Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1936)
- Date
- 1936-05-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 19 Der Israelit 7. Mai 1936 für die politische Vertretung des jüdischen Volkes und zur Koordination der gesamten wirtschaftlich-philanthropischen Arbeit zusammenschließen. Daß ein Zusammenschluß formell möglich ist, hat der Advisory Council of the High Commissioner for Refugees gezeigt, der zwar seiner Natur nach praktisch nichts leisten konnte, organisatorisch aber jedenfalls eine gewisse Einheit der jüdischen Grup pen repräsentierte. Man darf hoffen, daß es die englischen Füh rer bei dem negativen Entschlüsse nicht bewenden lassen und nun, nach Ablehnung des Weltkongresses in seiner geplanten Form, in der obgenannten Anregung eine Basis für eine positive Leistung finden. „Nicht weinen, sondern bauend..." Daß die Levantemesse mitten in den Unruhen trotz allem und allem unter restloser Einhaltung des Programmes eröffnet wurde, brachte Beruhigung in die Massen. Das jüdische Palästina zeigt der Welt, was es kann und was es industriell und wirtschaftlich geleistet hat, und andere Völker zeigen durch ihre Sonderausstellungen, wie sehr ihnen daran liegt, auf gewissen Gebieten mit dem jüdischen Palästina in Handelsbeziehungen zu treten. Wie ein Wahrzeichen jüdischen Aufbauwillens ragt der Ausstellungsturm in die schwüle Luft, als wollte er ihre fürchterlichen Entladungen aufhalten. Einmal wird sich der Himmel klären und der Turm wird in die ungetrübte Sonne schauen. Vorerst heißt die Parole, die man in den letzten Tagen hundertfach* in den hebräischen Zeitungen Palästinas zu lesen bekam: man1? DK "O niDS*? nj? Hb „Es ist nicht die Zeit zu weinen, sondern zu bauen . . ." Und dennoch müssen wir weinen, wenn wir den Blick nach innen richten und die Worte des Propheten erleben: nö'K D'YTnöl mn blWT) finö- Selbst unsere 'Freude an der Levantemesse soll nicht ungetrübt bleiben. Wir zitieren wörtlich aus dem „Hajessod": „Am Sabbat während des G'ttesdienstes in den Synagogen wurde bekannt, daß auf dem Der Sabbat im englischen Unterhaus. Wie der „Israelit" bereits früher meldete, liegt dem englischen Unterhaus zur Zeit eine Bill vor, die die Einschränkung des Sonntagshandels sowohl in London, als auch in den übrigen englischen Städten im Auge hat. Man geht dabei Ausstellungsgelände die Arbeiten trotz Sabbat vor sich gehen wie an Wochentagen. Größte Erbitterung löste diese Kunde in der der Ausstellung nächstliegenden Synagoge in „Schechunath Jarkon" aus, und vor dem Ausheben der Thorarolle begab sich die ganze Gemeinde in corpore nach dem Ausstellungsgebäude, um die Einstellung der Arbeit zu verlangen. Die Arbeitsführer schlössen die Tore, hinter denen weiter gebohrt und gehämmert wurde. Aber die iMenge drang durch eine Hintertüre ein und verlangte gebieterisch dfe Einstellung der Arbeit. Ein Teil der Arbeiter kam der Forderung nach und legte die Arbeit nieder. Inzwischen erschien auf Anruf der Ausstellungsverwaltung ein englisches Ueberfallkommando unter Leitung des Polizeioffiziers B a n d e 11. Der Offizier befahl, daß sich die Gemeinde sofort zerstreue. Die Wortführer der Gemeinde machten dem Offizier klar, daß ihnen jede Demonstration fernliege, daß sie nur gekommen seien, um zu bitten, daß die Ausstellung, die Manifestation des jüdischen Aufbaues, nicht durch Entweihung des heiligen Sabbat vor sich gehe. Der Offizier zeigte großes Verständnis für diese Forderung und gab klare Versicherungen, eine Arbeitseinstellung zu veranlassen, worauf die Gemeinde still wieder in die Synagoge ging, um den G'ttesdienst fortzusetzen. Nach Schluß des G'ttesdienstes konnte man aber sehen, daß die Arbeit der durchwegs