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Der Israelit · 1936-05-14 · Heft 20 (14.5.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 20 (14.5.1936)
Date
1936-05-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 20 Der Israelit 14. Mai 1936 lehrerlosen kleinen Landgemeinden für Religionsunterricht zu sorgen. Der Zeitenumbruch hat ihn vor große, schwere verantwortungsvolle Aufgaben gestellt. Unsere aus den alten Geleisen geworfene Jugend brauchte einen Führer, der für ihr geistiges und körperliches Wohl bedacht war. Die Zeitlage hat einen Umbruch in der Er ziehung herbeigeführt. Während sich früher der Uebergang der Schule zum Beruf reibungslos vollzog und auch noch während der Berufsaus bildung die Kinder einen seelischen Rückhalt am Elternhaus hatten, ist es gerade heute die Be rufsfrage, die Eltern und Erzieher die größte Sorge macht. Vor uns steht die Aufgabe, die schulentlassene Jugend für ihren Beruf auszubil den, ihr, gerade im Hinblick auf die Notwendig keit ider Auswanderung, das körperliche und seelische Rüstzeug für ihre Zukunft zu geben. Diese Aufgabe bekommt noch eine besondere Note durch den Umstand, daß unsere Jugend, besonders die der kleineren Gemeinden — das Elternhaus viel früher verlassen muß, als es sonst der Fall war. Nur die großen Gemeinden können der Jugend noch eine Möglichkeit der Ausbildung geben. Wer sorgt für die Knaben der kleinen Gemeinden? Aus diesen Erwägungen heraus entstand das Jugendheim des Keren Hatorah (Beth Chinuch schel Noar Agudati), und seine Entwicklung hat dem Keren Hatorah gezeigt, daß er hier auf richtigem Wege ist. Mit 30 Knaben vor einem Jahr eröffnet, mußte er bereits zweimal erweitert werden und beherbergt nun fast 100 Knaben im Alter von 14—16 Jahren. Unser Heim will ihnen das Elternhaus ersetzen, überwacht und fördert ihre geistige und körperliche Entwicklung und gibt ihnen neben der Berufsvorbildung einen Schatz jüdischen Wissens mit auf den Weg. Das monatliche Defizit, für das der Keren Hatorah zu sorgen hat, ist entsprechend gewachsen. Der größte Teil der Knaben kommt aus kleinen Gemeinden. Gerade dort habe*n die Väter ihre Existenzbasis verloren und können keinen oder nur einen geringen Beitrag an das Heim leisten. Hier liegt eine Verpflichtung der jüdischen Gesamtheit vor, der sich kein Jude in Deutschland, einerlei welcher Richtung im Judentum er angehört — entziehen darf und, wie wir hoffen, entziehen wird. Die herangewachsene Jugend 'empfindet heute mit Recht, daß eine rein körperliche Hach schara nicht genügt, daß der schwere Weg in die Zukunft, den unsere Jungens gehen müssen, auch eine geistige Hachscihara verlangt. Noch nie war der Drang der jüdischen Jugend nach jüdisch-geistiger Arbeit so groß wie jetzt. Und man muß gestehen, diese Arbeit war unserer Jugend nie so von Nöten wie jetzt. Nur von einer Jugend, die ihr Judentum kennt — und daher liebt — können wir erwarten, daß sie unserem Judentum Ehre macht, wo immer das Schicksal sie hinträgt. Es galt für den Keren Hatorah, diesem Streben entgegen zu kommen, es in richtige Bahnen zu lenken, auch hier Führer und Berater zu sein. Keren Hatorah ermöglicht ihr die Teilnahme an Lehrkursen und den Besuch unserer Hochschulen. Die Erfüllung dieser Aufgabe hat in den letzten zwei Jahren sehr große materielle Anforderungen an den Keren Hatorah gestellt, die von Monat zu Monat steigen. Der Keren Hatorah ist auf tatkräftigste Hilfe aller Juden angewiesen. Die Auflösung der jüdischen Kleingemeinden schreitet unaufhaltsam fort — einzelne Familien bleiben zurück — einen jüdischen Lehrer können sie nicht mehr halten. Es fehlt jede religiöse Anregung, den Kindern fehlt jeglicher Religionsunterricht. Die Juden der Städte, die das Glück haben, ihre Kinder in jüdische Schulen schicken zu können, machen sich nur schwer einen