Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1936)
- Date
- 1936-04-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 18 Der. Israelit 30. April 1936 In Warschau fand eine Sitzung der Fleischersektion des jüdsichen kaufmännischen Vereins statt. Im Verlaufe der Debatten wurde mitgeteilt, man sei sich darüber klar, daß auf Grund der zu erwartenden Ausführungsbestimmungen, die eine Neuregelung des Fleischhandels bringen werden, der Zwischenhandel mit Fleisch ausgeschaltet werden wird. Jeder Fleischer werde direkt vom Landwirt Vieh kaufen, es schlachten und verkaufen müssen. Dies werde für den* kleinen Fleischer eine außerordentliche Belastung bedeuten. In der Sitzung wurde beschlossen, schon jetzt Schritte zu unternehmen, um Maßnahmön für die Erhaltung der Existenz des jüdischen kleinen Fleischhändlers zu treffen. Anklageschrift gegen die Beschuldigten der Vorfälle von Przytik. Warschau, 23. April. Nach Meldungen der Tagespresse ist die Anklageschrift gegen die Beschuldigten der Vorfälle von Przytik den Angeklagten bereits zugestellt worden. Angeklagt worden sind vierzehn Juden und dreiundvierzig Nichtjuden, von denen drei Juden und vierunddreißig Nichtjuden sich in Untersuchungshaft befinden. Der Termin des Prozesses ist noch nicht festgesetzt worden. Wahrscheinlich wird die Hauptverhandlung aber Anfang Mai stattfinden. Die nichtjüdischen Angeklagten werden von dreißig Rechtsanwälten verteidigt werden, die jüdischen von zwanzig Anwälten. Fast 400 Zeugen sollen geladen werden. Der Prozeß wird vor dem Kreisgericht in Radom stattfinden. Das Kreisgericht in Radom hat in der Berufungsinstanz den Anführer der Huligans von Przytik, Korczak, freigesprochen. Korczak war in erster Instanz zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er, wie ihm die Anklage vorwarf, einen antijÜdfiSChen Boykott in unzulässiger Weise geleitet hat. Litauen. Transferabkommen zwischen Palästina und Litauen. ' K o w n o , 23. April. Der Vertreter der Anglo-Palestine-Bank Dr. Alfred Werner unterzeichnete ein Transferabkommen mit der Litauischen Regierung, durch das erlaubt wird, 6500 Pfund nach Palästina zu transferieren. Die litauischen Auswanderer nach Palästina werden die Möglichkeit haben, jährlich 7500 Pfund aus Litauen herauszunehmen. Der Transfer wird durch die Ausfuhr litauischer Waren nach Palästina erfolgen. Ein entsprechendes Abkommen ist von Dr. Werner mit der Lettischen Regierung am 23. März geschlossen worden. In Litauen wurde eine neue Handwerkerordnung erlassen, nach der alle Handwerker ein Zeugnis über ihr Allgemeinwissen und über ihre Berufsausbildung erwerben müssen. Sie müssen im übrigen gute Kenntnisse in der litauischen Sprache haben. Ausgenommen von diesen Bestimmungen sind nur Geschäftsleute und Handwerker, die bereits achtzehn Jahre ihren Beruf ausüben. Unter der jüdischen Bevölkerung hat die neue Handwerkerordnung große Beunruhigung hervorgerufen. Man befürchtet, daß durah säe die Existenz von Zehntausenden von jüdischen Familien gefährdet werden wird. Tschechoslovakei, Hilfsaktion für die Juden Karpatho-Rußlands. Prag, 23. April. In Prag ist ein Büro des Hicem gegründet worden. Es soll in Zukunft die Betreuung von Auswanderern, die nach der Tschechoslovakei kommen, übernehmen, und, als besondere Aufgabe, Auswanderungsmöglichkeiten für Juden aus Karpatho-Rußland schaffen sowie etwaigen Auswanderern zur Seite stehen. In diesem Zusammenhang wird geplant, in M u k a - c e v o , dem jüdischen Zentrum von Karpatho-Rußland, eine Zweigstelle des Büros zu errichten. Das Prager „Hilfskomitee jüdischer Frauen für Karpatho-Rußland", das sich mit Notstandshilfe für Neueste Wi rischaft snachricjhten aus Erez Jisrocfl. i& (Nach