Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1936)
- Date
- 1936-05-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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h&?&^^$&ßSS?fl%£?%S^ 14. Mai 1936 Seite 8 Nr. 20__ Die Antwort des Kolonienministers' lautete dahin, daß nach den letzten Informationen, die er vom High Commissioner für Palästina erhalten habe, die Lage im allgemeinen ruhig sei, obgleich einige vereinzelte Zwischenfälle vorgekommen seien. „Der arabische Streik", so sagte Minister Thomas weiter, „hat nun zwei Wochen gedauert und trotz der schweren Verluste, die arabische Kaufleute und Transportarbeiter erlitten haben, wird er gegenwärtig allgemeiner durchgeführt als eine Woche vorher; es besteht die Möglichkeit, daß der Streik zu weiteren Unruhen führein werde. Das arabische Transportstreik-Komitee habe jetzt einen Aufruf erlassen, in dem gefordert wird, daß Regierungsbeamte die Arbeit niederlegen sollen. Der High Commissioner habe die entsprechenden gesetzlichen Vorkehrungen gegen den Präsidenten und Vizepräsidenten des Komitees getroffen. Der Abgeordnete Graham-White fragte sodann den Kolonienminister, ob er angeben könne, daß die Unruhen in Palästina auf eine Propaganda von Italien oder anderen auswärtigen Quellen zurückzuführen sei. Kolonienminister Thomas erwiderte, daß er keine Informationen habe, die zeigen könnten, daß die Zwischenfälle in Palästina durch Propaganda, die aus auswärtigen Quellen stammt, verursacht sein könnten. Der Abgeordnete Mander richtete an den Außenminister Eden die Anfrage, ob er die politischen Bedingungen mitteilen wolle, unter denen der Kaiser von Abessinien seinen Aufenthalt in Palästina nimmt; ob insbesondere er volle Freiheit habe, seinem Lande durch diplomatische Mittel zu dienen und ob er nach Genf gehen könne, wenn er es wünsche. Außenminister Eden verwies den Abgeordneten in Bezug auf den ersten Teil seiner Anfrage auf die Erklärungen, die er am Montag im Unterhause abgegeben habe. Die allgemeine Frage, unter welchen Bedingungen der Kaiser sich in Palästdna wird aufhalten können, werde von der Regierung erwogen. Auf die weitere Frage Manders, ob es irgendwelche politischen Begrenzungen für die Tätigkeit des Kaisers während seines zeitweiligen Aufenthaltes in Palästina gebe, verwies der Außenminister wiederum auf seine Erklärungen vom Montag, aus denen sie entnehmen könnten, daß sich der Negus jeder politischen Tätigkeit enthalten wird. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Captaini Peter MacDonald über die Errichtung einer Flottenbasis in Palästina oder Cypern antwortete der parlamentarische Sekretär der Admiralität Lord Stanley, daß die Vorteile einer Flottenbasis im östlichen Mittelmeer in Erwägung gezogen werden, daß es aber im gegenwärtigen Augenblick nicht beabsichtigt sei, solch eine Flottenbasis zu errichten. Aus den Orts- und Jugendgruppen der Agudas J isr oeL (Zur Bezirkstagums in Karlsruhe, stattfindend am Sonntag, den 17. Mai.) Die Orthodoxie hat gesündigt. Ja, bekennen wir es offen, wir Orthodoxe, die wir jeden Schritt unsres Lebens peinlichst zu bewachen haben, ängstlich sind in allen Kleinheiten des täglichen Geschehens — nach G'ttes Willen — wir haben im Großen gefehlt. Die Sorge um unsre n»»J hat unser Denken und Handeln ausgefüllt, hat uns au Egoisten unsrer Pflichten gemacht, die das Pflichtenleben unsrer Nächsten nicht beachten, die im individualistischen Hochmut den weniger Frommen neben uns als yPis stempeln — und ihn dabei belassen. Wie wenn es unsre Pflicht