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Der Israelit · 1936-05-07 · Heft 19 (7.5.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 19 (7.5.1936)
Date
1936-05-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 19 D e Israelit 7. Mai 1936 Palästina abgeht. Kein einziger der vorgemerkten Olim wolle von der Alija zurücktreten. Heute wird eine Verordnung des High Commissioner bekanntgegeben, mit der die Zolldirektion ermächtigt wird, die infolge des Streikes unverschuldet ausgelaufenen. Warengelder in Jaffa zu erlassen. Prof. Ghajim Weizmann hatte am Dienstag wieder eine Audienz beim High Commissioner, mit dem er auch die neue Einwand erungs schedule besprach. Sie soll schon in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Weizmann begibt sich am 10. Mai in Begleitung einiger Stadträte von Tel Awiw per Flugzeug nach London, um dort an den zuständigen Stellen einen Bericht über die Lage zu erstattet. Eine Abordnung eines arabischen Stammes im Bezirke von Tiberias hat unter Führung des Direktors der arabischen Bank in Tiberias, eines Sohnes des Mufti in Tiberias, die jüdische Kolonie M i g d a 1 aufgesucht, um siah in aller Form bei den Kolonisten wegen eines Ueberfalles von Stammesangehörigen auf die Kolonie zu e n t schuldigen. Der U eberfall sei, sagten die Araber, auf gewissenlose Agitatoren zurückzu führen, die falsche Gerüchte über die Juden ver breiteten. Die Führer der Abordnung versprachen, alles daran zu setzen, daß ihre Stammes genossen mit den jüdischen Nachbarn in Frieden leben. Am jüngsten Sabbat konnte zum ersten Male seit Ausbruch der Unruhen an der heiligen Mauer wieder mit Minjan gebetet werden. In den arabischen Vierteln, die die Juden auf dem Wege zur Mauer passieren mußten, wurden sie in keiner Weise belästigt. Die Lage bis Mittwoch abend. (Letzte Berichte.) Jerusalem, 6. Mai. Die Zwischenfälle haben noch nicht aufge hört. In ganz Palästina kommen weiter Zusammenstöße, Brandstiftungen und sonstige Terroraktionen der Araber vor. Im Verlaufe der letzten vierundzwanzig Stunden wurden nicht we niger als 1050 Dunam Ernte durch Feuer ver nichtet. Die Wasserstation in Kfar Tabor in Untergaliläa wurde in Brand gesteckt. In dem gesamten Distrikt herrscht dadurch Wassermangel, Uebenhaupt haben in ganz Untergaliläa die Juden die Arbeit auf dem Felde e i ngestellt, weil sie arabische Terrorakte befürchten. Ein jüdischer Wächter in Kfar Je - hoschua wurde durch Schüsse, die Araber auf die Siedlung abgaiben, verwundet. Auf der Eisenbahnstation in Tel Awiw wurde eine auf der dortigen Signalstation beschäftigte Jüdin, Lea Perlman, schwer verwundet. Aus dem fahrenden Zuge wurde nach ihr ein schwerer Stein geworfen. Ein jüdischer Kaufmann, Ben Zion Z i 1 k e r , wurde im Jerusalem von Arabern verwundet, als er versuchte, seinen in der Altstadt gelegenen Laden zu öffnen. Nach einer Meldung in der arabischen Presse ist in der Nähe von Tulkarem ein Eisenbahnzug zum Entgleisen gebracht worden. Der Prozeß gegen die neun jüdischen Demonstranten, die der Teilnahme an den Unruhen des 17. April in Tel Awiw angeklagt sind, ist vor dem Tel Awiwer Stadtgericht beendet worden. Einer der Angeklagten namens Franko wurde zu einem Jahr Gefängnisverurteilt, Vier andere Angeklagte erhielten je fünf Monate Gefängnis, die übrigen zwischen einem und drei Monaten Gefängnis. Einer der Angeklagten, ein illegaler Einwanderer, wird nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten aus Palästina ausgewiesen werden. (Ausführlichen Bericht über die Vorgänge in der abgelaufenen Woche findet der Leser im Korrespondenzenteile auf Seite 9.) Die Eröffnung der Levantemesse. TeJ Awiw, 3. Mai. ,; Vollkommen programmäßig wurde am Donnerstag die Levantemesse in Tel Awiw eröffnet. Etwa 15 0O0 Menschen füllten die Halle und die Zugangsstraßen. Ein starkes Polizeiaufgebot war am Platze und mußte in keinem einzigen Falle in Funktion treten. Zur festgesetzten Stunde erschien der High Commissioner Sir Artur Wauchope. Der Bürgermeister von Tel Awiw, -Dizengoff, begrüßte die versammelten Gäste, worauf er die Bedeutung der Messe für den gesamten nahen Orient hervorhob und seinem tiefsten Bedauern über die Vorfälle der letzten Woche zum Ausdruck brachte, in dem Aufbauwillen, den die Messe symbolisiere, sollten sich die Menschen und Nationalitäten Palästinas finden. Gleich nach der Rede des Bürgermeisters ertönten die lapidaren Worte des Kolonienministers I. H. Thomas aus London durch die Lautsprecher des Radio. In der kurzen Ansprache drückte er zunächst seine aufrichtige Freude aus, auf diese Weise an der Levantemesse teilnehmen zu können. Er sei über die letzten Ereignisse ganz unglücklich, aber überzeugt, daß sie die Wirtschaft in Palästina in ihrem Aufbauprozeß nicht aufhalten" werde. Der Kolonienminister übermittelte dann auch die Grüße und Glückwünsche der Regierung und des Königs. Es folgte die Rede des High Commissi o n e r s , der ebenfalls sein Bedauern über die Vorfälle