PalnewsJ^,1"6 ^.! ijjosJ 9§lliß Jerusalem. Das v ߣe^j|{|^%rv|©gsbüro I. M. Tocatly in Jerus'ajem^^erjljg^ in Palästina vier englische .Versicherungsgesellschaften: Sun, Alliance^Plftr^foflc^und Maritime. Diese Gesellschaftern flfctetreiben das Feuer- und Unfaliyersj^erijggsgesellschaft aller Arten. Die Präniiei^i^ahmen der vier Gesellschaften in Palästina beliefen sich im Jahre 1935 auf LP 30.QÖÖ.UWährend der letzten 10 Monate hat das Büro von I. M. Tocatly eine lebhafte Aktivität in der Gewähr rung von erststelligen' Hypothekendarlehen aus Fonds entfaltet, die von Sun und Alliance und anderen englischen Gesellschaften wie ausländischen Privatpersönlichkeiten zur Verfügung gestellt wurden. Tel A w i w. Der der Generalversammlung der „Egged" Transport-Kooperative vorgelegte Jahresbericht teilt mit, daß im Jahre 1935 150 Kilometer neue Straßen gebaut wurden. In Palästina bestehen zur Zeit 1200 Kilometer .r Asphaltstraßen gegenüber 1050 Kilometer Ende 1934. Der Automobilverkehr hat sich im Jahre 1935 dem Vorjahr igegenüber stark gesteigert. Alle Kooperativen haben eine Zunahme der Zahl der beförderten Passa- . giere zu verzeichnen, in einigen Kooperativen geht die Zunahme bis zu 40 Proz, Auch der Gütertransport durch Kraftfahrzeuge hat sich im Jahre 1935 erhöht. Wenn wir den Benzinverbrauch als Maßstab des Automobilverkehrs in Betracht ziehen, so ergibt sich, daß der Benzinimport von 8.530.040 Gallonen im Jahre 1934 auf 13.373.040 Gallonen im Jahre 1935 gestiegen ist. Der Benzinimport hat sich also um 4.843.000 Gallonen bezw. 57 Proz. erhöht. Die Kooperativen beförderten im Jahre 1935 60 Millionen Passagiere. Die Bruttoeinnahmen stiegen von LP 230.000 im Jahre 1932 auf LP 800.000 im Jahre 1935. Das Eigenkapital erhöhte ^>ich um 600 Proz. von LP 36.000 auf LP 220.000. Aus diesen Ziffern ergibt sich das* außerordentlich starke Wachstuni des Transportgewerbes im Verlaufe der letzten drei Jahre, Mit dem Rückgang des Tempos der Bautätigkeit, Touristenverkehrs und des Warentransportes erwies es sich für das Transportgewerbe als erforderlich, gewisse Einschränkungen im Transportwesen vorzunehmen. Wenn sich die Situation nicht ändert, ist zu erwarten, daß sich im Jahre 1936 keine weitere Steigerung des Transportvolumens ergibt. Tel Awiw. Die Gartenstadt „Tel-Litwinsky", die vor drei Jahren durch Ale Litwinsky Bros., Tel Awiw gegründet wurde, hat im letzten Jahre gute Fortschritte gemacht. Es sind bereits 30 Wohnhäuser erbaut, in der Vorstadt leben tingefähr 200 Personen. Es' ist damit . zu rechnen, daß in diesem Jahre von den Käufern der Plätze weitere 50 Häuser gebaut werden. Es sind bisher mehr als 100 Plätze verkauft und jeder Käufer muß innerhalb von zwei Jahren mit dem Bau beginnen. Um den Charakter der Gartenstadt zu erhalten, dürfen nur 25 Proz. der Grund- Stücksfläche bebaut werden, die Häuser dürfen nur zwei Stockwerke hoch sein. Die Plätze sind im allgemeinen 1000 Pic groß, sie enthalten einen Gemüsegarten, Bäume usw. Tel-Litwinsky umfaßt auch eine landwirtschaftliche Zone, auf der sich eine Milchwirtschaft befindet, die die Einwohner der Siedlung und Umgebung mit Milch versorgt. Drei andere Siedler befassen sich mit Geflügelzucht und dem Verkauf von Eiern. Ueber die Errichtung einer Fabrik in der Industriezone werden Verhandlungen geführt. Kindergarten und Schule werden von etwa 80 Kindern besucht, meist aus Tel Awiw und den Kolonien. Tel Awiw. Im Zusammenhang mit der bereits veröffentlichten Information über die Errichtung einer Kohlensäurefabrik durch die Gordon u. Co., Ltd. wird uns mitgeteilt, daß im Lande bereits vier Kolhlensäiurefabriken existieren. Neben der Fabrik von Gordon u. Co. Ltd. wird demnächst noch eine