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Der Israelit · 1936-04-30 · Heft 18 (30.4.1936) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 18 (30.4.1936)
Date
1936-04-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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iioTröT^r^^oifoffoBoir Erziehung' und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands iHinss ^jb]^ —IIIHIII— ■H1 o| o o| o—o | o |o||o | Hm ^][H][^ —IIIHIIH— HIIHI Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Ottenbach) Geschichtsunterricht an jüdischen Schulen. Von Realschuldirektor Dr. Elias in Frankfurt a. M. 1. Die Richtlinien, die die Reichsvertretung deutscher Juden seiner Zeit zur Reform des jüdischen Bildungswesens herausgegeben hat, sprechen von zwei Urerlebnissen, an die alle Bildung deutsch-jüdischer Jugend anzuknüpfen habe: vom deutschen und jüdischen. Diese Buber'sohe Formulierung ist nicht sehr glücklich. Ein deutsches Urerlebnis kennt der Jude mecnts Erachtens nicht. Es gibt Urerlebnisse, die der Jude mit allem, was Menschenantlitz trägt, gemein hat, sie sind aber nicht gerade deutsch. Geburt und Tod, Krankheit und Kümmernis, Lebenswille und Notwehr, Liebe und Haß, Naturgefühl und Schicksalsangst, Unendlichkeitsnähe und Freiheitssehnsucht, das alles löst Gefühle aus, die der Jude, zwar nicht immer und überall dem Grad und .d<er Färbung, wohl aber dem Motiv und der Richtung nach mit allen Menschen teilt. Zu diesen treten die Erfahrungen, die an jüdische Geschichte und an jüdisches Blut, an jüdisches Schicksal, an gelebte Lehre kurz zu jüdischem Erbteil gewordene Eigentümlichkeiten unserer Natur, unseres Körpers, unseres Geistes und unserer Seele anknüpfen. Deutsches und jüdisches Geschehen kann in von einander weit getrennten Linien verlaufen, muß freilich nicht anders verlaufen. Deutscher Boden, deutsches Gemüt und deutsches. Denken sind oft genug mit dem jüdischen zusammengeflossen, aber nicht Urerlebnisse. Wenn dieser Zusammenklang zwischen Deutschem und Jüdischem möglich ist, so ist er zwischen Menschlichem und Jüdischem notwendig gegeben. Der Jude ist als -solcher ganz Mensch und als Mensch ganz Jude! Die hypertrophische Pflege allgemein menschlicher Erlebnisse, losgelöst vom Jüdischen, hat die Verflachung, die Neigung zzur Assimilation gestärkt und notwendig zu ihr geführt, bis sich herausstellte, daß das jüdische Urerlebnis nicht zum Schweigen zu bringen, und, wenn unterdrückt, auch die Entfaltung des allgemein Menschlichen verhindert. Die verdrängte Schicht des jüdischen Erlebnisses wirkt im Unterbewußtsein dem Aufgehen im allgemein Menschlichen entgegen, sowie die Unterdrückung des Menschlichen im Juden zur Neurose führen muß, wenn er nicht auch die Kräfte entfaltet, die ihm der Schöpfer der Welt zugleich mit den andern Menschen eingepflanzt hat. * Im Anschluß an die. Nürnberger Gesetze hat der -offizielle Kommentar festgestellt, daß die Judenfrage die Rassenfrage des deutschen Volkes sei. Das ganze Schulwesen des deutschen Staates ist nun aber auf die Erziehung .zu rassischem Gefühl abgestellt. Auch die jüdische Schule in Deutschland kann, will sie nicht in die Luft bauen, nichts anderes tun als das Menschliche Jüdisch pflegen und das Jüdische menschlich entwickeln und von der beidem gemeinsamen Wurzel des G'ttlichen her, erfassen und fortbilden'. Vor Einseitigkeit müssen wir uns bewahren. Jüdisches und Menschliches sind keine Gegensätze, beides muß zusammen klingen, beides in seiner Einheit dem Juden zu Bewußtsein gebracht werden. Wir haben das jüdische Kind zu bilden, d.h. durch die Pflege" des Eigenen in ihm, es zur Mit- -wi&senschaft zum Ganzen der 'größeren Gemeinschaft, des Judentums wie des Menschentums zu bringen. Wir haben ihm das Bewußtsein seiner selbst zu vermitteln, daß es aktiv teilnehme, handelnd und leidend, schicksalergreifend nind' schicksalbegründend dereinst am Ganzen wirke. Durch welches Fach könnte die Schule diese Bildung leichter vermitteln als 'durch die Geschichte? Woran rankt sich der werdende Mensch empor, wenn nicht an den Persönlichkeiten der Geschichte, an dem Beispiel ihm nahestehender Menschen und an ihren Taten, die ihm nicht nur zeigen, was sein und nicht sein soll, sondern auch was in Wirklichkeit ist und war? II. Im Dienste eines solchen zu jüdischer Bildung führenden Geschichtsunterrichtes ist kein Raum für einseitige Grundlegungen, wie sie die Geschichtsphilosophie des Christentums, der Humanisten oder des Fos'itivismus vorgenommen hat. Das Christentum scheint ja in seiner Geschichtsphilosophie der Bibel am nächsten zu kommen. Es sieht in der Geschichte die Realisierung eines großen Heilplanes, der über Höhen und Niederungen zum Endziel führt. In Wirklichkeit aber entspricht diese Geschichtsphilosophie mit der Passivität, die sie menschlichem Tun und Wollen. nach dem Erscheinen ihres Messias