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Der Israelit · 1936-05-14 · Heft 20 (14.5.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 20 (14.5.1936)
Date
1936-05-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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14. Mai 1936 Der Israelit Nr. 20 Seite 5 Die Zahl der nichtarischen Rechtsanwälte. Berlin, 2. Mai. In der „Juristischen Wochenschrift" wird im Rahmen einer Mitteilung über dien Bericht der Reehtsanwaltskammer in Berlin über das Jahr 1935 die Zahl der nichtarischen Rechtsanwälte in den vergangenen drei Jahren bekannt gegeben. Von 2880 Anwälten im Bezirk der Rechtsanwalfcska/mmer Berlin waren am 31. Dezember 1933 1152 Ndchtarier oder rund 40 Proz. Am 31. Dezember 1934 waren von 2931 Rechtsanwälten 1092 oder 37,2 Proz. nichtarisch. Am" 31. Dezember 1935 waren von den 3007 Rechtsanwälten 1036 nichtanisch oder 34,4 Proz. Die Sorgen der jüdischen Gemeinden. B erlin, 2. Mai. Das Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden Preußens berichtet von einer Besprechung der Finanzdezernenten einer Anzahl jüdischer Gemeinden der Rheinprovinz, die in Duisburg stattfand. Auf dieser Besprechung wurde eine Entschließung gefaßt, in der es heißt, es sei damit zu rechnen, daß die Einnahmen der Synagogengemeinden auf Grund der fortschreitenden Entwicklung der allgemein jüdischen Lage ganz erheblich zurückgehen werden. Neben einer starken Drosselung der Ausgaben, die jedoch zum Teil durch neue Ausgaben ausgeglichen werden wird, da den Synagogengemeinden fortwährend neue Aufgaben gestellt werden, könne nur durch eine angemessene Steuererhöhung der Versuch gemacht werden, den Haushaltsplan zum Ausgleich zu bringen. Diese Steuererhöhung dürfe natürlich nicht die Leistungsfähigkeit der Gemeindemitglieder und ihre Bereitwilligkeit zu freiwilligen Gaben für die jüdischen Zwecke beeinträchtigen. In der Besprechung wurde mitgeteilt, daß für die Gemeinde Duisburg durch den großen Einkommensrückgang vieler Gemeindemitglieder im Jahre 1935 und durch, 'die Abwanderung vieler Steuerzahler die Ausgleichung 'des Etats nicht möglich sei, wenn nicht die Ausgabenseite möglichst ermäßigt und die Einnahmenseite dem zu erwartenden Rückgang des Einkommensteuersolls, das auf 40 bis 50 Proz. geschätzt wird, .angeglichen werde. Es sei außer einer Streichung aller nichtlebensnotwandigen Ausgaben beabsichtigt, die Beamtengehälter weiter zu kürzen. Andererseits sei eine Erhöbung der auf Grund der Einkommensteuer berechneten Kultussteuer um 10 Proz, in Aussicht genommen. Die Bevölkerungsbewegung einer jüdischen Gemeinde. Berlin, 4. Mai. In der Synagogengemeinde Stettin gab es im Jahre 1935 9 Geburten (17). Dem stehen 43 (39) Todim: des Wiener Sohlesingerschen) Siddurs und Machsors mit ebenso lakonischen Kommentaren und noch später Misohna- und Talmud-Ausgaben folgen, in denen Allen die neue Schrifttype auch für die Kommentare anzuwenden ist, wenngleich in verschiedenen Größen. Selbstredend muß sowohl die r-ivf"is-Einteiiung als besonders die Schrift- und Drucktype unter einen gesetzlichen Urheberschutz für ow allein gsetellt werden, der die Profanierung unmöglich macht. 5. Es ist für uns nicht möglich, anders als nur als Land der Thora anzusehen. In diesem Lande müssen wir aufs Neue unseren Namen „Land der Schrift" rechtfertigen. In obgenanntem Unternehmen können zudem alter und neuer aitf" ihre besten Kräfte gemeinsam anwenden und zu Ehren bringen. Die Schrift des heiligen Namens wird sicher ein Element zur neuen Rein-Darstellung der heiligen Seele Israels' bilden. Wenn s i e dereinst alles schriftliche und mündliche G'tteswort für uns vor unser Auge stellen wird, dann haben wir die G'ttlichkeit unseres sichtbaren Weltbildes wiederhergestellt und sehen mit dem Worte des sechzehnten Psalmes, mit dem auch unser Lebenskodex beginnt, G'ttes Herrlichkeit stetig vor uns. T»n '*tt£ "\ VW- Kleines Feuilleton. Neue Schockenbücher. Als April-Bände der Bücherei des SchockenrVerlags sind erschienen: Heinriefe Heine: Gedicht und