Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1936)
- Date
- 1936-05-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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7. Mai 1936 Der Israelit Nr. 19 Seite 7 fer von- Vermögen jüdischer Auswanderer zur Aufgabe gemacht hat, erklärt die Palästina-Treuhand- Stelle zur Beratung deutscher Juden G. m. b. H., zwecks Vermeidung von ^Mißverständnissen, folgendes: .. . , . . . Die unter Leitung der Herren Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Äschner und Oberregierungsrat a. D. R. Kempner stehende Gesellschaft ist eine private Gründung. Sie steht in keinerlei Beziehung zum Talästina-Transfer. ' Die als .Schwestergesellschaft der Haavara den Palästina-Transfer in Deutschland betreuende Stelle ist die Palästina - Treuhand - Stelle zur Beratung deutscher Juden G. m. b. H., Berlin SW. 68, Friedrichstraße 218. Sie ist — wie bisher — allein zuständig für alle den Kapitaltransfer jüdischer Auswanderer nach Palästina betreffenden Fragen. Eine große Erez, Israel-Kundgebung in Berlin. Berlin, 3. Mai. Im Logenhaus fand am Donnerstag Äbend eine Kundgebung der Jewish Ägencg und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. Der Andrang war so groß, daß eine Parallel- Ver- Sammlung abgehalten werden mußte, in der die gleichen Redner sprachen. Den Vorsitz führte der Präsident der Reichsvertretung, Herr Rabbiner Dn Leo Back. Nicht zu protistieren, sagte der Vorsitzende, sei die Versammlung einberufen worden, denn Proteste seien nur eine akustische, papierne Angelegenheit, Sinn der Versammlung sei, daß einer den anderen stärke und alle zur Gemeinschaft halten. Es sei jüdische Art, durch das Leid stark zu werden. Dr. Franz Meyer, der geschäftsführende Vorsitzende der Z. V. f. D., sagte, man müsse, das Risiko einer Neuformung in Palästina auf sich nehmen. Das jüdische Palästina stehe so da, daß es von keinem Sturm beseitigt oder erschüttert werden könne. Das sei auch die Meinung derer in Palästina, auch die Ueberzeugung der deutschen Juden. Der. folgende Redner, Dr. Bro dn itz , der Vorsitzende des Central-Vereins, sagte, das! Experiment Pal ästina dürfe und könne nicht mißlingen. Wir müssen aus. den. Ereignissen die richtigen Lehren ziehen und die . richtige Initiative ergreifen. Das Wirtschaftliche sei vom Seelischen zu trennen. Wer aber die wirtschaftliche Entwicklung, wie er, in. Palästina gesehen und bewundert hat, werde an ihrer Erhaltung interessiert sein, gleichviel welcher Weltanschauung er angehört. , . Der Vizepräsident des deutschen Keren Häjessod, Dr. Michael Traub, hielt ein groß angelegtes Referat, in dem er die Bilanz der jüdisch-arabischen Beziehungen in den letzten 18 Jahren zog. Die von ihm angeführten Tatsachen sind, mehr oder weniger bekannt. Auf eine ungehinderte jüdische Einwanderung könne nicht verzichtet werden, da .sie eine Lebensfrage der nationalen Existenz der Juden bilde.. Es müsse .so lange auf eine Verständigung mit den Arabern hingearbeitet werden, bis diese den Segen und den Vorteil der Zusammenarbeit begriffen haben. Die einstimmig angenommene Resolution spricht'den betroffenen Brüdern in Palästina brür derliche Treue und unerschütterte Solidarität aus, Sie spricht ferner die Ueberzeugung aus, daß alle Angriffe und Gewalttaten uns nicht verhindern werden, unser Recht auf die Errichtung der jüdisch-nationafen Heimstätte in Erez Israel fortzusetzen und: zu verstärken.. 1 Das Reichsinstitut für Geschichte des rieuen 'Deutschland. ' y |: :: Berlin, 30. April. . Der' „Völkische Beobachter" gibt im Auszuge Ausführungen wieder, die im Deutschlandsender am 29. April von; Prof. Dr. Walter - Frank, Oberst a. D.; Nicolai'uhd Dr. Wilhelm; Grau über die Aufgaben des "Reichsinstitüts für Geschichte des neuen Deutschland gehalten werden. Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisröel. (Nach Palnews.) T<el Awiw... Während sich das erste Projekt auf die Versorgung Tel Awiws beschränkte, erstrecken sich die neu hinzugekommenen Pläne nicht nur auf Tel Awiw und die umgebenden Kolonien, sondern auch auf Jerusalem und Haifa. Die Jerusalemer Stadtverwaltung hat voä drei Gesellschaften Konzessionsanträge zur Koch- und Heizgasversorgung erhalten, die Haifaer Stadtverwaltung von vier Gesellschaften und die Tel Awdwer Stadtverwaltung sogar von 7 Gesellschaften. Die drei Konzessionsanträge, die allen Stadtverwaltungen eingereicht wurden, gehen von namhaften Gesellschaften aus. Kairo. Der ägyptische Eierexport ist im Jahre 1935 etwa die Hälfte des vorhergehenden Jahres zurückgegangen: er beträgt nur noch LE 117.000 gegenüber LE 227.000 im vorhergehenden Jahre. An erster Stelle der Absatzländer steht Palästina mit LE 38.000 (39.000), es folgen Gibraltar mit LE 30.000 (60.000) und England mit LE 27.000 (2000), Spanien, das im vorigen Ja'hre mit LE 82.000 an der Spitze der Absatzländer stand, hat den Import ägyptischer Eier gänzlich eingestellt. Tiber ia s. Heber die-wirtschaftliche Lage der Stadt Tiberias wird uns mitgeteilt, daß diese sich günstig gestaltet hat, obwohl der Fremden- und Badeverkehr in der diesjährigen Wintersaison nicht befriedigend wär, was darauf zurückzuführen ist, daß der Touristenverkehr schwächer und der Winter nicht kalt war. Auch haben die zahlreichen Auslandsreisen im So.mmer. sich nachteilig für die palästinensischen. Kuründ Erholungsorte ausgewirkt. Im Gegensatz dazu sind die Verdienstverhältnisse der am Handel beteiligten Wirtschaftskreise günstig. Die Bautätigkeit in Tiberias war im Jahre 1935 rege. Es wurden 150 Häuser gebaut und LP 45—50.000 investiert. Hinzu kommen ferner die Bauinvestitionen der Hamei Tiberia in Höhe von LP 17.000. Da die Prosperität der letzten Jahre der Stadt Tiberias vorbeigegantgen ist, wurde sie dementsprechend auch von der Abschwächung der wirtschafltiohen Aktivität nicht betroffen. Tiberias hat,nur eine geringe Zahl von Neueinwanderern zu verzeichnen, obwohl die Stadt für neue Einwanderer auf manchen Gebieten günstigere Existenzmöglichkeiten als die großen Städte bietet. Die Niederlassung von Einwanderern würde daher besonders im Interesse der betreffenden Einwanderer liegen. Jerusalem. Nach dem der palästinensische Geldumlauf von November bis Februar im Zusammenhang mit der Rückkehr der im Herbst 1935 abigiehoibenen Depositen zu den' Banken sich ununterbrochen vermindert hatte, ist diese Bewegung nunmehr zum Abschluß gekommen: Im März hat sich der Geldumlauf nach der Rückgangsperiode zum ersten Male wieder. — allerdings nur leicht — erhöht. Tel Awiw. Die vom Deutschen Orient-Verein herausgegebenen „Orient-iNachrdchten" veröffentlich fcen Prozent-Ziffern über die Bedeu- tung der Länder des Ostens für den deutschen Import und1 Export. Der Anteil Palästinas an der deutschen Einfuhr stellte sich 1933 auf 0,1 Proz., 1934 auf 0,3 Proz, 1935 auf 0,1 Proz. Der Anteil Palästinas am deutschen Export stieg von 0,2 Proz. im Jahre 1933 auf 0,4 Proz. im Jahre 1934 und erhöhte sich 1935 auf 0,5 Proz. Der palästinensische Export nach Deutschland ist im Jahre 1935 also anteilsmäßig nicht höher als im Jahre 1933 und .gegenüber 1934 sogar stark zurückgegangen. Dagegen ist der palästinensische Import aus Deutschland absolut wie anteilsmäßig stark gestiegen. Die Länder des Ostens insgesamt — Britisch- Indien, Ceylon, Türkei, Aegypten, Iran, Palästina, Syrien-Libanon — haben einen stärkeren Anteil an der deutschen Einfuhr -als an der deutschen Ausfuhr, während Palästina weit mehr aus Deutschland kauft als nach dort verkauft. Syrien-Libanon hat praktisch keinen Anteil an der deutschen Einfuhr, der. Anteil an der deutschen Ausfuhr stellte sich 1934 auf 0,1 Proz.J 1935 auf 0,2 Proz. Tel A, w i