Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1936)
- Date
- 1936-04-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450925--82052-2539983- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
;-'-^KS!«W3?^« ■^^SRJSgB^^KJps^Sf^«;" u r Seite 10 Nr. 17 D e Israelit -au-_ 23. April 1936' missar erklärt, daß die in Betracht kommende Ziffer nicht; der Jewish Agency bekannt sei, weil sie sich ausschließlich mit der jüdischen Auswanderung aus Deutschland befasse. Sir Neill Malcolm hob hervor, daß es insbesondere seine Pflicht sei, auch dein nichtjüdischen Auswanderern aus Deutschland zu helfen. Im Verlaufe der weiteren Aussprache, die sich über eine halbe Stunde hinzog, wurden weiterhin Kompe tenzfragen in Auswanderungsanigelegenheiten erör tert. Jerusalemer Brief. Unbegründete Gerüchte. — Um die arabische Dele gation. — Polizeigewalt für die Einwanderungsbeamten. — Die Revisionisten machen mit. — Juden in der Polizei. _ König Albert-Wald. — Der Geldumlauf in Palästina. Jerusalem, 15. April Die arabische Tageszeitung „El Liwaa", das Organ des Mufti von Jerusalem, veröffentlicht eine sensa tionelle Meldung. Weizinann soll an High Com missioner Sir Arthur Wauchope einen Brief gerichtet haben, in dem er die Bereitwilligkeit ausdrückt, den Plan der Einsetzung eines Legislative Council in Pa lästina unter gewissen Bedingungen anzunehmen. Wie die ITA. von der Jewish Agency for Palestine erfährt, entspricht diese Meldung der arabischen Ta geszeitung nicht der Wirklichkeit. Die Einladung des Colonial Office an die Araber Palästinas, eine Delegation nach London zu entsen den, findet in arabischen Kreisen nicht eine einmütig zustimmende Aufnahme. Es findet sich die Ansicht, daß England mit der Einladung die Araber „bluf fen" wolle und daß die Einladung geeignet sei, einen Keil in die einheitliche arabische Front zu treiben und damit die Einheit der arabischen politischen Bewegung zu gefährden. Selbst die Tageszeitung „Felestm", die anfangs der Einladung mit begeisterten Worten zugestimmt hat, ist in ihrer Stellungnahme leidenschaftsloser und kühler geworden. Die Zeitung äußert Bedenken gegen die sofortige Annahme der Einladung durch die arabischen Führer beim Empfang durch den High Commissioner. Die Zeitung fordert, daß die britische Regierung unabhängig von dem Ausgang der Besprechungen mit der arabischen Delegation in London zusichere, daß der Plan eines Legislative Council verwirklicht werde. Auch die Tageszeitung „El Liwaa" findet, daß England mit der Einladung Exp'hasionsstoff in die arabischen Reihen geworfen habe. Hervorzuheben ist, daß der Führer der Arabischen Verteidigunigsp^rtei, Ragheb Bev Nashashibi, gegen eine Teilnahme desK-Großmufti ander Delegation ist. Auni Bey Abdul Hadi, emer-'äer Führer der Istaklaf-Bewegung, hat sich für eine Non-Cooperatioh mit der britischen Regierung aus-, gesprochen und erklärt, er wolle sich an der Delegation nicht beteiligen. Nach den letzten Berichten sali der Großmufti selbst ebenfalls beschlossen haben, an der Delegation nicht teilzunehmen. So konnte auf der Konferenz der arabischen Parteen, auf der über die Zusammensetzung der sechsköpfigen nach London zu entsendenden arabischen Delegation entschieden werden sollte, keine Einigung erzielt werden. Nach Mitteilung der arabischen Zeitung „A-Difaa" hat der High Commissioner angeordnet, daß die Beamten der Einwanderungsbehörden in Palästina künftig polizeiliche Befugnisse haben sollen. Sie sind ermächtigt, Untersuchungen durchzuführen und Verhaftungen nach den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften vorzunehmen. Eine große Mehrheit einer Konferenz der Revisionisten Palästinas beschloß, sich an den Wahlen zur Assefath Haniwcharim zu beteiligen. Die Assefath Haniwcharim ist als zentrales Organ der Knesseth Jisroel, eine aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Vertreterversammlung, deren 'ständiger Ausschuß der Waad Leumi, der Jüdische Nationalrat, ist. Nach den neuesten Statistiken