Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1936)
- Date
- 1936-04-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 18 Der Israelit 30. April 1936 Eindruck erwecke, als seien sie gegen die Juden gerichtet. Eine Delegation des Waad Leumi ersuchte den High Co mi missioner, bei der englischen Regierung eine Berichtigung der Erklärung des Kolonienministers zu bewirken. Es werden Fälle gemeldet, in denen während der schlimmsten Unruhen Araber unter eigener Lebensgefahr ihren jüdischen Freunden beigestanden haben. Andererseits haben Juden in Tel Awiw sich dort aufhaltende Araber mit aller Energie vor Angriffen geschützt und sie bis an die Grenze nach Jaffa .begleitet. In einigen Dörfern teilten die Araber den Juden gleich zu Anfang mit, daß sie sich an den Unruhen nicht zu beteiligen gedenken, und daß ihre jüdischen Nachbarn ungestört bei ihnen bleiben möchten. Von einer mutigen Tat des sephardischen Oberrabbiners, Rabbi U s i e 1, wird in den Zeitungen berichtet. In der Vorstadt Newe Scha- 1 o m trat er einer Aralberibande entgegen, die sich anschickte, die Synagoge in Brand zu stekken. Als sie brannte, beteiligte er sich an der Löschung und sprang als erster in den heiligen Raum, um die Thorarollen und die anderen Kultusgegenstände, zu retten. Die Toten und Verwundeten. Die Liste der Toten und Verwundeten wird nun definitiv wie folgt bekanntgegeben Tot: Mordeohai Friedmann '(20 Jahre alt), David Schambudall, Chaim Kornfeld (29 Jahre alt), Jizchak Frärikel, Jisrael Pczegoda (25 Jahre alt), Elieser Bischitzki (40 Jahre alt), Schambarlet (28 Jahre alt), Josef Liebermann, Daniel Cohen, Jacob Prussak, Daniel Prussak, Jizchak Rabinowitsch, Schimkowicz, Jisrael Friedmann, Jehuda Simontow (60 Jahre alt), Selig Lewinsohn, Schlomo Merisand, Schlomo Kramer, Schlomo Garbi, Chaim Chatzkiwitz, Nahum Hadad, Chaim Kischler. Verwundet: Herzl Schecht (20 Jahre alt), Schoschanna Mordchowicz (23 Jahre alt), Siegmund Becker (36 Jahre alt), Elieser Lippsohn (26 Jahre alt), Blachmann (25 Jahre alt), Schalom Badad, Arje Meirowicz, Elieser Leib, Dr. David Weinberg, Lilli Rothenberg, Ascher Towim, Rüben Liefoermann, Jisrael Schnitzer, Rechtsanwalt Jizchak Eisen, Arje Mattlis, Jakow Reich, Joseph Rosenberg, Schlomo Cohn, Minna Walddorf, Abraham und iMeir Selikowicz, Mordechai Freimann, Elisabeth Weigel, Arje Segall und Schlomo Radkober. Bemerkenswert ist, daß auf einen Aufruf des. Hadassatokrankenhauses sich sofort 30 Pe rs o n e n meldeten, die sich bereit erklärten, ihr Blut für eine iBkttransfusion zur Rettung der Verwundeten herzugeben. Es wird bekannt, daß der Dichter Schalom Asch, der sich zur Zeit in Palästina aufhält, auf einer Durchfahrt durch Nazaretli von Arabern angegriffen wurde. Die Polizei kam noch rechtzeitig dazu, um ihn in Sicherheit zu bringen. Der Generalslreite. Jerusalem, 28. April. Der Generalstreik wird in Jerusalem ziemlich streng durchgeführt, auf dem Lande so gut wie gar nicht. Der Hafen von Jaffa feiert, in Haifa zeigt sich aber bei den Arbeitern eine große Unzufriedenheit mit der ihnen aufgezwungenen Arbeitsruhe. Sympathiekundgebungen in Form von Teilstreiks werden auch aus Amman in Trans Jordanien gemeldet. In fast allen Städten sind die arabischen Geschäfte, mit Ausnahme der Kaffeehäuser, geschlossen. Wie lange dieser Streik noch andauern wird, wissen die Streikenden selber nicht, da sie zumeist nur unter Zwang ihren Geschäften fern bleiben. Es werden viele Fälle bekannt, in denen arabische Studenten unter Anwendung brutaler