auferlegt, und bei der ihr eigenen Einschätzung, die sie dem aus menschlicher Tatkraft entspringenden Aufbauwerk am irdischen Stoff entgegenbringt, nur wenig der Auffassung, die wir mit unserer Ueberzeugung von der Unersetzlichkeit kraftvollen und tatenreichen Lebens und von der Verpflichtung zum Einsatz des Lebens für das Leben auf Grund der Thora vertreten. Auch in unserer Geschichtsauffassung hat der Glaube an G'ttes erziehende Hand und geschichtliche Lenkung seine Stätte, Aber sie sieht nicht ab von der Mitarbeit des Menschen, sondern sie rechnet mit ihm und wartet auf ihn. Das Ideal des Humanismus, der in der Geschichte den Weg des Menschen zur Autonomie und von ihr zu geistiger und sittlicher Höh© sieht, liegt nicht ganz abseits von unserem Wege. Aber er ist nicht ganz der unsrige. Wir erwarten nicht vom menschlichen Geist die Zielsetzung, nicht von der abstrakten Idee der Menschheit die Erziehung. Die Interessenkämpfe der nur auf den Verstand und auf sich selbst gestellten Menschen und Völker machen einen solchen Weg unmöglich. Auch der Positivismus birgt eine Wahrheit in sich. Auch wir glauben an einen Fortschritt in der Welt und an der Welt und lassen uns den. Glauben an kulturelle und zivilisatorische Entwicklung trotz allem, was sich ereignet hat, nicht rauben. Aber wenn wir Wissenschaft und Technik im Sinne des „umilu eth haarez wekiv-schuha" als g'ttgewollte Werkzeuge der Vollendung ansehen, so machen wir sie nicht zu Herren über uns, so wenig, wie wir den Menschen als Herrn der Welt ansehen, sondern ihn selbst, wie die in ihn gelegten Kräfte und die ihm unterworfene Welt dem einen Zwecke dienstbar: lebhaken olam bemalchuth schadai. Immerhin haben die genannten drei großen geschichtsphilosophischen Linien des Christentums, Humanismus und Positivismus das eine mit der unseren gemeinsam, daß sie im Gegensatz etwa zum biologischen Nationalismus die Geschichte der Menschheit als zusammenhängendes Ganzes darstellen. Der biologische Nationalismus teilt nämlich die Geschichte in Volksindividuen auf, deren jedes nur von physischen Daseinsbedingungen lebend, durch Kindheit, Mannesalter und Greis entum hindurch, jenseits von Gut und Böse, wie Pflanzen und Tiere seines Daseins Kreise vollendet. Wir sind der Ueberzeugung, daß die Geschichte der Völker ein großes Ganzes bilde, in dem die Völker kommen und gehen. Ihre stärksten Lebensimpulse liegen im Geistigen, sowie sie mit ihrem Leben und Sterben im Dienste eine® auf die 'gesamte Menschheit zielenden Geistes stehen. Bewußt oder unbewußt dienen sie alle der Verwirklichung ihrer selbst und der Menschheit, mit ihrem Werden und, Vergehen, mit ihrem Wesen und Wollen fallen sie alle unter die Bestimmung: „Werde zum Segen!", mit der Erfüllung dieser Bestimmung steigen und stürzen sie. Für unseren Blick — das kann im Geschichtsunterricht nicht "deutlich genug gesagt werden — ist der Zusammenhang zwischen dem Schicksal eines. Volkes und seiner Schuld meist gar nicht zu ver^ folgen, auf keinen Fall richtig abzuschätzen. Wir können den Verlauf einer Volksgeschichte so wenig wie den eines Menschenlebens einfach nach dem" Satz „denn jede Schuld rächt sich auf Erden" würdigen. Eine solche Würdigung sprengt auch den Rahmen, innerhalb dessen sich ein Volkskörper auslebt. Von einer höheren Warte kann der Erfolg eines Volkes so wenig wie der Mißerfolg im irdischen Räume entscheidend für Wert und Unwert sein. Unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit kann der Erfolg eines Volkes und einer Persönlichkeit schuldhaft und gerade das Scheitern Sieg und Ueberwindunig auf höherer Ebene bedeuten. So wenig also Schuld am irdischen Schicksal nachzurechnen ist: daß ein Zusammenhang besteht, muß festgehalten werden. Ebenso wie die Ueberzeugung, daß die Völker der Menschheit eine gemeinsame Verantwortung tragen. Das andere Ziel des Geschichtsunterrichtes muß sein, zu zeigen, wo wir als Volk unter den Völkern, wo ich als Glied meines Volkes hier und jetzt stehen und zu arbeiten habe. (Fortsetzung folgt.) runtrn mias? Vt? itä iöo rran nms? ]wb •(maxvia onan min') (■jpan) n^nn pirnn ns vnn^? ias Dvnaiaip nw-nn ns kviit nsnpn nana lasr Vnmw Diu nnas/n nafc^ nsn ü^d -nns D^aoa oman *?a üjraaw nwm bin ntpwn 'pinV rwnn pvwn nxnpn nan •»d »an nns da nir\m nsnpn nana "pin -W52n rinn •■pinVi üviooTan Y>pan mai o*w ^a^ m» «^in-mana ntpmn-maiaan mp^naa nsiinmara nmpa 2)n^afyn^ nxrn wnn -3)n^m nmiTb nma nnn nnp'wn ^antn dk «nunpn "nan mtwa man -nt> 'uw na*n num-rn nsV isjw a'nasn d"]dii 4)craiBhu •Wna pia jvsn na am1? vn onan -»a Kxaa 'nstn oipna nzmb nxn mb pi a1? law o'aia^sn nana nsnpn man os 5)na*flan "ippi nsnpn "ffp bv nwasn naann 0*1 "ma nata" 'ktq nn mn pisa ^w-mana n nas1? ins onnaia 'n^innan 'pinVi tmvffti 'pinV nsnna nsnpn mana ntn nara rrn naai naa nns bv nana iat? 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