Begriff, welche seelische Not das bedeutet. Keren Hatorah sorgt für Religionsunterricht in lehrerlosen Gemeinden! Welcher Jude der Großstadt empfindet nicht die heilige Pflicht, hier zu (helfen! Beschaffung von Lehr- und Lernbüchern, Subventionierung von Lehranstalten, Herausgabe guter jüdischer Literatur und Förderung derartiger Bestrebungen, all dieses sind Dinge, die zum Aufgab enkr eis des Keren Hatorah in Deutschland geboren. Wir glauben, daß die schwere Zeit, »die wir durchleben, uns hellhörig gemacht hat, wir sind überzeugt, daß der Keren Hatorah, wenn er zum Schowuausf est seinen Ruf um Mitarbeit und Hilfe ertönen läßt, aufgeschlossene Herzen und hilfsbereite Hände finden wird. Spenden erbeten an: Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland. Postscheckkonto: Hamburg 24753. Briefanschrift: Hamburg 13, Heinr. Barthstr. 21 b. Pels. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Eröffnung des Sommersemesters im Rabbiner- Seminar. Berlin, 5. Mai. Im Beisein der gesamten Hörerschaft und vieler geladenen Gäste aus den Kreisen der Berliner Rabbiner und jüdisch-wissenschaftlich Interessierten wurde am 3. Mai, nachmittags 17 Uhr, dm Hörsaal des Rabbiner-Seminars Artilleriestr. 31, das Sommersemester feierlich dlurch den Rektor, Herrn Rabbiner Dr. Weinberg, eröffnet. In einer temperamentvollen hebräischen Ansprache gab er dem Mitgefühl mit den Opfern der Unruhen in Palästina und der Verbundenheit des gesamten Judentums mit dem Werk des Palästinaufbaues Ausdruck. Er betonte, daß nicht alle Hörer der Anstalt in Zukunft eine Stellung hier erwarten könnten, daß aber Palästina auf sie warte. Auch die gesetzestreuen Rabbiner könnten mit Recht den Anspruch darauf erheben, das Leben in Erez Israel entscheidend zu beeinflussen und mitzugestalten. Das, wasdie Gaonen von Aschkenas, ein Samson R. Hirsch, Esriel Hildesheimer und David 'Hoffmann, gelehrt, habe sich im Leben bewährt. Ihre Schüler hätten es verstanden, die Jugend zu gewinnen, eine Entfremdung von Eltern und Kindern zc verhüten, hätten bei aller Wahrung der UeberMeferung den G'ttesdienst würdig gestaltet und allen wichtigen Momenten des Leibens eine feierliche und einidrucksivolle religiöse Weihe gegeben. Auch die vielgeschmähte Predigt sei ein geistiges Bedürfnis der Intelligenz und daher nicht zu entbehren und durch die alte Derascha nicht vollwertig zu ersetzen. So sei es eine Aufgabe, das Leben in Erez Israel im Geiste von Thora im Derecherez entscheidend mitzugestalten im Sinne der Ideale, die der Gründer der Anstalt und seine Mitarbeiter der deutschen Orthodoxie gegeben habe. Den eigentlichen Eröffnungsvortrag hielt dann der Dozent Dr. Esriel Hildesheimer über das Thema „Die Jeschiwoth in gaonäischer Zeit". Er behandelte das Thema eingehend und erschöpfend auf Grund der neuesten Forschung und deis gesamten Quellenmaterials und "gab den Hörern und Gästen ein eindrucksvolles und anschauliches Bild einer für die jüdische Wissenschaft bedeutsamen Epoche. Seine Ausführungen fanden reichen Beifall. Volk der Schrift. Von B. Cohen. n»ö *i»d nna (Schluß von nna) minn narraw ixhn itwiibt rrpnpni rrmaVn ■won nvn '*y Es lehrt uns dies, daß nicht nur die Thora selbst, sondern auch alles, was zu ihr gehört: Erklärungen, halachische und Sprachfeinheiten durch Moses am Sinai verkündet wurden zur Sidra). 