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Der Israelit · 1936-05-07 · Heft 19 (7.5.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 19 (7.5.1936)
Date
1936-05-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 19 Der Israelit 7. Mai 1936 ganisation habe in anderthalb Jahren über 150 000 Pcngö für das palästinensische gesetzestreue Judentum aufgebracht. Heute, da sich gewaltige Massen in Palästina ansisdeln, müsse die Unterbringung der religiös eingestellten Jugend sichergestellt v/erden. Die Orthodoxie dürfe diesbezüglich keine passive Haltung einnehmen. Der Präsident beantragte die Bildung eines provisorischen Komitees unter dem Protektorate des Rabbiners Viktor Sussmann. Zu Ehrenpräsidenten wurden OberhausmitgJied Adolf Frankl und Leopold v. Freudiger, zum Präsidenten Oberregierungsrat Abraham v. Freudiger gewählt. Im Laufe der Debatte betonte Dr. Ädolf Deutsch, daß mit den kompetenten Stellen zwecks Erlangung von Zertifikaten Fühlung genommen werden müsse. Markus Klein meinte, daß das Zusammenwirken des Misrachi mit den Zionisten nicht gerechtfertigt sei, besonders in den Ländern, wo eine besondere orthodoxe Organisation bestehe. Er ersuchte die anwesenden Misrachiführer, dahin zu wirken, daß die Misrachimitglieder die zionistische Organisation kooperativ verlassen und in die Jischuw-Organisation eintreten. Präsident Abraham v. Freudiger erklärte, daß die Budapester orthodoxe Gemeinde das Misrachi-Verbot weiter aufrecht erhalte und die Tätigkeit dieser Organisation nicht anerkenne. Schließlich forderte er zur Opferbereitschaft im Interesse der religiösen Aufbauarbeit in Erez Jisroel auf. Schweiz. Oberkommissar Malcolm bereitet die Regierungskonferenz für Auswandererfürsorge vor. Genf, 30. April. Der Vöikerbundskommissar für Auswanderungsfürsorge, General Sir Neill Malcolm, wird sich, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, demnächst in Begleitung eines Beamten des Völkerbundes in eine Anzahl europäischer Länder begeben, um mit den Regierungen über die Vorbereitungen für die am 2. Juli einberufene Regierungskönferenz für Auswandererfürsorge zu verhandeln. Oberkommissar Malcolm wird diese Gelegenheit wahrnehmen, um auch mit verschiedenen privaten Hilfsorganisationen dar betreffenden Länder in Verbindung zu treten. Voraussichtlich wird er Holland, Belgien, Frankreich, die Schweiz, Italien, die Tschechoslovakei und Polen besuchen. Polen. Nach dem Fleische die Milch. Warschau, 29. April. Gleichzeitig mit dem Schächtgesetz wurde im polnischen Sejm ein Milchgesetz angenommen, durch das ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung in seiner Existenz berührt wird. Der Erlaß der Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetz steht bevor. Um die Wünsche des jüdischen und nichtjüdischen Milchhandels hierfür zum Ausdruck zu bringen, ist eine aus Kreisen des jüdischen und nichtjüdischen Milchhandels sich zusammensetzende Abordnung im Landwirtschaftsministerium vorstellig geworden und hat darauf hingewiesen, daß der Erlaß von Ausführungsbestimmungen, die das Gesetz noch verschärfen, sich ungünstig auf die Lage der Milchhändler auswirken würde. Das Gesetz soll auch nicht auf einmal mit all seinen Bestimmungen und Ergänzungen in Kraft gesetzt werden. Der Abordnung wurde eine wohlwollende Behandlung ihrer Wünsche zugesagt. Litauen. Ein jüdisches Konsistorium in Litauen? Kowno, 29. April. Die litauische Regierung veröffentlicht eine Erklärung, in der gesagt wird, daß sie die Vereinigung