Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1936)
- Date
- 1936-05-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr. 19 Der Israelit 7. Mai 1936 Die Frankfurter Woche, Siegfried Neuberger V'ST« Tiefe Erschütterung ging durch die Gemüter, als am Montag morgen bekannt wurde, daß unser Siegfried Neuberger ausgerungen hatte. Am Abend vorher noch verrichtete die Gemeinde in 'Unserer Synagoge heiße Gebete für seine Gesundung, der Walter der Geschicke hat es aber anders beschlossen und rief ihn zu sich, zur tiefsten Bestürzung all seiner Freunde. Denn wer in der Gemeinde und darüber hinaus durfte Siegfried Neuberger nicht seinen Freund nennen? Mit seinem geraden, goldreinen Charakter, seiner peinlichen Gewissenhaftigkeit in allen Belangen des Lebens, seiner tiefen, schlichten Frömmigkeit, seinem bescheidenen, allem Guten und Schönen, vorab allem Jüdischen zugewandten Sinne wandelte Siegfried Neuberger unter uns, geliebt, verehrt und geachtet von allen. Fast ein halbes Jahrhundert diente er mit einer Treue ohnegleichen an verantwortungsvoller Stelle dem Hause Beer Sondheime r u. Co., mit dessen Begründern ihn schon von Kindheit auf enge Freundschaft verband. Wie er auch sonst im Gesellschaftsleben, im Verkehr mit Freunden, in seiner Verbundenheit mit der Kehillo stets nur ein Musterbild eiserner Pflichttreue war. Er lernte Thora, wo sich ihm Gelegenheit dafür bot und YD5 mwn war ein Grundzug seines Wesens. Dieser bescheidene Mann, der sonst Ehren und Aemtern aus dem Wege ging, ließ sich doch keine Geleigenheit entgehen, um aus verborgener Ecke in seiner stillen Art der Kehilla und ihren Institutionen, wie überhaupt dem Wohltun, zu dienen. Im Stillen half er seiner in der Wohlfahrtsarbeit unermüdlichen und hochverdienten Gattin, im Stillen unterstützte er mach seinem Können die einzelnen Hilfsstellen der Gemeinde. Die Liebe seines Herzens gehörte insbesondere der S. R. Hirsch- Schul«, der er sein Wissen und seine charakterliche Ausbildung verdankte. Mehrere Jahre stand er als Vorsitzender an der Spitze des Elternrates der Schule, und in seine Amtszeit fällt auch die Begründung der Schulspeisungen, die sich zum großen Segen ausgewirkt haben. Kein Wunder, daß gerade im Freundeskreise der Schule 'dieser frühe Tod des Freundes und stillen, emsigen Mitarbeiters größte Bestürzung ausgelöst hat. All die Liebe und Verehrung, die wir für diesen trefflichen Mann hatten und all die Trauer, die uns bei seinem Abschied erfüllte, spiegelte sich .deutlich bei der Bestattung auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft am Mittwoch vormittag wider. Eine überaus große Trauergemeinde hatte sich eingefunden, und an der Bahre schilderte unser Gemeinderabbiner, J, Horo vitz, in warmen Worten die herrlichen menschlichen und jüdischen Eigenschaften dieses emn l^m und seine Verdienst« für die Kehilla. Es machte das Glück seines Lebens aus, daß der älteste Sohn (der in der jüdischen Öffentlichkeit und im Agudaleben nicht unbekannte Herr R.-A. Manfred Neuberger in Jerusalem) auf heiligem Boden für Thora und Israel wirkte und es war ihm im Vereine mit der gleichgearteten Gattin gegönnt, auch die jüngeren zwei Söhne in Thora und Juden tum stark verwurzelt zu sehen. Innige Trostworte an Gattin und Kinder schlössen sich dem trefflich gezeichneten Charakterbilde an. Bewegte Worte der Trauer und des Abschiede«' im Namen der Familie sprach der Bruder des Heimgegangenen, Herr Max Neuberger, Berlin. Wir werden unserem so früh von uns gegangenen Freunde Siegfried Neuberger ein ewiges Angedenken bewahren. •rraxjn Zehn Jahre Jüdischer Turnerbund e. V., Frankfurt. Als vor zehn Jahren einige jüdische Jugendliche den Entschluß faßten, einen jüdischen Turnerbund ins Leben zu rufen, waren verschiedene noch heute wirksame Gründe .dafür vorhanden. Sie wollten ein Milieu schaffen, in dem in der jüdischen Tradition verwurzelten Menschen in einem .gleichffesinnten Kreis zusammen. Turnen, Sport und Leichtathletik treiben könnten. Dazu war es nötig, die