Gedanke. Auwsahl und Nachwort von Werner Kraft. — Flavius Jofsephus: Das Haus des desfälle gegenüber,. Die Zahl der Austritte aus der Gemeinde ist von 10 auf 7 gefallen. Zugezogen sind insgesamt 137 (154) Personen, fortgezogen dagegen 266 (187) Menschen, Insgesamt bat sich die Gemeinde, die am 31. Dezember 1934 2322 Menschen zählte, auf 2153 Ende 1935 vermindert. Es zeigt sich, daß in Stettin mehr Frauen als Männer vorhanden sind, und zwar gibt es 1174 Frauen und nur 979 Männer, Die Mehrzahl der Männer, nämlich 480, sind im Alter von 65 und 35 Jahren, ebenso die Mehrzahl der Frauen. An Jugendlichen bisi zu 20 Jahren sind nur 201 Jungen und 228 Mädchen vorhanden. Insgesamt sind in Stettin weniger als die Hälfte der Gemeindemitglieder, nämlich 968 Personen, verheiratet. Von ihnen leben 856 in rein jüdischen Ehen. Generalversammlung der Gemeinde Bremen. Bremen, 10. Mai. In der am 7. Mai stattgefundenen Generalversammlung der Israelitischen Gemeinde Bremen wurde nach Ehrung verdienstvoller Gemeinidemitglieder und Ehrung des Andenkens verstorbener führender Persönlichkeiten der Jahresbericht erstattet. Er gibt eine ausführliche Uebersicht über die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Bremen, über die Tätigkeit des Gemeinderates und die Schwierigkeiten, die durch sinkendes Beitragsaufkommen und Vergrößerung der sozialen Lasten entstanden sind, und die es besonders i. J. 1936 zu überwinden gilt. Der Besuch der Religionsschulen sank von 112 auf 86 Schüler am Schluß des Schuljahres. Der Unterricht im Hebräischen erfuhr eine angemessene Umformung. Die Selbständigkeit des Geme&ndeblattes mußte infolge des sinkenden Inseratenteils aufhören. Es erscheint ab 1. April 1936 als Mitteilungsbeilage zum Gemeindeblatt des Preußischen Landesverbandes. Es besteht die Absicht, daß sich die Gemeinde diesem Verband angliedert. Der Hauptteil des Jahresberichte« gibt einen Einblick in die Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes. Die Höchstzahl der Unterstützungsempfänger wurde im ersten Vierteljahr 1936 mit 20 Proz. aller in Bremen ansässigen Juden erreicht. Durch die Winterhilfe wirkten sich die Ausgaben des Wohlfahrtsamtes nicht so sehr aus, doch wurde die Entlastung zum Teil durch Bewilligung von Mietzuschüssen wieder ausgeglichen. Die Ausgaben für Soziallasten waren in Bremen geringer als in vielen anderen Gemeinden und ergaben einen Anteil von 15,29 Proz. am Gesamtetat (Hamburg 25,21 Proz.) oder 4,95 Mk. auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung (Hamburg 12,84 Mk.) Der Voranschlag für 1936 sieht auf der Ausgabenseite einen Betrag von 52.000 Mk, vor, während die Einnabmeseite durch die Abwanderung großer Beitragspflichtiger 6000 Mk. weniger ergibt. Es wurde Herodes. (Herodes und Mariamne)1. Herodes und die Söhne der Mariamne (Herodes und Antipater). Zusammengestellt und übersetzt von Emanuel bin Gorion. In diesem Zusammenhang sei auf die frühere Veröffentlichung in der Bücherei des Schocken-Verlags hingewiesen: Das Leben des Flavius Jose p h u s. Aus seinen eigenen Aufzeichnungen zusammengestellt und übersetzt von Emanuel bin Gorion. (Die er^te jüdische Zeitung.) Die philosophische Abteilung des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts (IWO) erinnert daran, daß vor 250 Jahren die erste jüdische Zeitung in der Welt, die „Kouranten" in Amsterdam, erschienen ist. Die Zeitung wurde zweimal in der Woche herausgegeben und enthielt in jeder Nummer nur vier zweispaltige Seiten in kleinem Format. In einer Amsterdamer Bibliothek befinden sich Nummern der Zeitung vom August 1686 bis zum August 1687. Ob die Zeitung auch früher oder später herausgegeben worden ist, steht nicht fest. „Die Kouranten" waren ein reines Informationsblatt. Sie brachten Kriegsberichte, politische Nachrichten, eine jüdische Chronik aus verschiedenen Ländern usw. Im Zusammenhang mit diesem denkwürdigen Ereignis, beabsichtigt das Jiddisch-Wissenschaftliche Institut ein bibliographische® Handbuch über die jüdischen Zeitschriften herauszugeben, die in den verschiedensten Ländern im Verlaufe eines Vierteljahrtausends erschienen sind. (Grab von Rabbi Jehuda Hanassi entdeckt?) Bei Grabungen in der kleinen jüdischen Kolonie Scheich Abrik im Emek wurde ein Gräberkompley entdeckt, der Antrag auf ein« Zuschußzahlung auf den Gemeindebeitrag in Höhe von 20 Proz. angenommen. Zum ersten Vorsitzenden der Gemeinde wurde durch Akklamation Herr Max Markreich wiedergewählt. Die Wahl zum Gemeinderat ergab die Annahme des Wahl Vorschlags Dr. J, R o s e n a k, Dr. Hermann Lehmann, Ludwig Brandt und Dipl.