ausdrückte. Er befürchtet aus den Ereignissen keine Gefaihr für die normale wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Als die Uefoersetzung seiner Rede aus dem Englischen ins Arabische erfolgte, verließen• zahlreiche Anwesende demonstrativ die Halle. Es fiel auch auf, daß im Gegensatz zu früheren Eröffnungsfeierlichkeiten, der High Commissioner mit keinen Ovationen empfangen wurde, erst nach Schluß seiner Rede gab es einigen Beifall. Von Arabern sah man bei der Eröffnungsfeierlichkeit nur drei, die den Sudan vertraten. Zunächst werden nur die palästinensischen Produkte gezeigt. Die Eröffnung der ausländischen Pavillons mußte noch verschoben werden, da die Waren zum Teile infolge des Streikes im Hafen noch nicht nach Tel Awiw verbracht wenden konnten. Zweite jüd. Kundgebung in Berlin. Berlin, 6. Mai. Nach der zionistischen Kundgebung zu den Ereignissen in Palästina (Siehe Seite 7) veranstaltete auch die Jüdische Gemeinde als solche in der Synagoge Prinzregentenstraße eine große Versammlung unter der Devise; „Für. jüdische Arbeit und für die Heimstätte der Juden!" Die Synagoge war bis auf den letzten Platz angefüllt. Als Redner wirkten Direktor Heinrich Stahl, Rabbiner Dr. Wiener und Dr. Alfred Klee. Heinrich Stahls Ausführungen gipfelten in dem Gelöbnis, daß Schwierigkeiten, die uns nie geschreckt haben, auch jetzt das große Werk nicht hindern werden. Rabbiner Dr. W e in e r appellierte an die Herzen und Hände, am großen Werke mitzubauen. Das Land, unsere einzige Heimat, müsse erworben werden. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee sagte, Palästina sei der Schlußstein des ewigen Wanderns. Mussolini verwahrt sich gegen den Verdacht, Italien unterstütze die Araber gegen die Juden. London, 5. Mai. Die „Daily Mail" veröffentlicht eine Unterredung ihres Sonderberichterstatters Ward P r i c e mit Mussolini, das einige bemerkenswerte Aeußerungen, auch über die Vorgänge in Palästina enthält. Mussolini erklärte u. a.: ,,In meiner Politik habe ich niemals irgendeine Schädigung der Interessen des Britischen Weltreiches geplant. Auch jetzt habe ich keine derartige Schädigung vor. Italien hat nicht das geringste Verlangen nach Aegypten. Italien betrachtet Aegypten als ein unabhängiges Land, das riioht zu Afrika, sondern zum Mittelmeer gehört, und mit dem Italien stets die besten Beziehungen unterhalten hat und unterhalten wird. Italien hat keinerlei politisches Interesse im Sudan oder in Palästina. Es ist daiher völlig unrichtig, den Italienern irgendeine Verantwortung für die Zusammenstöße zwischen den Arabern und Juden zuzuschreibe n."" 13 jüdische Abgeordnete bei den Kammerwahlen in Frankreich gewählt. Paris, 5. Mai. Bei den Kammerwahlen in Frankreich >ind insgesamt 13 jüdische Abgeordnete gewählt worden. Unter ihnen befinden sich der Postminister im Kabinett Sarraut, Mandel, der Bürgermeister von Le Havre, Leon Meyer, sowie Leon B1 u m. Im Wahlkampf unterlegen ist der Kolonialminister Jacques Stern. Orthodoxe Rabbinerschaft Amerikas und Kanadas nimmt nicht am jüdischen Weltkongreß teil. NewYork, 1. Mai. Die Exekutive der Union orthodoxer Rabbiner der Vereinigten Staaten und Kanadas nahm einen Beschluß an, der Einladung zur Teilnahme an dem Jüdischen Weltkongreß nicht Folge zu; leisten. Vollstreckungsschutz auch für Nichtarier. Berlin, 3, Mai. Im „Berliner Tageblatt" wird ein Beschluß des Landgerichts Leipzig vom 31. März 1936 mitgeteilt, in dem ausgesprochen ist, daß der Vollstreckungsschutz bei der Zwangsvollstreckung in Grundstücken auch für Nichtarier gilt. Der Gläubiger hatte gegen den Beschluß des Amtsgerichts, durch den das Verfahren der Zwangsvollstreckung für das Grundstück auf 6 Monate eingestellt worden war, sofortige Beschwerde eingelegt, die er u. a. damit begründet hat, daß der Schuldner Nichtarier sei und deshalb keinen Vollstreckungssohutz genieße. Das Landgericht Leipzig hat sich dieser Begründung nicht angeschlossen und dem Schuldner den Schutz der betreffenden Verordnung vom 26, Mai 1933 zugebilligt. „Zwar ist die Einstellung des deutschen Volkes zum Judentum seit der nationalen Erhebung früheren Zeiten gegenüber eine grundsätzlich verschiedene, aber die Beschränkungen, denen der Nichtarier unterliegt, sind doch gesetzlich geregelt. Die Maßnahmen der Reichsregierung gegen das Judentum haben ihren Niederschlag vor allem in den Berufsbeamtengesetzen und den Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935 gefunden. Hiernach ist zunächst die Judenfrage nur in staats- und eherechtlicher Hinsicht geordnet worden. Das Wirtsohaftsrecht der Juden ist vorläufig: gesetzlich noch nicht geregelt. Hätte der Gesetzgeber die Rechtswohltat des Vollstreckungsschutzes den Nichtariern versagen wollen, so wäre das in der Verordnung vom 26. Mai 1933 zum Ausdruck gekommen. Da das nicht: der Fall ist, müssen diese Bestimmungen auch auf' das. vorliegende Verfahren Anwendung finden."

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