Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1936)
- Date
- 1936-04-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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23. April 1936 Der Israelit Nr. 17 Seite 3 Das Gebot der Stünde (Fortsetzung von Seite 1,) zen und Lockungen, aber auch all seinen Gefahren und Irrungen. Diesem Kulturleben entfliehen wollen, fymfy unmöglich. Sollten daher die Söhne und Töchter ihres Volkes inmitten einer ganz anders eingestellten Welt als Träger ihres gütlichen Judentums sich bewähren, dann mußte ihnen frühzeitig der iSinn erschlossen werden für das Leben, das ihrer harrte, das sie meistern mußten, wenn sie nicht als Juden auf stürmischer Lebensfahrt elend Schiffbruch erleiden sollten. Mit jüdischem Auge, mit jüdischen Gedanken sollten sie an Welt und Leben herantreten, diese Welt und dieses Leben in sich aufnehmen, um nur das als wahr und gut gelten zu lassen, was vor dem Herrscherthron der G'tteswahrheit zu bestehen vermochte. Dann aber mußte sich die G'tteswahrheit in ihnen bewußte Träger erziehen, denen der Stolz auf ihren jüdischen Lebensberuf auch die Kraft und den Mut gab, inmitten aller Wirrnisse eines von ganz anders gearteten Faktoren getragenen Lebens den einsamen, aber desto erstrebenswerteren Hohenweg zur jüdischen Lebenserfüllung sich zu sichern. Das Heiligtum der jüdischen Häuser, die werbende Kraft der wahrhaften Kehilla, die jüdische Schule und, deren Krönung, die Jeschiwa Tiaren ihnen die großen erzieherischen Faktoren, durch deren harmonische Verbindung allein die erforderliche Geistes- und Charakterbildung der jüdischen Jugend sich ermöglichen ließ. Bei der Schwere der zu lösenden Aufgabe ^konnten Mißerfolge nicht ausbleiben, und nicht zahlreich waren die Männer und Frauen, die allen Forderungen entsprachen und der großen Lebensweisung ihrer Führer restlos treue Gefolgschaft leisteten. Aber dafür stellten sich diese Männer und Frauen als köstliche Errungenschaften einer Lebensführung dar, die in der jüdischen Welt achtunggebietend sich erwiesen und dem jüdischen Namne, den sie in ihrem Leben verwirklichten, einen eigenen und wahrlich nicht sohlechten Klang verliehen. Der jüdische Akademiker, der mit dem Reichtum seines jüdischen Wissens, der Geschlossenheit seines jüdischen Charakters die Ergebhisse einer auf unjüdisßhem Boden gereiften Wissenschaft in den Dienst seines jüdischen Lebensberufs zu stellen verstand, der jüdische Kaufmann, der seinen Geist mit Thora getränkt, seinen Charakter an ihren Forderungen gestählt, das Wissen sich angeeignet und die Tüchtigkeit sich erworben hatte, um sich auf dem Markte des Lebens als aufrecht starker Jehuidi zu bewähren, die jüdischen Frauen, die mit der Helle ihres dem Leben zugewandten Geistes, der getrunken hatte aus heiligem Lebensquell, mit der Reinheit ihrer allem Jüdischen erschlossenen Seele und der innigen Frömmigkeit ihres reichen Herzens als Priesterinnen ihrer Häuser, als Mitarbeiterinnen ihrer Männer und Erzieherinnen ihrer Kinder den Namen der jüdischen Frau adelten, bedeuten einen Beitrag in der jüdischen, Volksgeschichte, der in Gattes- Waltungsbuche mit leuchtenden Lettern verewigt bleibt. Und nun sind die Juden Deutschlands im Aufbruch begriffen. Söhne und Töchter' verlassen in jugendlichem Alter ihre traute Heimstätte, um in der Ferne ihr Leben sich aufzubauen. Jüdische Gemeinden schrumpfen zusammen, sehen wertvolle Glied er,, aus ihrer Mitte scheiden, die genötigt sind, inre Häuser in einen anderen Boden zu verpflanzen. In gesteigerter Schwere senkt sich die Verantwortung auf die Schulter derer, die der Jugend die Wegzehrung für ihren waln> 1 lieh nicht leichten Lebensweg zu reichen haben. Sollen neue Wege beschritten werden? Der Ruf zur Tadroh, als dem einizigen Gutmit de§r ) sen Besitz unserer Jugend die Kraft und der Mut, die unerschütterliche Festigkeit und nimmer schwindende Lebensfreudigkeit zuteil werden kann, die sie befähigt, den Anforderungen des Lebens als aufrecht starke Juden zu entsprechen, ergeht in gesteigerter Eindringlichkeit an sie. Das ist von 'Unabweisbarer Notwendigkeit, bedeutetaber gewiß keinen neuen Weg, greift vielmehr nur die Mahnung auf, für deren Verwirklichung unsere großen Führer mit heiligem Eifer unermüdlich warben. Auch der Ruf nach größerer Verinnerlichung, Pflege des Mussar, wird gewiß nicht in seiner Berechtigung verkannt werden dürfen, war doch zu keiner Zeit der wahrhafte