Ueberbewertung, die in weiten Kreisen auch der jüdischen Jugend die körperliche Ertüchtigung gefunden hatte, auf ein richtiges Maß zu beschränken. Die Satzungen verboten deshalb ein Uebermaß von Wettspielen, um den Traindngsbetrieb einschränken zu können. Die Gründer ließen sich von der Erkenntnis leiten, daß neben Turnen und Sport für die jüdische Jugend die geistige Erziehung im Vordergrund stehen müsse und daß deshalb ein Bund dasein müsse, der Gelegenheit bietet, Turnen, Spiel und Sport zu betreiben, daneben aber der rein geistigen Betätigung das Primat einräumt. Es hat sich gezeigt, daß diese Auffassung vom Wesen eine© jüdischen Turnvereins seiine volle Berechtigung hatte und in den Kreisen der jüngeren und älteren Generation große Sympathien fand. In kurzer Zeit entstanden eine Reihe von Turnabteilungen für Jung und Alt, für Buben und Mädchen, es gab Kinder-, Alte Herren- und Damengruppen, ein Heim für Tischtennis, Schachspiele, Vorträge, kleinere und größere festliche Zusammenkünfte. Einige hundert Aktive beteiligten sich regelmäßig an den Veranstaltungen. Ein Kreis von Gönnern und sympatisierenden Freunden unterzeichneten den Aufruf zur Gründung und einige eifrige und sich mit Hingebung der Sache widmende Damen und Herren haben viel dazu beigetragen, daß der Verein lange Jahre hindurch seinen Aufgaben im Dienste der jüdischen Jugend und damit der jüdischen Gemeinschaft voll und ganz erfüllen konnte. Einige wenige seien nur genannt: Die Herren Fiebermann, Herrmann, Buchbinder, Häckel, S. Eisemarin, Dr. Frank, Freimann, B. Stern, Frl.. Heidingsfeld, Strauß, Frau Adler. Hervorragende Lehrkräfte bewährten und bewähren sich auch heute noch z. Zt. seit Jahren in der Leitung der verschiedenen Kurse. Alljäzrlich zeigten besonders die jüngeren Mitglieder in einem Schauturnen, was sie während des Jahres gelernt haben und fanden damit stets den Beifall einer großen Anzahl von Freunden des Vereins. Neben diesen war es besonders die Subventionierung durch die hiesige Israelitische Gemeinde, die es dem In unserem Verlag erschien in zweiler Auflage: Dte Kielt der Gebete mVann nb*)V Kommentar zu den Werktags- und Sabbatgebeten nebft Ueberfetzung uon Rabbiner Dr. 6lie Wunk, Rnsbadi In «mfl- Die Werktagsgebete, 29$ Seiten, 6ro§-Oktau, c nn . DdllU. Preis in gediegenem Eeinioandband RM. u.UU Der zweite Band, enthaltend die Sabbat- und Tefttagsgebete erfdieint demnächft. Diefes bedeutfame Werk, das in leicht faßlicher Sprache gründliche unffenfmaftliche Erläuterung des Gebetbuches gibt, hat bei feinem erften Crfcheinen fo üicl flnhlang gefunden, da§ die erfte Ruflage bald vergriffen war und in kurzer Trift eine TUuauflage fidi als notwendig erwies. Rlle, die es früher uerfäumt haben, füllten die Gelegenheit wahrnehmen, diefes Gebetebuches teilhaftig zu werden, folange der üorrat reicht Das Werk (oll in keinem jüdifchen Haufe fehlen. £u beziehen durch alle befferen Buchhandlungen, fowte direkt durch* d^m ü erlag unter tlachnahme Vertat des Israelit u. Hermoit GmbH., Frankfurt-M., SeliKzenstrassf 12 Posischeck ~ Konto Nr. t &8 0 2 Verein ermöglichte, die ganzen Jahre materiell auch durchzuhalten, und die nicht unbeträchtlichen Mittel für die Beschaffung von geeigneten Turnsälen, Lehrkräften, Heimräumen und Spielplätzen aufzubringen. Erst in der allerletzten Zeit wieder ist es dem Jüdischen Turnerbund gelungen, geeignete Räume in der Hans Handwerkstraße 30 für sein Heim und einen Platz für Spiel und iSport am Bornheimer Hang durch Vermittlung der Israelitischen Gemeinde sich zu sichern. Der Verein hat heute in seinen Turn- und Sportabteilungen über 300 Aktive. Seine Schülermannschaiften gehören zu den größten und besten der Frankfurter jüdischen Vereine. In ihm sind der größte Teil der Frankfurter gesetzestreuen jüdischen Jugend vereinigt. Bei der Neugestaltung des jüdischen Turn- und Sportwesen® in Deutschland im Jahre 1934 hat sich der Bund d&r Sportgruppe das> Raidhabundes Jüdischer Frontsoldaten angeschlossen und gehört der