Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1936)
- Date
- 1936-04-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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30. April 1936 Der Israelit Nr, 18 Seite 5 mit Gerer Chassidim angefüllt, die ihren Rabbi bis Haifa begleiteten. Es wird Wert auf die Feststellung gelebt, -daß die Abreise des Gerer Rebben nichts mit den Unruhen zu tun hat und schon früher iür diesen Tag festgelegt war. Der Plan seiner spateren dauernden Niederlassung in Jerusalem ist damit nicht aufgegeben. ■ Mn. G.-P, Wochenrundschau. Der Sefiroh-Mahnruf der Agudas Jisroel. Die Sefiroh wurde von jeher als Ruf G'ttes an sein Volk von uns empfunden. G'tt rief zum Sinai, und Israel zählte die Tage und Wochen bis zu diesem Ziele. Später im G'ttesstaate kamen des Volkes Führer mit ihrer ersten Gerstegabe in Seinen Tempel, um zu bekunden, daß Israel mit allem, was es ist und besitzt, Ihm gehöre. G'tt rief und berief, zu lehren und zu leiden — das ist der Sinn aller Sefirogebete, jenes Tränenkelohes aus den schlimmen Zeiten des Mittelalters. Die Pereklektüre, die für diese Zeit vorgeschrieben ist, ist nichts Anderes, als der Mahnruf: „Jude, bedenke, wo Du bist und wo Du hingehörst! . . ." An die alten und ältesten Traditionen knüpft daher die Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland an, wemn sie die Sefirozeit zu Propagand a w ockenfür Agudas Jisroel ausnutzt und einen S e f i r o h ra a h n r it f zur Sammlung an alle erläßt, die geistig und gesinnungsgemäß zu uns gehören und dennoch aus irgendwelchen Gründen noch nicht in unseren Reihen stehen. Es ist ein überaus wirksamer und aufwühlender Appell, den die Agudas Jisroel in der jüngsten Nummer unseres Blattes ^veröffentlichte und der sicherlich auch in alle Herzen, wo noch ein jüdischer Funke glimmt, gedrungen ist. Es wird darin an 'die Entscheidung der großen rabbinischen Führer erinnert, wonach es religiöse heilige -Pflicht eines jeden Juden und einer jeden Jüdin sei, der Agudas Jisroel organisatorisch anzugehören, Es wird in dem Aufruf die Frage an alle gestellt, ob sie, indem sie zum Tage des Sinai, zum Tage der Volkswerdung unter dem Donnerrufe der Thora zählen, sich selbst zum Volke gezählt haben! Alle, die aus irgend einem Mißverständnis oder einem Vorurteil unseren Reihen bisher fernblieben, werden eingeladen, zu uns zu kommen, damit wir zusammen rechnen können. Es wird zum Schluß auf die kommende Dritte Kenessio Gedaulo in Jerusalem hingewiesen, die e i n B e k e n n tnis des jüdischen Volkes zu G'tt und seiner Thora darstellen soll. „Alle Kräfte gilt es einzusetzen, damit diese gewaltige Kundgebung der Gesetzestreuen ein Segensquell werde für die Judenheit im Heiligen Land und in der Gola. Zeigen wir durch unseren nie versagenden Willen, daß die Kraft der Thora auch die Kraft unserer Idee ist, zeigen wir durch ein Vorbild der Bruderliebe, des Verantwortungsbewußtseins, daß „dieser große Grundbegriff in der Thora", die Liebe zum Mitmenschen, auch Sinn und Inhalt des Agudismus ist." Aus einem Schreiben an die Ortsgruppen und Vertrauensleute der Landesorganisation ersehen wir, wie die Propagandaarbeit der Aguda in den Sefiroh-Wochen gedacht ist. Es finden Besprechungsabende der Ortsgruppen statt. Eine umfassende Werbung wird durch Bezirkstag un gen betrieben, mit Vorträgen über Erez Israel, Aguda und Kenessio Gedaulo. Den Ortsgruppen werden wertvolle Winke zur Gewinnung neuer Freunde gegeben. Es wird, mit einem Worte, gearbeitet, und es hängt