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Der Israelit · 1936-04-30 · Heft 18 (30.4.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 18 (30.4.1936)
Date
1936-04-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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30. April 1936 Der Israelit Nr. 18 Seite 7 In ganz besonderer Weise wird sich die Tragweite der durch Esra bewirkten Heiligung des Landes im ^hiemitajaiHxe zeigen. Dem gesetziestreuen Kredse; bietet sich alsdann eine seltehgeartete Gelegen/heit zur VierherrKohung'tr'ttes und Seiner Tauroh. Auch diese fast unvergleichliche Gelegenheit Wehrt in solchem Maße zum ersten Male seit der Zerstörung des Tempels wieder. Das Land ist nach'Ablauf von zwei Jahrtausenden in den Anfangsstadien des-Wiederaufbaus begriffen. In zäher, unablässiger -Arbeit vollzieht sich der Aufbau, Unentwegter; Fleiß}' äußerste Anspannung der Kräfte, ist für alle, die sich ihm widmen, die Losung. Da auf einmal ruft die Sohemitapfiiciht. Nicht 'einen Tag, nicht eine W o c h e , sondern ein ganzes ' Jahr ruht die Arbeit auf dem Lande. Weinberg«, Felder und Gärten feiern ihr Schemitajahr. G'tt ruft zu dieser idealen Feier, wie einst zur Zeit, als der Tempel auf Moria ragte. Und seine Getreuen, die ein ganzes Jahr der Landarbeit entsagen, deren der Böden nach menschlicher Erwägung So dringend bedarf, bekunden damit,vor aller Welt die G'tteshörigkeit des Landes, die Ewigkeit der Tauroh-und ihren hohen Idealismus. Sie bekennen damit die unverlierbare Wahrheit, daß G'tt nicht allein einen Tag in der Woche, sondern ein volles Jahr mit Seinem Segen zu bedenken vermag, und 'daß diese; Verherrlichung G'ttes und , Seiner Tauroh in solch hervorragender Weise ein. volles: Jahr i durah Stillstand der Landarbeit < stattfinden wird, :— dies ist eine großartige Wirkung der Heiligkeit, die Esra dem Lande gegeben. Korrespondenzen* Deutsches Reich. Tagesschule für Berufsvorlehre. ' 7 Berlin, 24. April. y.on derr Reichsvertretung der Juden, in Deutschland wird, uns geschrieben: Die obgenannte Schule möchte diejenigen Jungen erfassen; die nach" 8- oder 9jährigem Schulbesuch ihre theoretische Bildung abrunden und gleichzeitig in die handwerkliche' und Gartenarbeit eingeführt werden wollen. Daher ergeben sich drei grundsätzliche Forderungen: 1. Die der Tagesschule anvertrauten Jungen werden noch weiter lernen. Vor allem sollen sie ihre Sprachkenntnisse ergänzen, um an Palästina oder in anderen Ländern weiterzukommen. 2. Ist es nötig/ daß gerade die jüdischen jungen Menschen in allmählicher, aber durchaus* handwerkgerechter Art zur, manuellen Arbeit zurückgeführt worden;. •; . j; . : ' z- 3. wollen wir, daß die junge Generation, wo auch immer sie hinkommt, ein jlebendiges\ Judentum in sich; trägt und gewillt ist, es zu erhalten .und zu., pflegen. \ Ünter diesen drei Gesichtspunkten soll unsere: Schule eine Bildungsstätte, eine wirkliche Werkstätte und dabei eine, Stätte jüdischen Geistes sein. Dadurch, daß die Schüler den ganzen Tag ohne Unterbrechung in der Schule sind, ist die Vorbedingung für eine stetige Arbeit und die Schaffung einer wirklich, erziehepisphen. Atmosphäre, gegeben. Die eipe Hälfte i des ».Tages gehört; 'der Formug, ^von I^eib und.