wäre, die Menschen nur nach Qualitäten zu sortieren, wie wenn es nicht unsre Pflicht und Schuldigkeit wäre, sie nach unsren Kräften zu bessern. Der Abfall zur Rechten, der Abfall: zur Linken wurde in gesetzestreuen Kreisen mit Selbstverständlichkeit konstatiert, mit mehr oder weniger Sarkasmus, eine Verantwortung für die Abgefallenen spürte man mit nichten. Und doch sagt die Tauroh: vnsa v** iVeov woraus unsre Weisen die Verpflichtung jedes einzelnen Jehudi herleiten, für die Schuld des Andern wie ein Bürge einzutreten. Die iMizwo nnnn lann'asrnKmainnbm» so heilig und wichtig wie die Tefillin und Mesusaus, haben wir sie in der Vergangenheit erfüllt? Die Zeit hat das ihrige dazu getan. Die Umwelt lockte zur Assimilation. In den großen jüdischen Zentren der Städte wiesen Thorsaohulen den jüdischen Menschen den rechten Weg durchs Leben, zeigten auf den gleißenden Schein der Lockungen Der Israelit entarteten Genießens, Draußen auf dem Land aber, sowie in den Städten mit geringer jüdischer Bevölkerung, verkamen die jüdischen Seelen. Der Kampf ums Dasein, ums tägliche Brot, war auf dem Lande stärker als irgendwo. Das Bedürfnis nach „Angleichung" war um so größer, um so geringer jüdische Kenntnisse, um so weniger verankert G'ttesfurcht und Gesetzestreue waren. So sind Tausende in einem langsamen, aber stetig fortschreitenden Prozeß dem Thoraleben entfremdet worden. Und wir — sahen zu. Keine Hand rührte sich. Wie wenn es so sein müßte, betrachteten wir das Dahinschwinden der Thoratreue in weiten Gebieten Deutschlands. Die Zeiten haben sich gewandelt, die Umwelt weist den Juden von sich. Der Ruf G'ttes ist vernehmlich. Und Jeder glaubt, er habe — den Andern geweckt. Und uns gilt er nicht? Und uns ruft er nicht auf, das Unsrige zu tun, die letzten Seelen zu erfassen, die gewillt sind, dem zürnenden Befehl der g'ttlichen Schicksalswaltung zu igehorchen? Wir müssen hinaus aufs Land, in die Städte mit schwachem jüdischem Leben, aufrufen die letzten Treugebliebenen, erwecken die noch nicht ganz dem Taumel der Vergangenheit Erlegenen, werben mit der Inbrunst der Ueberzeugung, nicht anklagen, mit dem Hochmut des geistig Ueberlegeneny vielmehr ringen um die verlorenen Seelen mit der Liebeskraft des ob seiner bisherigen Lieblosigkeit erschrocken aufgerüttelten Bruders. Einen Weg dazu sucht die Landesorganisation der Agudas Jisroel durch die Propagandawochen zu bahnen, durch Bezirkstagungen in verschiedenen Gegenden Deutschlands, die alle aufrufen wollen zur Sammlung unter dem Banner der Thora. Die erste dieser Tagungen findet am 17. Mai in Karlsruhe statt, auf der prominente Führer unsrer Organisation die Probleme der Zeit und unsre Antworten Ihnen darlegen werden. Die jüdischen Menschen von Baden und Württemberg, die gewillt sind, mitzuwirken am großen Werk der Schaffung einer in G'tt und Seiner Lehre geeinten Thoranation, werden sich" gewiß diesem Rufe der Agudas Jisroel nicht verschließen. * Das Programm weist folgende Themen auf: Sonntag, den 17. Mai, 15 Uhr: Begrüßungsansprache des Herrn Rabbiners Dr. A. M i c h a 1 s k i, Karlsruhe; Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. M. Bohrer, Gailingen, „Landjuden?"; Vortrag: Dr. S. Ehrmann, Frankfurt a. M., „Unser Weg nach Erez Jisroel".'— Nach jedem Referat Diskussion. — Sonntag, den 17. Mai, 20 Uhr: Große Kundgebung. Vortrag des Vorsitzenden der Landesprganisation der Agudas Jisroel, Herrn Rabbiner Josef J. Horo vitz, über: „Religiöse Erneuerung, die Aufgabe der Zeit". Ort der Tagung: Karl Friedrich-Loge, Karlsruhe, Kriegsstr. 