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Der Israelit · 1936-04-23 · Heft 17 (23.4.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 17 (23.4.1936)
Date
1936-04-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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23. April 1936 Der Israelit Nr. 17 Seite 9 „Auf den Antrag der Synagogengemeinde Saar brücken vom 10. März d. J. bestelle ich Sie hiermit zum Staatskommissar für die Synagogengemeinde Saarbrücken in jederzeit widerruflicher Weise. In dieser Eigenschaft obliegen Ihnen bis auf wei teres die Befugnisse, die statutenmäßig den Organen ■der Synagogengemeinde zustanden. Alle Maßnahmen, die von Ihnen ak Staatskommissar \getraffen werden und die bisher der beschlußmäßigen Entscheidung der Organe der Synagogengemeinde vonbehalten waren und der Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbe hörde bedurften, unterliegen auch weiterbin meiner Genehmigung. I. A.: gez. Dr. Buech." Oesterreich. Eine Erklärung des Bundeskanzlers Schuschnigg über den konfessionellen Frieden, Wien, 19. April. In einer Rede vor der Katholischen Akademikergemeinsc'haft behandelte Bundeskanzler Schus chn ig £ „Aktuelle Probleme der österreichischen Politik aus katholischer Blickschau". Gegen Schluß seines Vortrages erklärte der Kanzler, daß der österreichische Staat, der seine besonderen Beziehungen zur päpsttichen Enzyklika „Quadragesimo anno" habe, und natürlich ein katholischer Staat sei, gleichwohl den konfessionellen Frieden wie irgendeiner respektiere. „Wir fühlen uns aus dem Glauben aber auch verpflichtet, so erklärte Bundeskanzler 'Schuschnigg, das bodenständige Oesiterreichertum stets zu unterstreichen." Polen. Um die Durchführungsbestimmungen zum Schächtgesetz. Warschau, 19. April. Nach Annahme des Schächtgesetzes im Sejm und Senat macht sich eine Propaganda zur Verschärfung der Ausiführungsbestimmungen zu diesem Gesetze geltend. In diesem Sinne wird auch in Aufsätzen der polnischen Presse zu den zu erwartenden Durchführungsbestimmungen Stellung genommen. Es wird verlangt, daß die rituelle Schächtung streng kontingentiert werde und die wirklichen Verbrauchsbedürfnisse der jüdischen Bevölkerung nicht übersteigen solle. Es wird ferner gefordert, daß die Fleischsendungen zwischen den einzelnen Städten kontrolliert werden. Den Orten, in denen nach dem Gesetz rituell geschlachtet werden darf, weil sich an ihnen mehr als 3 Proz. Juden befinden, soll nicht die Zufuhr von koscherem Fleisch erlaubt werden. Die Kosten einer solchen Kontrolle sollen durch besondere Abgaben auf die jüdische Schechita gedeckt werden. Der natürliche Bevölkerungszuwachs bei den Juden in Polen. Warschau, 19. April. Die jüdische Bevölkerung Polens hat sich im vergangenen Jahre um 33.000 Personen vergrößert, während die katholische Bevölkerung um 265.000 zunahm. Im Gegensatz zu den Jähren 1933 und 1934 ist eine Steigerung des natürlichen Bevölkerungszuwachses bei den Juden zu verzeichnen. In diesen Jahren betrug nämlich der Zuwachs nur 25.000 bezw; 32.000 Personen. Die Unruhen in Lemberg tragen keinen antijüdischen Charakter. Lemberg, 17. April. Anläßlich der Beerdigung eines am Dienstag erschossenen polnischen Arbeiters fanden in Lemberg Zusammenstöße zwischen den Teilnehmern der Beerdigung und der Polizei statt. Es ist bis jetzt noch nicht möglich, die genaue Zahl der Toten und Verwundeten zu erfahren. Es laufen verschiedene Schätzungen um. Nach einer dieser Schätzungen beträgt die Zahl der Toten 16 und die Anzahl der Verwundeten über 100, Von anderer Seite werden geringere Zählen angegeben. Da zahlreiche jüdische Arbeiter an der Beerdigung teilnahmen, befinden sich auch Juden unter den Verwundeten. Dagegen soll unter den Toten kein Jude sein. Die Woche. Berlin. Die „Westpreußische Zeitung" in Elbing meldet, daß die Synagoge in Deutsch'Eyl au für 9000 RM. versteigert worden ißt. Es handelte sich um eine Zwangsversteigerung. Den Zusehlag erhielt ein Bierverleger, der in dem Gebäude einen Bierverlag einrichten will. Mainz. Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehen® des Landesverbandes der Israelitischen Religion>sgemeinden Hessens wird, am 3. Mai der Verband in Mainz einen ordentlichen Gemeindetag verbunden mit einer Festsitzung abhalten. Warschau. In Przytik wurden auf dem jüdischen Friedhofe mehrere Grabsteine umgeworfen und der Friedhof verunreinigt, Juden, die sich auf dem Friedhofe befanden, wurden mit Steinen beworfen, — Eine zum 100. Geburtstag von M e n d e 1 e ■ Mocher S f o r i m veranstaltete Gedenkausstellung in Warschau wurde geschlossen, nachdem sie 45 Tage lang von mehr als 25.000 Personen besucht worden war. — Nationaldemokraten in O t w o c k legten die Stadt durch Kurzschluß in der elektrischen Leitung" in völlige Dunkelheit. In der dadurch entstehenden Verwirrung brachten sie eine große Bombe zur Explosion. Eine Anzahl von Juden bewohnter Häuser wurde beschädigt und drei jüdische Geschäfte vollständig zerstört. — Die Polnisch-palästineriiS'ische Schiffahrisgesellsehaft veranstaltet aus Anlaß des ersten Todestages von Marschall Pilsudski, der auf den 12. Mai fällt, verbilligte Reisen von Palästina nach Polen und zurück. Wilna. Die Handwerkskurse der Gesellschaft ORT haben zum ersten Male ihre Absolventen entlassen. Es sind 15 Jugendliche, denen das Meisterdiplom ausgestellt werden konnte. Faschistische Partei in Rom Vorschlag des F a s c i o in italienisch-jüdische Familien des Fascio entsende n. Die Saloniki. billigte einen Saloniki, vier auf Kosten nach Palästina zu Der Fascio in Saloniki ist daraufhin an das dortige Palästina-Amt herangetreten, um die nötigen Einwanderungszertifikate zu erlangen. — An der Beerdigung des verstorbenen griechischen Ministerpräsidenten Demerdzis nahm als Repräsentant der griechischen Judenheit der Oberrabbiner von Athen, Elijahu B a r z i 1 a y , teil. Jerusalem, Wie die ITA. erfährt, bereitet die Palästina-Regierung ein neues Steuergesetz vor, durch das nach Palästina eingeführte Lebensmittel mit einer Steuer belegt werden sollen. — In der „Offioial Gazette" wird mitgeteilt, daß der High Commissioner von Palästina, Sir Arthur Wauchope, zum Range eines Generals befördert worden ist. Sir Arthur Wauchope hatte bisher den Rang eines Generalleutnante inne. — Zehn Autobusse, die sich auf einer Gesellschaftsfahrt befanden, wurden von' bewaffneten arabischen Banditen bei Tulkerem überfallen. (Siehe Nachrichten Seite 1.) — Nach einer offiziellen Statistik reduzierte sich die Zahl der Raubüberfälle in Palästina im Jahre 1935 auf 32 gegen 98 bis 100 Raubüberfälle in den drei letzten Jahren. Tel Awiw. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Weltkongreß der jüdischen A e r z t e , der in Tel Awiw stattfinden .wird, wurde eine Beratung jüdischer Aerzte abgehalten, auf der u. a. auch die Frage der Schechita aufgeworfen und von einem der Redner gefordert wurde, daß der Kongreß zu diesem Problem in irgendeiner Weise Stellung nehmen solle. — Es ist nun entschieden, daß die Polizei von Tel Awiw auch weiterhin unter der Kontrolle der Stadtverwaltung verbleibt, so daß sich an dem bisherigen Rechtszustand der Polizei nicht» ändern wird. New York. Zu Ehren des bekannten Richters Julian M. M a c k , der auf eine fünfundzwanzigjährige Amtstätigkeit zurücksieht, wurde ein Bankett veranstaltet, auf dem führende Männer der Regierung die Tätigkeit des Jubilars in herzlichen Reden würdigten. Richter Mack hat sich bekanntlich auch In verschiedenen jüdischen Organisationen an hervorragender Stelle