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Der Israelit · 1936-05-07 · Heft 19 (7.5.1936) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 19 (7.5.1936)
Date
1936-05-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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7. Mai 1036 Der Israelit Nr. 19 Seite 3 Tel Awiw kämpft ur Unabhängigkeit. (Fortsetzung von Seite 1.) ment der Südprovinzen, das Kreisgericht, das Immigrationsamt, das Hypothekenamt, alle diese und ähnliche Aemter befinden sich bis heute noch in J a f f a. Tel Awiw, die größte Stadt Erez Isnaels, ist administrativ Jaffa unterstellt, das kaum ein Drittel der Bewohner von Tel Awiw zählt. Ein Gleiches gilt auch von den wirtschaftlich e n Institutionen. Der Hafen, wie Hafenlager, Hafenämter und das Zollamt befinden sich alle in Jaffa. Früh morgens kann man Tausende von Juden nach Jaffa wandern sehen, die dort ihre Angelegenheiten bei Behörden oder im Hafen zu erledigen haben. Da halfen bis jetzt keine Petitionen noch Interventionen. Tel Awiw wollte au f eigene Kosten einen kleinen Hafen ausbauen, erhielt aber keine Erlaubnis. Während die Regierung in Jaffa auf ihre Kosten prächtige Amtsgebäude aufführt, befinden sich die kleinen Aemter, die in Tel Awiw wirken müssen, in kleinen engen Baracken. Jaffa hat einen Postpalast, den kaum ein Dutzend «Menschen im Tage betreten, in Tel Awiw aber domiziliert die Post in einem kleinen engen Lokal, in dem sich stets Hunderte drängen und aneinanderstoßen. Ein eigenes Telegraphenamt hat Tel Awiw überhaupt nicht. Wer nach 9 Uhr abends noch ein Telegramm aufgeben will, muß sich schon nach Jaffa bemühen. Man darf heute sagen, die sklavische Abhängigkeit von Jaffa hat Tel Awiw die Opfer der letzten Wochen gekostet. Die Gefallenen sind zumeist Tel Awiwer Juden,-die entweder im Hafen beschäftigt waren oder auf den Aemtern etwas zu tun hatten. Aus Vergnügen geht selten ein Jude von Tel Awiw nach Jaffa. i seine Alle diese Dinge werden jetzt der Regierung vor Augen geführt, auf daß sie endlich einsieht, daß es ein Unding sei, das wachsende Tel Awiw an die Hegemonie Jaffas zu ketten. „Wir wollen nicht unser Leben gefährden und nach Jaffa gehen!" heißt es in den Protesten. Die gesamte jüdische Presse bringt ihre Leitartikel unter der lapidaren Ueberschrift: „Man kann uns nicht zwingen, in die Stadt zu gehen, die es auf jüdisches Blut abgesehen hat! . . In großen Versammlungen, an denen sich Rechtsanwälte, Kaufleute, Arbeiter und Menschen aus allen Schichten beteiligten, wurde der Beschluß gefaßt, Jaffa, so lange zu meiden, bis die nötigsten Aemter und auch ein Hafen in Tel Awiw errichtet werden. Der höchsten Gerichtsbehörde wurde .Mitteilung gemacht, daß die Juden von Tel Awiw vorerst nicht vor dem Gericht in Jaffa erscheinen wollen noch können. Alle jüdischen Kaufleute leiten den Transport und Import ihrer Waren über Haifa, die Einwanderer und Touristen landen in Haifa, wo im Hafen auch jüdische Arbeiter beschäftigt sind. „Keine Kraft in der Welt," heißt es in einer Denkschrift, „kann uns zwingen, unser Geld und unser Leben den Mordbanden in der Jaffaer Altstadt zu bringen!". Die Aktion nimmt ganz große Dimensionen an, und schon heute hat Jaffa die Untaten seines Mobs teuer zu bezahlen. Ob die jüdischen Forderungen Gehör bei den Behörden finden? Viele Anzeichen sprechen dafür, daß sie nicht unbeachtet