von uns allen ab, daß diese Arbeit belohnt wird, daß die große Wer'beakticirKd i e Früchte zeitigt, die von ihr erwartet wird. Es wäre eine gesegnete Ernte für Kinder und Kindeskinder. Es geht nicht um den Erfolg eines Vereins oder einer Partei, sondern >um den Erfolg der jüdischen Sache schlechthin. Der Jerusalemer Rundfunk und der jüdische Funken. Wie erinnerlich, gehörte zu den Symptomen, die vor einigen Wochen den Sturm in Palästina ankündigten, auch der Streit um den neueröffneten Palästinarundfunk. Auf die Bezeichnung ,,Erez Israel" im Programm antworteten die arabischen Nationalisten mit der vielfachen Zerstörung der Radioleitung. Als man sich darauf einigte, ähnlich wie auf den Postmarken Israels Land mit den zwei Buchstaben nur anzudeuten, hörte die Sabotage noch nicht auf, obwohl, wie der palästinensische Volkswitz sagt, ebensogut btynW* "pH gelesen werden kann. Endlich entschloß man sich, im Programm einfach vom „Jerusalemer Rundfunk" zu sprechen. Dagegen konnten auch die eifrigsten Nationalisten nichts einwenden, denn Jerusalem ist auch von Mohammedanern bewohnt, die zwar nicht in der Bevölkerung, aber im Stadtrat eine Majorität und einen eisten Bürgermeister haben. Also kann der „Jerusalemer Rundfunk" gerade sogut arabischer Rundfunk sein. Es ist nicht gerade angenehm, heute, da die Stürme vom außen sich kaum gelegt haben, Klagen und Anklagen anzubringen. Aber es wäre nicht gut und sogar ein Zeichen der Schwäche, wollte man über den äußeren Vorgängen die innerjüdisohen Fragen in und um Palästina ganz übersehen. Wir meinen, der Name macht den Jerusalemer Rundfunk noch lange nicht zum jüdischen Künder. Uns liegt das Programm für den Jerusalemer Rundfunk in hebräischer, englischer und arabischer Sprache vor. Unter den Attraktionen der nächsten Woche befindet sich ein Referat von David J e 1 i n und dann eine Vorlesung von Herrn Kaufmann über naiP fiaflö' „das Sabbatgeschenk an das jüdische Volk". Beide Vorlesungen finden in später Abendstunde von Freitag zu Sabbat statt. Daß die rabbinischen Autoritäten auch in Erez Israel entschieden haben, daß das Abhören der Rundfunkübertragungen am Sabbat eine durch myan bedingte Sabbatentweihung bedeutet, scheint den Referenten, vielleicht aber auch Tausenden von jüdischen tRundfunkabonrienten, nicht bekannt zu sein oder sie nicht zu kümmern, jedenfalls spielen wieder einmal religiöse Rücksichten und rabbinische Entscheidungen beim Aufbau keine Rolle. Es wäre ungerecht, von der Palästinaregierung zu verlangen, daß sie das Radio am Sabbat ganz verstummen lasse, so lange Erez Israel nicht durchwegs von Juden bewohnt ist und auch andere Konfessionen teil am Lande und seinen kulturellen Einrichtungen haben; verlangen kann man aber von den Männern des jüdischen öffentlichen Lebens, daß sie es unterlassen, bei Tausenden mittels des Rundfunkes den jüdischen Funken im Herzen am heiligen Sabbat zu verlöschen. Es mutet schon geradezu grotesk an, wenn man am Sabbat schöne Worte über das „Sabbatgesohenk an das jüdische Volk" in den Aether hinausklingen läßt und gerade mit diesen Worten dem Sabbatgedanken einen Stoß versetzt, schlimmer als es durch den Autoverkehr am heiligen Tag geschieht, da in diesem Falle Tausende zur Sabbatentweihung veranlaßt werden. Wir kennen das Urteil der iMischna über diejenigen, die „Nun, mein Rebbe, erklären sie Dich sogar für tot und wollen Dich unter feierlichen Reden begraben. Genau wie damals vor 730 Jahren, als man Deine Bahre nach Tiberjas trug und Beduinen den Zug