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Der Israelit · 1936-05-07 · Heft 19 (7.5.1936) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 19 (7.5.1936)
Date
1936-05-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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:7. Mai 1936 Der Israelit Nr. 19 Seite 13 Personalien. Tann (Rhön), 4. Mai. Der Rückgang der Mitgliederzahl unserer Gemeinde macht sich sehr bemerkbar. Im Verlaufe des vergangenen Jahre® hat sich die Seelenzahl- bis" auf 40 vermindert. Auswanderung, Wohnsitzveränderung und Todesfälle haben an unsere n^np deutliche Spuren hinterlassen! Besonders schmerzlich mußte die Gemeinde das auf eine große Tradition zurückblickende Haus Sandel Heilbronn aufgelöst seihen. Die Enkel und Urenkel sind nach Amerika ausigewandert. . Weiter nahmen wir sehr schwer Abschied von unseremältesten Gemeindemitglied, Herrn Menko 'Fr'eudenthal und Frau, welche ihren Wohnsitz nach Leipzig verlegten. Herr Freudenthal war früher über 25 Jahre Gemeindevorstand und führte in selbstloser Art sein Amt. Für jüdische Belange war er ein rühriger Mitarbeiter. Mit Herrn Freudenthal zog einer unserer gelehrtesten und geschätztesten Freunde fort. Die Gemeinde wird sich seiner Frau und ihm immer in Ehren zurückerinnern. *niv o'"K&si nsta ty Tann (Rhön), 4. Mai. Es starben hier Frau Klara F.reudenthal geb. Reinstein im Alter von: 68 Jahren und Frau Klara Freudenthal geb. Haas im Alter von ..75 Jahren. •rrrmri Schwab. Hall, 3. Mai. Der in weiten Kreisen bekannte und allseitig beliebte Herr Bezirksrabbiner Dr. Jakob .Berlin ig er i. R. feierte am 6. April in körperlicher und geistiger Frische seinen 7 0. Geburtstag. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch ungezählte Jahre'im Kreise seiner Familie verbringen zu können. •wyws? Vermischtes. Bezirkstagung der Agudas Jisroel in Karlsruhe. Karlsruhe, 5. Mai. Von der Landes Organisation der Agudas Jisroel in Deutschland und der Agudas Jisroel-Ortsgruppe in Karlsruhe wird eine B e z i r k s t a g u n g vorbereitet, für die folgendes Programm vorgesehen ist: Sonntag, den 17. Mai, 15 Uhr: Begrüßungsansprache des Herrn Rabbiners Dr. A. M i c h a 1 s k i, Karlsruhe; Vortrag de® Herrn Rabbiners Dr. M. Bohrer, Gailingen, „Landjuden?"; Vortrag: David Ulimann, Frankfurt a. M., Mitglied der Palästinazentrale, „Unser Weg nach Erez Jisroel". — Nach jedem Referat Diskussion. — Sonntag, den 17. Mai, 20 Uhr: Große Kundgebung. Vortrag des Vorsitzenden der Landesorganisation der Agudas Jisroel, Herrn Rabbiner Josef J. Horovitz, über: „Religiöse Erneuerung, die Aufgabe der Zeit". Ort der Tagung: Karl Friedrich-Loge, Karlsruhe, Kriegsstr. 154. — Die Agudas Jisroel ruft alle in ihre Reih-en,: die den Wunsch haben, daß das religiöse Moment immer stärker in den Mittelpunkt unsres Gemeinschaftslebens gerückt werde, und alle, 'die von der tiefen Ueberzeugung erfüllt sind, daß Erez Jisroel „unser Land" nur auf religiöser Grundlage aufgebaut werden darf. Auf Wunsch können Freiquartdere zur Verfügung gestellt , werden. Berlin, 1. Mai. Vor einiger Zeit hatte das Landgericht Berlin die Klage eines nichtarisohen Ehemannes gegen seine nichtarische Ehefrau auf Herstellung der ehelichen Lebensgemeinschaft mit der Begründung abgewiesen, daß die Wiederherstellung geschie- . dener Mischehen dem Abschluß neuer Mischehen gleichzustellen und in analoger Anwendung der Nürnberger Gesetze unzulässig sei. