Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1936)
- Date
- 1936-05-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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7, Mai 1936_ Minister erwiderte, daß er nicht imstande sei, diese Feststellung zu bestätigen. Er wisse aber, daß die Äraber sich für diese Arbeiten in größerem Mäße anbieten, als die Juden. Weitere Unterhausanfragen über die Palästinaunruhen sind für den 5. und 6. Mai angekündigt. * Palästina. Agudistische Arbeit in Erez Israel. J e r u s a 1 e m , 3. Mai. Das Äktions-Komittee der Poale Ägudas J i s r o e 1 in Erez Jisroel gibt ein wöchentliches Bulletin heraus, mit dem die Oef fentlichkeit über die Hrbeit der Organisation auf dem Laufenden gehalten wird. Aus der uns vorliegenden Nummer von Ende Nissan ersehen wir die Anstrengung der Leitung der Poale Ägudas Jisroel zur Befestigung der Bewegung und zur Gewinnung neuer Mitglieder besonders aus den Einwanderern aus Deutschland. In Versammlungen während der Festtage und nach Festausgang sprachen Dr. Isaac Bre uer, Rabbi Mosche Blau, die Herren Rosenberg, Zwi Weinberg, Ch. J. Jakob owitz, Esriel Hildesheimer u. v. m. Älle Vorträge führten zu lebhaften Diskussionen über die laufenden Erez Jisroel-Probleme. Ein Vortrag des Herrn Jakob L a n da u in der Tel Äwiwer-Gruppe führte zur Organisierung eines Unterstützungswerkes für arbeitslose Chawerim. Es gab in den letzten Wochen auch einige kleine Festanlässe, wie Sijum usw., die die Chawerim in gemütlicher Stimmung beisammen hielten. In einem besonderen Rundschreiben der Leitung der Poale Ägudas Jisroel wird die Wahl des Herrn Dr. Isaac Breuer zum Präsidenten de: Poale Ägudas Jisroel mitgeteilt und auf die Erwartungen hingewiesen, die man an diese nun an der Spitze der orthodoxen Arbeiterorganisation stehende zentrale Persönlichkeit knüpfen darf. In der Zentrale der Bes Jakow-Schulen in Erez J i s r o ei herrscht reges Leben. In den /'esttagen fand in Jerusalem eine von sämtlichen Schulleitungen besuchte Versammlung statt, die unter dem Vorsitz von Hillel Liebe rmann, dem Leiter der Jerusalemer Bes Jakow-Schule, mehrere wertvolle Referate und anfegende Aussprachen braachte. Unter den angenommenen Resolutionen befinden sich auch folgende: Ueberall im Lande sollen Bes Jakow-Schulen ins Leben gerufen und die bereits bestehenden. Schulen auf feste Grundlagen gestellt werden. Eine Monatsschrift unter dem Titel „Beth Jakow" soll die Verbindung zwischen den einzelnen Anstalten; aufrechterhalten. Es wird eine Prüfungskommission für die Lehrbücher und Lektüre der Bes Jakow-Schulen eingesetzt. Der Leitung der Tel Äwiwer Schule sei bei der Gründung eines Lehrersemina rs nach Möglichkeit zu helfen. Die weiteren Entschließungen betreffen organisatorische Fragen. Der Sitz der Zentrale bleibt in Tel Äwiw, Rchow Mikweh, Jisrael 18. Jüdischer Aerztekongreß geschlossen. Jerusalem, 28. April. Die letzte Sitzung des Weltkongresses jüdischer Äerzte fand in der Hebräischen Universität statt. Auf ihr hielten der Präsident der Universität Dr. Juda Magnes und der Präsident des Jüdischen Nationalfonds M. M. Ussischkin Ansprachen. Dr. Mangnes erklärte, daß die Entschließung des Kongresses über die Errichtung einer medizinischen Fakultät an der Universität wahrscheinlich bald durchgeführt werden würde. Die Delegierten des Kongresses statteten geschlossen dem Grabe Pinskers einen Besuch ab. Eine Abschrift der von dem Kongreß angenommenen Resolution wurde von allen Delegierten unterzeichnet und der Hebräischen Universität übergeben. Der Israelit Die Woche, Berlin. Aus dem Jüdischen Kulturbunde Berlin schieden Generalmusikdirektor Rosenstock und Intendant Dr. Fritz J eßner aus*. Letzterer hat eine