Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1936)
- Date
- 1936-04-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 17 Der Israelit 23. April 1936 Hachschara-Gedanke in der Schule". Herr Dr. Fritz Bamberger, Berlin verstand es, mit bestem Geschicke die Tagung und darüber hinaus die Diskussion zu leiten. — Im Rahmen der Tagung fand auch die Generalversammlung des Lehrervereins Rheinland-Westfalen statt, zu der u. a. in Abwesenheit des Vorsitzenden infolge Krankheit, Herr Abr. Reinhard das Wort ergriff. — Am Dienstag Abend hatte das Lehrerkollegium Gelegenheit, der Bibelstunde des Herrn Dr. Salinger beizuwohnen, die er allwöchentlich den Erwachsenen erteilt und die sich reger Teilnahme erfreut. K. S. H. Gaukönigshofen, 20. April. Auf dem jüdischen Bezirksfriedhof in Allersheim (bei Würzburg) wurden von unbekannter Hand 19 Grabsteine umgeworfen, einer davon ist stark beschädigt. Die Polizei sucht eifrig nach den Tätern. Höchst i. O., 20. April. Anläßlich der Schulschlußfeier der jüdischen Bezirksschule in Höchst i- O, wurde eine Bibliothek, die der Landesverband Hessen des Zentralvereins dieser Schule gestiftet hatte, durch den Syndikais des Landesverbandes, Herrn Dr. Matzdorff, Frankfurt a. M. übergeben. Der Leiter dar Schule, Herr Lehrer Kahn, dankte dem Zentralverein und Herrn Dr. Matzdorff persönlich für das wertvolle Geschenk, das bewiesen habe, ein wie großes Interesse der Zentralverein für die Entwicklung des jüdischen Schul- und Gemeindelebens habe. Die Bücherei wind nicht nur den Schülern, sondern auch ihren Eltern und Lehrern zur Verfügung stehen. Königsberg, 15. April. Am X"ij?'l 'S na» verabschiedete sich Herr Rabbiner Dr. Ochs von seiner Gemeinde, in der er sich während seiner vierjährigen Tätigkit viele Anhänger und Freunde erworben hatte, die seinen Weggang unendlich bedauern. In rührenden Worten dankte er allen Körperschaften der Gemeinde, jedem einzelnen Mitgliede seiner Kehilloh und speziell seinen Schülern und Schülerinnen in der Religionsschule für das Vertrauen und das Verständnis, das sie ihm Alle in seiner Tätigkeit als Rabbiner, Lehrer, Führer und Berater entgegengebracht. Es sei sein ernstestes Bestreben gewesen, bei jeder Tat und jeder Handlung G'ttes Weisung zu folgen, Sein Wort zu verkünden und zu verbreiten. Sein höchster Wunsch für Seine Kehilloh gehe dahin, daß sie in dieser Weise fortbestehe, mit all ihren Institutionen und Aufgaben. — Bei einer Ji'P'^E? nTyo-Feier versammelten sich nach Mincho noch viele Freunde um ihren Raw in der kleinen polnischen Schul, wo Herr Dr. Ochs allsabbatlich einen Schiur abgehalten hatte. Auch hier konnte man sehen, und durch Ansprachen hören, wie Jung und Alt schweren Herzens von ihrem Raw Abschied nahmen. Er dankte auch hier nochmals allen für ihre verständnisvolle Mitarbeit. Mit großer Hoffnungsfreude lege er, wie es sein eigener Wunsch sei, sein Amt in 'die Hände seines Nachfolgers, der nur das Blatt der snaa umschlage und da anfange, wo er aufgehört (habe. — In der Woche darauf trat Herr Rabbiner Josef Dünner aus Köln sein Amt als Rabbiner unserer orthodoxen Gemeinde an. Am Vvun ras? hielt er anschließend an die übliche n«?TT einen Vortrag für die Frauen über die wichtigsten nos-Vorschriften. Am ersten nos-Tage hielt der neue Rabbiner nach einem »an "jna des •Kantors und einer Begrüßungsansprache des Vorstandsmitgliedes seine Antrittspredigt. Er zeichnete an Hand der symbolischen Ausdeutung der wow naiK seine Aufgabe, seiner Kehilloh in vielfältiger Gestalt zu dienen: als Führer, Lehrer, Freund und