Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1936)
- Date
- 1936-04-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
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Seite 2 Nr. 17 Der Israelit 23. April 1936 oderachtjüdische Todesopfer neben zwei erschossenen Arabern, Ueber vierzig Juden wurden am Sonntag, zum Teile sehr ernstlich, verletzt. Sofort stellte die Polizei jeden Verkehr zwischen Tel Awiw und Jaffa ein. Auch die Straße von Tel Awiw nach Jerusalem wurde gesperrt und die Omnibusse, die dahin verkehren, beschlagnahmt. Der über beide Städte verhängte Belagerungszustand verbietet den Bewohnern, nach sieben Uhr aiberads ihre Häuser zu verlassen. Die jüdischen Geschäfte in Jaffa wurden angegriffen und ausgeplündert. Die verwundeten und getöteten, Juden in Jaffa gehören zum großen Teile zur Belegschaft des Ruthenberg-Kraftwerkes. Ein öffentliches Communique besagt, daß die Unruhen in Jaffa infolge falscher und ^ofort offiziell dementierter Gerüchte ausgebrochen seien. Nach Meinung der Polizei steht die Tötung der zwei Araber in Verbindung mit dem Autobusüberfall am vorhergehenden Tage. Fortsetzung der Unruhen am Montag. Am Montag in aller Frühe fand in Tel Awiw die Beerdigung der jüdischen Opfer von Sonntag unter Beteiligung von vielen Zehntausenden statt. Bürgermeister Dizengoff durfte vom Balkon des Rathauses eine Gedenkrede halten, die in stiller Ergriffenheit angehört wurde. Zur gleichen Zeit sammelten sich in Jaffa wieder arabische Haufen und versuchten, in Tel Awiw einzudringen. Juden wehrten mit Hilfe der Polizei den Ansturm ab und es kam an der Grenze der jüdischen Stadt zu neuen blutigen Kravallen, bei denen wiederum fünf Juden und ein Araber getötet und zahlreiche Juden schwer verletzt wurden. Die Zahl der jüdischen Toten erhöhte sich danach am Montag auf fünfzehn, die der Verwundeten auf über achtzig. Einige liegen in bedenklichem Zustande darnieder. Mehrere Gebäude an der Peripherie von. Tel Awiw wurden Montag abend von den Banden in Brand gesetzt. Unter den getöteten Juden konnte man bis Montag nur folgende Namen feststellen: Przig o d a , Elieser Bischitzky, Fabrikant Chitkowitz, Ghajim Kornfeld aus Jaffa, Mordechai Fried mann aus Mikwe-Israel und der Arbeiter David S h a m k a d a 1. Die Beerdigung der Opfer von Montag fand am. Dienstag morgen in gleicher Weise wie die Bestattung am Montag statt. Am Grabe sprachen der Vizebürgermeister R o - k e a c h und Jzichak G r ü n b a u m. Die Situation am Dienstag. Ueber die Situation am Dienstag wird berichtet, daß zwischen Jaffa und Tel Awiw eine neutrale Zone errichtet wurde, die nicht betreten werden darf. Am Tage kam es zu keinen Unruhen, aber in der Nacht erfolgten im Jemeniten-Viertel Tel Awiws einige Brandstiftungen. Auch im Grenzgebiet zwischen Jaffa und Tel Awiw standen am Dienstag nachmittag 'mehrere Häuser in Flammen, Bei den Ausschreitungen am Dienstag nachmittag bei Tel Awiw wurden folgende Juden getötet: Nahum H a d a d , Israel Zeit- 1 i n , ein Jemenite namens Schlomoh G a r b i. Ein sechzehnjähriger Junge namens Israel Schnitzler wurde durah einen Schuß der britischen Polizei schwer verletzt. Weitere sieben Juden wurden an diesem Tage in das Hadassah-Hospital eingeliefert, von denen einige in Lebensgefahr sind. Die Lage am Mittwoch — Unruhen auch in Jerusalem. Am Mittwoch vormittag kam es zum ersten Male auch in Jerusalem zu großen Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern. Arabische Banden überfielen in der Altstadt und auch am Jaffatore jüdische Passanten und