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Der Israelit · 1936-04-17 · Heft 16 (17.4.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 16 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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10 Nr. 16 :jM Der I.s,-r^aie.,1 i t ttfj(t:i!f!fi ■' r1_r 17. April 1936 Und — nocheinnial filT&T Q»MK „Lied der Ehre*'. Von Dr. Paul Galewski in Berlin. In Nr. 6 4es y>Israelit" vom 6. Februar 1936 hat Herr Rabbiner Wölf S. Jacobson in-sehr dankenswer ter We&si die Aufmerksamkeit der Leser . auf die Schönheiten des „Schir Hakowaud" von Rabbi Jehu doh Hechossid gelenkt, das in seinem vollen Werte viel zu wenig gewürdigt wird. Die Uebersetzung des Liedes, die Herr Rabb, Jacobson seinen Ausführungen beigegeben hat, ist in ihrer schlichten und locke ren, volksliedhaft anmutenden Form durchaus nicht ohne Reiz. Sie entspricht aber gerade infolge dieser Eigenart vielleicht nicht in genügendem Maße dem Urtext, der keine Volksdichtung, sondern ausgespro ebene Kunstpoesie darstellt, geschrieben in einer formstrengen Sprache, die zwar reich, aber klar gegliedert und niemals überladen ist. Der besondere Reiz des hebräischen Textes besteht darin, daß hier grundlegende und lapidare Gedanken in eine leichte und schwebende Versform gebracht worden sind. Aehnliche Wirkungen in deutscher Sprache zu erzielen, bemüht sich der nachfolgende Versuch einer Uebersetzung, 'die sich eng an den Wortlaut des Ori ginals anlehnt. Gelegentliche Erweiterungen des Tex tes sollen nur dazu dienen, der einen oder der an deren im Original etwas blasseren Verszeile ein schär feres Profil zu geben. Auf der anderen Seite bestand aber das starke Bestreben, keine wesentlichen Akzente der Urform zu verlieren und möglichst alle ihre gedanklichen Nuancierungen beizubehalten. Hierbei gilt allerdings die Einschränkung, daß der deutsche Text aus sich heraus und ohne Kommentar verständlich bleiben mußte, so daß alle Anklänge an T'nach- Stellen oder Hinweise auf sonstige dem Kenner des Hebräischen geläufigen Vorstellungen entsprechend aufzulösen waren. Wenn der vorliegende Versuch eine möglichst große Zahl von Lesern dazu anregt, den Urtext zur Hand zu nehmen, um möglichst tief in seine sprachlichen und gedanklichen Schönheiten einzudringen, so hat er seinen Zweck erfüllt. Denn von jeder derartigen Uebertragung muß in entsprechender Anwendung der Satz gelten, den einmal ein Homer-Uebersetzer seiner Arbeit vorangestellt hat: „Lerne griechisch und wirf meine Uebersetzung ins Feuer!" 1. Zarter Töne Klang will zum Lied ich weben, Meiner Sehnsucht Drang läßt die Seele beben. 2. Sehnend sie begehrt, Schutz bei Dir zu finden, Der Geheimnis lehrt aus verborgnen Gründen. 3. Reih' ich Wort an Wort, Deinen Glanz enthüllend, Trägt mich Liebe fort, beiß mein Herz erfüllend. 4. Darum soll" mein Sang; Ehrung Dir erweisen, Holder Lieder Klang Deinen Namen preisen. 5. Den ich nie geschaut, ihm soll Ruhm ich künden, Den nicht Bild noch Laut je im Kern ergründen. 6. Selbst Propheten mild, wandelnd Deine Bahnen, Nur im Gleichnisbild dürften sie Dich ahnen. 7. Deiner Kräfte Kreis., Deiner Allmacht Walten Mühten sie sich heiß, schildernd zu gestalten. .8. Doch im Gleichnis nur konnten sie Dich künden, Deines Wirkens Spur, nicht Dein Wesen finden. 