der Rabbiner Litauens, die Ä g udas Harbonim, nicht als offizielle jüdische Körkerschaft anerkennen, sondern nur als eine Berufsorganisation betrachten könne. Die Regierung plane dagegen die Einsetzung eines jüdischen Konsistoriums mit einem Oberrabbiner an der Spitze. Rumänien. Dr. Salomon Ehrmann wieder in Rumänien. •Czernowitz, 5. Mai. Wir lesen in dem in Czernowitz erscheinenden „Jüdischen Wort": Wie bereits mitgeteilt, ist Herr Dr. Salomon Ehrraann, Frankfurt a. M., Mitglied der Exekutive der Ägudas Jisroel und Präsident des Keren Hajischuw, während seines kurzen Aufenthaaltes in Rumänien vor den Feiertagen worden, baldigst wieder herzukommen, um eine ausgedehnte Aktion für Palästina einzuleiten. Dieser Einladung ist Herr Dr. Ehrmann gefolgt und so traf er dieser Tage in O r a d e a ein, von wo aus er im Laufe der Woche eine Reihe von Städten in Transulvanien aufsuchte, um dort Propagandavorträge zu halten. In den nächsten Tagen wird Herr Dr. Ehrmann auch in der Bukowina erwartet, ebenso wird er in J a s s y und Bukarest mit den Führern der rumänischen Äguda Beratungen abhalten. In allen Städten, wo Herr Dr. Ehrmann erwartet wird, werden große Vorbereitungen getroffen, um dem populären Agudaführer einen feierlichen Empfang zu bereiten und ihm alle Wege für seine Propagandaaktion zu ebnen. England. Die Kundgebung der Agudas Jisroel zu den Ereignissen in* Palästina. London, 3. Mai. Ueber die Kundgebung der Ägudas Jisroel in London haben wir bereits kurz berichtet. Einem uns heute zugehenden längeren Berichte über die imposante Versammlung und die trefflichen Reden entnehmen wir zur Ergänzung noch folgende Stellen. Die Veranstaltung wurde von der Agudas Jisroel-Organisation im Vereine mit dem Keren Hajischuw organisiert und der Einladung waren über tausend Juden aus allen Teilen der Bevölkerung gefogt. Als Ordner wirkten Mitglieder der Zeiire Ägudas Jisroel und der Bnoth Ägudas Jisroel. Erschütternd und unterbrochen von lautem Schluchzen trug sich das VM-Gebet des Oberkantor Roth durch den Saal, das die nötige Stimmung vorbereitete. Der Vorsitzende Ä. H. Goodman führte ungefähr folgendes aus: „Ueberall in der Welt fließt jüdisches Blut, aber viel schmerzlicher berührt es uns, wenn der Schrei des jüdischen Volkes aus dem jüdischen Lande zu uns dringt. Wir sind überall Gäste, auch in England, aber Erez Jisroel ist unsere Heimat und wenn der Boden in der Heimat unter unseren Füßen zu wanken beginnt, dann trifft es uns doppelt schwer. Gerade wir religiösen Juden, die in Erez Jisroel kein nationales Experiment, sondern eine Heimstätte der Thora sehen, haben Grund, um die heiligen Märtyrer zu weinen." Redner weist dann auf die unermeßliche Tragweite der kommenden Dritten Kenessio Gedauloh in Jerusalem hin, wo die Einheit von Volk, Thora und Land proklamiert werden soll. Der große Beifall zeigte, wie sehr es Goodman verstanden hatte, den Ton zu den Herzen des tausendköpfigen Publikums zu finden. Rabbiner Ä. J. T w e r s k i spricht von der Judennot in der Welt, besonders auch in Polen und in Rußland. „Das einzige Tor der Hoffnung, Erez Jisroel, darf nicht zusammenbrechen. Wir müssen uns wieder an die heilige Thora klammern und voller Hoffnung der Kenessio Gedauloh in Jerusalem entgegensehen, die die Souveränität der Thora in Erez Jisroel begründen wird." Auch Rabbiner Dr. Schönfeld begeistert die Massen für die kommende Kenessio Gedauloh. Es sei nicht die Zeit und auch kein Grund zur Verzweiflung w suaai ap»^ mx jw. Es