befinden sich in der palästinensischen Polizei 400 Juden. In der aus 3000 Mann bestehenden Polizei sind im übrigen 1800 Araber und 800 Engländer. Der Wald, der zum Gedächtnis des verstorbenen König Albert von Belgien in Kfar Chorsech gepflanzt worden ist, wurde heute Iii Anwesenheit von High Commissioner Sir Arthur ^auchope", M. M. Ussischt fcin und Prof. Speyer, 'belltech-em Mitglied der Ji|- wish Agency, feierlich eröffnet. In der „Palestine Gazette" werden Zahlen über den Geldumlauf in Palästina Ende März veröffentlicht. Insgesamt waren zu dem angegebenen Zeit punkt für 6,236.134 Pfund Noten und Münzen im Ver kehr. Ende Februar betrug der Geldumlauf von Noten und Münzen nur 6,186.134 Pfund. Er ist also um rund 50.000 Pfund gestiegen. Im einzelnen waren für 480.000 Pfund Silbermünzen, für 84.000 Pfund Nickelmünzen und 7200 Pfund Bronzemünzen im Umlauf. Der Umlauf an Metallmünzen betrug dem nach 571.200 Pfund. Der Notenumlauf zeigte eine Höhe von 5,664.934 Pfund. 100 Pfund-Noten waren nur in einer Anzahl von 447 im Verkehr, dagegen liefen 2,025.230 Einpfundnoten um. „Erez^ Israel" soll nicht genannt werden. Jerusalem, 12, April. Der Streit um die Führung des Namens „Erez Israel" 'in den Programmen und der Ansage des Palästina-Senders hat eine Lösung gefunden. Die Pa lästina-Regierung hat entschieden, daß der Name „Erez Israel" fortgelassen und der Sender künftig die Bezeichnung „ R a d i o s t a t i o n Jerusalem" verwenden soll. Die Palästina-Regierung verbot eine in Tel Awiw geplante Aufführung eines Stückes „Erez Hakod'esch" durch das Nationalstudio. Grund für das Verbot ist die Verwendung des Namens „National". Die Regierung verweigerte auch die Erlaubnis zur Aenderung des Namens in „Studio Erez Israelit", weil solch eine Bezeichnung nicht bestehe. Als weiterer Grund für das- Verbot der Aufführung wird angegeben, daß der Name „Erez Hakodesch" (das heilige Land) geeignet sei, die Empfindungen eines Teils der Bevölkerung Palästinas zu verletzen. Die Regierung verbot weiterhin die Aufführung eines Films, weil er die Gefühle der Mohammedaner beeinträchtigen könnte. Von der Levante-Messe. Tel Awiw, 18. April. Italien wird sich an der am 30. April stattfindenden Levante-Messe nicht beteiligen. Wie die ITA. erfährt, ist dies darauf zurückzuführen, daß die Palästina-Regierung sich geweigert hat, italienische Ausstellungen zur Messe zuzulassen und nur die Ausstellung von graphischen Darstellungen und Photographien erlauben will. Italien hat dn diese Bedingungen v nicht eingewilligt. "Die Stellungnahme der Palästina-Regierung geht anscheinend auf die Beteiligung Palästinas an den am 18.''N6Veihber in Kraft gesetzten Wirtschaftssanküonen des Völkerbundes gegen Italien, zurück. Diese Sanktionen erstrecken sich auch auf das Verbot der Einfuhr italienischer Waren nach Palästina. Allerdings war seinerzeit der High Commissioner ermächtigt worden, in Einzelfällen Ausnahmen von diesem Verbot zuzulassen. Der Finanzsekretär der Palästina-Regierung und Präsident der Regierungskommission für Handel und Industrie, Johnson, hat sich bereit erklärt, den Ehrenvorsitz über die bevorstehende Levante- Mesise zu übernehmen. Die Zeitschrift „Great Britain and the East" bringt eine Palästina-Sondergabe im Umfange von 40 Seiten heraus. In ihr nehmen verschiedene englische Wirtschaftsführer zur Bedeutung der bevorstehenden Levante-Messe Stellung. Amerika. Deutsche Juden in Palästina. New York, 9. April. Der United Palestine Appeal gibt Zahlen über die Einwanderung von Juden aus Deutschland in den letzten drei Jahren bekannt, die vom Zentralbüro für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland zusammengestellt und von Dr.. Werner Senator von der Jewish Agency dem United Palestine Appeal zur Veröffentlichung übergeben worden sind. Es handelt sich bei diesen Zahlen um eine erste vollständige und offizielle Zusammenstellung. In den letzten drei Jahren, yon Januar . 