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Der Israelit · 1936-04-23 · Heft 17 (23.4.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 17 (23.4.1936)
Date
1936-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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77" % 3Vs i-J*- Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Main* Frankfurt a. M. 23. April 1936 1. Ijar 5696 Nummer 17 Unruhen in Palästina. IS Juden tot, über lOO verwundet. Ueiber die von den Tageszeitungen gemeldeten Zusammenstöße in Palästina gehen uns von der ITA. und anderen Stellen Berichte zu, aus denen sich folgendes -Bild ergibt: Die Vorgeschichte. Am Mittwochs, den. 15. April, wurde eine A u t o ib u s: g e s e 11 s c h. a f. t auf dem Wege zwischen Tulkerem-Nablus von Banditen überlallen, wobei ein Jude aus Saloniki, namens Israel C ha s a n , getötet wunde. Viele Fahrgäste wurden ausgeplündert. Später erlag noch ein Jude von den Ueberfallenen namens Zwi T a n n e n b e r g seinen. Verletzungen. Von vornherein hatte man . den Eindruck, daß es sich hier nicht um einen einlachen Riatubüberfall handelte, sondern um von langer Hand vorbereitete Exzesse auf Juden. Arabische Wagen wurden nicht angehalten. Nur e i unverdächtiger Araber konnte verhaftet werden. Tags darauf, am Donnerstag, wurden bei Kfar S a b a aus einem Auto Schüsse auf Araber abgegeben, von denen z w e i tödlich getroffen wurden. Sofort wurde unter den Arabern die Mär verbreitet, die Angreifer seien Juden gewesen, wodurch die Gärung begann. Die jüdische Demonstration in Tel Awiw. Am Freitag, den 18. April, fand in Tel A w i w die Beerdigung des bei dem U eberfalle auf die Autobusse gefallenen Israel Chasan unter gewaltiger Beteiligung statt. Reden durften am Grabe nicht gehalten werden. Auf dem Rückwege formierte sich ein großer Zug von jüdischen Chaluzim und Arbeitern zur Irijäh, von deren Balkon mehrere Stadträte die Menge zur Ruhe und Ordnung mahnte. Bald aber geriet die Gruppe in schwere Kollision mit der Polizei. Die Aufforderung jder Polizei, sich zu zerstreuen, wurde von den jungen Leuten mit einem Steinhagel beantwortet.!- Die Polizei, die zum größten Teile ..aus nichtjüdischer Mannschaft bestand, gab eine Salve aib, so daß d r e i ß i g Menschen, zum Teile schwer Verletzte, auch Sterbende auf dem Platze liegen blieben. Die Verwundeten würden gleich von dem Mögen Dovid-Dienst ins Hadassah-Hospital verbracht. Auch aus den Häusern ' heraus wurden einige angebliche Steinwerfer verhaftet,; wobei schwere Mißhandlungen vorgekommen sein sollen. Bei diesem ersten Zusammenstoß £ab es etwa sieben Töte, durchwegs J u d e n. Es sollen an diesem Freitag auch einige Araber" in Tel Awiw überfallen und mißhandelt worden sein, andere seien gezwungen worden, die Stadt zu verlassen. Die kurz vor Sabibat und am Sonntag früh . erschienenen jüdischen Zeitungen von: Tel AwiWj insbesondere „Haarez", tadeln scharf die Veransalter der Demonstrationen, deren .unheilvolle Folgen abzusehen waren. „Dawar" macht für die Demonstration in Tel Awiw die Revisionisten verantwortlich. Die arabische Demonstration in Jaffa. Nachdem der Sabbat einigermaßen ruhig verlaufen war, flamrote es am Sonntag morgen, wohl ganz ohne Zusammenhang mit den Freitagsereignissen in Tel Awiw, in Jaffa auf. Dort setzte sich ein arabischer Demonstrationszug in Bewegung, um Sühne für die — angeblich von Juden — ermordeten zwei Araber bei Kfar Saba zu verlangen. Alle jüdischen Häuser und jüdischen Menschen in der Sichtweite des Zuges wurden mit Steinen beworfen. Als die Demonstranten den Weg nach Tel Awiw einschlugen, stellte sich