Arbeitsgemeinschaft der südwestdeutsehen jüdischen Turn- und Sportvereine an. Es wird ihm mit G'tfces Hilfe auch fernerhin gelingen, die Kreise der gesetzestreuen jüdischen Jugend Frankfurts zum Zwecke ihrer gesundheitlichen Förderung und körperlichen Ertüchtigung zusammenzufassen und damit ihnen eine sonst nirgendwo in einem solchen Milieu und mit einer solchen Zweckbestimmung bestehende Möglichkeit harmonischen1 Zusammenlebens zu geben. Ein Hebräischer Abend in der Agudas Jisroel. In der Agudas Jisroel-Ortsgruppe gab es am Sonntag einen Hebräischen Abend, der zeigte, daß das lebendige Hebräisch auch in orthodoxen Kreisen nun treulich gepflegt wird. Der Hörsaal der Friedberger Anlage war voll besetzt von einem zumeist jugendlichen Publikum, das einem großangelegten Vortrag von Herrn Pinchas Wollmann über „Die hebräische Sprache und wir" aufmerksam lauschte. Herr Wollmann, dessen Verdienste zur Verbreitung der hebräischen Sprache in unserer Gemeinde allbekannt sind und den wir darum mit Bedauern von hier scheiden sehen, gab einen Ueberblick über die Entwicklung der neuhebräischen Sprache und Literatur von der Zeit ihrer Klassiker bis auf den heutigen Tag, registrierte die Versäumnisse der Orthodoxie auf diesem Gebiete, zugleich aber auch die Wiedergutmachung des Versäumten unter den Charedim. Neuhebräisch habe seine Grundlage in Tnach und den späteren heiligen Schriften .und eine Losreißung des neuen vom .alten Hebräisch wäre eben eine Entwurzelung. Man müsse neue Methoden beim hebräischen Unterricht anwenden, aber der alte heilige Stoff bleibe dabei Ausgangspunkt. In der Diskussion sprach Herr M.esserer seine Freude darüber aus, daß auch in orthodoxen Kreisen 'diese Erkenntnisse aufdämmerten, wiewohl er in einigen Punkten dem Referenten nicht beistimmen könne. Der Vorsitzende . des Abends, Herr Dozent Ehrentreu, leitete die Versammlung ein und schloß sie mit kurzen hebräischen Ansprachen. Man hörte am ganzen Abend und auch in den privaten Unterhaltungen nach Schluß des Vortrages keine anderen als. nur hebräische Laute. Es war ein Hebräischer Abend im schönsten Sinne. Die jüdische religiöse Presse. Die Jugendgruppe der Agudas Jisroel hat eine neue Einrichtung getroffen: Mindestens vierzehntägig sammeln sich die Mitglieder und Freunde der Agudas Jisroel, sowohl die der Jugend wie auch die Damen und Herren älterer Jahrgänge, um an Hand der vorliegenden Zeitungen und Zeitschriften über die Vorgänge in der jüdischen Welt zu erfahren. Herr Hartog H a r t o g s o h n berichtete am letzten Mauzoe Schabbos über Einzelheiten aus aller Welt in zusammengefaßter und anregender Weise. Anschließend entwickelte «ich eine recht interessante Aussprache, die deutlich bewies, wie wichtig Zusammenkünfte dieser Art sind, dienen sie doch der Vermittlung notwendiger Kenntnisse, wobei aber auch die Pflege der Ideologie des Agudismu® nicht zu kurz kommt. Die nächste Zusammenkunft unter Leitung von Herrn Hartogsohn ist festgesetzt auf Schabbos Nachmittag, 16. Mai, 18 Uhr, Schwanenstr. 12, Damen und Herren sind herzlich willkommen. Großer Abend im Saalbau. Der im Dienste der jüdischen Blinden in Deutschland stehende Große künstlerische Abend im Saalbau findet kommenden Samstag, den 9. Mai (Lag beomer), 9.20 Uhr statt. Der erste Teil des Programms bringt Violinwerke von Bruch, Richard Strauß, Sarasate, Kreisler, gespielt von Prof. Hans Bassermann Und Opernarien aus „Samson und' Dalilä", „Troubadour", „Maskenball", „Don Carlos" gesungen von Mägda Spiegel. Der zweite' Teil des Prograrnnis ist äusscnließiicfi der heiteren Muse g/ewidrnet und wird von. Camilla Spira und Willy P r a g e r .riestritten. Am Flügeli Dr. Willy Sal o m o nv.lihd Max Frmberg. Beethovens „Fidelib" im Kulturbund,« Die- Frage, qb~ der] K^litarl?und! Sed. den tÄgünsiigen Raümyerhäl^ssen, mit den&r£ 4v uüm leider mal bei Öpernauffühiruhgeii reclM^n riii^ß, ÖperW. a&ffÜliren soll, pdefc nicht, Icänri generell nicht' b%iritwortet werden, sondern muß von Fäll zu Fäll' entschieden