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Der Israelit · 1936-05-14 · Heft 20 (14.5.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 20 (14.5.1936)
Date
1936-05-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 20 Der Israelit 14. Mai 1936 Sicherheit und Politik in Erez JisroeL London, 12. Mai. Das britische Kabinett ist gestern Abend unerwarteferweise zu einer Spezialsitzung einberufen worden, von der man vermutete, daß sie den derzeitigen Völkerbundverhandlungen über die abessinische Frage gelte, die aber, wie die „Times" heute früh meldet, anscheinend g a n z u n d gar der Lage in Palästina gewidmet war. Die Sitzung dauerte über eine Stunde. Nach dem Times-Bericht erkannte das Ministerium an, daß die Lage durch den arabischen Generalstreik und angesichts der Nähe der arabischen Feiertage, die immer Gelegenheit zur Verschärfung der Spannungen geben, Vorsichtsmaßregeln erfordere und man versicherte dem High Commissioner, daß er auf jedwede Unterstützung bei der Herbeiführung von Truppenverstärkungen und anderen Sicherheitsmaßnahmen rechnen dürfe: Es ist kaum anzunehmen, daß es einer besonderen Kabinettssitzung bedurfte, um diese Selbstverständlichkeiten festzustellen. Vielmehr ist anzunehmen, daß ein Zusammenhang besteht zwi sehen diesen Beratungen und der inzwischen in Jerusalem erneut ergangenen Aufforderung des High Commissioner an die arabischen Führer, eine Delegation nach London zu schicken, mit der man, wie es ausdrücklich heißt, bereit sei, auch die Frage der jüdischen Ein Wanderung und der jüdischen B o denkäufe zu diskutieren. Daß diese Mitteilung nicht gerade geeignet ist, in jüdischen Kreisen beruhigend zu wirken, liegt auf der Hand. Wenn auch nicht daran zu denken ist, daß die englische Regierung vor arabischem Terror zurückweicht, oder gar kapituliert, so weiß man doch nicht, ob im Hintergrund der neuen Verwicklungen nicht dieser oder jener hochpolitische Faktor steht, so z. B. I b n Saud. Aeußerste Wachsamkeit aller derer, denen es ernst ist mit der loyalen Aufrechterhaltung und Durchführung der Balfourerklärung, scheint jedenfalls geboten. Die Lage in Palästina bis Mittwoch abend* (Letzte Berichte.) Truppen aus Aegypten. — Wieder Ausnahmezustand in Jaffa. — Warnungen. — Kinderdemonstration mit Toten und Verwundeten. — Provisorische Anlegestelle in Tel Awiw. — Flüchtlinge in Tel Awiw. — Der Mufti rechtfertigt sich. Jerusalem, 13. Mai. Die angekündigten Truppen aus Kairo sind am Montag in Jerusalem, Jaffa und Tel Awiw eingerückt und von den streikenden Arabern mit eisigem Schweigen empfangen worden. Die Juden vermieden taktvoll jede Aeußerung von Beifall oder Mißfallen. Ueber Jaffa wurde am gestrigen Dienstag wiederum der Ausnahmezustand verhängt, wonach die Bewohner nach 7 Uhr abends ihre Häuser nicht, verlassen dürfen. Auf Tel Awiw, das übrigens vollkommen ruhig, rührig und arbeitsam wie immer ist, erstreckt sich dar Ausnahmezustand tl i c h t. Alle ausländischen Pavillons auf der Levante messe, die bisher wegen des Streikes nicht ausstellen konnten, sind nunmehr eröffnet, da die im Hafen von Jaffa lagernden Waren inzwischen in die Messehalle nach Tel Awiw geschafft werden konnten. Man sieht dem kommenden Freitag, den 15. Mai, mit großer Spannung und nicht ohne Bangen entgegen. An diesem Tage ist das arabische Ultimatum, mit dem (die Araber die sofortige Einstellung der jüdischen Einwanderung fordern, abgelaufen, und an diesem Tage soll, im Falle einer Ablehnung, auch der Steuerstreik beginnen. Der High Commissioner hat mit Hinblick auf den nahenden Termin durch den Rundfunk eine Mahnung an die Bevölkerung erlassen, der Parole zum Steuerstreik und Ungehorsam nicht zu folgen. Die Streitkräfte, hieß es in der letzten Mahnung, können durch Lufttransporte in kürzester Zeit und mühelos verstärkt werden, und es sei der feste Wille der Regierung, den friedliebenden Teil der Bevölkerung, besonders auf dem flachen Lande, unter allen Umständen vor Gewaltakten zu schützen. Brandstiftungen werden schwer geahndet werden. Es seien jetzt schon über 600 Unruhestifter verhaftet. Der Aufruf schließt mit einer Androhung strengster Strafe für jede Beteiligung an Gesetzwidrigkeiten, auch die Verbreitung falscher Gerüchte gelte als solche. Als unverzeihlich wird der Versuch der Araber gebrandmarkt, Kinder in die Gefahrzone vorzuschicken. Am Montag abend wurden in Jaffa 500 ältere und kleinere Kinder von Demonstranten gegen die Polizei geführt. Als trotz der Verwarnung das Steinbombardement nicht aufhörte, sah sich die Polizei gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, wobei etwa zehn jugendliche Araber schwer verletzt wurden. Ein sechsjähriges' Kind wurde tödlich getroffen. In Tel Awiw erfuhr man von dieser Demonstration erst am folgenden Morgen durch die Zeitungen, nur am Stadtrande brannte