Berater, um der Jugend wie den Alten in allen Lebenslagen fördernd und stärkend zur Seite zu stehen. Möge mit dem neuen Raw ©ine weitem Blütezeit für unsere Kehilloh einsetzen. E. K. Vechta, 20. April. Unsere ehrwürdige, seit fast V/i Jahrhunderten bestehende Synagoge ist kürzlich zu einer Wohnung umgebaut worden. In demselben Gebäude wurde eine neue kleine Synagoge eingerichtet und "am Eninrt na«? eingeweiht. Nach herzlichen Begrüßungsworten des Vorstehers, Herrn E. G e r s o n , in denen er des sei. Landrabbiners Dr. de Haas gedachte, hielt der Landrabb. Dr. Herbst die Weiherede, die von dem Thoraworte ausging: „Sie sollen mir eine Stätte bereiten, daß ich unter ihnen wohne." Den Festg'ttesdienst leitete Lehrer Freund aus Delmenhorst. Zürich, 19. April. Nach langen 'Vorbereitungen ist es uns gelungen, ein in jeder Hinsicht befriedigendes Projekt einer landwirtschaftlichen Hachscharah zum Abschluß zu bringen. Sie ist angeschlossen an den Gutsbetrieb des bekannten Pensionates von Herrn Dr. M. Ascher in Bex-les-Bains (Westschweiz). Der Betrieb ist von demjenigen des Pensionates vollständig unabhängig, doch stellt uns in dankenwerter Weise Herr Dr. Ascher seine bewährten landwirtschaftlichen Lehrkräfte zur Verfügung. Unser landwirtschaftliches Programm sieht vor: Ausbildung in sämtlichen grundlegenden Arbeiten auf einem Gutsbetrieb, wie Stallarbedten, Feld- und Gartenarbeiten, Gemüse- und Obstbau usw. Auch für das geistige Programm sind bereit« Richtlinien fertiggestellt. Auch hier wird uns Herr Dr. Ascher seine wertvolle Mitarbeit zur Verfügung stellen. Die Eröffnung steht in allernächster Zeit bevor, und es könnten noch einige sofort eingehende Anmeldungen berücksichtigt werden. Auskunft erteilen Noar Agudati, Frankfurt (M.), Schwanenstr. oder direkt Jacques Bollag, Breitingerstr. 35, Zürich 2, Die Frankfurter Woche. Gemeindeversammlung. Es wird darauf hingewiesen, daß die Gemeindeversammlung der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft am Montag, den 27. April, abends 6.30 Uhr, pünktlich in der Aula der S. R. Hirsch-Schule, stattfindet. Trauerkundgebuiag für den Rogatschewer Gaon ^"XJ. Die Ortsgruppe der Agudas Jisroel und der Mekor Chajim veranstalten am Sonntag, den 26. April, nachmittags 5.30 Uhr im Hörsaal der I. R. G., Friedberger Anlage 5, eine Hespedkundgebung, bei der nach einer Ansprache des Herrn Redakteur S. Schachnowit.z Herr Benxion Rachelsohn die Gedenkrede halten wird. Um zahlreiches Erscheinen nnnn naa^ wird gebeten. Heilpädagogisches Seminar Frankfurt a. M. Das im Winter 1935/36 von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland neubegründete Heilpädagogische Seminar in Frankfurt a. M., welches der Fortbildung von Jugenderziehern dienen soll, hat soeben seinen ersten Lehrgang (Winterlehrgang 1936) beendet. Dieser bestand aus einem Einführungsabend und zwei Vorlesungsreihen, die von den Leitern des Seminars, Dr. med. Arnold Merzbach und Dr. med. Max Meyer, abgehalten wurden und die „Grundlagen der Psychopathologie und Psychotherapie d,is Kindes- und Jugendalters" in 16 Kursstundon behandelten. Die Vorlesungen waren über Erwarten gut besucht: es nahmen etwa 65 eingeschriebene Hörer (Rabbiner, Lehrer, Aerzte, Kindergärtnerinnen, Sozialbeamte, Praktikanten} regelmäßig teil, davon über 20 Auswärtige; insgesamt 46 Damen und 21 Herren. Der zweite Lehrgang (Frühjährslehrgang 1936) beginnt am Montag, den 4. Mai, 19.30 Uhr, in der Aula Hermesweg 7. Es werden folgende Vorlesungen' abgehalten: 1. Dr. Max Meyer: Aus der Psychopathologie des Jugendalters. Montag, 19.30—20.30 Uhr (im Mai). 