„ Geist durchjSport,. Hebräisch und Engliscji. in regelmäßiger Wiederkehr; dazu, kommen,;über dje Woche verteilt, Kulturbünde, Judentumskunde, Naturwissenschaften, Rechnen,, Zeichnen.' und Musik. Die andere Ta^eshäifte ist von der /.Arbeit,;am Schraubstock, an der Hobelbank oder, im Garten ausgefüllt. Ein . ganz .nahegelegener t großer Sportplatz: gibt Luft, Licht und vor ,allem viel Spielraum zur Uebung der Kräfte und zu gesunder Abhärtung. .Aerztliche Uehjerr wachung sorgt dafür, daß - in allem ein richj^ges Maß eingehalten wird. Aber auch Josuas Tat wirkt in die fernste Zukunft,, indem ihr tiefer Sinn einst wiederauflebt. Ihr hehres Ziel, welches zeitweilig unerfüllt blieb, igt für die^messianische Zeit aufbewahrt. Dieses .Ziel war die Heiligung des Landes durch das g'ttgefällige Leben seiner Bewohner. In jedem Augenblicke sollte das Land gleichsam aufs neue seine Heiligkeit yon der Würdigkeit Isroels entlehnen; denn die Heiligkeit war durch den Aufenthalt? Isroels ^im, Lande und dieser wiederum durch die . eigene- Würdigkeit bedingt. Isroel zeigte sich der hohen Aufgabe, sich selbst -in solchem Maße zu heiligen, nicht gewachsen, und so fehlte die persönliche Heiligkeit, welche in entsprechender Form sich auf das Land übertragen sollte. Erst die einstige Zukunft wird die Erfüllung dieser Aufgabe bringen. Die Brücke zu dieser zukünftigen Vollendung hat Esra mit seiner hervorragenden Tat geschaffen. Er heiligte das Land kraft derrechtlichen Aneignung, die als Akt g'ttliohen iRechtes Ewigkeitswert besitzt. Daher, ist das Land seit Esra für immer heilig und harrt im Schmucke seiner Heiligkeit auf die Ankunft des g'ttgesandten Erlösers und die Rückkehr Israels. Auf seinen Fluren werden sich, wenn die Stunde der Erlösung schlägt, die Ideale, die Josuas .und Esras herrliche Taten künden, zu ewigem Bunde vereinen: Isroel und das Land werden in unzertrennlicher gegenseitiger Beziehung heilig sein.* Wir hoffen, daß die freie Zusammenarbeit .ah die Stelle eines rein schulmäßigen Betriebes treten kann; denn unseren Schülern wird bewußt sein, daß sie hier wichtiges Rüstzeug für ihr künftiges Lehen bekommen: für den schweren Existenzkampf . des Juden, für die Teilnahme am Aufbau Palästinas, für das Sichdurchsetzeh in der weiten Weif. Wir wollen in enger Verbindung mit( allen Instanzen bleiben, die für das Schicksal unserer Jugend nach dem Verlassen der Schule wichtig sind (Berufsberatung, Jüdische. Jugendhilfe, Auswanderungsschule, Werkdorf Winringen usw.).." ... Das Wohnheim steht unter pädagogischer Leitung und soll die Grundsätze der Tagesschule, sinngemäß auf das Zusammenleben der- Jungen üb ertragen. , Die Kosten für die theoretische und manuelle Ausbildung einschl. der Verpflegung (Frühstücksmilch, Mittag, Vesper) betragen RM. 50.— monatlich, für das Wohnheim wird ein weiterer Züschlag von RM. 20.— erhoben. Bei Bedürftigkeit kann Antrag auf Ermäßigung gesteilt werden. Der Anmeldung ist beizufügen: ein Lichtbild, ein ausführlicher Lebenslauf (besondere Interessen, Berufs wünsch, etwaige Bundeszugehörigkeit, jüdische Kenntnisse) und eine Abschrift des letzten Zeugnisses. Alle Anfragen sind zu rächten an die Reichsvertretung der Juden in Deutschland (Schulabteilung) Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158/ 3. ,, \ Transfer G. m. b. H. für judisene Auswanderer. ■ . . Berlin,.26. Aprik Nach einer . Bekanntmachung im „Reichsanzeiger"- ist an Berlin>( eine Gesellschaft mit;be.-; s'chrä n'k t e r H ai t u n g zur Verwaltung, Liquida- tion und zum Transfer von Vermögen jüdischer. Auswanderer begründet worden. Geschäftsführer sind: Amtsgerichtsrat a.D. Dr. Aschner und Oberregierungsrat a. D. R. K e m p n e r. Die Gesellschaft hat eigene Korresp.ondenzbüros im In- und Ausland, u. a. in Palästina, Südamerika,.'tjSÄ.tmä'^talien.