weitere Kohlensäurefabrik eröffnet, so daß dann insgesamt sechs Fabriken dieser Art bestehen. Tel Awiw. In Palnews wurde vor etwa 9 Monaten über die von Ing. I. Wirgin gemeinsam mit der Palestine Trust Company projektierte Errichtung einer Gasfabrik in Tel Awiw berichtet. Inzwischen hat sich die Situation hinsichtlich der Gasversorgungsprojekte wesentlich verändert, eine Reihe von Gesellschaften sind mit ähnlichen Projekten hervorgetreten. die Juden Karpatho-Rußlands befaßt, beschloß die Errichtung einer Haüshaltungsschule für jüdische Mädchen in Karpatho-Rußland. Die Schule wird in einem vom Komitee erworbenen Gebäude untergebracht werden. In ihm sollen 85 Mädchen eine Ausbildung erfahren. England. Jüdische Sachverständigenkommission geht nach Ecuador, London, 23. April. Im Einvernehmen mit maßgebenden Kreisen der englischen Judenheit hat sich vor einigen Tagen eine Sachverständigenkommission nach Ecuador begeben, um an Ort und Stelle die Möglichkeiten und Aussichten der Einwanderung, der industriellen und landwirtschaftlichen Ansiedlung zu prüfen. Die Kommission besteht aus den Herren C. Henriques und A. Golodetz. Herr Henriques ist Mitglied des Board of Deputies of Britäst Jews und Vizepräsident des1 Jüdischen Nationalfonds in England. Er ist ein' bedeutender Fachmann in Fragen der landwirtschaftlichen Kolonisation, stand etwa zwanzig Jahre lang als Zivilinigenieur im Dienste der britischen Verwaltung in Indien und Mesopotamien und war später für. die Zionistische Exekutive in Palästina tätig. Herr Golodetz, der auf der Universität Cambridge Nationalökonomie, studierte, ist ebenfalls als Fachmann in Kolonisationsfragen bekannt. Die Delegation beabsichtigt, sich zwei bis drei Monate in Ecuador aufzuhalten und ein Gutachten über die Konzessionsländereien abzugeben, die die Regierung von Ecuador dem Pariser Comite International de l'Immigration en Equateur zur Verfügung gestellt hat. Palästina-Anfragen im Unterhaus. London, 25. April, Im Unterhaus fraigte der Abgeordnete Graham W h i t e den Kolonienminister J. H. Thomas, welche Vorkehrungen für die Ueberwachung der Waffeneinfuhr nach Palästina getroffen worden seien. Der Kolonienminister antwortete, daß nach Palästina keine Feuerwaffen und keine Munition eingeführt werden dürfen, ausgenommen, daß eine Erlaubnis eines- Distriktskommissars vorliegt, die nach' freiem Ermessen erteilt werden könne. Verstöße gegen das Einfuhrverbot würden mit 100 Pfund Geldstrafe oder im Höchstfalle mit einem Jahr Gefängnis oder mit einer dieser beiden Strafen belegt. Der Abgeordnete Colonel Wedgewood machte den Kolonienminister darauf aufmerksam, daß die von den Arabern verwendeten Waffen weder Kanonen noch Revolver seien, sondern daß sie Messer benutzen. Er fragte den Kolonienminister, ob er etwas unternehmen würde, um in dieser Hinsicht eine Entwaffnung herbeizuführen. Kolonienminister Thomas erwiderte: „Ich habe keine Erfahrung mit Messern, aber ich werde Erhebungen anstellen." Kolonienminister Thomas stellte auf weitere Anfraee fest, daß in diesem Jahre 25.000 Pfund für die Erneuerung der Straße zwischen Jaffa und Haifa ausgegeben werden würden. Er habe von den über die Straße geäußerten Beschwerden Kenntnis. Er hoffe, wenn die finanzielle Lage es zulasse, werde es möglich sein, größere Aufwendungen späterhin zu machen. Sammlungen des Council for German Jewry erfolgreich. London, 23. April. Die Sammlungen des Council for German J e w r y haben bisher einen Betrag von insgesamt 470.000 Pfund in England ergeben. Palästina. Eröffnung des Jüdischen Aerztekongresses in Tel Awiw. Tel Awiw, 23. April, In einer von Unruhe erfüllten Atmosphäre, aber als ein Beweis ungebrochenen Lebenswillens, fand