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln vertritt den gleichen Standpunkt. Dieses Urteil ist, wie aus der „Juristischen Wochenschrift", Seite 1212 hervorgeht, vom Reichsgericht aufgehoben worden. Das Reichsgericht kennzeichnet die Annahme des Oberlandesgerichts, daß die Verurteilung zur Wiederherstellung der häuslichen Gemeinschaft einen staatlichen Machtspruch bedeute, f durch den der verurteilte Ehegatte zur Fortsetzung**des ehelichen Verkehrs, und damit, falls der andere Teil jüdisch ist, zur Erzeugung von Mischlingen gezwungen werden, als unzutreffend. Rechtspflichten so persönlicher Natur seien nicht erzwingbar. Im übrigen habe sich das Oberlandesgerioht zu Unrecht über die Vorschriften des- Blutschutzgesetzes hinwegsetzt. Das Blutschutzgesetz und die dazu ergangene Ausführungsverordnung regeln das Recht der Eheschließung zwischen Personen deutschen Blutes mit Personen artfremden, insbesondere jüdischen Blutes, umfassend und erschöpfend. Die bereits bestehenden Mischehen werden in ihrem Bestände nicht betroffen, woraus folgt, daß alle rechtlichen Beziehungen der Ehegatten zueinander bestehen bleiben. Solche Ehegatten, wie alle Ehegatten überhaupt, seien einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet. Da die nationalsozialistische Weltanschauung ihr Blutschutzgesetz und der dazu ergangenen. Ausführungsverordnung ihren vollständigen un<| abschließenden Ausdruck gefunden hat, ist für eine,..ausdehnende Auslegung dieser Vorschriften . tinter Berufung auf; das Volksempfiriden kein " Raum vorhanden. Dasi. Reichsgericht erinnert schließlich an seine Entscheidung vom 30. Januar 1936, in dem näher ausgeführt ist, daß auch heute nicht zweierlich! Recht für Ehen zwischen Rassegleichen und für die bereits bestehenden Mischehen, und erst recht nicht für den deutschblütigen und den jüdischen Teil einer Mischehe gilt, und daß, solange der arische Teil nicht die Scheidung oder Nichtigerklärung der Ehe erreicht hat, er sich vom Ehebunde nicht lösen und nicht verlangen kann, für sich allein zu leben, nachdem ihm die. Auswirkungen der Rasseungleichheit fühlbar geworden sind.- Köln, 3. Mai. Auf Antrag von Direktor Dr. Klibansky hat der Reichserziehungsminister durch Erlaß vom 18. April 1936 — E III b 1118 — genehmigt, daß mit Beginn des Schuljahres 1936 am Reformrealgymnasium J a w n e in Köln Englisch als erste Fremdsprache eingeführt wird. Da der weitaus größte Teil unserer Schuljugend nach Palästina oder anderen Ländern englischer Zunge auswandern dürfte, kommt diesem Erlaß eine besondere Bedeutung grundsätzlicher Art zu. . Sennfeld (Baden), 5. Mai. Unsere Gemeinde beging am vorletzten Sonntag das hundertjährige Jubiläum ihrer Synagoge mit einer würdigen Feier. Zahlreiche nordbadische und württembergische Gemeinden waren vertreten. Ein vom zuständigen Lehrer, Herrn Moritz Bloch, Adelsheim, gut eingeübter f * SOEBEN. ERSCHIEN :. ANLEITUNG ZUM TALMUDSTUDIUM von NAPHTALI COHN ERSTES HEFT ZU TRAKTAT SABBAT ABSCHNITT I Das Werk umfaßt 52 Seiten einschließlich einer . hebräischen Anmerkung von Rabb. Woli S. Jacobson, Kopenhagen Diese grundwissenschaftliche und trotzdem populäre Einführung in das Talmudsiudium wird gerade heute, da derJTalmud so vielfach verkannt wird, jedem Lernenden von größtem Nutzen sein. Zu beziehen zum Preise von RM. 1.50 VERLAG DES ISRAELIT u. HERMOH GmbH. Abteilung Hermon-Verlag Frankf