9. Vielgestaltig nur, aufgelöst in Bildern, Ließ sich die Natur Deiner Einheit schildern. 10. Gestern noch ein Greis, silberlockenglänzend, Heute, jugendheiß dunkles Haar bekränzend. < .; 11. Richtend altersmild, jün'glimgskräftig ringend, Kampffroh Schwert und Schild starken Armes schwingend. 12. Hodh ums volle Haar sich den Heilshelm kettend, Kraftvoll seine Sdhar mit der Rechten rettend. 13. Feucht vom Tau der Nacht glänzt sein Haar im Dunkeln, Läßt in Löokenpracht lichte Tropfen funkeln, 14. Rühmend .denkt er mein, daß mich Liebe lohne, Seine Huld allein ist mir Schmuck ivnd Krone. 15. Wie auf Gold gemalt, Glanz sein Bild umrahme, Hell vom Stirnreif,strahlt goldgeprägt sein Name. 16. Stolz und Anmut ziert seiner Schönheit Schimmer, Ihn, dem Ruhm gebührt, krönt sein Volk für immer. 17. Jünglingslocken-Pracht läßt ums Haupt er wallen, Rabenschwarz wie Nacht sie herniederfallen. 18. Seines Rechtes Hort laß' empor er steigen, Leuchtend fort und fort Glanz und Glorie zeigen; 19. Führ des Volkes Hand, da® ihm Pracht und Freude, Königsdiamant, köstlich. Krongeschmeide! 20. Der. Belad'ne trägt) ^sie' mit Schmuck umwindet; Achjend^den umbegt^ide** er: würdig findet;: 21. Er ist meine Zier,-^p'.b«^e ich: die seihe") Nahe ist er mir, v^enn^am^G^ain. ich, weine. - .; ■ ''•'.:■ '^fü'-'i ' 22. Doch kann flammendrot b'lut'ger Zorn ibri; fassen, Wenn einst Racheloht "über Edoms: Gafeerij!" 23. Möschen nur, sein JJeld, \dfirft' den jBUck^terifeben, 'Sah ihn seiner Wj^lt Fäden"fcun^OToll weben. 24. Der uns huldreich' lohnt, Glanz der Demut spendet, 'Ruhmessang gewohnt gern zum Volk sich wendet; 25. „Wahrheit" ist das Wort, das zuerst er kündet, Seines Volke® Hort, das ihn sucht und findet! 26. Nimm in Gnaden auf meiner Lieder Fülle, Jubel hall' hinauf hoch in heil'ge Stille. 27. Stets sei mein Gebet Krone Dir und Segen, Räucherduftumweht wall' es Dir entgegen. 28. Selbst des Aermsten Sang sei Dir wert und teuer Wie einst Liederklang bei der Opferfeier. 29. Segnung ström' Dir zu, mächt'ger Weltengründer, Urkraft zeugtest Du, weisen Rechtes Künder. 30. Mögest mir Dein Ohr in Gewährung neigen, Zart wie Duft empor soll mein Flehen steigen. 31. Lieblich soll mein Sang auf zur Höhe schweben, Heißer Sehnsucht Drang läßt da® Herz mir beben- Schlußbemerkung. Meine Ausführungen im „Israelit" vom 13. Schebat 5696 haben einen überaus interessierten Leserkreis gefunden. Das äußerte sich in freundlichen Zustimmungsschreiben und in wertvollen kritischen Bemerkungen dazu, die mir teils direkt zugingen, teils im „Israelit" in späteren Nummern zum Abdruck gelangten. Zu den im „Israelit" veröffentlichten „Randbemerkungen" möchte ich mich kurz äußern. 1. Herr Dr. Arnold Merzibach äußert sich mit wissenschaftlicher Gründlichkeit über die Autorschaft der „Schiire Hajichud". Seine Ausführungen hierzu sind zweifellos richtig; siehe im übrigen Heidenheim in der Einleitung zum Machsor von Schmini Azeres. Es ist möglich, daß die in meinem Aufsatz gestreifte Haltung des „Lwusch" gegen das tägliche Sagen des „Liedes der Ehre" beeinflußt ist von der Stellung des Mahaschal zu den „Einheitsgesängen"; die Ausführungen an der von mir zitierten Stelle im „Lwusch" lassen dies allerdings nicht vermuten; er motiviert ja seine Stellungnahme ganz eindeutig: Die Lesart ynv^L anstelle von habe ich