2. Dr. Arnold Merzbach: Die Neurosen des Kindes, Heilpädagogische Uebun^en. Montag, 20.30—21.30 Uhr» (am Mai). 3. Dr. Ludwig Reinheimer: Körperliche Entwicklung und Erscheinungsform der Klein- und Schulkinder. Montag, 19.30—21.30 Uhr (im Juni). 4. Es wird ferner ein Ferienkursus an den Pfingsttagen 31. Mai bis 2. Juni über „Praktische Heilpädagogik" im Israelitischen Heilerziehungsheim in Marburg (Lahn) abgehalten, welcher unter Leitung von Dr. Arnold Merzbach steht; außerdem wirken hierbei mit: Direktor Höxter, Rabb. Dr. Jakob Horovitz, Dr. Ilse Lehmann, Prof. Seligmann, Berlin. Für diesen Ferienkursus, zu welchem die Teilnehmerzahl beschränkt wird, wird freie Unterkunft und Verpflegung gewährt. Die Reisekosten betragen ab Frankfurt a. M. RM. 5.20 (Sonntagskarte). Diejenigen Seminarhörer welche auf systematische Ausbildung und Zeugnis erteilung Wert legen, müssen an sämtlichen heilpädagogischen Veranstaltungen des Lehrganges teilnehmen; Gasthörer sind nach Anmeldung zugelassen. Anmeldung und Anfragen sind zu richten an Frl. M. Levi, Frankfurt a. M., Frauensteinstraße 18 (Tel. 57212). Der dritte Lehrgang findet erst im Herbst 1936 nach den Feiertagen statt. Die Gesamtausbildung ist auf etwa V/2—2 Jahre berechnet. Jüdische Haushaltungsschule. Im Laufe des März fanden in der Jüdischen Haushaltungsschule, Frankfurt, die Abschlußprüfungen sattt. Außer den Hausexamen der 14jährigen Lehrlinge, der ganz- und halbjährigen Haushaltungsschülerinnen und der Fachklasse für Schneidern und Wäschenähen legten unter Vorsitz der staatlichen Prüfungskommission und der Reichsvertretung der Juden in Deutschland 10 Seminaristinnen ihre Prüfung als Lehrerinnen für Hauswirtschaft und Nadelarbeit ab; die Ergebnisse waren trotz des nur einjährigen Lehrganges recht gut. Auch die staatliche Prüfung des Haushaltpflegeriimenseminars bestanden sämtliche 7 Prüflinge mit gutem Erfolg. Dieses einjährige Seminar wird auch in Zukunft mit starker Betonung der pädagogischen Seite der hauswirtschaftlich-leitenden Arbeit weitergeführt und bietet gut vorgebildeten Mädchen eine Ausbildung mit ausgezeichneten Berufsaussichten im In- und Ausland und zwar als leitende oder anleitende Wirtschaftsbeamtin in Heim oder Lehrbetrieb. Fast sämtliche abgehenden Schülerinnen haben bereits Stellen gefunden; 'die neuen Lehrgänge der Haushaltungsschule sind voll besetzt, lediglich im Haushaltpflegerinnenseminar sind noch einige Plätze frei. Ludwig Hamburger ^"f. Ludwig Hamburger, früher Mitinhaber der Firma Hamburger u. Rapp, hat am Vvwn na» in Haifa, wohin er vor einem halben Jahre mit seiner Familie übersiedelte, im Alter von 60'Jahren seine S eele ausgehaucht. Diese { Kunde wird besonders in Frankfurt a. M. in weiten Kreisen mit tiefstem Schmerz aufgenommen werden. Ludwig Hamburger war der Typ eines „denkenden Juden". Von Haus aus nicht mit allzu großem jüdischen Wissen ausgestattet, fand er schon in jungen Jahren in Frankfurt den Anschluß an die Adaß Jeschurun und deren geistiges Leben und suchte sich mit der Energie eines Ringenden in die Welt des jüdischen Geistes immer mehr hineinzuarbeiten. Man staunte, wenn man früher diesen vielbeschäftigten Kaufmann abends besuchte und ihn bei ernster, schwerer Lektüre fand, die sonst nur für den Fachgelehrten bestimmt war. Es gab kaum einen wissenschaftlichen oder agadischen Vortrag in den Vereinen unserer Gemeinde, die Ludwig Hamburger nicht besuchte. Von seiner Ehrlichkeit und Redlichkeit, seinem geraden bescheidenen Sinne wußten seine Geschäftsfreunde zu