Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 16 Der Israelit 17. April 1936 Eine Ergebenheitsadresse der britischen Juden wurde auch an die Königin-Witwe gerichtet, in der ebenfalls die Anteilnahme der britischen Juden zum Tode König Georgs versichert wird. Die Königin- Witwe hat durch ihren Privatsekretär in einem Dank- und Anerkennungsschreiben geantwortet. Palästina. Baron James de Rothschild in Palästina. Jerusalem, 31. März. Die gesamte hebräische Presse Palästinas hat dem jetzt im Lande weilenden Vorsitzenden der Palestine Jewish Colonisation Association (Pica), James de Rothschild, herzliche Begrüßungsartikel gewidmet. Die Zeitungen betonen, daß James de Rothschild, der jetzt zum dritten Mal in Palästina weilt, nicht bloß als Tourist gekommen sei, sondern daß sein Besuch auch mit wichtigen gesellschaftlichen und kolonisatorischen Aufgaben im Zusammenhang steht. An diesen Aufgaben seien der Jischuw, die Pica und andere öffentliche jüdische Körperschaften lebhaft interessiert. Wie bereits gemeldet, ist es zu einer Verständigung zwischen Pica und Keren Kajemeth über gewisse Bodenkäufe in Palästina gekommen. Es wird nun erklärt, daß anläßlich des Aufenthalts James de Rothschild in Palästina ein weiterer Ausbau dieser Zusammenarbeit sowie eine verstärkte kolonisatorische Tätigkeit der Pica in Palästina erfolgen soll. Man gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Baron de Rothschild die Pica aus ihrer bisherigen Passivität herausreiße und die Erfüllung der ihr gestellten großen Aufgaben auf kolonisatorischem und gesellschaftlichem Gebiet herbeiführen werde. Eine Einheitsfront aller religiösen Juden in Palästina. Jerusalem, 9. April. In Tel Awiw fand eine Sitzung gesetzestreuer Juden unter Beteiligung der beiden Tel Awiwer Oberrabbiner, Rabbi Amiel und Rabbi Usiel, statt, auf der die Schaffung einer Einheitsfront aller religiösen Juden in Palästina gegen die „religiöse Zügellosigkeit in Erez Israel" erörtert wurde. Auf Vorschlag von Rabbi Amiel sollen Erfahrungen mit einer solchen Einheitsfront erst in Tel Awiw gesammelt werden, (ITA.) Alte jüdische Stadtviertel in Jerusalem werden beseitigt. Jerusalem, 5. April. Die Stadtverwaltung von Jerusalem hat beschlossen, die alten jüdischen Stadtviertel im Zentrum von Jerusalem und außerhalb der Stadtmauer zu beseitigen und an ihre Stelle neue mit modernen technischen Errungenschaften ausgestattete Viertel zu errichten. Im Zusammenhang mit diesen Plänen hat der High Commissioner die von der armen jüdischen Bevölkerung bewohnten Viertel besucht. Der Bürgermeister von Jerusalem machte den High Commissioner^auf die unhygienischen Zustände in diesen Stadtteilen und auf die Notwendigkeit ihrer Beseitigung aufmerksam. Man erwartet von der Verwirklichung des Planes der Stadtverwaltung eine starke Belebung des Baumarktes und eine wesentliche Verschönerung des Stadtbildes. . Für die Durchführung der Pläne ist noch die Zustimmung des High Commissioner erforderlich. Die Kolonie Petach Tikwa beabsichtigt, anläßlich des Abschlusses der Orangenemte nach dem Muster anderer Länder ein Erntefest abzuhalten, das zu einer ständigen Einrichtung werden soll. Mit dem Erntefest soll eine Ausstellung von Zitrusfrüchten verbunden sein. (Ein Erntefest haben wir seit altersher mit dem Sukkausfest, das auch «yDKn an genannt wird. Red.) Amerika« Amerikanische Rabbiner gestorben. New York, 9. April. Im Alter von 67 Jahren starb in New York Rabbi Samuel Rabinowitz, ein Urenkel des Wilnaer Gaon. Der Verstorbene hat sich auch publizistisch betätigt. Rabbi Alter. P f e f f e r, der Vizepräsident der Vereinigung der orthodoxen Rabbiner Amerikas, eine bekannte Autorität im jüdischen Ehescheidungsrecht, starb in New York. (ITA.) Das medizinische Zentrum in Jerusalem. — Baubeginn im Sommer. New York, 12. April. Der Direktor des New York Hospital for Joint Deseases, Dr. Jacob J. Golub, der vor kurzem aus Palästina zurückgekehrt ist, wo er als Berater bei der Fertigstellung der Pläne für das neue medizinische Zentrum in Jerusalem mitgearbeitet hat, gab bekannt, daß mit dem Bau des medizinischen Zen-> trums im Sommer begonnen werden