Gewalt ihre Streikparole durchzuführen suchten. Wie nicht anders zu erwarten, kommt es dabei auch zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und Polizei. Bei einem solchen Zusammenstoß in Nazaretö wurden vier englische Polizisten und ein Offizier verletzt. Besonders schlimm gestaltete sich die Situation in S a f e d , wo eine Militärafeteilung erst durch eine blinde Salve die Menge daran verhindern konnte, in das jüdische Viertel einzudringen. Auf der Straße Haifa- Jerusalem wurde Oberrichter MacDonald, den man scheinbar für einen Juden hielt, in seinem Wagen angegriffen und erheblich verletzt. Im Zuge der Streikhandlungen wurden die Telefonleitungen der Hebräischen Universität in Jerusalem zerstört, ebenso die Leitungen zwischen. Jerusalem und Jericho. In der Stadt Jen in erklärte Major Bramley, er werde, falls Ueberfälle auf die jüdischen Autobusse nicht aufhören, den Autobus verkehr unter militärisc he. Bewachung stellen. Inzwischen ' mußte die Verkehrsäbteilung der Palästinaregierung anordnen, daß besondere Abteilunge n in den Eisenbahnwagen für Juden und Araber eingerichtet werden. Weitere Maßnahmen der Regierung. Ueber die weiteren Maßnahmen der Regierung ist noch zu berichten, daß in öffentlichen Bekanntmaohungen vor Verbreitung falscher Gerüchte unter Androhung einer Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren gewarnt wird. Schwere Gefängnisstrafe steht auch für den Verkauf von allerhand Waffen. Durch das Radio wird eine Kundgebung des High Commissioners durchgesagt, in der zur Ruhe gemahnt und schwere Strafen für die Unruhestifter angedroht werden. Einige Regierungscommuniques enthielten aber selbst unbegründete Gerüchte über jüdische Angriffslust in 'Tel Awiw, die dann auf Intervention von (jüdischer Seite durch das Radio berichtigt werden mußten. Der High Commissioner, der am Mittwoch nachmittag im Unruhegebiet weilte, besuchte auch die (jüdischen Verwundeten im Hadassahkrankenhaus zu Tel Awiw, wo er" vom Vizebürgermeister Israel Rokeach empfangen wurde. Erklärungen des Stadtrates von Tel Awiw und der Jewish Agency haben zur Beruhigung der Gemüter einiges beigetragen. Von der Stadtverwaltung in Tel Awiw wird auch mitgeteilt, daß alle Schäden und Verluste an Leben, Gesundheit und Eigentum, die die Juden im Verlaufe der Unruhen erlitten haben, genau registriert werden. Es werden dann Schritte unternommen werden, daß die jüdischen Opfer von der Regierung en t s c h ä d i g t werden. Ein Hafen in Tel Awiw? Tel Awiw, 30. April. Die jüdische Handelskammer von Jaffa und Tel Awiw hat telegraphisch dem High Commissioner den Wunsch übermittelt, daß er alle Maßnahmen zur Wiederherstellung eines normalen Wirtschaftslebens im Lande und des Verkehrs im Hafen von Jaffa treffe. Die Schwierigkeiten, heißt es im Telegramim, wären nicht entstanden, wenn die Regierung früher geneigt gewesen wäre, die Heranziehung einer jüdischen Arbeiterschaft in den Häfen zu begünstigen. Diesen Wünschen schließen sich auch die jüdischen Mitglieder der Handelskammer von Jerusalem an. Sie erhielten die Versicherung, daß den in den Hätfen von Jaffa und Haifa tätigen Juden entsprechender Schutz gewährt werden soll. Des weiteren verlangen die jüdischen Wirtschaftsinstitutionen in Gemeinschaft mit den Instanzen der Jewish Agency, daß die Regierung einen Hafen in Tel Awiw baue. So lange dies nicht geschieht, solle von jüdischer Seite der Hafen in Jaffa gemieden und der ganze Verkehr über Haifa abgewikkelt werden. Die hebräische Presse unterstützt