Berufung als Spielleiter an das Stadttheater in Bern angenommen. — Der „Schild" gibt von einem Schreiben der Jewish Ex Servicemen's Legion in London Kenntnis, wonach sich diese Frontkämpfer- . Organisation für die Frage der Auswanderung jüdischer Frontsoldaten aus Deutschland nach Uebersee lebhaft interessiert und sich zu diesem Zweck mit den überseeischen jüdischen Frontkämpfern in Südafrika, Kanada, Australien, Aegypten und USA. in Verbindung gesetzt hat. — Am Montag, den 27. April 1936, wurde das neue Studienjahr der Jüdischen Lehrer ib dl dun ig s-Ans t a 11 Berlin in der Lützowstraße 16 in Gegenwart des Präsidenten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Kammergerichtsrat i. R. Wolff, eröffnet. Köln. Zwei Hilfsarbeiter beim Wohlfahrtsamt, die mit Ermittlungen bei nichtarischen Wohlfahrtsempfängern beauftragt waren, wurden, nach einer Meldung des „Kölner Staatsanzeigers", wegen Erpressung und Betrugs zu vier bezw. zweieinhalb Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten haben einer 76jährigen* Jüdin wiederholt Beträge erpreßt, um ihr angeblich beim Wohlfahrtsamt einen Erlaß der Hauszinssteuer zu bewirken. Stettin. Am Sonntag, den 26. April, fand in S c h i v e 1 b e i n die Amtseinführung des neuen Bezirksrabbiners für Hinterpommern, Dr. Scheuermann, statt. Die Einführung fand durch den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden statt. Ludwigshaien. Die „Neue Abendzeitung" in Ludwigshafen berichtet im Rahmen eines Aufsatzes, daß die saarländische Zigarettenindustrie judenfrei sei. Es gebe im Saarland heute keine Zigarettenfabrik mehr, bei der ein Jude etwas mitzureden hätte, geschweige denn beteiligt sei. Genf. Die Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbunde in Genf haben dem ägyptischen Gesandten in der Schweiz anläßlich des Ablebens König F u a d s von Aegypten das Beileid und das Mitgefühl der Juden in allen Ländern ausgedrückt. Warschau. Dieser Tage fand die feierliche Einweihung der jüdischen Bibliothek des Judaistischen Institutes statt. — Nachdem es zuerst hieß, daß der Prozeß wegen der Vorfälle in P r z y t i k angesichts der politischen Lage im Herbst stattfinden sollte, wird jetzt als Termin der 2. Juni angegeben. Der Prozeß wird vor dem Kreisgericht in Radom verhandelt werden. Krakau. In einer Vorlesung über die Minderheiten in Polen an der Krakauer Universität kam es zu Lärmszenen, wobei jüdische Hörer angegriffen und mißhandelt wurden. Paris. Der bekannte Chemiker Sir Robert Mond wurde mit der Würde eines Kommandeurs der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet. London. „Daily Telegraph" veröffentlichte ein Interview mit dem mohammedanischen Bürgermeister von Jerusalem, Dr. K h a 1 i d i, wonach der Bürgermeister einen Appell zur Aufbringung von einer Million Pfund an die Bevölkerung gerichtet hat, um mit diesem Gelde die Jerusalem er Altstadt auszubauen. Saloniki. Das griechische Wirtschaftsministeriuim gibt bekannt, daß Griechenland sich offiziell an der Levantemesse in Tel Awiw nicht beteiligen werde, und zwar wegen der zur Zeit :m Lande herrschenden Unsicherheit. Jerusalem. Der Waad Leumi, der Jüdische Nationalrat für Palästina, hat die Wahlen für den Oberrabibiner von Jerusalem auf den 1 9. M a i festgesetzt. Tel Awiw. Ein vorläufiges Grundbuchamt wurde in Tel Awiw eingerichtet. In Grundbuchgeschäften war bisher immer für Tel Awiw Jaffa zuständig. Es soll nunmehr vermieden werden, daß die Juden sich nach Jaffa in Grundibucbangelegenheiten begeben müssen. Beirut. Hier wurden antijüdische Demonstrationen verboten, die von arabischer Jugend zum Zeichen der Sympathie mit den palästinensischen Arabern veranstaltet werden sollten. Nr. 19 Seite 9 Zur Lage in Palästina. Die