bewarfen einen mit Juden vollbesetzten Autobus mit Steinen. Ein Jude wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Am Jaffatore war die Polizei gezwungen, mit Gummiknüppel und Schußwaffe vorzugehen. Am Mittwoch abend herrschte in Jerusalem vollkommene Ruhe. Von den Siedlungen um Jaffa und Tel Awiw, die von Arabern angegriffen wurden und in denen zumeist die Juden aus eigener Kraft die Angriffe abwehren konnten, bis Polizei kam, werden genannt: S c h e c h u n a t h A r j e auf dem Wege nach Petacih Tikwah, H a t i k w a h bei Tel Awiw, wo mehrere Araber durch die Polizei getötet wurden, und Newe Schalom, das von den Arabern in Brand gesteckt wurde. Am Mittwoch abend wurde die Gesamtzahl der Toten mit 28 angegeben, von denen 1 8 Juden sind. Die bei den letzten Demonstrationen getöteten Juden heißen: Jehuda Simant o w, Chajim K i s c h I e r, Chajim S c z e g o d a, Schlomoh Kremer, Szelikow. Die Bestattung der letzten Opfer am Mittwoch ging in Tel Awiw ohne Störung vor sich, 3500 Juden, die aus Jaffa und Umgebung nach Tel Awiw geflüchtet sind, werden hier betreut. Der größte Tei. von ihnen konnte in Privathäusern untergebracht werden. In den Kolonien herrscht absolute Ruhe. Die arabischen Arbeiter treten zur Arbeit an. In Hebron verlief zwar bis jetzt alles ruhig, doch werden die Juden von den Behörden in einem jüdischen öffentlichen Gebäude beschützt. Neue Landungen von Juden. Bei den zwei Montag früh in Palästina eintreffenden Schiffen „Polonia" und „Gerusalemme" wurde die Ausschiffung der an Bord befindlichen 800 jüdischen Einwanderern nicht in Jaffa vorgenommen, sondern erst in Haifa, von wo sie mit einem Sonderzug nach Tel Awiw gebracht wurden. Jaffa ist zur Zeit gänzlich judenrein. Die jüdischen Kaufleute halten ihre Läden geschlossen. Die jüdischen Einwohner Jaffas verließen die Stadt. Hunderte kamen nach Tel Awiw, wo sie in den Straßen und auf dem Rothschild-Boulevard biwakieren. Die WI Z 0 und amerikanisch-jüdische Wohlfahrtsorganisationen nahmen sich ihrer an. Hundertfünfzig jüdische Regierung sbeamte wurden auf Veranlassung der Regierung unter polizeilicher Bedeckung von Jaffa nach Tel Awiw gebracht. Auch das Personal der A p a c wurde nach Tel Awiw geschickt. Die jüdischen A e r z t e , die zum jüdischen Aerztekongreß nach Tel Awiw kommen wollen und gegenwärtig das Land bereisen, sind von den Unruhen nicht betroffen worden. Aus Warschau wird berichtet, daß trotz der Unruhen aus Warschau 400 jüdische Auswanderer nach Erez Israel abgefahren sind. Das Palästina-Amt stellt in einer Erklärung an die ITA. fest, daß nicht ein einziger der vorgemerkten Palästinaeinwanderer auf Grund der Unruhen seine Reise verschoben habe. Die Haltung der Regierung. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope erließ an die Bevölkerung Palästinas einen Aufruf, in dem er betont, daß er entschlossen seil auf jed-enFalldie Ordnung im L a n d e aufrecht zu erhalten. Er warnt davor, sich an Zusammenrottungen zu beteiligen. Noch am Sonntag hatte die Regierung für den Distrikt Jaffa-Tel Awiw den Belagerungszustand erklärt. Durch Truppen verstärkte Polizei patroulliert durch die Straßen. Der Eisenbahnverkehr zwischen Jerusalem und Jaffa ist aufrecht erhalten worden. Polizeiwachen begleiten jeden- Zug. Arabische und jüdische Fahrgäste werden in besonderen Abteilen befördert. Dagegen waren die Bemü-« hungen, die Verbindung zwischen Jerusalem und Tel Awiw unter polizeilichem Schutz aufrecht zu erhalten, v e r g e ib I i c h. Drei e n g 1 i s c h e K r i e g s s c h i f f e