bleiben. Man weiß doch immerhin, daß man es hier nicht mit einer Emigrantengruppe zu tun hat oder mit einer Minderheit, die sich ihre primitiven Lebensrechte mindern lassen kann. Der Jisohuw ist ein Faktor, mit dem die Regierung zu rechnen hat, wenn sie ihre Mandatspflichten ernst nehmen will, und darum darf erwartet werden, daß die berechtigten jüdischen Forderungen zum größten Teile auch erfüllt werden. Der Negus auf dem Wege nach Palästina. Wie im englischen Unterhause vom Außenminister Eden offiziell bekanntgegeben wurde, befindet sich der N e g u s mit dem englischen Kreuzer „Enterprise" auf dem Wege nach P a 1 ä s t i n a (er ist inzwischen in Haifa gelandet). Wieder ein Flüchtling, der, Symbol und Repräsentant eines geschlagenen Volkes, eine Heimat im L an de Israels sucht. Möge er sie dort finden! Der Entschluß der Negusfamilie, nach Palästina zu gehen, ist wohl in Gründen zu suchen, .die auf der politischen Linie Englands liegen. Aber man kann annehmen, daß Haile Sellassie auch einer inneren Herzensneigung gefolgt ist, als er den 'JjCurs nach Judäa nahm; es ist gewissermaßen; eine Flucht in die alte Heimat. Bekanntermaßen; führt die Herrscherdynastie in Äbessinien.'' j&iren Stammbaum auf König; S a - 1 o m o zurück, dessen Sohn iMenelik, den ihm die Königin von Saba geschenkt ifratte, in Kusch (Aethiopien); das abessinische Reich gegründet laben seil. Diese abessinische Ueberlieferüng drückt sich auch im abessinischen Wappen mit dem „Löwen von Juda" und in änderen unzähligen Emblemen aus., Auch von einer „Bundeslade" spricht die abessinische Sage, der Bundeslade, die der schwarze Prinz Menelik aus dem Allerheiligsten in Jerusalem entwendet und nach Kusch mitgenommen hätte . . . Diese Bundeslade, deren Inhalt außer dem Abuna, der sie behütet, keiner gesehen hat, wurde sogar mit an die Front bemüht. Genützt hat es nicht, was man vom rein menschlichen Standpunkte aus bedauern mag. Daß all diese Ueb erlief erungen und die Anklänge an das Judentum in Kult und Kultur der Abessinier nicht verhindern konnten, daß Volk und Herrscher in Äbessinien ihre Juden (Falaschas) politisch, sozial und wirtschaftlich möglichst niederhielten, ist ein bekanntes Kapitel, seitdem die Juden Europas anfingen, sich für ihre Brüder oder Halbbrüder in Äbessinien zu interessieren. Wir behalten uns vor, demnächst das durch den Zusammenbruch Abessiniens neu in den Vordergrund des jüdischen Interesses tretende Falaschaproblem eingehend zu behandeln. Außenminister-E d.e n sprach noch seine Erwartung aus, daß sich der Negus während seines Aufenthaltes in Palästina in keiner Weis e politisch betätigen und an der Fördern n g von Feindseligkeiten beteiligen werde. Wir wissen nicht, welche „Feindseligkeiten": der Außenminister gemeint hat. Es gibt deren heute so viele in der Welt. Wenn er die a r ab ische Bewegung gegen England und die Juden gemeint; ihat, so können wir uns dieser Erwartung nur anschließen. Unbeschadet der rassischen und Wahlverwandtschaft, die das Araibervöllk mit Äbessinien empfindet, ist der Negus der Vertreter eines in der Hauptsache christlichen Volkes lind selber ein Sohn der griechisch-katholischen Kirche. Er wird sich voraussichtlich der kleinen in Jerusalem domizilierenden koptisch - abessinischen K i r c he anschließen, die außerhalb ihrer religiösen Interessen niemals politische Aspirationen bekundet