sprachen noch Rabbi Weinstein und Rabbi Judolewitsch'. Letzterer appelliert an alle, als Ausdruck der Teilnahme und als Antwort auf die Ereignisse sich einen Sela für die Kenessio Gedauloh zu erwerben. Sela bedeute eine Münze und auch einen Felsen. Mit dem Sela werden wir den Felsen erringen und das Fundament legen für die Zukunft der Thora und Israels in Erez Jisroel. Mit Dankesworten des Vorsitzenden schloß die ungemein imposante Versammlung. Die Rolle Italiens bei den Unruhen in Palästina ein Märchen» London, 1. Mai, In der englischen Presse waren in den letzten Tagen wiederholt Äeußerungen darüber zu finden, ob Italien seine Hand bei den Unruhen in Palästina im Spiele habe. Eine solche Annahme wird von der bekannten Zeitschrift „Great Britain and the East" als eine reine Erfindung bezeichnet. ,,Wir haben zwar erlebt, so schreibt das Blatt, daß in manchen Ländern jene Staaten, die früher oder jetzt dem britischen Empire schlecht gesonnen sind, versucht haben, im . Trüben zu fischen. Aber in Palästina haben die Wasser auf jeden Fall immer so viele Trübungsmöglichkeiten, daß es überflüssig ist, anzunehmen, irgendwelche Unruhe sei von auswärtigen Faktoren veranlaßt." Jabotinsky über die Palästina-Unruhen. London, 28. April. In einer Londoner Versammlung der Neuen Zionistischen Organisation sprach Präsidant Wladimir Jabotinsky. Er wies den Vorwurf zurück, daß die Neuen Zionisten eine antienglische Politik treiben. Wenn die Juden den Glauben an viele Dinge verloren hätten, so hätten sie ihren Glauben an den politischen Anstand von England behalten. Aber dieser Glaube werde schwächer. Und wenn man seinen weiteren Rückgang zulasse, so werde sich daraus eine Tragödie ergeben. Jabotinsky sagte weiter, daß die Zeit gekommen sei, um von der Mandatsmacht, und wenn nötig vom Völkerbund, zu verlangen, daß die gleichen Sicherheitsbedingungen in Palästina eingeführt werden, wie sie in anderen Teilen des Empire erlaubt seien. Es sprachen weiterhin Colonel Patterson von der Jüdischen Legion. In einer Resolution wird gefordert, daß die gegenwärtigen Zwischenfälle in Palästina mit all der Entschiedenheit liquidiert werden, die notwendig sei, um die Araber zu überzeugen, daß keine Gewalt den Fortschritt des zionistischen Werkes aufhalten könne. Die Palästina-Unruhen im Englischen Unterhaus. London, 1. Mai. In der Sitzung vom 30. April erklärte der Kolonienminister Thomas auf verschiedene Anfragen, daß die geplante arabisch-jüdische Round Table- Konferenz nicht in Betracht komme, bevor sich die arabische Delegation nach England begeben habe. Bekanntlich lehnten aber die Araber die Entsendung einer Delegation nach London ab. Huf die Anfrage eines Abgeordneten, ob es nicht ratsamer wäre, mit Rücksicht auf die Unruhen, die eine Einberufung des Legislative Council zur Zeit doch unmöglich machen, die Einladung an die Araber überhaupt zurückzuziehen, antwortete Kolonienminister Thomas, er habe keinen Grund, auf die Anregungen einzugehen. Die Araber hätten dem High Commissioner erklärt, daß es nur im Äugenblick nicht, in ihrem Interesse liege, nach London zugehen. Der Abgeordnete Morgan fragte, ob es der Regierung bekannt sei, daß unter den 500 Trägern und. etwa 100 Zollbeamten, die im Jaffaer Häfen beschäftigt sind, sich kein einziger Jude befinde, obwohl die Juden heute ein Drittel der Bevölkerung Palästinas ausmachen und über die "Hälfte der Einnahmen des Mandatsgebietes aufbringen. Der

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