nicht im Anschluß, sondern auf Grund von Baer gebracht; mir selbst fehlt .jede Kompetenz, diese Frage zu entscheiden. Die gleiche Fassung wie bei Baer findet sich übrigens auch in dem viel älteren Altonaer Machsor vom Jahre 5564; mein Amtsvorgänger Rabbiner Dr. Winkler ein Grammatiker von höchsten Graden, hat dieses Machsor .einer genauen Durchsicht unterzogen ,an zahlreichen Stellen den Text korrigiert, aber dies belassen. Gegenüber den von Herrn Dr. M. gebrachten Tnachanlehnungen verweise ich auf Hosea 10, 1. 2. Herr Heinr. Einstädter verweist auf eine Uebersetzung Baers. Diese Uebersetzung ist mir inzwischen zu Gesicht gekommen und zwar-in der Gebetsübersetzung, die der Loewenstein'schen Chumoschübersetzunig beigedruckt ist. Ohne den freundlichen Hinweis des Herrn Einstädter wäre'ich zu dem Irrtum verleitet worden, daß . auch die Gebetsübersetzuhg von Loewensteih sei, denn in dem .ganzen Werke wird nicht mit einem Wort erwähnt, daß die- Uebersetzung der usw. von Baer stammt. Sicherlich haben' die Herren Verleger die Pflicht, auch in dieser Hinsicht auf das Wort zu achten; das der Mögen Awrohom zum vap "D bringt: utfo *iaiy iim« qvz "im nniK ia'«& bs< ein Wort, dessen Quelle in den sp-ian fiinan und im '3 rrs 3"flnö min»3 9fM ausführlich untersucht wird. Ich betone dies, weil auch in der .Lehmann'schen.'Hagada ganze Kapitel äus Ehrmann's „Durchs Jahr" gebracht werden, ohne daß nur mit einer Notiz .darauf hingewiesen wurde, daß es sich um ein ),Zitat" handle und wer der Verfasser ist; ..sicherlich ist auch -hier , die Schuld beim Verleger zu suchen. ■ 3. Der Hinweis des Herrn S. Speier, daß sich nach Meharscha Psalm 137, 5—6, auf G'tt bezieht, registriere ich dankend; ich war durch a« iVH a*oih an der zitierten Stelle-in Awatido Soro 3b,,zu der von' mir vertretenen Auffassung gekommen; ' M.e*- harscha einzusehen hatte ich versäumt.; '<" 4. Herr B. Gorfinkel glaubt/ daß die "[Quelle für Vers 29, Jesaja 66, 9 ist; der Zusammenhang läßt? zwar eher auf; die von mir zitierte' I Quelle [Mischle 11, 26 schließen, seine Annahme beseitigt aber die: •"•von mir erwähnte" 'Schwierigkeit, dMß . die$[zitierte! Mischlesteile sich aitif den •'Menschen bezäeajt. Viel-; leicht kann man zu derl Zwischenlösung kommen,' daß die drei ersten Worte des Verse® gich auf; Mischle stützen;/während das vierte auf dejin Zitat aus Jesaja fußt, (Daß der Verfasser des; Liedes auf den Menschen bezogene Stellen auf G'tt anwendet, ' geht übrigens aus'dem Schluß des Verses 11| hervor,; der doch zweifellos, mit dem auf Jehiido belogenen j Wort Deworim 33, 7 identisch istlühj!.. jj i Grundsätzlich stimme ich mit Herrn Erwin O.f -; fenb acher über ein, daß es nicht angebracht ist,, in unserer" versachlichten Zeit mit gereimten] Ueber- , Setzungen aufzuwarten; in diesem Spezialf allMag mir1 aber daran, eine einprägsame, evtl. sogar singbare „Nachdichtung" — wenn dies stolze Wort angesichts meiner bescheidenen Leistung gestattet ist, — zu versuchen. Auf diese Weise .glaubte ich am ehesten der fast lunerträglichen Lässigkeit .gegenüber diesem nach Inhalt und Quellen so bedeutsamen Gesang begegnen zu können. Darunter mußte natürlich die Korrektheit der Uebersetzung leiden; den Sinn des Originals hoffe ich genau wiedergegeben zu haben, insbesondere dort, wo ich, wie an den von