Führer denkbar, dem nicht ernsteste Mussarmahnung die Mahnung zur Erfüllung der Thoraforderungen bedeutet hätte, ^u neuen Wegen lädt auch dieser Ruf gewiß nicht, Auch daß unsere Jugend immer mehr in der Jeschiwa heimisch werden muß, auch diese Forderung darf nicht den Anspruch erheben, neue Richtlinien zu weisen; und kann auch nicht geleugnet werden, daß dieser Ruf bei der ganzen Einstellung, die ein wertvoller Teil unserer Jugend zu den Lebensfragendes Judentums einnimmt, einen günstigen Nährboden findet, zu neuen Wegen lädt auch dieser Ruf an sich nicht. Aber auch Erwägungen, die eine Umgestaltung des Lehrplans unserer Schulen erstreben und im ein Mahnruf zur Sammlung: Ein Geleil wort zu den Propaganda-Wochen der Agudas Jisroel» Agudas Jisroel ruft. Geleitet von dem Wort unserer großen rabbinischen Führer: „Es ist religiöse heilige Pflicht jedes Juden und jeder Jüdin, der Agudas Jisroel organisatorisch anzugehören" ruft die Agudas Jisroel heute Alle in ihre Reihen, die bisher durch einen Mangel an Werbung, aus Indifferenz, aus persönlichen Gründen, noch nicht Glieder der thoratreuen Gemeinschaft aller Juden geworden sind. Heute soll der Kampf beginnen, der Kampf um alle thoratreuen Seelen, heute im Zeichen der. Sefiro, ergeht der Ruf: Ihr zählet zum Sinaitage, Ihr zählet zum Tage der Volkswerdung unter dem Donnerruf der Thora, habet Ihr Euch selbst zu dem Thpravolk gezählt? — Tausende sind es, die Agudisten sind mit Leib und Seele, Gegner der thoralosen jüdischen Volksgemeinschaft, die aber noch nicht organisatorisch bei uns sind, weil — wir nicht zu ihnen kamen, Monate und Jahre werden dazu gehören, das Versäumte nachzuholen, bis der Ruf nach Sammlung unter dem Thoragesetz ertönt ist in allen kleinen und großen Zentren der Judenheit- In planmäßiger Organisierung wollen wir sie alle erfassen, die auf uns warten, die von uns aufgerüttelt sein wollen, weil sie den Sinn der Zeit begreifen, weil sie verstehen, daß Thora und Volk eine unzertrennliche Einheit bilden müssen. Sie der Organisation als Glieder einzubauen» daß wir stärker nach innen und größer nach außen werden, das ist in erster Reihe der Sinn der Propagandawocheh1 der Organisation. — Aber wir denken auch an die Vielen, die noch nicht Stellung genommen, die'trotz der Wucht der Ereignisse, des g'ttlichen Geschichtswaltens» das augenscheinlich die, fWett erfüllt, immer noch nicht wissen, wohin sie gehören- Sie sollen sich entscheiden*, ein ^a«es,1J'a oder Nein sprechen zu unserer Idee, zu unserer Arbeit, und wir wpll'en an sie die Frage "stellen, die Schicksale von Generationen entscheiden kann: WIR wVn Gehör st. Du zu uns? Bekenne Dich zum Thoravolk! Es gibt leider noch manche, die für die Idee der Agudas Jisroel längst gewonnen, an die der Ruf längst ergangen, denen es an Bekennermut nicht mangelte, die aber uns fernbleiben, weil sie etwas vorzubringen haben gegen Agudas Jisroel, gegen ihre Führer, gegen ihre Arbeit; sie wollen wir nicht missen, gerade sie, die vielleicht aus Liebe zur Sache fernstehen, weil ihnen etwas nicht paßt in der Agudas Jisroel. — Diesen rufen wir zus W nttätPJI Kommt, wir wollen zusammen rechten! In freier Aussprache lasset uns begegnen. Kommt in unsere Versammlungen, ihr Kritiker, und saget, was Euch auf dem Herzen liegt- Wir sind dankbar bereit, Rat anzunehmen, wir sind uns bewußt, als Menschen Irrende zu sein, aber bleibt nicht fern! Kommt und stehet nicht abseits, die Ihr zu uns gehöret, die Ihr nicht Anderes kennet, als die Anerkennung der Thora im Einzel- und Gemeinschaftsleben. Kleine Menschlichkeiten trennen uns in unseren großen gemeinsamen Aufgaben, entfernet die künstlichen unnatürlichen Scheidewände, die persönliche Unzulänglichkeit vielleicht geschaffen- — Große Aufgaben harren unserer. Die kommende, nach J e r u s a 1 e m einberufene DRITTE KENESSIO GEDAULOH soll ein Bekenntnis des jüdischen Volkes zu. G'tt und seiner Thora darstellen. Alle Kräfte gilt es einzusetzen, damit diese gewaltige Kundgebung der Gesetzestreuen ein Segensquell werde für die Judenheit im Heiligen Land und in der Gola. Zeigen wir durch unseren nie versägenden Willen, daß die Kraft der Thora auch die Kraft unserer Idee ist, zeigen wir durch ein Vorbild der Bruderliebe, des Verantwortungsbewußtseins, daß „dieser große Grundbegriff in der Thora", die Liebe zum Mitmenschen, auch Sinn und Inhält des Agudismus ist. Die Landesorganisation der Agudas Jisroel Deutschlands«