Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1936)
- Date
- 1936-05-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 19 Der Israelit 7. Mai. 1936 verletzten. Denn seiner g'ttiichen Seele war der Aufenthalt in ihrem irdischen Gehäuse nur solange wertvoll, als daran G'ttes Gebote erfüllt wenden konnten, — der Körper durch das Einzigkeitsbekenntnis der Tefillin geheiligt werden konnte. Und darum drang sein Schrei, als der „Ort der Tefillin" verletzt wenden, sollte, zum höchsten der Himmel, und darum antwortete auf diesen Schrei der WeUenriohter: Noch ein solcher Schrei, und die Erdenswelt hat ihre Existenzberechtigung verloren, kann nicht mehr Heimat und Hülle des Ewigen sein, muß untergehen! Dem Sklaven, der nicht in die Freiheit und damit ins eigne Heim zurückkehren wollte, wurde das Ohr, das den sinaitisöhen Freiheitsruf nicht hören wollte, am Pfosten gebohrt; einen eigenen Pfosten schätzte er nicht, und darum wurde er an den fremden Pfosten gebohrt. So lernen auch wir wieder wertschätzen, was uns allzuselbstverständlich geworden* war: Eigenes Heim, eigene Schwelle, eigene ^Mesussa. Da sie uns jetzt genommen werden sollen, wissen wir sie zu §phätzen, beherrscht tiefes Heimweh unser Herz bei dem Gedanken, sie zu verlassen. Kann das heilige Land dieses Heimweh lindern? Auch der begeistertste Palästinafreund wird das uneingeschränkt bejahen. Unseren Weg ins Land der Väter können wir uns nur nach Art der Messiassehnsucht des Maimonddes als einen Weg zu einer geruhsameren Heimat vorstellen, in der man leichter als unter dem Joche des Galuth die Herrschaft der Sündenlosigkeit und des jenseitigen, geistigen Seligkeitsreiches vorbereiten kann. Nur leichter als im Galuth wün-. * sehen wir uns dort diesen Weg. Denn nach ■d&va. irdischen Heile des 12. kommt die geistige Herr Iichikeit des. 13. Glaubensartikels, die. letzten Endes auch .uns, die' wir ein irdisches Messias reich zu erharren haben, die eigentliche Heimat der Seele bleibt. Wollen wir bei dieser Heim kehr dereinst gleich Naemi bei der Ankunft in Bethlehem bekennen, daß wir voll hinauszogen und leer heimkehren? Soll, wenn aus heiligem Böden zur ewigen Heimat die Seele eines Juden heimkehrt, das staunende Fragen der Engel un serer Seele entgegenklingt: Ist das die Lieb liehe? Das ist unsere Gewissensfrage bei der Errichtung unserer altneuen Heimat. Ein europäischer Lehrer hörte einmal eine Negergemeinde in Amerika in ihrem Bethause sin gen: „0, Wagen, der du mich zur Heimat trägst!" Er fragte, oib sie sich die Heimkehr in ihren heimatlichen dunklen Erdteil denn als im Wagen ausführbar dächten. Da war aber dieser. Lehrer der Unkluge, denn ihm wurde geantwortet: „Mit dem „Wagen" war der Geist treuer religiöser Hingabe, mit der Heimat, die Heimat der Seele gemeint." Wahl ist u n s e r e Erlösungssehnsucht mit einem ganz irdischen Heimweh verbunden mit dem Sehnen nach dem heiligen Lande. Den^ noch wissen auclh wir, und wollen darin gewiß nicht jenseitsfremder als die armselige Negergfc feinde sein, daß es eine ewige Heimat auch dort -n^r gibt, solange sie der Himmelshedmat Vor. stufe sejn will. Irdisches und 'himmlisches Heilig tum stehen „einander gegenüber". Und wenn wir eine Stetigkeit auf Erden ersehnen, so ist sie uns eine Herberge G'ttes. Und an die Mauer dts" Israelslandesi pocht der iheimätsüohende Schöp- :{ßv: „Oeffne mir, meine Schwester, meine Traute!" "-.v - m Korrespondenzen. deutsches Reich. Thoralehranstalt Jeschiwa. Fa nkfu r t a. M., 4. Mai. Das diesjährige Sommersemester der Frankfurter