betätigt. — Eine Abordnung des Jewäsh Labour C omni i 11 e e sprach beim Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten in Washington vor und überreichte ihm eine Protesterklärung gegen die antijüdidischen Vorfälle in Polen. Bei der entstehenden Verwirrung wurden von dunklen Elementen Läden in der Stadt geplündert. Besonders in den Vororten von Lemberg war dies der Fall. Unterschiede zwischen jüdischen und nichtjüdischen Läden wurden dabei nicht gemacht. Ein offizielles Communique stellt fest, daß der Pöbel jüdische und nichtjüdische Läden geplündert hat. Jetzt sei die Ordnung in der Stadt wieder hergestellt. Lemberg, 19. April, Es steht nunmehr fest, daß unter den Opfern der Unruhen von Lemberg sich eine jüdische Frau befindet. Sie heißt Lea Arzt und ist 27 Jahre alt. Unter den zahlreichen Läden, die bei den Unruhen geplündert wurden, befinden sich 200 jüdische Geschäfte. Obgleich die Unruhen von Lemberg keinen antijüdischen Charakter trugen, werden sie von nationaldemokratisoher Seite benutzt, um eine heftige antijüdische Agitation zu entfalten. Palästina. Empfänge. Jerusalem, 19. April. Der Gerer Rebbe, Rabbi Oberrabbiner Duschinski, und Rabbi Mosche Blau von der Agudas Jisroel wurden von High Commissioner empfangen, Sir Arthur beglückwünschte den Gerer Rebbe zu seinem Entschluß, sich ständig in Palästina niederzulassen. Der Chefsekretär der Palästina-Regierung, J. Hathorn Hall, empfing den Oberrabbiner von Tel Awiw, Rabbi A m i e 1, Rabbi U s i e 1 und Rabbi Blau, mit denen er die Frage einer Legalisation der verheirateten illegalen Einwanderer erörterte. Wie berichtet wird, hat sich Chefsekretär Hall in verständnisvoller Weise zu dieser Frage geäußert. Ein rechtes Wort zur rechten Zeit. Jerusalem, 21. April. An einem Empfangsabend für Chiefrabbi Dr. Hertz, London, beteiligten sich die Vertreter aller nationalen Instanzen. Vom Misrachi hielten Begrüßungsansprachen Rabbi Gold, der Vorsitzende des Weltmisrachi, Rabbi F i s h m a n , Rabbi Ostrowski, ferner auch Vertreter des Keren Hajessod und des Waad leumi und im Auftrage der Jerusalemer Jeschiwoth Rabbi Bermann! Rabbi Meier Berlin sprach u. v. a. für den Nationalfond. In der Schluß- und Dankrede, die der Chiefrabbi hielt, ließ er sich über die religiöse Demoralisierung in einem Teile des neuen Jischuw aus. „Wir erleben im Lande, sagte der Chiefrabbi, eine wawn 'iba. Offenbarung der Schechinah. Leider gibt es hier auch eine G a 1 u t h Haschechinah. Was uns aber am meisten deprimiert und erschüttert, ist der nraipn am?» die Austreibung der Schechinah an verschiedenen Plätzen des neuen Palästina. Eine schwere Sünde begehen und große Verantwortung nehmen die Rabbinen auf sich, die - nicht die ganze Welt in Bewegung gegen diese Strömungen setzen. Gesündigt hat auch Misrachi, der sich mit den krassen Fällen von Sabbatentweihung und Verletzung der jüdischen Tradition an vielen Punkten so leicht abgefunden hat. Wir werden nicht erlauben, daß sich Erez Israel in ein Biro-Bidschan verwandelt." Sir Neill Malcolm in Palästina, Jerusalem, 19. April. Während seines Aufenthaltes in Palästina wurde der Oberkommissar des Völkerbundes für Auswandererfürsorge, General Sir Neill Malcolm, vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope empfangen. Eine Abordnung der Exekutive der Jewish Agency suchte den Auswanderungskommissar auf, um mit ihm Unterhandlungen über die Einwanderung nach Palästina und die damit zusammenhängenden Probleme der Auswanderer zu pflegen. Sir Neill Malcolm richtete an die Abordnung die Anfrage, wieviel nichtjüdische Auswanderer au® Deutschland im Verlaufe der letzten drei Jahre nach Palästina gekommen seien. Von der jüdischen Abordnung wurde dem Oberkom-

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