wird. Die neue Rothschild-Hadassah-Universitätsklkiik, erklärte Dr. Golub, werde beispielgebend für den ganzen Nahen Osten sein. Sie wird drei dreistöckige Gebäude auf dem Skopus-Berg umfassen, in denen das Krankenhaus, eine medizinische Fakultät und eine Schwesternschule mit Heim untergebracht werden solle. Die Pläne wurden von dem berühmten Architekten Erich Mendelssohn aus Berlin entworfen. Während die meisten Krankenhäuser ausschließlich Heilzwecken 'dienen, soll die Anstalt in Jerusalem dem Gesamtgebiet medizinischen Fortschrittes gewidmet sein. Die künftigen Aerzte sollen an ihr ausgebildet werden, sie soll der Erforschung der Ursachen und Behandlung der Krankheiten dienen und damit eine neue wissenschaftliche Entwicklung in Palästina einleiten. An der Klinik werden u. a. der früher in Berlin wohnhaft gewesende Krebsforscher Dr. Ludwig Halberstädter und der Gynäkologe Dr. Bernhard Zondek tätig sein. Der Joint gab 27 Millionen Dollar iür die polnischen Juden aus. New York, 12. April. Der bekannte jüdische Philanthrop und Ehrenpräsident des American Joint Distribution Committee, Felix M. Warburg, hielt eine Radioansprache, in der er einen Ueberblick über das Aufbau- und Hilfswerk des Joint im Verlaufe der 22 Jahre seines Bestehens gab. Er erörterte die Tätigkeit des Joint bei der Hilfe von Juden in fünfzig Ländern und ging auch auf die Sammelaktion zugunsten der Ansiedlung von Juden aus Deutschland ein. Der Sekretär des Joint Distribution Committee, Joseph C, Hyman, erklärte in einer Pressebesprechung, daß in den letzten zwölf Jahren 27 Millionen Dollar vom Joint für das Aufbau- und Hilfswerk der Juden in Polen verausgabt worden sind. Er erklärte weiterhin, für den Fall, daß der Joint mit seinem gegenwärtigen DriVe Erfolg haben würde, könnten mehr als eine Million Dollar für das kommende Jahr dem Hilfswerke für die Juden in Osteuropa zugeführt werden. Von diesem Betrag würden etwa 60 Proz. für die polnischen Juden verwendet werden. Aus den Orts- und Jugendgruppen der Agudas JisroeL Die Knessio mechino. B r a t i s 1 a v a , 30. März. In einer Kundgebung der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel lesen wir: Zuverlässiger Berichte zufolge hat die Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation beschlossen, vor Abhaltung der Dritten Kenessio Gedaulo, die aller Wahrscheinlichkeit nach im Marcheschwan des Jahres 5697 in Jeruscholajim stattfinden soll, noch eine Knessio Mechino, eine Vorbereitungsversammlung in Form einer erweiterten Zentralratssitzung einzuberufen. Diese Knessio Mechino soll der eigentliche Auftakt zur Kenessio Gedaulo sein und soll dieser fertige Resolutionen seitens der orthodoxen Judenheit in der Diaspora unterbreiten. Diese Knessio Mechino wird — das steht einmal fest — in der zweiten Hälfte des Monates Menachem Ow dieses Jahres in der Tschechosiovakei stattfinden. Als Tagungsort wurde Bratislava oder Marienbad ins Auge gefaßt. Selbstverständlich sprechen sehr viele Beweggründe für die Abhaltung 'dieser grandiosen Manifestation der orthodoxen Judenheit in Bratislava. Abgesehen davon, daß Bratislava weit über den Grenzen Europas als Mutterstadt in Israel bekannt ist und daß eine solche „Knessio lschem schomaim" getreu der heiligen Tradition dieser Chatham-Sofer-Stadt wäre, sei noch zu erwähnen, daß schon im Jahre 1921 in dieser Stadt eine ganz bedeutende agudistische Konferenz mit dem besten Erfolg abgehalten wurde. Heute, da der agudistische Gedanke immer mehr und mehr, besonders in der Tschechosiovakei, Wurzel faßt und schon G. s. D. edle Früchte trägt und eben Bratislava es ist, von wo diese segensreiche Tätigkeit ihren Ausgangspunkt findet, wäre e® doch gewiß angezeigt, die hochwichtige und an Bedeutung so große Konferenz nach Bratislava einzuberufen. Und abgesehen von dem großen moralischen Wert, den die ganze Slovakei durch die Abhaltung dieser Konferenz in ihrer Mitte ernten könnte, bietet sich auch ein wirtschaftlich nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man bedenkt,. daß viele Ausländer und •eine große Schar von Inländern die Stadt Bratislava für eine Woche besuchen würden. Es ist nicht unpäßlich, die