Offenbacher bemängelten Stellen in Vers 6 und 8, Hinzufügungen machte! , Offenbachers Uebersetzung leidet m. E. unter dem Mangel ihres Vorzugs, eben der von ihm geforderten Genauigkeit. Die Uebersetzung wird dadurch m. E. an einzelnen Stellen fast unverständlich: so ist mir z. B. der Sinn in seiner Uebersetzung des Vers 20 dunkel geblieben, ebenso der zweite Teil von Vers 15. Schwierigkeiten bietet m. E. .auch die! Einordnung von Vers 14 in den Teil Vers 10—17,. der nach Offenbacher der Versuch einer Beschreibung;.'der Gestalt G'ttes ist. Wolf S. Jacobson. Die Juden in den italienischen Kolonien. In der italienisch-jüdischen Zeitschrift „La Rassegna Mensile di Israel" (Jan.-Febr. 1936) finden wir einen Aufsatz von Roberto Baohii über „Die Juden in den italienischen Kolonien", der bemerkenswertes statistisches Material zur jüdischen Gegenwartskunde liefert. Der Verfasser stützt sich auf die letzten Zählungen im Jahre 1931, nach denen in Italien 39 112 italienische Juden und 8713 ausländische Juden lebten. In den italienischen Kolonien wurden 29 817 Juden gezählt. Der größte Teil von ihnen lebt in Tripolis (21 508], in Cyrenaica und Egeo leben zusammen rund 8000 Juden. Auch bei ihnen ist die so häufige Erscheinung der Konzentrierung in der Stadt festzustellen; während von der. Bevölkerung Lybiens nur 11,6 Proz. in der Stadt Tripolis wohnten/ lebten dort von der jüdischen Bevölkerung 62,3 Proz.; 11 Proz. konzentrierten sich in Bengasi. Allerdings unterscheidet sich die jüdische Bevölkerung sehr wesentlich von ihrer Umwelt. Ein Viertel der eingeborenen Bevölkerung gilt nämlich als Nomaden- oder , Halbnomaden, während kein einziger Jude als Nomade rubriziert ist. Lediglich eine Gruppe von 19 jüdischen Familien (73 Perspnenj)1 wurde als Halbnomaden registriert (im Gebiet von El Uberat Daar). Im Gegensatz zur allgemeinen Bevölkerung besteht bei den Juden ein Frauenüberschuß (12 485 Männer und 12 617 Frauen), Die Berufe der jüdischen Bevölkerung zeigen das übliche anormale Bild. In Tripolis leben''2 vom Tausend bei den Juden von der Landwirtschaft (bei der übrigen Bevölkerung 98), von der Industrie 463 (503]; vom Handel 374 (202)1; noch ungünstigerist das Verhältnis in 'Bengasi; Ein „Fest der Befreiung".,!, Marschall B a d o.g 1 i o hat : für die!'von ihm eroberten Gebiete Ab'eis sin i e>m,s folgenden Befehl erlassen:; ::; . " •' ,. : „Völker von Tigre, von Amhara, von Godjam höret: Die Sklaverei ist der Rest einer alten Barbarei und dort, wo die italienische Fahne weht, . kann es keine Sklaverei .geben. Deshalb ist in Tigre, in Amhara und in Godjam, überall, wp die italienische Fahne 'weht, die Sklaverei abgeschafft. Ich 'habe den Kauf und. Verkauf von Sklaven^ verboten. Die Sklaven>';die in Euern' Ländem'^sind, sind/befreit; Die jenigen, die- Hilfe: brauchen, sollen sich: bei•' den alJaKieniscinen Behörden, melden, , Sie werden 'Hilfe und jSchütz erhalten. Wer- .die" Bestimmungen dieses Erlasse® übertritt, wird entspreichend dem Gesetz bestraft,*' i .„l v.Ui' ■'. '. : . ■ . ■ •.f j;« . J i , ■ Der Erlaß, weist als Datum den : 12. April auflflAlso am sechsten P e s s a c h t äg erdie$äasj Jatir^ gab es in einre dunklen Erdenecke Menscll.e^gruppj^ti, die limm pT an sich erlebten. - . . . .

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