Jeschiwa wurde am vergangenen Sonntag Vormittag in Gegenwart von Vertretern des Vorstandes, der Kehillo, des Jeschiwa - Kuratoriums, des ganzen DozentenkoIIegiums und sämtlicher Hörer in althergebrachter Weise vom Rosch Jeschiwa Herrn Rabbiner Dr. Joseph Breuer im großen Hörsaal der Jeschiwa eröffnet« Eine noch nie dagewesene Zahl neuer Bachurim trat in diesem Sman zu den außerordentlich vielen aus früheren Semestern noch weiter die Jeschiwa besuchenden hinzu. Die Jeschiwa zählt zur Zeit 160 Schüler. In markanten Worten umschrieb der Rosch Jeschiwa, Herr Rabbiner Dr. Joseph Breuer, der ergriffen lauschenden jungen und jüngsten Hörern die gewaltige Erziehungsr>edeutung der mw- Obwohl junge Menschen sich für den Broterwerb in gewissenhafter Weise auszubilden heute mehr denn je verpflichtet sind, um den Gefahren, die der Lebenskampf heute jedermann bringt, gewachsen zu sein, so habe es für alle nur einen Beruf zu geben, den Beruf des '"»i^ zu dem die na*1»' die Grundlage zur Ausbildung verschaffen möchte. Für die große Anzahl jugendlicher Schüler mußte zur Errichtung von zwei weiteren Heimen geschritten werden, sodaß zur Zeit drei Bote Chinuch das Jeschiwawerk wirksam unterstützen. Diese hervorragende Leistung war nur durch die hingebungsvolle Zusammenarbeit der Jeschiwa, des Keren Hatorah und des Noar Ägudathi möglich, denen sich Frauen der Gemeinde in tatkräftiger, verständnisvoller Mitarbeit zur Seite stellten. Ihnen allen sprach der Leiter der Jeschiwa in seiner Eröffs nungsa:spräche tiefempfundenen Dank aus. Wennschon eine lange Lehrzeit in den verschiedenen Erwerbszweigen erforderlich sei, um auch nur als /.Geselle" den gestellten Anforderungen, zu' entsprechen, so sei die Forderung nach einem mög.7 liehst ausgedehnetn 'na'»'-Besuch zu verstehen, um als Jehudi es bis zur „Meisterschaft" zu bringen. Nach eindringlichen Ermahnungen, die Würde der Thora durch Fleiß, Ordnung und Pünktlichkeit zu fördern, und dem Versuch, den jugendlichen Hörern die Bedeutung der reichen Kräfte, die ihnen aiis dem f^np -Leben der p"»8" my ^np zuströmen müsen, nahezubringen, schloß die würdige Feierstunde aife ein erfolgversprechender Auftakt für das dem intensivsten Lernbetrieb gewidmete kommende Semester. Anschließend daran begrüßte der na»»» vfx'y auch die Herren Dr. Adler und Horovitz, die neu in den Lehrkörper der nz-v eingetreten sind. ' „Vorlehre" der Freien Vereinigung. Frankfurt a. AI-, 5. Mai. . In Würdigung der großen erzieherischen Aufgaben, die in der Gegenwart zu lösen sind, hat die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums eine söge-; genannte „Vorlehre" ins Leben gerufen, die, zu-, nächst in. begrenztem Umfang, einer schulentlassenen Jugend, der die Voraussetzung zum Jeschiwäf besuch zunächst noch fehlt, die Möglichkeit der jüdischen und allgemein wissenschaftlichen Fort"-"" büdung, verbunden mit Einführung in den landwirt-, schaftlichen und handwerklichen Beruf gewährt. Durch Zusammenarbeit der Frankfurter Jeschiwa, . der Samson Raphael Hirsch-Schule' sowie da^ Frankfurier Waisenanstalt konnte , dieses wichtig]^ Werk zur Ausführung gelangen. '}"{■ •Der Vormittag ist der Gartenarbeit (im Waisen^ haus) sowie der handwerklichen Schulung (indeVjj Schule) eingeräumt, während nachmittags den-Schür-* lern die Teilnahme an Schiurim in 'der' Jeschiwät, ermöglicht ist, denen sich Sonderkursej (Sprachen,,; Händelsfächer und' Naturlehre)- in der Schule, an* schließen. Von der Jüdischen Schule in Darmstadt. Darm Stadt, 5. /Mai, Aus dem Bericht der Jüdischen Schule zu