in später Abendstunde ein jüdisches Haus.' Die Wünsche der Juden nach einem eigenen Hafen in Tel Awiw sind noch nicht erfüllt, doch wird eine provisorische Ausladestation an der Mündung des Jarkon vorbereitet, deren Kosten die Stadt Tel Awiw übernimmt. Noch im Laufe dieser Woche wird eine Besprechung mit dem High Commissioner stattfinden, um die Ausladestelle schon in aller Kürze zu errichten. Die Entrüstung gegen den im Mittelpunkte des Streikes stehenden Bürgermeister in Jerusalem, Dr. Khalidi, wächst mit jedem Tage. Der Forderung der Agudas Jisroel nach seinem sofortigen Rücktritt, schloß sich nun auch der W a a d 1 e u m i an. Die Rückwanderung der Flüchtlinge in ihre Heimstätten hält an, trotzdem befinden sich in Tel Awiw noch etwa 700® Flüchtlinge, die auf Kosten der Stadt verpflegt werden. Die Regierung hat eine Subvention bewilligt und die Stadtverwaltung bemüht sich, eine Erhöhung dieser Beiträge für die Flüchtlingsfürsorge durchzusetzen. In Haifa wurde ein Bombenanschlag gegen den Bürgermeister Hassan by Shukri verübt, der großen Sachschaden anrichtete, ohne den Bürgermeister zu treffen. Der Bürgermeister steht im Verdacht, gegen eine Verschärfung des Streikes zu sein. Auch der Großmufti von Jerusalem scheint die fanatischen Kreise nicht ganz zu befriedigen. In einer großen Rede mußte er sich gegen viele Vorwürfe rechtfertigen und versichern, daß er die Hälfte seiner Einkünfte für die arabische Nationalbewegung hergebe. Er habe selbst darauf hingewiesen, daß die Juden die Araber aus Palästina vertreiben und die Omar-Moschee in ihren alten Tempel umwandeln wollten. Die in dieser Versammlung angenommene Resolution gibt die Parole aus: Wirtschaftsboykott gegen die Juden und Steuerboykott gegen die Regierung! Die nächste Nummer des Israelit kommt wegen des bürgerlichen Feiertages schon am Mittwoch, den 20. Mai, zur Ausgabe. Die Nummer 22, als Festhummer zu Schwuaus, erscheint am Dienstag, den 26. Mai. Neue schwere Ausschreitungen in Palästina. — Ein Jude getötet. Jerusalem, 14. Mai. Am Mittwoch ist es zu neuen schweren Ausschreitungen der Araber gekommen. In Jerusalem wurde in der Altstadt der 25jährige Reuben Klapfoolz von Arabern überfallen und getötet. Später feuerten Unbekannte zweimal auf einen jüdischen Passanten, der jedoch unverletzt blieb. Gegen das Polizeirevier in der Altstadt von Jerusalem wurde ein Bombenanschlag verübt. Die Polizei führte im Klub der arabischen Jugend überfallsartig eine Haussuchung durch» Man glaubt, daß das Hauptquartier, von dem die terroristischen Akte geleitet werden, sich in diesem Klub befindet. Zwei Personen wurden bei der Haussuchung verhaftet. In Jaffa veranstalteten 6000 Araber eine lärmende Straßenkundgebung. Von den Demonstranten wurden Rufe wie „Tötet die Juden" ausgestoßen. Es dauerte eine und eine .halbe Stunde, bis es gelang, die Menge zu zerstreuen. Ein Bombenanschlag wurde auch gegen die Wirkwarenfabrik „Gerev" in einer Jaffaer Vorstadt verübt. (ITA.) (Weitere Berichte aus Palästina siehe auf Seite 6.) Die Einwanderungsschedule bewilligt. Jerusalem, 14. Mai. Ungeachtet des arabischen Ultimatums, in dem die Ankündigung der völligen Einstellung jüdischer Einwanderung nach Palästina gefordert wird, hat der High Commissioner der Jewish Agency heute mitgeteilt, daß er den neuen Arbeiter - Einwanderungs - Schedule bewilligt habe; die Zahl der auszugebenden Zertifikate werde zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden. Jaffaer Araber rücken von den Unruhestiftern ab. Tel Awiw , 11. Mai. Ein Mitarbeiter der Tageszeitung „Dawar" hatte in Jaffa Gelegenheit, mit dortigen arabischen Notabein über die letzten Unruhen zu sprechen. 'Einer der Notabein erklärte, die Ausschreitungen seien nicht von den in Jaffa ansässigen Arabern ausgegangen. Diese empfänden vielmehr die Ereignisse als eine Schande. Hätten sich die Araber Jaffas tatsächlich den Unruhen angeschlossen, so wären mindestens 500 Juden den Ausschreitungen zum Opfer gefallen. Vielfach hätten Araber in Jaffa die Juden vor den drohenden Exzessen gewarnt und sie beim Ausbruch der Unruhen^bei sich verborgen. Nur die verhetzten Hauranier hätten Morde begangen. Ein anderer Notabler erklärte, die Rädelsführer der Unruhen seien mit Terrormitteln vorgegangen. Rabbiner Dr. Simonsöhn V'XT» Breslau, 14. Mai. Bei Schluß der Redaktion kommt die Trauerkunde aus Breslau, daß dort Gemeinderabbiner Dr. Simon söhn nach kurzer Kranikheti abberufen wurde. Er sah auf eine 25jährige gesegnete Tätigkeit zurück und seine Arbeit gehörte der Thora und der Wohltätigkeit. Seine aufopfernde Tätigkeit besonders für die hiesige jüdische Volks- und höhere Schule, wie all seine anderen Verdienste für Gemeinde und Gemeinschaft, sollen in nächster Nummer eingehend gewürdigt werden. n"nX3rv

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