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Der Israelit · 1936-05-14 · Heft 20 (14.5.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 20 (14.5.1936)
Date
1936-05-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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14. Mai 1936 Der Israelit Nr. 20 Seite 7 Negus und seinem großen Anhang die nötigen Fahrzeuge bis zum Hotel zur Verfügung zu stellen. Er brachte nicht weniger als 170 Kisten mit Gold und 15 Kisten mit anderen Wertsachen mit, abgesehen von den 10 Tonnen Gepäck, die am Freitag noch nicht gelöscht waren. Ein Teil des Goldes und Geldes wird auch in " j ü d i s c h e n Banken untergebracht werden. Die englischen Truppen angelangt. Jerusalem, 11. Mai. Der Sabbat ist in den Städten in völliger Ruhe verlaufen. Vom Lande werden unbedeutende Zwischenfälle und kleine Brände gemeldet. Die erwarteten englischen Detachements aus Aegypten sind inzwischen in Palästina eingetroffen und auf Jerusalem, Haifa, Jaffa und Nablus verteilt worden. Die verhafteten Streikführer Hassan Sydki Daj ani und Slaakh Ab du wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Urteil gegen sie ist gesprochen, soll aber erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Auf idem Messegelände fand ein „Tag der Kolonisation" statt, der von 15 000 Menschen besucht war. Ben Gurion sagte in seiner Rede: „Wir kämpfen nicht um Erhaltung, sondern um den Ausbau unserer Positionen-" Jerusalemer Brief. Politisierung der arabischen Massen. — Die fremden Elemente__Verlassene Heiligenstätten. — Ein idealer Bürgermeister. — Beratungen. — Innere „Zwischenfälle". Jerusalem, 8. Mai. Man kann nicht sagen, daß sich die Lage schon vollkommen beruhigt hat, nur daß GsD. die spontanen Ausbrüche und die Mordtaten im Großen aufgehört haben. Die Gärung hält an und die Nervosität im Jischuw ist auf allen Gebieten zu merken. Wir Palästinenser haben längst eine gute Witterung für die Dinge, wir kennen die Araber und ihre Mentalität, aber die Politisierung der arabischen Massen ist auch für uns eine Ueberraschung. Nationalismus ist allerdings bei den Arabern gleichbedeutend mit Religion, und wenn man ihnen beibringt, daß die Juden Anschläge auf die 'Moscheen planen, sind all ihre Leidenschaften und all ihre wilden Instinkte entfesselt. Ohne politischen Zusammenhalt wäre dieser langwierige Streik nicht denkbar. Die Streikhandlungen haben schon beinahe einen kultischen Charakter. Die kleinen Zwischenfälle, — 'die für die Betroffenen gewiß nicht klein und gering sind —, bilden nur die Begleitmusik des großen Streikes, 'der nach einer einheitlichen Idee durchgeführt wird. Diese Einheitslinie in der arabischen Revolte ist eben ein Novum im Leben der Araber, das uns zu denken gibt. Auf der Grundlage des Generalstreikes, der mehr gegen die Engländer gerichtet ist, geht ein „Kleinkrieg" gegen die Juden, dem wir zunächst macht- und wehrlos gegenüberstehen. Daß das Hauptelement der Unruhen die arabischen Einwanderer aus Hauran abgeben, ist bekannt.'Wo diese halbwilden Stämme beheimatet sind, herrscht Hunger und Not, und vom Hunger getrieben sind sie über den Jordan nach Palästina gekommen, wo sie Arbeit und Brot bei Juden fanden. Wenn wir auch keine Fanatiker der „Awodah Iwrith" sind, so muß doch zugegeben werden, daß diese halbwilden und völlig anspruchslosen Menschen eben durch düese Anspruchslosigkeit viele jüdische Arbeiter brotlos machten und ihren Lebensstandard tief heruntergedrückt haben. Den Lohn und den Dank empfangen nun die Juden von diesen Leuten. Ob sie nun für die Zukunft zu Gunsten des jüdischen Bruders eiv/as daraus lernen werden? Wir sind ein leicht vergeßliches Volk, doch ist zu hoffen, daß die letzten Prüfungen in unserer Erinnerung haften bleiben. Mit einem generellen Boykott aller arabischen Arbetier haben dieser Wunsch und diese Hoffnung nichts zu tun. Ueber die Bestrebungen im jüdischen Jischuw, einen Hafen in Tel Awiw zu erbauen, sozusagen