jüdischen Hände keine Minute ruhte und bis zur Abendstunde wie an jedem anderen Tage ohne Unterbrechung andauerte." „Hajessod" bemerkt dazu, daß die äußere Lage eine weitere Auseinandersetzung unter Brüdern zwar nicht erlaube, aber schweigen könne man trotzdem nicht. Auch wir sind dieser Meinung, daher sei uns gestattet, dem Schmerze Ausdruck zu geben, daß bestimmte Kreise in Palästina auch in den letzten Schickungen noch nicht den warnenden Fingerzeig G'ttes sehen, daß sie immer noch die rPiny nYntf'über ntzmj? stellen, und uns die Freude an einer Sache verderben, die zu teilen, wir doch alle Anspruch hatten. grundsätzlich, dem englischen Nationalcharakter entsprechend, vorsichtig und gewissermaßen stückweise vor und sucht allzu tiefe Eingriffe in festgewurzelte Lebensgewohnheiten nach Möglichkeit zu vermeiden. Selbstverständlich war es auch von vornlherein, daß die Urheber des Gesetzentwurfes die Interessen der den Sabbat beobachtenden jüdischen Kaufleute ebenso wie diejenigen der Adventisten nicht aus dem Auge ließen und entsprechende Ausnahmebestimmungen für solche Geschäftsleute vorschlugen, die ihre Betriebe regelmäßig am Sabbat geschlossen haben. Das ist in England insofern kein Novum, als sowohl in der schon seit vielen Jahrzehnten in Kraft befindlichen Factory and Workshop-Act, als auch in. der vor einigen Jahren geschaffenen Sonderbill für das Friseurgewerbe entsprechende Sonderbestimmungen enthalten sind. Allerdings ist jetzt gelegentlich der Debatten über die Sonntagsruhe die interessante Tatsache festgestellt worden, daß von jener alten Bestimmung der Factory and Workshop-Act in ganz England nur eine einzige Firma Gebrauch gemacht habe, was aber an der Kompliziertheit der hier in Betracht kommenden Gesetzesbestimmung liegt, die sich im wesentlichen nur auf weibliche und jugendliche Arbeiter bezieht. Die Friseurbill dagegen hat in ihren Konsequenzen innerhalb der jüdischen und nichtjüdischen Öeffentlichkeit schon unliebsames Aufsehen erregt, und es ist eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Sonntagsbill, zu verhüten, daß die Mißbräuche, die die Friseurbill zeitigte, ausgeschlossen bleiben. Daran ist insbesondere die jüdische Gemeinschaft und der sie vertretende Board of Deputies aufs höchste interessiert. Die unvorsichtigen Bestimmungen der Friseurbill hatten nämlich dazu geführt, daß geschäftstüchtige, natürlich nichtorthodoxe Unternehmer, von mehreren in ihrem Besitz befindlichen Friseurläden einige am Sabbat und die anderen am Sonntag öffneten, so daß sie sich den Vorteil einer Siebentagewoche, ganz entgegen dem Geiste des Gesetzes, verschafften, Die neue Sonntagsbill ist nun am letzten Freitag, nachdem sie im Gefolge der ersten Lesung in einer Kommission durchberaten worden war, wieder an das Haus gelangt und hat hier zu ausgedehnten Debatten geführt. Während der Gesetzentwurf selbst in ganz bewußter Weise das Recht, einen Laden am Sonntag bis 2 Uhr mittags offen zu halten, lediglich dem aufrichtigen orthodoxen Juden und dem überzeugten Adventisten verleihen will, der durch eine entsprechende Erklärung an die Behörde religiöse Geiwssensüberzeugung als Motiv strikter Sabbatruhe deklariert, ist von einer Gruppe von Abgeordneten eine Aenderung des Gesetzentwurfes vorgeschlagen worden. Diese Abgeordneten wollen ijede religiöse Motivierung Israels Priestertum. Sidrabetrachtung zu *iwk '3 Von Rabbiner Donath, Ehe sich G'tt Seinem Volke am Sinai offenbarte, um ihm das m ffN. das Feuergesetz anzuvertrauen, beauftragte Er Moses, in kurzen, gehaltvollen Worten dem Volke die Lebensaufgabe des jüdischen Menschen zu zeichnen. >vmp '"m -B'jna nafraia »fr vnn daki „Und Ihr sollt mir ein Priesterreich und