zuständigen Behörden auf diese Möglichkeit aufmerksam zu machen und diese schon heute um das weitestgehende Entgegenkommen zu ersuchen. Damit allein ist aber nichts getan. Das Gelingen der Knessio Mechino hängt eben von der „Mechino" von der gesunden Vorbereitung einer solchen Versammlung ab. Zur Kenessio Gedaulo hat die Agudas Jisroel-Weltorganisation die „Sela-Aktion" eingeleitet. Der Erwerb des „Sela" ist gleichzeitig das Be- ' kenntnis zum agudistischen Programm — zum Programm des Sinaiwortes. Jeder religiöse Jude, dem es um die Fortentwicklung und Weitererhaltung der Thora hakdoscha geht, der erwirbt sich den „Sela", er erwirbt sich sogleich das Stimmrecht zur Kenessio Gedaulo. Um aber ein genaues Bild über die stattzufindende Kenessio Gedaulo zu bekommen, ist es aus organisatorischen Gründen erforderlich, schon zur Knessio Mechino den „Sela" zu besitzen. Es< ist eine Art Uebersicht über das Heer des Thoravolkes,, eine Rüstung zum Abwehrkampf gegen die jüdische Areligiösität. Wer steht hier abseits? Sfiro-Aktion für den Keren Hajischsw. Bratislava, 1. April. Die Erez Jisroel-Tätigkeit der agudistischen Kreise erfaßt von Tag zü Tag immer mehr und mehr Gebiete, so daß man von einer intensiven Erez Jisroel- Arbeit reden kann. Die Leitung dieser Arbeiten, das neuerlich eingesetzte Keren Hajischuw-Direktorium in Bratislava, arbeitet fieberhaft um die Einführung des Keren Hajischuw in allen jüdischen Kreisen, um so den religiösen Aufbau in Erez Jisroel zu stärken und zu fördern. Dieses Direktorium läßt keine Gelegenheit vorübergehen, die nicht zu Gunsten des Keren Hajischuw ausgenützt wird. Aktion nach Aktion wird eingeleitet und mit immer wachsendem Erfolg abgeschlossen. Sie läßt sich auch nicht durch einen eventuellen Mißerfolg der einen oder der anderen Aktion abschrecken, im Gegenteil, mit verstärkten Kräften und mit verdoppelter Energie geht sie zu der nächsten Arbeit über. Und dieses Direktorium hat nicht nur die Arbeitsfähigkeit allein, sondern es besitzt auch idie eigentümliche Eigenschaft, alle seine Aktionen aufs genaueste auszuarbeiten und der Oeffentlichkeit immer wieder interessante Spendegelegenheiten zu bieten. War die eben mit verhältnismäßig gutem Erfolg abgeschlossene Mischlauch Moneus-Aktion höchst interessant, so ist die eben eingeleitete Efiro-Aktion noch interessanter. Das Keren Hajischuw-Direktorium hat zum Anlasse der Sfirowochen einen Sfirokalender herausgegeben. Dieser Kalender enthält außer der genauen Sfirotabelle, Auszüge der wichtigsten Dinim zum Omerzählen und einige kurze Briefe von unseren Weltgrößen über die Bedeutung des Keren Hajischuw, Aber ihm ist auch ein kleines Sammeltäschchen angeheftet. Dieses Sammeltäschchen dient dazu, um nach jedem Omerzählen eine kleine Abgabe zu Gunsten des Keren Hajischuw zu leisten. Heller und Heller werden zu einer bedeutenden Summe. Am Ende der Sfirowochen wird bei dem Inhaber eines solchen Kalenders der eingeworfene Betrag gegen Bestätigung eingesammelt. Das wäre .das Praktische für den Keren Hajischuw an dieser Aktion. Aber auch für den Inhaber des Kalenders bietet sich ein sehr praktischer und moralisch hochstehender Vorteil. Die Sfirotabelle ist nämlich perforiert und ist somit nach dem Zählen der Coupon des betreffenden Tages abzureißen. Dadurch ist ein Irrtum beim Zählen ausigeschlossien, weil man eben nach jedem Zählen mit Ausnahme von Schabbos und Jomtow den betreffenden Coupon abreißt. Für Schabbos und Jomtow sind im Sinne des ,/Bjom haschischi sehne hoomer loechad" am vorhergehenden Tage zwei Coupons abzureißen, also auch zwei Spenden einzuwerfen. Solche Kalender — in Taschenformat — sind außer bei allen Agudas Jisroel-Gruppen auch bei dem Direktorium des Keren Hajischuw, Bratislava, Postfach 140 und der Agudas Jisroel-Jugend-: Organisation, Bratislava, Republikplatz 37, erhältlich.1 Die breite jüdische Oeffentlichkeit wird es gewiß nicht verabsäumen, diese schöne praktische und dem Keren Hajischuw zugute kommende Aktion mit ihrem besten Wohlwollen zu untertsützen und zu fördern Sie tragen hiermit Bausteine zum Bollwerk des religiösen Aufbaues in Erez Jisroel bei. Sie bauen mit.