154. — Die Agudas Jisroel ruft alle in ihre Reihen, die den Wunsch haben, daß das religiöse Moment immer stärker in den Mittelpunkt unsres Gemeinschaftslebens gerückt werde, und alle, die von der tiefen Ueberzeugung erfüllt sind, daß Erez Jisroel „uns erLand" nur auf religiöser Grundlage aufgebaut werden darf. Auf Wunsch können Freiquartiere zur Verfügung gestellt werden. Eine Propagandawoche der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. Die Propagandawochen der Agudas Jisroel hatten die Frauengruppe, die Ortsgruppe und die Agudohjugend iim Hörsaal zu einem Vortrag des Herrn Gemeinderabbiners Josef J. Horovitz vereinigt. Die wunderbaren Ausführungen des Herrn Rabbiners waren ein begeisternder, hinreißender Appell zur Sammlung in den Reihen der Agudas Jisroel. Ausgehend von der Sefirohpflicht als dem Heiligungsakt des Zeitbegriffs, in Verbindung mit den Vorschriften des Auhel Maued, dem geheiligten Raum, zeichnete der Redner den Pflichtenkreis der Frauen in Zusammenhang mit ihren historischen Verdiensten, die sie zu den Trägern unsrer jüdischen Feste machten. Einen geheiligten Raum in der jüdischen Gemeinschaft zu schaffen, das ist Sinn und Aufgabe der Agudas JisToel. Die von tiefster Ueberzeugung getragenen, zu Herzen gehenden und mit einer Eindringlichkeit gesprochenen Worte haben der Agudas Jisroel neue Freunde gewonnen. Auf Veranlassung der Agudas Jisroel ist im Hermon-Verlag dieser Tage 'die Broschüre „Die Thora- und Mussarbewegung" von Jacob Rosenheim erschienen. (Zu beziehen bei der Landesorganisation der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., UMandstr. 39 wie bei sämtlichen Agudagruppen zum Preise von 20 Pfg.). Die 35 Seiten starke Schrift behandelt das heute aktuelle Problem von Thora und Mussar, indem sie auf die 'historischen wie geistigen und ethischen Grundlagen der Bewegung eingeht. Nach Darstellung der geschichtlichen Entwicklung und des geistigen Gehaltes des Mussar folgen Abhandlungen über Erneuerung des Mussargeistes über das Verhältnis des Mussar zu Thora im Derech Erez einerseits und zur Ideologie der Agudas Jisroel andererseits. Das Schlußkapitel betitelt: „Organisatioasform", reicht uns ein erschöpfendes Programm für die lovai n*VMi »am» Näher auf den Inhalt wollen wir nicht eingehen, denn man soll nicht über die Schrift, sondern die Schrift selbst lesen, um sich über diesen Bezirk des jüdischen Geisteslebens zu orientieren. Hamburg, 7. Mai. Der 5. Ijar war für die Agudas Jisroel-Gruppen Hamburg-Altona ein Feiertag, denn die Jugendgruppen konnten an diesem Tage die Einweihungsfeier ihres neuen Heimes. begehen, welches sie sich im Hause Werderstraße 18 eingerichtet hatten. Das Parterre mit seinen vier Räumen dient dem Mädchenseminar und sämtlichen Gruppen der Agudajugend sowie der Orts- und Frauengruppe für Kurse und Schiurim und für sonstige Veranstaltungen. Der erste Stock und der Garten sind für das Kinder-Tagesheim der Agudas Jisroel- Jugendgruppe reserviert. Sämtliche Räume sind aufs schönste hergerichtet worden. Zur Einweihungsfeier hatten sich die Rabbonim von Hamburg und Altona und viele geladene Gäste eingefunden, darunter auch die Vertreter der Deutsch- Israelitischen Gemeinde und des Synagogenverbandes. Herr Dr. Julius Möller begrüßte die Erschienenen im Namen der Ortsgruppe, insbesondere richtete er Begrüßungsworte an unseren Raw, Oberrabbiner Dr. Carlebach. Alsdann sprach Herr Bernhard J. Jacobson im Namen der Agudajugend, der eigentlichen Trägerin des Heims. Er begrüßte die Rabbonim, insbesondere