Darmstadt über das Schuljahr 1935-36 ersehen wir, daß die Schülerzahl seit der Gründung vor zwei Jahren von 98 auf 172 angewachsen ist. Mit Beginn des abgelaufenen Schuljahres wurde ein neuntes Schuljahr eingerichtet und mit denj neuen Schuljahr wird ein z e h n t e s Schuljahr die Arbeit der bisherigen SchuMassen fortführen. Der Lehrstoff der Schule geht über den Rahmen der Volksschule weit hinaus, denn es wird in vielen höheren Fächern unterrichtet. Zu den Sprachkursen gehört auch ein solcher in N e u h e b r ä - i s c h , an dem 70 Kinder teilnehmen. Der R e - ligionsunterri cht war bisher reichlich ausgedehnt und wird im neuen Schuljahr noch erweitert. Das Klassenziel wurde in allen Fächern und Klassen4 erreicht und auch überschritten. Auch wird der Gemeinschaftsgeist der Schüler und der Schu.'e lobend hervorgehoben. Der Bericht ist unterzeichnet von Herrn Rabbiner Dr. Merzbach als Schulleiter und Herrn B i c k, der als stellvertretender Schulleiter seine ganze . Kraft der Schule widmet. Am Sonntag zeigte eine kleine Ausstellung, was. die Mädchen auch in, der Nähstunde (unter der bewährten Leitung von , Fräulein Sitta Golde) geleistet haben. Die prachtvollen niedlichen Gegenstände, die hier in hübscher Aufmachung unter Blumen prangten, zogen eine große Gemeinde interessierter Zuschauer und Zuschauerinnen an und zeugten von der . Liebe und Intensität, mit der die Schule die Arbeitsfreude und den angeborenen kunstgewerblichen Sinn der Mädchen zu entwikkeln und zu steigern weiß. Eine Generalversammlung des Hilfsvereins. Berlin, 3. Mai. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland hielt eine Generalversammlung unter großer Beteiligung im Logenhaus ab. Dr. Marx und M. Warbu rg erstatteten Berichte über die Arbeit des Hilfsvereins im Jahre 1935, den wir vor kurzem nach der uns vorgelegten schriftlichen Uebersicht zum großen Teile veröffentlicht haben. Der Hilfsverein geht von dem Standpunkte aus, daß in Berücksichtigung der Tatsache, daß nicht alle auswandernden Juden in Palästina Aufnahme finden können, auch für andere Äuswanderungsmöglichk eiten und Einwanderungshäfen gesorgt werden muß, eine Aufgabe, der sich der Hilfsverein mit großer Energie, mit allen ihm zu Gebote-stehenden Mitteln und seiner ganzen reichen Erfahrung widmet. Dr. Marc Wisch ni tzer, der Generalsekretär des Hilfsvereins, ergänzte den Bericht und unterstrich noch, wie wichtig heute die Berufsumschichtung und die Sprachschulung sei. Nach einem Kassenberi cht des Schatz-* meisters, Bankier D r e g f u B , und den Wahlen wurde die Sitzung geschlossen. Bestimmungen über die Förderung der Kleinsiedlung. : ' Berlin, 27. April. Im „Reichsanzeiger" erscheinen Bestimmungen über die Förderung der Kleinsiedlung'" In dem Abschnitt Darlehens- und Bürgschaftsbestimmungen,, in denen allgemeine Richtlinien über die Persönlich^ keit des Siedlers gegeben werden, heißt es, daß bei Erfüllung bestimmt aufgeführter Bedingungen als Siedlungsanwärter grundsätzlich alle ehrbaren minderbemittelten Volksgenossen zugelassen werden können, und zwar vornehmlich gewerbliche Arbeiter und Angestellte, die ebenso wie ihre Ehefrauen deutsche Reichsangehörige, deutschen oder artverwandten Blutes, politisch zuverlässig, rassisch einwandfrei, gesund;und. erbgesund sind. Keine neue Transfer Organisation für Palästina. Berlin, 28. Aprihi. Zu der im ITA-Dienst;Nr. 175 vom 26. April 1936 enthaltenen . Meldung; über die Gründung einer ^Transfer G. m. b. H. für jüdische Auswanderer, iie sich der Verwaltung, Liquidation und Trans-