dritte Unruhewoche. Streikuinruhen. — Die jüdische Polizei in Tel Awiw. — Arabische Klagen gegen Dizengoff. — Großer Brand in Chedera. — Wieder zwei Tote. — Ägudas Jisroel gegen den Bürgermeister von Jerusalem. — Ein arabisches Ultimatum. Jerusalem, 3. Mai. Was wir hier zu Ende der letzten und am Änfang dieser Woche erlebten, sind nur Streikunruheti, was aber nicht ausschließt, daß dabei jüdisches Leben und Eigentum zu Schaden Ikommt. In den gemischten jüdisch-arabischen Vierteln von Jerusalem räumten die Juden ihre Häuser und nahmen zunächst in der Jeschiwa Ez Chaji m ihren Äufenthalt, die von der Polizei stark bewacht wird. Der jüdische Verkehr nach der H e i ii g e n M au e r , die bekanntlich im arabischen Viertel liegt, und die Gebetsandachten an dieser heiligen Stätte haben in den letzten Tagen so gut wie vollkommen aufgehört. Einige Beherzte lassen sich dieses Recht nicht nehmen und trotzen den Gefahren, aber seit Menschengedenken ist es diese Woche zum ersten Male vorgekom men, daß kein Minjan an der Mauer zusammenzubringen war. Das offizielle Communique vom Samstag, den 2. Mai, verzeichnet 9 verwundete Äraber und 7 verwundete Polizisten. Dieser Zusammenstoß war Cdurch einen Schuß ausgelöst, der aus einem arabischen Kaffee am Damaskustore in Jerusalem auf die Polizei abgegeben wurde. In Haifa, wo es die ganze Zeit ruhig blieb, macht sich nun auch eine starke Gärung bemerkbar. In den gemischt-arabischen Vierteln haben die Juden ihre Geschäfte und Betriebe ebenfalls geschlossen. Der Herd der Erregung ist und bleibt nach wie vor Jaffa. Kein Ammenmärchen, das nicht Glauben findet. Am Donnerstag, den 30. April, bewegte sich eine wild erregte Menge durch die Straßen und schrie, die Juden wollten die Moschee anzünden. Die Polizei war am Platze und verhütete weiteres Unheil. Kleine Brandstiftungen finden noch immer statt. In der Kolonie B a 1 - f o u ri a sind 25 Dunam Wald abgebrannt und das Getreide auf den jüdischen Feldern ist vernichtet worden. An vielen Orten wurden hunderte von Bäumen ausgerodet und zerstört. In H a i fa hatte das Streikkomitee nur einen Teilerfolg. Etwa 100 arabische Arbeiter feiern, die anderen verrichten ihre Arbeit. Zwei arabische Kaufleute in Haifa wurden von Arabern durch Messerstiche verwundet, weil sie sich der Streikparole nicht anschlössen. Bei solchen Gelegenheiten kommt es oft zu schweren blutigen Zusammenstößen zwischen Arabern und Arabern. Bei K a 1 i k i 1 i a wurde bei einem selchen Bruderstreit ein Araber getötet. Die jüdische Polizei von Tel Äwiw darf außerhalb der Stadtgrenze nicht tätig sein, dagegen dürfen die jüdischen Polizisen und Geheimagenten in Jaffa ihren Posten ohne Erlaubnis nicht verlassen. Das Gerücht, daß in den letzten Tagen mehrere jüdische Polizisten eingestellt wurden, wird von der Regierung dementiert. Die Vereinigung arabischer Rechtsanwälte reichte beim Gericht eine Klage gegen den Bürgermeister von Tel Äwiw, Dizengoff, ein, weil er' bei der Eröffnung des jüdischen Äerztekongresses die Araber als „destruktive Elemente" hingestellt hätte. In Wahrheit sprach er aber nur von destruktiven Elementen unter den Arabern. Auch der zweite Freitag seit den Unrruhen, an dem diesmal zu den religiösen Feierlichkeiten der Mohammedaner auch noch die Maifeier der Sozialisten kam, ist ohne große Zwischenfälle verlaufen. Die Brandstiftungen und Einzelüberfälle nahmen keine größeren Dimensionen an als in den Vortagen. Die Polizei war besonders gerüstet. Eine größere Demonstration an diesem Tage wird aus Äkko gemeldet, die viele Verwundete kostete, von der aber Juden nicht betroffen wurden. In Haifa wurde an diesem Freitag ein aus Deutschland stammender jüdischer Arzt, Dr. K. F e 1 d b e r g,