1 933bis zum Dezember 1935, sind danach:jiach Palästina 36:372 Judeifij aus Deutschland j eingleii^idert. Es sind)''1' 70' Proz. der jüdischen Auswanderer aus Deutschland/ die nach überseeischen Ländern1 gegangen sind;/Von ihnen ließen sich 24.499' dauernd dm Lande nieder/ 11.873 als. Touristen. Von .denjenigen, die sich ständig im Lande niedergelassen haben, waren 42 Pr,oz. Man- , ner, 36 Proz. Frauen und 22 Prqz.\löuiider.>^^. ihherr standen 29,4 Proz. im Alter zwischen. 21' und 30 Jahren, 20,2 Proz. waren zwischen 31 und 40 Jahre alt, 17,3'Proz. zwischen 10 und 20 Jahren, 12,2 Proz. zwischen 1 und 9 Jahren, 9,4 Proz. zwischen 41 und 50 Jahren und 6 Proz. zwischen 51 und 60 Jahren. Nur 3,1 Proz. standen im Alter zwischen 61 und 70 Jahren. - , In dem gleichen angegebenen Zeitraum wanderten insgesamt 134,540 Juden au® allen Ländern nach , Palästina ein. (ITA,) Sprechsaal. Der Sabbat in Erez Israel. Seitdem Erez Israel aktuell geworden ist, wird mit einer süßlichen, mehr einseitig optimistischen als sachlich objektiven Erez Israel-Literatur häufig gesündigt. Schreiiber dieses hat in Tel Awiw wahrend mehrerer Jahre den Sitzungen des Miscfamereth-Sabbat- Vereins beigewohnt — wöchentlich gab es zwei Sitzungen: die eine für Berichte über den vergangenen, die andere für Direktiven über den kommenden Sabbat —; er kennt daher die Methoden und ihre Erfolge. Auch war er Augenzeuge der Demonstrationen gegen den durch die Rücksichtslosigkeit der Einwanderer besonders aus Deutschland entstandenen lebhaften Autoverkehr. Verhaftungen und Bestrafungen waren die Folgen, und längst rasen Sabbat für Sabbat die Autos durch die Hauptstraßen von Tel Awiw. Die Sabbat-Schützer genießen nicht den Schutz der Polizei. Nur mit Zureden und Verhandeln können Sie es versuchen, Diese wirklich nicht «angenehmen Bemühungen besonders an. jedem Beginn des Saibbat verdienen selbstverständlich Anerkennung, — doch sind sie unzureichend. Man propagiert gegen die Entweihung des Sabbat, man propagiert aber nicht für die Kenntnis und Anerkenntnis des Sabbat. In dieser Hinsicht haben Schomre-Sabbat-Vereine und Rabbinate in Erez Israel versagt. Diese Behauptung will keine Anklage sein. Der gute Wille genügt aber nicht, wenn der Ueberblick über die Möglichkeiten und wenn die Geldmittel fehlen. Möglichkeiten bestehen besonders auf dem Gebiete gedruckter Propaganda über die Bedeutung des . Sabbat. Große Teile der Erez Israel-Judenheit werten heute den Sabbat nicht anders als eine Sonntagsruhe und haben keine Ahnung von den prinziipellen Unterschieden zwischen beiden. Diese Massen über den . Sabbat aufzuklären, auch betreffs des Sabbat an ihr nationales Gewissen zu appellieren — denn ohne ihn wäre 'die jüdische Nation bereits, als sie vor zwei Jahrtausenden ins Galuth ging, verschwunden —, bedeutet jedenfalls die wichtigste Aufgabe. Nur auf diesem Wege kann dem Sabbat zum Siege verholfen werden. - G. Bemerkung« Zu den Ausführungen von Herrn Rabbiner Wolf S. Jacobson in der letzten Nummer des „Israelit" möchte ich folgendes bemerken: -Herr Rabbiner Jacobson registriert meinen Hinweis auf Meharscha, nach welchem sich Psalm 137, 5—6 auf G'tt beziehe. In Nr. 8 dieses Blattes wies ich darauf hin, daß sich nach der Auslegung unserer Chachomim in Aboda Sara 3 b, Psalm 137, 5—6 auf G'tt bezieht. Meharscha gibt nur die Begründung für diese Interpretation. Außer den von mir angeführten Belegstellen sei noch Midrasch Tehillim zu Psalm 121, 4 erwähnt. S. Speier. Briefkasten. K. R. Daß in der Briefkastennotiz »V» mit ^»p-'öK verwechselt wurde, ist bedauerlich. Ein Mißverständnis kann aber schon deswegen nicht entstehen, weil in der Notiz die Rede von einejnx Kxi o cJi e n ist und dadurch der Druckfehler als solcher von jedem gleich erkannt wird. L. M. in W, Es sollte nur konstatiert werden, daß dieses Jahr am Pessachfeste irgendwo eine Ski avenbe freiung im wörtlichen Sinne durchgeführt, wurde. Eine: politische Stellungnahme bedeutete" die Feststellung nicht. -v G. R. in N. Keinesfalls in flüssiger Form. :.