zeugen. Als er später der geschäftlichen Tätigkeit entsagte und schwere schleichende Krankheit seih seiner bemächtigte, nahm er ganz die Flucht ins Geistige, las und lernte und war dankbar, wenn er sich mit Eingeweihten und Berufenen über die Probleme, die ihn beschäftigten, unterhalten konnte. Sein bescheidener Sinn und seine geruhige sanfte Art, mit Menschen umzugehen, gewann ihm viele Freunde. „Erez Israel wird Ihnen die volle Gesundung bringen, die Sonne, die vom Karmel her aufgeht, wird mit ihren heilenden Strahlen das bewirken, was hier die Aerzte nicht •vermochten," so trösteten wir ihn, als er vor einem halben Jahre mit der Gattin zu seinen Kindern nach Haifa verzog, wo der älteste Sohn, der sich bereits einen Namen in der Aufbaubewegurug erworben hat, lebt. Die Hoffnung hat sich nicht ganz erfüllt, aber die letzten Monate seines Lebens waren doch von der Erez Israel-Sonne, nach der er sich gesehnt hatte, bestrahlt, und zum Feste der Erlösung wurde er in heiliger Erde gebettet. Das möge der Frau und den Kindern zum Trotse gereichen. Wir aber werden alle unserem guten Ludwig Hamburger ein liebes Angedenken bewahren. ""asan Ein Vortrag über das Bes Jaakauw-Schulwerk der Agudas Jisroel. Am nos ,yaf sprach in den Räumen der Agudoh in der Schwanenstraße vor einem großen Hörerkreis Frl. Gitta Horovitz, die seit ll/2 Jahren das Lehrerseminar in Wien besucht und so die Entwicklung und 'die derzeitige Arbeitsweise dieses vo» der Aguda ins Leben gerufenen und getragenen Rettungswerkes in guter, wirkungsvoller Rede schildern konnte. - — Die in den Ländern des Ostens vielfach vernachlässigte weibliche Jugend ist durch die Schulen des Bes Jaakauw vor dem Verfall gerettet worden. Heute werden rund 50 000 Mädchen in den Schulen durch die Lehrkräfte des Bes Jaakauw unterrichtet. Die beiden Seminare (in Wien und Krakau) sorgen für die Ausbildung der Lehrerinnen, die alle Sparten eines umfassenden jüdischen Lehrplans absolvieren und von der Leiterin des Wiener Seminars, Frl. Landsberg, unter Mithilfe weiterer mustergültiger Lehrkräfte, für ihren Beruf die Schulung erhalten. War das Werk zuerst fürs polnische Gebiet gedacht, so wuchs es bald darüber hinaus, und so sind denn heute auch die Gebiete der ehemaligen österreichischnugarischen Monarchie mit einem dichten, jetzt bereits dreihundert Schulen umfassenden Schulnetz überzogen, das zu unterhalten besonderer Opfer bedarf und das die großzügige Förderung Aller verdient, denen daran liegt, daß die geistige Not von Hunderttausenden behoben und so der Allgemeinheit ein Segen daraus erwachse. Ha. Gemoro-Schiur des Herrn Rabb.-Ass. Dr. Schlesinger. Der K-iöl TijPff des Herrn' Rabb.-Ass. Dr. Schlesinger hat räumlich und zeitlich eine Erweiterung erfahren. Der findet in dem Rabbinatszimrner Friedberger Anlage 4 am Schabbos 5l/2 Uhr nach nnun und Mittwoch 8.30 Uhr abends statt. Fidelio-Vortrag im Jüdischen Lehrhaus und im Jüdischen Kulturbund Rhein-Main. Die in Frankfurt a. M., in Salzburg, in Amsterdam und London durch ihre musikalisch-dramaturgischen Einführungsvortrage zu Konzert und Opemaufführungen wohl bekannte Musikpädagogin Mitia Mayer-Lismann wird im Rahmen des Jüdischen Lehrhauses und Jüdischen Kulturbundes am Sonntag, den 26. April, vorm. 11 Uhr, in der Aula des Philanthropins über Beethovens Oper „Fidelio" sprechen. Außer auf den musikalischen und textlichen Gehalt des Werkes wird die Vortragende auf die Auf- »DER ISRAELIT« das älteste jüdische Blatt Deutschlands, die gehaltvolle und traditionstreue Wochenzeitung gehört in jedes jüdische Haus!