liefen in den Hafen von Jaffa ein. Ihr Eintreffen steht zwar nicht im. Zusammenhang mit den'Unruhen,, da ihre Ankunft bereits drei Wochen vorher festgelegt wurde, sie wirken aber doch sehr beruhigend. Nach einer Meldung des ,,Europapreß" wurden von der Regierung Truppen aus Kairo herbeigerufen, die schon dieser Tage zur Verstärkung der Polizei in die bedrohten Städte Palästinas einmarschieren werden. Der High Commissioner empfing eine Anzahl arabischer Führer zu einer Besprechung über die Lage, Sie protestierten gegen angebliche jüdische Angriffe auf Araber und gegen die Behandlung, die die Araber von der Polizei erfahren haben. Wie es heißt, wollte der High Com- „ missioner die Araber veranlassen, die Delegation nach London zu entsenden. Er habe jedoch zur Antwort erhalten, daß die Araber nicht Willens seien, seinem Wunsche zü entsprechen. Darüber hinaus haben, wie die ITA. erfährt, die arabischen Führer den High Commissioner aufgefordert, die jüdische Einwanderung zu verhindern. Sie erklärten, die arabische Delegation werde nicht eher nach London fahren, bis es zu einer Sperrung der jüdischen Einwanderung gekommen sei. Der High Commissioner hat sodann die arabischen Führer gebeten, daß sie ihre formelle Antwort um einige Wochen verschieben sollten. Er hat sie weiterhin aufgefordert, die arabische Bevölkerung zu beruhigen. Schließlich hat er betont, daß die Polizei nicht zögern werde, jeden Keim einer Unruhe zu beseitigen. Der. High Commissioner empfing sodann den Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Chaim W e i z m a n n. Er äußerte ihm gegenüber seine Befriedigung über die ausgezeichnete Haltung, die die Juden in Tel A w i w bewahrt haben. Er versprach, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Ordnung wiederherzustellen und alles nur Mögliche zu tun, um die öffentliche Sicherheit aufrecht zu erhalten. Der Distriktskommissar von Jerusalem, J. E. Campbell, empfing eine jüdische Abordnung, der er zusicherte, daß die englischen Streitkräfte genügten, um allen Schwierigkeiten zu begegnen. Es sei unnötig, gegenwärtig weitere Schritte zu unternehmen, da alles ruhig sei. Der Distriktskommissar versprach jedoch, die Patrouillen der Polizei im Geschäftsviertel von Jerusalem und in den Bezirken am Rande der Stadt zu verstärken. Er dementierte, daß die Juden Hebron verlassen hätten. Er gab den Juden den Rat, ihre Geschäfte nicht zu schließen. Die Polizei ist durch Freiwillige aus der britischen Kolonie verstärkt worden. Das Verbot des Waffentragens und der Aufbewahrung von Explosivstoffen ist verstärkt worden. Der Belagerungszustand im Distrikt Jaffa und Tel Awiw besteht fort. Der Generalstreik. Der Generalstreik der Araber ist für Donnerstag ausgerufen, doch sind in Haifa bereits am Mittwoch die arabischen Läden geschlossen. In Jerusalem wurden zahlreiche Streikposten verhaftet, die die Schließung der Läden gewaltsam erzwingen wollten. Während im Hafen von Haifa noch nicht gestreikt wird, ist im Hafen von J a f f a die Arbeit bereits eingestellt worden. Die Führer der arabischen Parteien haben in einem gemeinsamen Aufruf an die arabische Bevölkerung bekanntgegeben, daß die geplante Entsendung einer Kammission nach London vorläufig aufgehoben werden soll, jedoch grundsätzlich für später beschlossene Sache bleibe» Weitere Auswirkungen. Tel Awiwer Kaufleute sind an den Distriktskommissar mit der Bitte herangetreten, daß alle Waren aus dem Hafen von Jaffa nach Tel Awiw überführt werden sollen. Jüdische Träger könnten die Ladungen der Schiffe nicht löschen.