heiliges Volk sein," so lautet die Parole, der nichts hinzugefügt und von der nichts hinweggenommen werden darf. „Ein Priesterreich," damit ist wohl die Wechselbeziehung des Menschen zu G'tt gemeint; „ein heiliges Volk" hingegen soll Israel dm Hinsicht auf sein Verhältnis zu seiner Umwelt sein. Bei der Awoda, bei der Ausübung seiner Dienstobliegenheiten fühlt sich der Kohen in G'ttes Nähe. Auch der jüdische Mensch, der nicht dem Priesterstande angehört, aber gleichwohl bestrebt ist, sein Leben zu einer 'n xrnay zu gestalten, fühlt seine Verbundenheit mit G'tt und seine Berufung, sein Volk zu einem wnp »15 zu machen. Der heutige Schriftalbschnitt kündet wichtige Lehren für die Priester und zeichnet ihnen den Weg, den sie als Diener G'ttes zu gehen haben. Schon die Einleitung zu diesen priesterlichen Bestimmungen pnK »aa B»»nan frx tinR „Sage den Priestern, den Söhnen Ahrons," birgt manche Schwierigkeit in sich, die von den Kommentatoren in verschiedenster Weise gedeutet werden. Zunächst evsohemi yVMH '33 „Söhne Ahrons" ganz überflüssig, da allbekannt ist, daß jeder tna seinen Stammbaum bis zu Ahron zurückführt. In meisterhafter Weise beantwortet 'lfr fl8»np> diese Frage. Er sagt, die spezifisch kohanitischen Gesetze könnten den Priester leicht zu Stolz und Ueberheblichkeit verleiten. Darum betont die Thora im Leitwort, ehe sie die Ausnaihmsgesetze der Kohanim kündet, pn» »3a: Wisse es, deine Auszeichnung, deine Sonderstellung wurde dir von 'n schon bei deiner Geburt zuteil. Nicht eigene Fähigkeiten zeichnen dich aus, sondern du genießest nur den Adel deiner Herkunft. . Vielleicht will uns der Schriftvers mit dem »3a J*iii8 noch sagen, daß der Priester in erster Linie Priester, Diener G'ttes, sein soll und in zweiter Linie erst Familienglied. Der Dienst, zu dem ihn G'tt bestimmt, sei ihm höher als alles andere. So ruft auch das Prophetenweib dem Elischa die Worte zu: na »b»k -pay ,,Dein Diener, mein Mann ist tot." Obadja, der g'ttesfürchtige Hausverwalter König Achabs, bewährte sich als naj»/ er war ein Mann, dem der Dienst an seinem Volke, die G'ttessache über alles ging. In seiner Eigenschaft als Gatte wird er erst an zweiter Stelle genannt. Unter den drei Dingen, die unsere Weisen als bewährte Mittel den Menschen von der Sünde zurückzuänalten anführen, nennen sie als radikalstes den Gedanken an den Tod. Der Priester, der zu 'fl MISS stets im Heiligtum weilt und sich GHt nahe fühlt, brauchte nicht erst an den Tod erinnert zu werden, um der Versuchung zu widerstehen. Darum darf sich der Priester an keiner Leiche verunreinigen. 5 xfr „ffiSJfr 1»»ya k»b» mahnt ihn zugleich, seine Seele nicht zu verunreinigen i»»ya/ wenn er in seinem Volke wirkt. Der Priester in seiner Eigenschaft als Volkserzieher und Lehrer, frmfr vip ra nv 'ny nm. muß gar oft' die Niederungen des Lebens aufsuchen, um die ihm vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen — wie speziell bei der Besichtigung der D'fia »yaa — da heißt es Vorsicht! Es gibt eine Grenze, die nicht überschritten werden darf. Dort wo seine Seele gefährdet "ist, muß er Hält machen. Er soll seinen Volksgenossen ein Bruder sein. Sein Seelenadel soll seine Mitmenschen sittlich erheben. Wenn Israel als Priestervolk im Kreise seiner Umwelt diese Grenze einzuhalten versteht, wird es wieder als tzmp» »13 gewertet werden. Wochenkalender. Vom 16. — 23. Mai 1936 / Vom 24. Ijar- 2. Siwan 5696 Samstag 16 24 Sonntag 17 25 Montag 18 26 Dienstag Mai 19 *1"R 27 Mittwoch 20 28 Donnerstag 21 29 Freitag 22 P'O 1 Samstag 23 2 Il'iJj...; 1 V . _r * »m» sp man n» ö» a xa aa ja 73 a 'n jna »npna ina_ v-jnn »»anaäw^Sj Mauled: Donnerstag früh 4 Uhr 49 Minuten IVp 1B3 Öl» vin twe? "i pna iat»a