urt'a. M., Schützenstraße 12 Postscheckkonto: Frankfurtmain Nr. 39592 I J Kinderchor eröffnete mit dem japhetischen Ma Towu die Feier. Anschließend rezitierte Herr Lehrer Bloch einen Psalm. Eine Schülerin trug einen von Frl. Milka Kälbermann, Großeicholzheim, verfaßten Prolog vor, worauf mit dem Ausheben der Thorarollen und den üblichen Umzügen die eigentliche Feier begann. Die Gesänge beim Einheben werden nun von Herrn Lehrer Dav. Baracker, Mosbach, vorgetragen. Herr Vorsteher L e v i entbietet den zahlreich Erschienenen die Grüße der Festgemeinde. Der Vertreter des Oberrats der Israeliten Badens, Herr Prof. K. Darmstädter, Mannheim, übermittelt die Grüße und Wünsche des Oberrats. Für die Bezirkssynagoge Merchingen, zu der die Jubelgemeinde gehört, spricht Herr Synodalabg. Bezirksältester Moritz Rosen bäum, Hainstadt. Sodann überbringt Herr Synodalabg. Bezirksältester Dav. R o t h s c h i 1 d , Mosbach, ' die Glückwünsche der Bezirkssynagoge Mosbach und schildert in längeren Ausführungen die Gemeindetraditionen und überreicht eine von Lehrer Baracker, Mosbach, künstlerisch entworfene Ehrenurkunde. Bezirksältester Leop. Cahn, Wertheim, übermittelt durch Herrn Bezirksrabbiner G r ei 1 s h eimer, Mosbach, - die Glückwünsche der Bezirkssynagoge Wertheim a. M. Es sprach nun Herr Samuel Jesselsohn, Neckarbischofsheim, einer der gesetzestreuen Pioniere Badens, sinnige Thoraw"orte. ' Herr Hauptlehrer Ka'ti'fm a n n , Mannheim, der jahrelang in Sennfeld segensreich gewirkt hatte, richtete markige Worte an die Festversammlung. Für die benachbarten württemb*ergischen Gemeinden überbringt Herr Kirchenpfleger Gutmann, Ohihausen, Grüße. Von größter Wirksamkeit'waf die Festpredigt unseres Raw, Herrn' Bezirksrabbiners Gr ei lshei m e r, Mosbach. Von; der Forderung zur nsrnj? in der Sidra ausgehend', schilderte der Herr Rabbiner die Gründungszeit des Gotteshauses und erwähnte die Männer, die das heilige Werk vollbracht haben. In tiefster Dankbarkeit gedenkt Redner des ersten Vorstehers, Herrn Moses Hamburger, Carl Reis u. a., sowie der amtierenden Lehrer bis auf den derzeitigen zuständigen Lehrer Mor. Bloch, Adelsheim und aller für die Gemeinde verdiente Männer. Anschließend daran trug Herr Lehrer D. Scheuermann, Großeicholzheim, das nm» -Gebet vor. Mit Psalmgesängen, warm vorgetragen von Herrn Lehrer Baracker,'' Mosbach, schließt die denkwürdige Feier. Br. Königsbach, 4. Mai. Fast die ganze Gemeinde hatte sich im Gemeindelokal versammelt, um den Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Michalski, Karlsruhe zu lauschen, der im Auftrage der Agudas Jisroel deren Ziele und Ideale dem Verständnis näher brachte. Ausgehend von »der Bedeutung der Sefiroh, die der Redner in geistvoller Weise zu erklären wußte, zeigte er, wie auch die Agudas Jisroel dort erst, wo Andere schon zu ernten glauben, erst zum Gesetz sich zu zählen und zu streben beginnt. Im Bewußtsein der Eigenart des jüdischen Volkse, die in den Worten des gestrigen Wochenabschnittes '}> rnrnb O'ösn l» 03/iK 5>H38i (gezeichnet ist, liegt es begründet, daß die Agudas Jisroel nicht einen Staat wie andere Staaten im heiligen Lande ersehnt, in dem Trennung von Staat und Tempel das Volk entzweit, sondern im Geiste der Thora die Errichtung des G'ttesstaates zu fördern bemüht ist. Der Redner führte nach Abgrenzung der Idee der Agudas Jisroel von denen der anderen Organisation an zahlreichen Beispielen