einen jüdischen Zugang zum Meere zu errichten,' ohne daß die Juden auf Jaffa und andere arabische" Häfen angewiesen sind, wurde bereits mitgeteilt' Die Woche- Frankfurt a. M. Der oberitalienische Sender Lugano hat ein Hörspiel des Frankfurter Schriftsteller® Alfred Auerbach „Eleonara Duse" zur Erstaufführung in italienischer Fassung angenommen. Berlin. Die Gesellschaft fürjüdische F amilienforschunig Berlin W. 35, Lützowstr, 60, bittet, bei Auflösung von Haushaltungen und Gemeinden Urkunden familiengeschichtlichen Inhalts ihrem Archive zuzuführen. Stuttgart. Ein 62j ähriger Mann, der sich mit gefälschten Papieren als Jude ausgab und jüdische Unterstützung in Ansrpuch nahm, erhielt von der Strafkammer in Stuttgart zwei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Seine Begleiterin erhielt 10 Monate Gefängnis. Erfurt. Vor der Großen Strafkammer hatte sich ein 37jähriger Angeklagter mit seiner Frau wegen schwerer Erpressung an einem jüdischen Arzt zu verantworten. Bei der Verhandlung beantragte der Verteidiger des Angeklagten, den als Zeugen vernommenen Arzt nicht zu vereidigen, weil er Jude sei, evtl. Oberstleutnant a. D. Fleischhauer als Sachverständigen über die Vereidigung von Juden heranzuziehen. Dieser Antrag wurde abgelehnt und der Angeklagte zu vier Jahren Zuchthaus und Mk, 500.— Geldstrafe, sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt. Wien. Der 80. Geburtstag von Prof. Siegmund Freud wurde nicht nur in wissenschaftlichen Kreisen, sondern auch in der Bürgerschaft und in jüdischen Schichten feierlich begangen. Unter den Gratulanten befanden sich Vertreter der Jerusalemer Universität und der Jüdischen Aerztegesellschaft. — In Wien wurde in den Räumen des Bundes jüdischer Frontsoldaten eine Ausstellung von Bildern eröffnet, die der jüdische Frontsoldat Alexander Klein aus Temeswar in Rumänien gemalt hat. Klein hat beide Hände verloren und malt mit seinem rechten Fuß. Siebzehn Jahre hat er gebraucht, um diese Fertigkeit zu erreichen. —: Im ersten Vierteljahr 1936 wanderten eirifechließlich der Familienangehörigen 418 Personen aus Oesterreich. nach außereuropäischen Ländern aus. Von ihnen gingen 53 nach Palästina. Warschau. Hier ist eine neue politische Partei unter dem Namen „Wirtschaftspolitisches Lager Warta" gegründet worden, deren Programm einen antijüdischen Charakter hat. — Im jüdischen Viertel von Z a m o c z wurden 70 jüdische Häuser von einer Feuersbxunst eingeäschert. Auch die aus dem 14. Jahrhundert stammende Synagoge wurde ein Opfer der Flammen und 2000 jüdische Bewohner sind obdachlos. Es gab auch hunderte von Verwundeten. Zamocz ist 'die Geburtsstätte von Dichter I. L. Perez.— Die Verhandlungen zwischen der polnischen und der Palästina-Regierung über den Abschluß eines Auslieferungsabkommens sind beendet worden. Bisher bestand ein solches Abkommen zwischen Palästina und Polen nicht, was sich als ein großer Nachteil herausgestellt hat. — Das polnische Innenministerium hat das Tragen von Uniformen des revisionistischen Bundes Brith Hachajal verboten. 1 — Ein jüdisches Haus in Otwock bei Warschau wurde von nationaldemokratischen Huligans in der Nacht, als die in ihm wohnenden zwölf jüdischen Familien schliefen, angezündet. Wie durch ein Wunder sind Menschenopfer durch diese Brandstiftung nicht zu beklagen. Das Haus ist vollkommen niedergebrannt. Die jüdischen Bewohner sind ohne Obdach und haben ihre gesamte Habe verloren. Um die Rettungsaktion zu erschweren, hatten die Täter Türen und Fenster' der Wohnungen durch Drahtgitter zu versperren versucht. — Am Freitag Vormittag ist der Ger er Rebbe aus Palästina in Warschau angekommen. Eine große Zahl seiner Anhänger war zu seiner Begrüßung auf dem Bahnhof erschienen. Budapest. Die Israelitische Kultusgemeinde in S z e g e d i n besteht 150 Jahre. Aus diesem ' Anlaß fand eine Jahreshauptversammlung in der Gemeinde statt, in der über die Arbeit der Gemeinde berichtet wurde. (Siehe