1. Selbst der unglücklichste Gesetzestreue, den faktisch nur die Not der Zeit ins heilige Land treibt, bleibt, sofern seine Thoratreue bewußte Ueberzeugung ist, sich dessen bewußt, daß er in ein wirklich heiliges Land kommt, wo noch mehr als in der bisherigen Heimat sich das ganze Leben der Thora zu unterordnen hat. Vor Allem sollte dies von der Thora und dem Studium unserer sonstigen heiligen Schriften gelten. Es ist halachisch wohl weder innerhalb noch außerhalb des heiligen Landes nach autoritativen Meinungen verboten, ein hebräisches Missions-Tenach zum Tenachstudium zu benutzen law an asttiönr- So lehrte uns Dr. J. Wohlgemuth im Namen seines Großvaters R. Jeschaja.) Doch will es uns scheinen, als sei es für das heilige Land gefühlsmäßig nicht angebracht, auf diese Art Tenach angewiesen zu sein. Für die meist bedürftigen gesetzestreuen Siedler und Kibbuzim sind die üblichen kommentierten Ausgaben (rrrwai '~sn und ähnlich) nicht billig genug, schon weil sie mehrbändig sind. Hier könnte sich ein. :n thoratreuer Hand befindlicher Verlag ein unsterbliches Verdienst erwerben. Eine Temach-Ausgabe ist vonnöten, die den ungetrübten Geist des „Volkes der Schrift" atmet. Die Ausgabe der Bibelgesellschaft des Würzburger Raw könnte, unter gewissenhafter Berücksichtigung seitheriger jüdischer und nichtjüdischer Massora-Forschungsergebnisse (Ehrentreu jun., Kahle}, als Vorbild dienen; desgleichen Baers Dnaio 2. Schon das Auge soll den rein jüdischen Geist dieses Unternehmens zu erkennen vermögen: Die niöWDi riinvs nvens sollen vorschriftsgemäß wie ein n"0 zu unterscheiden sein. Wenn es den Druck nicht zu sehr verteuert, mag ein lakonisch gefaßter neuhebräischer, streng traditioneller Kommentar am Rande stehen, im Wesentlichen Auszug aus Raschi.. Ob 'die übliche, bekanntlich nichtjüdischen Erklärern entstammende Kapitel- und Versizählung beizubehalten ist, die der fliöttoi Amins nv»ir-Einteilung widerspricht, darüber sind verschiedene Meinungen möglich; die Rücksicht auf Talmudstudium mit "iik nnn spricht für Beibehaltung. 3. Verbilligung und jüdische Eigenart sind die wichtigsten Prinzipien für dieses Desideratum. Das bezieht sich vor Allem ohne Einschränkung auf die äußere Ausstattung, für die auch die Haltbarkeit Vorbedingung ist, da in Siedlungen Ersatz und' Reparatur meist nicht möglich äst. Wenn .es nicht zu sehr verteuert, sei auch noch folgender Wunsch angefügt: Schrifttypen gleich den für das rro vorgeschriebenen Buchstabenformen, mit „Kronen" und spitz zulaufenden b und n- Setzt sich diese Tenachausgabe durch, so eröffnet sich von hier aus der Ausblick auf eine Möglichkeit zur Wahrung der Weihe des Schriftwortes überhaupt für ">"&: In einem späteren. Zeitpunkt mag dann diese Schrift durch eine autoritative rabbinische Stelle des heiligen Lande«, als der für alle niznpaw ann allein zulässige Typensats erklärt werden, damit endlich wieder der unerläßliche Unterschied b inh pnp ]' a in Druck und Schrift durchgeführt wird. Die heutigen hebräischen Drucktypen und die in ""R neustens so schön mit der sephardischen Aussprache verbrüderte jüdisch-deutsche Schreibschrift mögen alsdann für Profan 'dinge verwendet werden. Die augenblickliche Profanierung der einzigen hebräischen Type und Schrift ist dem Thorageiste des Landes nicht förderlich. Diese hier ersehnte Aenderung hätte wohl eine maßgebliche Präzedenz; denn nach einigen Ansichten hat auch Esra die althebräische Schrift deshalb/ weil sie durch 'die Samaribaner usurpiert und mißbraucht worden war, durch die heutige, für uns heilige rpiws arö ersetzt. Wir aber brauchten gar nicht erst eine so tiefgehende Aenderung vorzunehmen, sondern nur zur halachisch festgelegten Urgestalt der n'TiiPR ans zurückzukehren. 4. Es ist also ein Unternehmen größter Tragweite, das hier gefordert wird. Kaufmännischen Fachleuten bleibe die Erwägung überlassen, wie einer solchen hebräischen Bibel auch Welt-Käuferschaft besorgt werden kann, etwa durch Liebhaberausgabe für?lt& nsin und Aehnliches. Sicherlich könnten auch eine kleine Anzahl thoratreuer und thorakundiger Akademiker vorübergehend durch die wissenschaftlich« Vorbereitung dieser Ausgabe in Dienst genommen werden. Später müßte eine für ^'R umgearbeitete Ausgabe des Rödelbeimer (und für Sefar-

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