diese Forderungen einmütig. Kundgebung der Agudas Jisroel in London. In einer M a s s e n v e r s a m m 1 u n g im Londoner East End, die von der Agudas J i sr o e 1 und dem P r o p a 1 ä s i i n a - F o n d s veranstaltet wurde, wurde eine Protestresolution zu den Unruhen in Palästina angenommen und an die Juden der Appell'gerichtet, die Anstrengungen für einen religiösen Aufbau von Palästina zu verdoppeln. Die Entscheidung der Weltorganisation Agudas Jisroel, die Dritte Kenessio Gedaulo, den jüdischen religiösen Weltkongreß, nach Jerusalem einzuberufen, wird begrüßt. Die Versammlung stand unter dem Vorsitz von H. A, Goodman. In ihr sprachen Rabbi Twersky und Rabbi Weinstein sowie Dr, Schonf i e 1 d und Rev. Godelowitz, (ITA.) Die Exekutive der A g ud as Jisroel in Polen hat in einer Sitzung über die gegenwärtige Lage beschlossen, auf telegraphisehem Wege an den Jischuw eine Sympathiekundgebung zu richten, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß das orthodoxe Judentum in Polen mit Schmerz und Erbitterung von den Ereignissen Kenntnis genommen habe, und daß kein Terror das Recht des jüdischen Volkes. auf sein Land, das ihm durch G'tt und seine Propheten verheißen worden ist, beeinträchtigen könne. Hilfsaktion für die polnischen Juden. In der Shoreditch Town Hall in London fand eine Massenversammlung statt, die von der Vereinigung polnischer Juden in Großbritannien einberufen worden war. Dr. Nahum Sokolow, der den Vorsitz der Versammlung führte, erörterte die politische Lage der Juden in Polen. Er ging im weiteren Verlauf seiner Ansprache auf die vielfach geäußerten Befürchtungen ein, daß die Hilfsaktion zugunsten der polnischen Juden die Sammlungen des Council for German Jewry stören könnten und erklärte, daß beide Sammlungen vonstatten gehen könnten, ohne ineinanderzugreifen. Ein Pfund in der Woche würde eine ganze jüdische Familie in Polen vor Hunger bewahren. Die Versammlung nahm drei Resolutionen an, in der gegen die fortgesetzten antijüdischen~,Vorfälle protestiert wird und die Ueberzeugung zum Ausdruck bringt, daß die polnische Regierung die Macht haben werde, diese Angriffe zu unterdrücken. Die zweite Entschließung fordert, daß die polnische Regierung mit der wirtschatflichen Diskrimination der verarmten Juden aufhören solle. Die dritte Entschließung richtet sich an die Juden des britischen E m p i r e und appelliert an sie, ihre Brüder nicht der Not und dem Elend zu überlassen. Gesetz über Sonntagsruhe im englischen Parlament. Im englischen Unterhaus ist von dem konservativen Abgeordneten L o f t u s eine Bill eingebracht worden, die den Geschäftssohluß am Sonntag regeln soll. Bei der Lesung des Gesetzes rief eine Bestimmung, die vorsieht, daß Juden, die ihre G e s c,h ä f t e a m S o n n a b e n d g e~ schlössen halben, sie bis Sonntag Mittag 2 Uhr öffnen können, eine lebhafae Debatte hervor. Diese Bestimmung wurde schließlich mit einer Mehrheit von 122 gegen 75 Stimmen angenommen. Demonstration in Preßburg wegen des Golem-Films. In den Preßburger Kinos „Tatra" und „Metropol", in denen der französische Film G o 1 e ni vorgeführt wird, kam es zu Demonstrationen slovakischer Studenten. Mehrere Demonstran ten zogen in die Judengasse, wo einem jüdischer. Händler die Fenster eingeschlagen wurden. Die Polizei verhaftete 21 Personen. Am Montag Vormittag griffen Studenten irder philosophischen und medizinischen Fäkultä:: der Universität Preßburg (jüdische Hörer an. Die Vorlesungen an beiden Fakultäten wurden un Verbrochen.