- Ing, Emst Popper. Es wurde ein „Ermächtigungsgesetz an Vorstand und Gemeinderat in -Notfällen" erneuert. Beschlüsse der Gemeindevertretung in Breslau. Breslau, 6. Mai. Die Gemeindevertretung der Synagogengemeinde Breslau beschloß auf ihrer Sitzung vom 6. Mai auf Antrag -der Jüdischen Volkspartei, auf dem der Gemeinde gehörenden Friedhofsgelände Kosel Terrain für Schrebergärten zur Verfügung zu stellen. Außerdem sollen Freiplätze für die jüdische Jugend geschaffen werden. Ein weiterer Beschluß befaßt sich mit der Erweiterung und Umgestaltung des Breslauer Gemeindearchivs, der Bildung einer jüdisch-historischen Kommission für Schlesien und mit der Materialsammlunig und Drucklegung der Geschichte der Juden in Breslau. Das Archri soll auch Kurse zur v* Einführung in das Lesen hebräisch geschriebener Urkunden veranstalten. Bevölkerungsbewegung in der Synagogengemeinde Breslau. Breslau, 7. Mai. Im Jahre 1935 wurden in der Synagogengemeinde Breslau 126 Geburten und 387 Todesfälle gezählt. Es wurden 121 Ehen geschlossen. Während die Zahl der Sterbefälle gegenüber 1934 um 57 gestiegen ist, aber noch nicht den Stand von 1933 erreicht hat, hat sich die Zahl der Geburten um 33 erhöht und erreicht fast den Stand von 1933. Im Jahre 1935 sind aus dem Judentum 44 Personen ausgetreten, wiedereingetreten 34. Oesterreich. Eine imposante Konferenz der Wiener Judenheit. Wien, 6. Mai. Selten wohl ist in den letzten Jahren eine Versammlung in Wien so bedeutsam und eindrucksvoll verlaufen, wie die am 3. Mai im großen Marmorsaale des Hotel National. Der Präsident des „Tiferes Bachurim", Herr S. Schreiber, begrüßte die imposante Versammlung mit von Herzen kommenden Worten. Er bezeichnet es als bedeutsam, daß sich die Großen und Führer versammelt haben, um der Jugend Gehör zu schenken, um für sie zu arbeiten und mit ihr zu sorgen, für die geistige Zukunft des Juder über drei Etagen geht. Man fand Aufschriften in hebräischer, aramäischer und griechischer Sprache, sowie verschiedene jüdische Embleme. Man nimmt an, daß es sich um das Gräberfeld einer hervorragenden jüdischen Familie aus den ersten Jahrhunderten nach der zweiten Tempelverbrennung, vielleicht gar um das Grab des Rabbi Jehuda Hanassi und seiner Familie handelt. Ein vergessener Fasttag. Zum 25. Ijar. Mit nachfolgendem soll ein alter lokaler Fasttag der historischen Vergessenheit entrissen werden, über den im nnnff nat ibo des „Aschaffenburger Raw" R. Simcho Bamberger unter Nr. 129 berichtet wird. Es muß etwa um das Jahr 1680 gewesen sein, als die Juden der Stadt Oettingen durch eine falsche Beschuldigung in sehr großer Gefahr schwebten. Aber „G'tt in seiner Barmherzigkeit brachte die Unschuld der Juden ans Licht," der wahre Täter wurde entdeckt und verurteilt. Zur Erinnerung an das Wunder und die Errettung durch G'ttes Gnade nahm die Gemeinde Oettingen den 25. Ijar als Fasttag auf sich, der mit Minjan begangen wurde und — nach dem wahren Täter „Taanis Hopfenstädter " benannt — durch die Jahrhunderte sich erhielt, bis er durch den Fortzug und den Abfall der Juden etwa gegen .die Mitte des vorigen Jahrhunderts allmählich in Vergessenheit geriet, so daß sich schließlich keine Faster mehr fanden. (Als itcotV "Dt wurde deshalb von g'ttesfürchtigen Gemeindemitgliedern ein Geldfonds gebildet.) Vielleicht finden sich in der Gegenwart wieder Oettinger Gemeindemitglieder, welche die Erinnerung an den Fasttag wieder aufleben lassen wollen. Dr. Arnold Merzbach.

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