unseren neuen Raw, die Vertreter der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und des Synagogenverbandes, sowie alle Freunde der Agudas Jisroel. Er wies darauf hin, daß dieses nun das dritte Heim der Hamburger Agudajugend sei und verglich die verschiedenen Phasen der Entwicklung der Hamburger Aguda an Hand der verschiedenen Heime. Er erinnerte an die Worte, die unser verstorbener Raw, Oberrabbiner Dr. Spitzer 5>"XT/ bei der Eröffnung des ersten Agudaheimes vor 17 Jahren gesprochen hatte und die darin ausklangen, daß es die Hauptpflicht der Jugend sei, zu lernen. Er rief alle Jugendlichen! und alle Freunde der Agudas Jisroel zur Mitarbeit an der Erfüllung der Aufgaben der Agudas Jisroel auf und schloß mit einem besonderen Dank an die Persönlichkeiten, die sich um das Zustandekommen dieses Heimes ganz besonders verdient gemacht haben, die Herren Josef Hesse und Berthold Cohn. Alsdann hielt Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach die Einweihungsrede. Er zitierte das Wort, das G'tt nach Erschaffung der Welt ausgerufen hat: „Welt, Welt, könnte ich immer so viel Freude an dir erleben, wie an diesem Tage, da ich dich geschaffen habe"! Er sprach die Hoffnung aus, daß auch diese Räume, so wie die früheren Heime der Agudas Jisroel Tag und Nacht von den Stimmen der lernenden Jugend erfüllt sein mögen, so daß dieses Wort sich zu jeder Zeit bewahrheite. Das Kostbarste, was die Aguda aufzuweisen habe, sei die Jugend. Als er in Erez Jisroel weilte, habe er auch die Kibbuzim der Aguda besucht und gesehen, welch köstliches Jugendleben dort herrschte, dort, wo man die Thora mit einem natürlichen, gesunden und frohen Leben verbinde. Herr Oberrabbiner erinnerte an den Diu beim Cheskas habajis, nach dem man nach vollen drei Jahren in den Besitz eines Hauses gelange. Volle Jahre, d. h. Tag und Nacht. Da aber dieses Heim Tag und Nacht seiner Aufgabe diene und eine Gruppe die andere im Lernen und in jüdischen Betätigungen ablöse, so würde hier dieser Din in Frage kommen. Mit herzlichen Segenswünschen für das Heim und dessen Bewohner schloß der Redner seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen, Nach Begrüßungsworten von Herrn Rechtsanwalt David, dem Vorsitzenden der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, sprach noch Herr Herbert Sonn im Namen der Bundesleitung und der Esra-Pirche Agudas Jisroel-Gruppen von den Erziehungsaufgaben der agudistischen Jugend. Als letzter Redner stattete Herr Carl A. Flörsheim im Namen des Kindergartens der Agudas Jisroel- Jugeiidgruppe allen Rednern herzlichen Dank ab. Er berichtete in kurzen Ausschnitten der Versammlung über die Arbeit des Kindertagesheims. Der Kindergarten, vor 20 Jahren gegründet, hat sich immer mehr zu einem lebensnotwendigen Institut im Rahmen der jüdischen Gemeinde in Hamburg herausgebildet. Besonderer Dank hierfür gebührt nicht nur den Leiterinnen des Heims, insbesondere Frl. Regina Cohn, sondern auch Frl. Martha W i 11 - m u n d, die nun seit vielen Jahren alle Sorgen des Kindergartens zu ihren eigenen gemacht hat. Die verschiedenen Reden waren eingerahmt von Gesängen der Esra-Jugend und des Synagogenchors aus Altona unter Leitung von Herrn Meno Cohn, sowie von Solovorträgen des Herrn Julius C o h.n. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe hat mit der Einrichtung, dieses neuen Heimes wiederum bewiesen, welche Lebenskraft in ihr liegt und sie hat 'hiermit, wie auch mit ihrer sonstigen Arbeit, die volle Anerkennung aller Kreise der Hamburger Judenheit gefunden.