ihnen die Polizei in den Weg, und auf der Straße zwischen den beiden Städten, die auch mehrere Juden bewohnen und passierten, entwickelte sich eine wahre Schlacht. Bei diesem Zusammenstoß gab es wieder sieben (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Die Unruhen in Palästina . . Seite 1, 2 u. 5 Ein Misrachiprotest.........Seite 5 Wieder Pessach in Sowjetrußland . . Seite 6 Zahl und Wesen von Rabb. B. Cohn . Seite 6 Der Arierparagraph in der Deutschen Turnerschaft . Seite 7 Wirtschaftsnachrichten.......Seite 8 Durchführungsbestimmungen zum polnischen Schächtgesetz . Seite 9 Jerusalemer Brie!.........Seite 10 Von der Levantemesse.......Seite 10 Vom Jerusalemer Rundfunk .... Seite 10 Kinderecke............Seite 13 Das Gebot der Stunde. Von Rabbiner Dr. Joseph Breuer. .. Zu den schwersten, aber auch heiligsten Aufgaben, deren entschlossene Inangriffnahme und Lösung die Gegenwart mehr denn je zur gebieterischen Pflicht macht, zählt unstreitig die erzieherische Führung, die wir unserer heranwachsenden Jugend angedeihen lassen müssen. Vor dieser gewaltigsten' aller Forderungen, die an Eltern und zur Erziehung Berufene herantritt, haben alle anderen Sorgen, die Zeitennot^und Zeitenschwere in wahrlich nicht geringem Ausm iß aufbürden, zurückzustehen. Soll aber diese erzieherische Führung überhaupt möglich und von gewünschtem Erfolg begleitet sein, dann ist die allererste Voraussetzung, daß auf der Seite der zur Erziehung und Führung Berufenen die eindeutigste Klarheit hinsichtlich der einzuschlagenden Wege besteht. Ist dies nicht der Fall, dann ist eine gedeihliche Erziehung nicht denkbar, und das Opfer einer verworrenen, in sich unklaren und, was ebenso 50hlimni Wäre, den Erfordernissen der Zeit nicht entsprechenden erzieherischen Führung, wäre die Jugend. Ein Jahrhundert ist vergangen, seitdem die g'ttliche Vorsehung der westeuropäischen Judenheit g'ttbegnadete Führer beseihieden, die zur Rettung der jüdischen Heiligtümer und damit zur Rettung, der Söhne und Töchter ihres Volkes mutig und groß die Wege wiesen; die sich ihnen als die einzig denkbaren -darstellten, auf denen allein es gelingen konnte, in stürmisch bewegter Zeit dem g'ttliohen Judentum und seinen hehren Forderungen bewußte und starke Träger in Westeuropa zu sichern. Tief einwurzeln sollten sich seine Söhne und Töchter in den Boden, aus dein allein jüdisches Volk seine ewige Nährkraft sich zu holen vermag, die Sehnsucht sich wecken und mehren, Judentum aus seinen g'ttlichen Quellen zu erkennen, immer tiefer in das Geheimnis g'ttlichen Schöpferwillens einzudringen, Welt und Leben und jüdischen Lebensberuf aus den g'ttlichen Lebensurkunden zu erfassen und jene Geschlossenheit der jüdischen Lebenserfüllung sich zu erringen, der G'tteserkeimtnis in ihrem weitesten Umfang Inbegriff aller Erkenntnis bedeutet, der alle Natur- und Welterkenntnis dienend sich hingibt, daß sie zu deren Mehrung und Bereicherung und zur Erfüllung des wahren und heiligsten 'Lebensberufs beitrage, die alles Denken und Wollen, alles Streben und Erwerben in G'ttes Dienst zu stellen gewillt ist, weil nur so das Leben aus inhaltslosem Hindämmern zur lichten Höhe g'ttlicher Klarheit sich erhebt, trostloser Vergänglichkeit entflieht und g'ttlicher Ewigkeit teilhaftig wird. Groß und schwer war die Aufgabe, zu deren Lösung die unsterblichen Führer der westeuropäischen Judenheit die Söhne und Töchter ihrer Zeit aufriefen- Sie sahen sie hineingestellt in ein unjüdisches Kulturleben mit all seinen Rei- (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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