vor Augen, was Agudas Jisroel auf den verschiedensten Gebieten geleistet und erreicht hat. Er wies dann in anschaulicher Weise auf die Geistesbewegung der Agudas Jisroel für Thora und Mussar hin und wußte die Zuhörer in den Bahn seiner Worte zu ziehen, daß sie tiefe Ergriffenheit auslösten und nachhaltigen Eindruck hinterließen. Antwerpen, 4. Mai. Die Semestereröffnung der Jeschiwa in Heide findet n*'8 Sonntag, den 10. Mai statt. Wahrend im vorigen Sman 65 Bachurim den Kursen der Jeschiwa folgten, werden es in diesem Sman ca. 80 sein. Sie alle lernen und wohnen im Gebäude der Jeschiwa. Nähere -Anfragen wie auch Anmeldungen sind zu richten an: Jeschiwa Etz Chajim, Heide (Antwerpen]. Sprechsaal. Zuden Bemerkungen „Liberales Judentum in Palästina, Wie mir scheint, ist die verehrliche Redaktion den Ausführungen des Dichters Ben Chor in nicht gerecht worden. Es ist nicht zu bezweifeln, daß der orthodoxe Jude Gebetsstätten, wie sie ihm zusagen, in Palästina finden wird und daß ihm Ordnung, Sauberkeit, Aussprachsweise und Vortrag z. B. in der Synagoge des Schaare-Zedek-Hospitals durchaus zusagen werden. Aber darauf kommt es gar nicht an, da vielfach die aus Deutschland hergekommenen orthodoxen Juden sich ein Privatminjan leisten und so allen Schwierigkeiten aus dem Wege gehen. Es fragt sich aber: kann man die Juden, die sich in Deutschland abgewöhnt hatten, eine Synaigoge regelmäßig zu besuchen (wenigstens am Sabbat) — und das sind nicht nur solche, deren Wiege in Deutschland stand, sondern solche, deren Assimilation in Deutschland schon weit vorgeschritten war, -- wieder dafür gewinnen, an einem Beten nach der Tradition teilzunehmen, oder soll man ruhig zusehen, wie sie weiter dem religiösen Leben einer Synagoge fernbleiben oder nach berühmtem Muster nur dreimal jährlich eine Visitenkarte abgeben!? Hier wäre eine ungeheure Pionierarbeit zu leisten, keine angenehme, denn der Boden ist noch nicht reif, die alte Gewohnheit wird gern fortgeführt, und vorläufig findet man im Hinweis auf die Unsauberkeit usw. der bestehenden kleinen, am Sabbat überfüllten Beträume Rechtfertigung und Begründung eines Tuns, das man noch gar nicht ernstlich ändern will. Das Beispiel des Ichud in Tel Awiw — und Aehnliches soll auch in Haifa existieren — zeigt Notwendigkeit und Möglichkeit des Erfolges, aber das Beispiel besagt doch wieder nicht genug, weil es sich hier zumeist um ehemals einigermaßen konservative Juden handelt. Sollte aber — und bei dem religiösen Indifferentismus ist es zu befürchten — eine liberale Synagoge mit den alten sog. Zugmitteln hier erstehen, dann hat das konservative Judentum ein für allemal sich den Weg zu den Herzen derer versperrt, die hier wenigstens nach der Rückkehr ins Judenland die Rückkehr zum Judentum finden sollten. Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden. Es muß eine kleine Gruppe gefunden werden, die unter Opfern den Anfang macht und dann die Stimmen derer hört, die da sprechen: wir freuen uns, Wenn man uns in das Haus G'ttes führt! Ohne daß damit eine Reklame verbunden 'ist (wie z. B. die Zeitungen die prominenten Besucher des Jeschurun- G'ttesdienstes in Jerusalem namentlich aufführen). Hisaharu! kann man auch hier ausrufen! Und, alle Möglichkeiten eines Einflusses sollte sich das orthodoxe Judentum hier nicht immer wieder aus den Händen nehmen lassen! P.

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