* .,. Der yerkehr mit judeni: . I - - Berlin, 26. April.i.i : In dßr; :-(,NSnPeamtenzeitung"/ erörtert •:,Gerichts* assessor Mumm da« Grenzen der Dienststrafgewalt gegenüber, dem -Privatleben der Beamten. In dem Auf1 satz; heißt-es, jeder Verkehr des Beamten, mit Juden, auch mit. den sogenannten! „anständigen*V. sei.gelbst-' .verständlich unzulässig, wenn er nicht .nur inj ('geschäftlichen Dingen, erfolge, und dann auch auf; das unumgänglich notwendige Maß beschränkt sei.; Die „Frankfurter Zeitung" meldet: Erscheint im Verfahren vor den Ehrengerichten der Deutschen Arbeitsfront die arische Abstammung eines Zeugen zweifelhaft,- so schreibt die Verfahrensordnung vor, daß der Zeuge zuerst über seine Abstammung zu befragen, und, falls er Nichtarier ist, ohne weiteres zu entlassen ist. Erteilung von Religionsunterricht durch die Kölner Gemeinde. Köln, 24. April. Die Gemeinderabbiner von Köln erlassen' einen Aufruf an die Eltern jüdischer Schüler und Schülerinnen der höheren und mittleren. Schulen, in dem es heißt, daß in Zukunft der jüdische Religionsunterricht in den Räumen der Volksschule . Lützowstraße erteilt werden wird, nachdem mit Beginn des neuen Schuljahres der jüdische Religionsunterricht an den höheren und mittleren,. Schulen der Stadt Köln nicht mehr gegeben wird. Um jedem Schüler die Teilnahme an einem schulfreien Nachmittag, an dem der Unterricht stattfinden soll, zu ermöglichen, werden nach Bedarf Parallelabteilüngen eingeriahtet.. Jede Abteilung erhält an einem Nachmittag der Woche zwei Stunden als Pflichtunterricht. Der Unterricht an einem zweiten Nachmittage ist wahlfrei. Es ist dabei Gelegenheit gegeben, Neuhebräisch, Thora mit Raschi und jüdische Gegenwartskunde zu erlernen. Polen. Hilfe für die jüdischen Opfer der Unruhen von •> Jr; V /Lemberg geordert.! . Warschau, 24. April. Die kürzlich vorgekommenen Unruhen in Lemberg haben weite Teile der jüdischen Bevölkerung der Stadt in eine große Notlage gebracht. Der jüdische Abgeordnete Dr. Sommerstein ist beim Minister für Sozialschutz vorstellig geworden und hat im Verlaufe der mit ihm geführten Unterredung ein schnelles und wirksames Eingreifen der Regierung zugunsten der jüdischen Opfer der Unruhen gefordert. Der Minister hat in seiner Antwort an den Abgeordneten zugesichert, daß er alles tun werde, um im Rahmen der von der Regierung vorgesehenen ' Aktionen auch den jüdischen Betroffenen zu helfen. Ein Nachklang zur Schechita-Debatte im Sejm. Warschau, 21. April. Im Verlauf der Debatten, die . im Sejm über das Schechita-Gesetz stattfanden, wurde von der Antragstellerin, Frau Prystor, der Brief eines Juden namens Isaak Königsberg verlesen, der Frau Prystor zur Einbringung des Gesetzentwurfes beglückwünschte. Diese Tatsache hat seinerzeit unter den Juden in Warschau und ganz Polen erhebliches Aufsehen gemacht. Es wurde festgestellt, daß Königsberg nicht im vollen Besitze seiner geistigen Kräfte ist. Da Königsberg gegenwärtig keine Beschäftigung hat, hat er sich, wie jetzt bekannt wird, an Frau Prystor gewandt, die ihm eine .Stelle als Wächter verschafft hat. Wie es heißt, soll sich Königsberg auch mit der Absicht . tragen, -zum evangelischen Glauben überzutreten. K, ist ein krankhafter Phantast und ist schon an verschiedene maßgebende Persönlichkeiten herangetreten, um sie zur Unterstützung seines Planes zu veranlassen. Schächtgesetz im polnischen Amtsblatt; veröffentlicht. . .»;■; 'i".'"." : - - ", :- '* Wla'.r s ch'au, 23.;\April. ■ •; Im Gesetzblatt jder. polnischen Republik: ist 'das Gesetz üebr-die Beschränkung jder^ Schechita, das am 1. Januar; 1937 in Kraft tritt, veröffentlicht-worden. Die Durchführungsbestimmungen zu diesem Gesetze sollen, wie bereits .gemeldet worden ist, im August herauskommen. .• , .. : ,;-; ,; Inzwischen bestehen:' Anzeichen dafür, daß schon jetzt gewisse Beschränkungen über den Vertrieb von Koscherfleäsch; eingerührt werden1. So soll ab sofort ein Konzessionszwang für Geschäfte, rdie mit koscherem Fleisch handeln, eingeführt werden.

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