel Awiw verließen und die ersten paar Kilometer hinter uns hatten, war alles um uns herum so still und ruhig, daß wir schon bedauerten, einen Polizisten zu unserem Schutz mitgenommen zu haben. Der Verkehr ruhte fast und, wenn schon ein Auto uns entgegenkam, war es ein Polizeiauto. Die Polizisten grüßten, als sie ihren uns begleitenden Kollegen sahen und fuhren weiter. Da kam uns ein Wagen mit arabischen Polizisten, ein sogenannter Revisionswagen, entgegen. Das Fahrzeug hielt an und der Führer, bewaffnet bis zu den Zähnen, nahm unseren jüdischen Polizisten bei Seite und fragte: „Hat keiner von den Reisenden Waffen bei sich?" Einer der Passagiere antwortete statt des Begleiters gereizt: „Wir begehen keine Ueberfälle, wir morden und rauben nicht, also brauchen wir auch keine Gewehre. Gewehre brauchen die Andere n." „Ich bitte, nicht zu diskutieren," erwiderte der Araber, „ich will sachliche Antwort auf meine Frage haben, ob jemand von Ihnen Waffen bei sich hat." „Und Sie haben so wenig Vertrauen zu Ihrem jüdischen Kollegen," rief es aus unserem Auto wieder, „daß Sie glauben, wir hätten unter seinem Schutz Waffen bei uns?" Der Araber schwieg einen Augenblick und antwortete dann mit einiger Verlegenheit: „Ich habe Befehl und handle danach." „Bitte uns diesen schriftlichen Befehl vorzuzeigen," baten welche. Statt diesem Wunsche nachzukommen, richtete der Araber an den Polizisten die Frage: „Uebernimmst Du die Verantwortung für die Leute?" Der jüdische Polizist gab keine Antwort. Er bat die Passagiere, es sich recht bequem zu machen, stieg selber ins Auto, grüßte kurz und gab dem Führer ein Zeichen, weiterzufahren. Auch der Araber fuhr wortlos weiter. Auf dem weiteren Wege ist uns nichts passiert, es sei denn, daß Straßenjungen, so oft wir in die Nähe einer Niederlassung kamen, unseren Wagen mit Steinen bewarfen. Wenn wir Miene machten, die Verfolgung aufzunehmen, verschwanden die Burschen in den Bergen. Als wir in Jerusalem ankamen, wurden wir überfallen — von einer Menge Juden, die von uns wissen wollten, was wir auf der Reise erlebt haben und wie es in Tel Awiw jetzt aussieht , . . Eine englische Uebersetzung des TODH Tti7. Man schreibt uns: „Zu dem in Ihrem gesch. Blatte behandelten Thema des „Schir hajachid" wird es Sie vielleicht interessieren, daß in der englischen Uebersetzung der Tefilloh von Henry A. Franklin, erschienen bei J. Kaufmann in Frankfurt a. M., eine recht gute englische Ueberseztung in Reimen sowohl desToan-p» als auch des Schir hajichuid enthalten ist. In demselben Gebetbuch sind auch andere Gebetshymnen in dichterischer Form übersetzt, so z. B. das Nischmasgebet, die Jigdalhymne u. a." Dr. S. St. Kinderecke. Der Name Menelik. Eine arabische Sage, die an einen biblischen Bericht anknüpft. Im Buche „Könige" I, Kap. 10, wird mit wenigen Sätzen berichtet, wie die Königin von Saba König Salomo besuchte und die Pracht seines Thrones bewunderte. Die Abessinier begnügen sich nicht mit diesem Berichte und wissen auf dieser Grundlage eine phantastische Geschichte zu erzählen, die teilweise allerdings einigen Anklang an Midraschstelleh aufweist. Die Königin von Saba verspürte das Verlangen, den weisesten und glanzvollsten König der Erde zu besuchen und fuhr mit großem Anhang und kostbaren Geschenken nach Jerusalem, wo sie vom König sehr freundlich aufgenommen wurde. Hundert Knechte und Mägde waren in ihrer Gefolgschaft und 700 Kamele und ebensoviele Maulesel waren mit Geschenken für den großen König beladen. Salomo bot die besten Sänger und Spielleute von Jerusalem auf, um die exotische Königin, zu unterhalten. Mit jedem Tag lernte sie die Pracht und Kraft des großen Königs mehr bewundern. Nach längerer Zeit begleitete König Salomo sie hinaus. 6000 Kamele mußten die Geschenke und Kleinodien tragen, mit denen Salomo die große Königin beschenkte. Ein Halsband war dabei, das an Wert alle anderen Wertsachen insgesamt überstieg. Als die Königin Saba in ihr Land ankam, kam ihr das ganze Volk entgegen xinid (huldigte ihr. Da eilblickten die Menschen ein kleines Kind in ihrem Arm und sie riefen: ^in „Woher hast Du dieses Kind?" iyi2 rief es im Chore aus der Menge. Und so bekam und erhielt der Sohn den Namen "j1? ">3a( in der Aussprache der Laute Me - n e 1 i k. Als 'das Kind älter wurde, schickte es die Mutter zu seinem königlichen Vater nach Jerusalem, wo er alle Staatskünste und alle Weisheiten der Welt erlernte. Nachdem er seine Studienzeit beendet hatte und von König Salomo als reif für den Thron befunden war, schickte ihn Salomo nach Kusch (Abessinien), um dieses große reiche Land zu regieren. Mit ihm gingen je 70 gelehrte Männer von jedem Stamm in Israel, ebensoviele Priester und Leviten, das waren die ersten Juden in Abessinien, die Urväter der heutigen Falaschas. So geschah es vor ungefähr dreitausend Jahren. Heute wandert der späte Enkel der Königin von Saba wiederum nach der Stadt von König Salomo. Mit dem König kam jetzt auch die Königin in Jerusalem an, die Frau des Negus, Königin Wisaru, „der Sonnenschein Abessiniens" genannt. Die Königin trägt heute noch ein kostbares Perlenband, das sie als ihr höchstes Heiligtum hütet. In der Negusfamilie hat sich die Ueberlieferung erhalten, daß es das Halsbandist, das der König Salomo der Königin Saba geschenkt hatte und sich als Familienerbstück von Generation zu Generation bis auf die heutige Dynastie erhalten hat.