w. . Im Februar 1936; wurden durch die : .,,Haayairah" ungefähr 1% Millionen Mark aus Deutschland transferiert. Seit Beginn ihrer! Tätigkeit transferierte die „Haavarah" insgesamt 30 Millionen Mark bezw. rund' LP 2l/2 Millionen. Dieses Kapital wurde für 2154 jüdische Familien aus Deutschland transferiert. Nach längeren Ausführungen über die historische Rolle der Juden in der Welt seit Beginn ihrer Zerstreuung heißt es zum Schluß: „DieBibliotheks¬ und Archivarbeit wird von einem Referentenstab getragen, den führende deutsche Fachgelehrte bilden werden. Die Referate sind fachlich aufgeteilt in folgende Gebiete: Staatsgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Rechtsgeschichte, Literatur- und Kunstgeschichte, Philosophiegescliiclite, Religionsgeschichte, Rassenkunde, Talmud; und regional in die Gebiete: Osteuropa und Rußland, romanische Länder, angelsächsische Länder, Palästina. Zu dieser umfassenden Grundlegung der geschichtlichen Forschungen auf dem Gebiete der Judenfrage läßt die Forschungsabteilung gleichzeitig eigene Forschungsunternehmungen treten, von denen, wir die Erarbeitung einer historischen Statistik über die Judentaufen und Mischehen, vor allem in der Emanzipationsepoche der deutschen Geschichte, hervorheben wollen. Dieses Thema ist von grundlegender Bedeutung für die deutsche Volksgeschichte, für die internationale Religionswissenschaft, wie .für die Rassenkunde." Oesterreich» Tagung der österreichischen Kultusgerneinden macht die Regierung auf die Lage der Juden aufmerksam. Wien, 28. April. Eine Tagung der Delegierten der „Arbeitsgemeinschaft der Israelitischen Kultusgemeinden im Bundesstaat Oesterreich" hat unter Vorsitz des Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann, beschlossen, im Hinblick auf die ernste Lage der österreichischen Judenheit der Regierung eine Denkschrift zu überreichen, in der auf «üe gegenwärtige Situation der jüdischen Bevölkerung aufmerksam gemacht^ wird. Stärkung ct&s religiösen Lehens in Oesterreich. . "V Wien, 28. April. Aus einer Veröffentlichung der SchulverwaltUlig der Wiener Kultusgemeinde ist zu ersehen, daß an den von der Kultusgenrajnde in achtzehn Synagogen allwöchentlich veranstalteten Jugendg'ttesdiensten etwa 8000 Schulkinder teilnehmen. An 53 Bibelschulen wird für die Ergänzung 'des jüdischen Unterrichtes an den öffentlichen Schulen gesorgt. An diesem Unterricht nehmen Schüler von der ersten Volksschulklasse bis zur achten Mittelschulkiasse teil. Der Unterricht, der unentgeltlich ist, wird in Neuhebräisch, Liturgie und Pentateuch erteilt. Für besonders befähigte Schüler bestehen daneben Kurse für Mischna und Talmud. Sederfeiern werden für diejenigen Kinder veranstaltet, die keine Gelegenheit haben, in ihrem Elternhause oder sonstwo an einem Seder teilzunehmen. Während noch vor zwei Jahren die Teilnehmer an diesen Sederfeiern etwa 100 betrug, stieg sie 'im Vorjahre auf 680 und. erreichte in diesem Jahre einen Rekordstand von 830. Am 5. Mai wird der jüdische Gelehrte und Dichter Rabbiner Dr. Armand K a m i n k a 70 Jahre alt. Aus diesem Anlaß veranstaltet der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien am 9. Mai einen Festgottesdienst im größten Wiener Tempel in der Tempelgasse des II. Wiener Bezirks. Am Sonntag, den 10. Mai, findet auf Veranlassung der Israelitischen Allianz und des Maimonides- Instituts eine Festsitzung statt. Ungarn. Palästina-Arbeit der ungarischen Orthodoxie« Budapest, 2. Mai. Im Stammhause der Budapester orthodoxen Kultusgemeinde hielt die Jischuw-Organisation unter Vorsitz den Gemeindepräsidenten, Oberregierungsrat Abraham v. Freudiger, ihre Generalversammlung ab. Der Präsident wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß die ungarische Orthodoxie stets im Geiste Erez Israels gelebt und gearbeitet habe. Die Sammelarbeit der Kolel-Or-