auch Leitartikel in der jüngsten Nummer des „Israelit"). Ueber die Opfer der Unruhetage zu referieren, ist müßig, in einer Zeit, da der gesamte Jischuw sich noch in einer gewissen Abwehrstellung befindet. Leider gehört zu den Opfern wieder einmal auch die Altstadt Jerusalems mit all ihren heiligen Wahrzeichen. Früher der Sitz aller angesehenen jüdischen Institutionen, ist das Judenviertel heute vollkommen verödet. Im blutigen Sommer 1929 begann der Exodus, der jetzt vollendet wird. Und man vergesse nicht, daß in diesem Viertel sich die heilige Mauer als letzter Rest unseres Heiligtums und viele andere jüdischen Heiligenstätten befinden. Die Prozesse gegen eine Anzahl von Ruhestörern und Mordbrennern haben begonnen. Es sind deren nicht viele, denn die meisten bleiben unentdeckt. Ueber Gang und Ausgang der Prozesse werden wir noch berichten. In der hiesigen Presse und Oeffentlichkeit herrscht schwere Enttäuschung, auch Entrüstung über den Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Khalidi. Es ist noch in Erinnerung, daß er bei den letzten Wahlen die ungeteilte Unterstützung der jüdischen Bevölkerung gegen Nashashibi erhielt. An Versprechungen seinerseits hatte es nicht gefehlt. Heute aber steht er an der Spitze der Kämpfer gegen den jüdischen Jischuw, ist auch Mitglied des Streikkomitees und, wie man sagt, sogar die Seele der ganzen Bewegung. Es wird sogar behauptet, daß er selber zur Zeit streikt und nicht zu den Sitzungen des Stadtrates kommt. Was die Regierung dazu sagen wird, daß einem solchen Manne das Schicksal einer Stadt anvertraut ist, die 70 Proz. Juden in ihren Mauern zählt, ist ein großes Fragezeichen unter vielen anderen. Wie bereits mitgeteilt, war die Agudas Jisroel die erste Stelle, die einen geharnischten Protest gegen den Bürgermeister * und sein Verhalten einlegte. Die gemeinsamen Beratungen zwischen Jewish Agency, Waad leumi und Agudas Jisroel halten ununterbrochen an. Es wurden auch Aufrufe an die Golah abgefaßt (den Aufruf der Agudas Jisroel finden die Leser an anderer Stelle). Daß ungeachtet der Stürme von außen jüdische Jünglinge immer noch keine Ruhe geben und die Religionstreuen dauernd provozieren, ist leider ein Faktum, das nur zeigt, wie unbelehrbar gewisse Elemente sind. Ueber die Vorfälle auf dem Ausstellungsgelände in Tel Awiw wurde berichtet. Am letzten Sabbat hatten die Chaluzim im Kibbuz „ C h o f e z Chajim " wieder einmal Gelegenheit, für den Sababt einzutreten. In unmittelbarer Nähe dieser orthodoxen Siedlung befindet sich ein zionistischer Kibbuz, dessen Mitglieder über das Gebiet von „Chofez Chajim" mit ihren Wagen und Traktoren zur Arbeit zogen. Die Chawerim von „Chofez Chajim" sammelten sich zu einer Abwehrfront, um ihren Nachbarn den Weg zu versperren, mußten aber der Uebermacht weichen. Auch diese kleinen „Zwischenfälle" sind charakteristisch genug, daß die Oeffentlichkeit in Erez Israel und die der Golah n^cht an ihnen vorübergehen soll. Mn. G.-P. Die Auswirkungen der polnischen Devisenbewirtschaftung in Palästina. Jerusalem, 6. Mai. Die durch die Einführung der Devisenbewirtschaftung in Polen veranlaßten Abhebungen bei der polnisch-palästinensischen Bank, der Poiska Kasa Opieki in Tel Awiw und Haifa sollen etwa eine halbe Million Dollar betragen. Die Verluste, die durch den Kursrückgang des Zloty für die Juden in Palästina entstanden sind, werden auf 600.000 Dollar von der palästinensischen Tagespresse beziffert. Weitere Palästina-Anfragen im Unterhaus. London, 6. Mai. Die von uns an der Spitze der jüngsten Nummer wiedergegebene Erklärung des Kolonienministers Thomas im Unterhaus zur Palästinapolitik der englischen Regierung war die Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Commander Fletcher darüber, ob der Kolonienminister irgendwelche Feststellungen, über die Vorfälle in Palästina und insbesondere über ihren Grund und ihre Ursache machen könne.

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