hat. Wir haben in dieser Beziehung von ihm und seinem Anhang nichts zu befürchten und nichts zu erwarten, Und wissen, daß er in Erez Israel auch bei denen eine gute Aufnahme finden wird, 'die am besten das bittere Los der Heimatlosigkeit kennen . . . Londons jüdische Führer gegen Jüdischen Weltkongreß. Unter dem 28. April meldet die ITA. aus London: „Der Board of Deputies of British Jews befaßte sich in einer Sitzung mit der an ihn ergangenen Einladung, sich am Jüdischen Weltkongreß zu beteiligen. Mit großer Mehrheit wurde beschlossen, diese Einladung nicht anzunehmen. Die Entschließung erfolgte nach langer Debatte, in der der Präsident des -Board, Neville Laski, den Plan eines Jüdischen Weltkongresses scharf kritisierte. Der Kongreß sei überflüssig. Es existierten bereits Organisationen, die sich mit den Problemen befassen, die auf der Tagesordnung des Kongresses stehen. Die gleiche Ansicht vertrat der Vizepräsident des Board, Sir Robert W a 1 e y - C o 'h e n, der Ehrenpräsident des Board, Sir Osmond d'Avigäor Goldsmid, und andere. Dagegen trat Rev. <M. L. Perlzweig für eine Teilnahme am Kongreß ein." iMan darf diese Haltung der führenden jüdischen Persönlichkeiten in England als Sieg der gesunden Vernunft begrüßen. Bei dieser Gelegenheit sei an die Worte des Präsidenten der Weltorganisation A g u d a s J i s r ö e 1, Herrn Jacob R o s e n h e i m, die er vor kurzem einem Vertreter der Londoner ITA. . gegenüber geäußert hat, erinnert. (Siehe „Israelit" Nr. 12 vom 19. März d. J.) „Wir lehnen," sagte Herr 'Rosenheim, „die Idee des Weltkongresses, insofern sie die Durchführung allgemeiner Wahlen in der ganzen Welt und die Schaffung einer jüdischen Parlamentstribüne zur Produktion oratorischer Glanzleistungen und zur Entfesselung uferloser Rededuelle ins Auge faßt, als z w e c k 1 o s und gefährlich ab. Wir sind überzeugt,- daß eine solohe Schaustellung erheblichen Schaden stiften, nur wenig Sympathien erwecken, sicherlich aber «nicht den leisesten praktisch-politischen oder wirtschaftlichen Nutzen zu stiften vermöchte. Beharren die Unternehmer dennoch auf ihrem Willen und berufen den Kongreß, dm Gegensatz zu dem Votum der meisten größeren jüdischen Organisationen, dennoch zusammen, so wird nur die Farce einer jüdischen Einheitsdemonstration herauskommen, und, im Gegensatz zu dem gewünschten Ergebnis, wird sich nur die herrschende Zersplitterung aufs deutlichste offenbaren." Auf der anderen Seite jedoch glaubt Herr Rosenheim, daß die großen jüdischen Organisationen eine schwere und kaum tragbare Verantwortung auf sich laden, wenn sie sich länger der Einsicht verschließen sollten, daß die unstillbare Sehnsucht nach einem jüdischen Weltkongreß nicht etwa von einigen Matadoren künstlich erzeugt ist, sondern einem innersten legitimen Bedürfnis der jüdischen Volksseele, besonders im Osten, entspricht, die nur in der Wahl . der Mittel fehlgreift. Es stehe zu befürchten, daß wenn dem legitimen Wunsch nach Herstellung einer einheitlichen Zentralstelle nicht endlich Rechnung getragen werde, die unglückselige Weltkongreßpropaganda nie zur Ruhe kommen und die Reibungen unter den Organisationen selber kein Ende nehmen werden. Herr Rosenheim schlägt vor — was die Aguda schon seit drei Jahren erstrebt — daß die vorhandenen Organisationen sich zu einem Council

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