überfielen. Die Beduinen selbst trugen Dich dann ehrfurchtsvoll zu Deiner letzten Ruhestätte. Jüdische Nomaden, ausgehöhlte Wanderer durch alle Völkerkulturen bemächtigen sich wieder Deiner Bahre und wollen Dich, ohne Dich zu kennen, ohne jegliche innere Beziehung zu Dir zu haben, wieder begraben. Nein Rebbe, Du lebst! . . ." Und wenn Rambam lebt, so lebt auch e r, der Rogatschower, sein direkter Schüler nach 800 Jahren ... Aber uns ist er genommen. In bitterer, schwerer Zeit. isib nyi ubiyn tpo» D'aVin 'mhp „Drei Stimmen, sagt Talmud, dröhnen vom einen Ende der Welt bis zum anderen: Die Stimme der Sonne, die sich in ihrer Walze dreht, die Stimme E d o m - Roms und die Stimme der Menschenseele, die vom Körper scheidet." Drei Stimmen,, die war-, nend durch die jüdische Welt rufen. Hören wir nicht die rufende Stimme der Sonne, jener heilenden Sonne, die ein Abraham seiner heidnischen Umwelt vorhielt, von der gesagt wird "\ ^ifltt '131 vnv mtft», daß sie vom Aufgang bis zum Untergang lobsingend den Namen G'ttes kündet — lernen wir unsere jüdische Aufgabe" von dieser Höhensonne nicht, dann kommt die andere Stimme, die von Edom-Rom, um uns unser Judesein zu Bewußtsein zu bringen. Wer die heilende Sonne, nicht sieht, muß gewärtig sein, von der schmerzlichen Geißel Edom-Roms heimgejagt zu werden. Und haben wir auch die Lehren dieser zweiten Stimme nicht ganz verstanden, dann scheidet die Seele, dann geht die große Neschomoh des Zaddik von dannen und wir stehen führerlos da; ein Schiffiein ohne Lenker. Wenn je, so ging hier jenes Schicks als wort wörtlich in Erfüllung irnxn *]0K3 nsnn Vor dem Unheil ging der Zaddik dahin. Kaum sieben Wochen, daß er von uns gegangen ist und Schreckensrufe aus Israels Land erfüllen die jüdische Welt. Auf heiligem Boden floß wieder jüdisches Blut. Jüdische Menschen haben, zum Teile für das Land und für uns, ihre Seele ausgehaucht. Die Stimmen reiner jüdischer Neschoffloth, die aus dem Körper scheiden, erschüttern die Luft. Diesen Schmerz zu erleben, wurde dem Gaon erspart, so möge er, der große Jeruschalmi und Rambamjünger, vor dem Throne G'ttes Dolmetsch für Sein Volk sein, dessen ä'JW'n 013 (Tränenkelch) nun doch bis zum Rande voll ist. In der Fremde starb der große Gaon. Als wollte die g'ttliche Waltung sagen: Dieser Gaon war nicht an einen Ort gebunden, er gehörte allen Städten und allen Zeiten der jüdischen Geschichte an. Und als er am Estherfasten seine große Seele aushauchte, rangen die Städte verzweifelt um die Ehre, ihm die letzte Ruhestätte zu gewähren, deren jede sprach WR*> nx p'ix it>3> ">by- Da dröhnte das Telefon, und Dwinsk, die langjährige Thoraresidenz des Rabbi, rief dazwischen: „Uns gehört er, der Stadt, in der er ein halbes Jahrhundert gelebt und gelehrt hat. Und wenn wir unseren Rabbi im Flugzeug holen müßten, und wenn die Aermsten der Armen bei uns ihr Letztes hergeben müßten, wir geben dieses unser Recht nicht preis ..." Aus dieser armen lettischen Stadt sollten wir lernen/ Stand er uns im Leben auch nicht so nahe wie ihnen, so lebe er jetzt in und um uns, so daß, wenn Altisrael im ersten Schmerze geklagt hat 133^« t]Bi*f man jetzt sagen kann: Ti ejOY» ny» Rabbi Jossei Rosin lebt! . . . Wochenkalender. Vom 9. - 16. Mai 1936 / Vom 17. - 24. Ijar 5696 •w sp nws Samstag 9 17 R1 Sonntag 10 18 a* Montag 11 19 a1» Dienstag Mai 12 T'K 20 V Mittwoch 13 21 1D Donnerstag 14 22 rtj Freitag 15 -< 23 r> Samstag il6 24 m "T phB *1»R "mya 'n pns vipma -im Vinn raiao , ., Mauled: Donnerstag früh. 4 Uhr 49 Minuten