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Der Israelit · 1936-04-17 · Heft 16 (17.4.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 16 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 16 Verfügung „Erez Israel" durch -die Initialen „E. I." ersetzt wurde. Damit geben sich aber die arabischen Nationalisten noch nicht zufrie den. Schon in den ersten Tagen wurden die Anlagen des Palästinasenders, zum Proteste ge gen das angedeutete Erez Israel, so beschädigt, daß die Sendungen für ganze Tage unterbrochen werden mußten. Vom W a a d 1 e u m i und anderen Instanzen werden dem High Commissicner Proteste überreicht, die hebräischen Zeitungen schlagen Lärm und wünschen die Ab dankung der jüdischen Beamten der Radiogesell schaft und die Rückgabe der Empfangserlaubnisse an die Regierung. Die Dinge werden sich irgendwie einrenken, aber diese ,,Störungen" zeigen 'deutlicher als alle Uebertragungen, mit welchen Intentionen die arabischen Führer, die sich rüsten, einer Einladung nach London zu folgen, ihre Mission antreten. Wie bereits mitgeteilt, wurde eine arabische Delegation, aus sechs Mitgliedern bestehend, nach London eingeladen, um dort direkte Verhandlungen über die Zusammensetzung des Legislative Council mit der Regierung zu führen. Auch die Fragen der Land verkauf e und jüdische Einwanderung sollen Gegenstand der Unterhaltungen sein. Die arabischen Führer nahmen die Einladung an und werden sich am 4. Mai nach London begeben. Die Namen der Delegierten, an deren Spitze der frühere Bürgermeister von Jerusalem, Nashashibi, bürgen keineswegs dafür, daß sich die Araber bei ihren Forderungen bezüglich der Juden Schranken auferlegen werden, um so mehr, als sie sich, bei der geschlossenen oppositionellen Stellung der Juden gegen das geplante Parlament, als die alleinigen Herren der Situation empfinden. Man darf aber vielleicht hoffen, daß der High Commissioner bei der Vorkonferenz der arabischen Delegation im Jerusalemer Regierungsgebäude die Herren über die Grenzen ihrer Macht ein wenig aufgeklärt hat, und diese Hoffnung findet eine kleine Unterlage in dem eben veröffentlichten offiziellen Communique über die Einladung der Araber nach London und den Empfang der arabischen Delegation beim High Commissioner. Wohl wird in diesem Communique der Gegensatz zwischen der Haltung der Juden, die den Council in Bausch und Bogen ablehnen, und der Araber, die nur Aenderungen wünschen, scharf hervorgehoben, aber es wird doch betont, daß nach allen Unterhaltungen die endgültige Entscheidung beim König und bei der Regierung bleibt.- Daß neben der Hauptfrage des Legislative Council auch die D e Israelit Fragen des Bodenverkaufes und der Einwanderung berührt werden, wird im Communique zugegeben, aber zugleich gesagt, daß Wünsche oder Beschlüsse der Araber für die Regierung keineswegs bindend seien. _17.. April 1936 Wie dem auch sei, als *H2>3» blp. wenden wir den Palästinarundfunk nicht begrüßen können, solange solche Störungen die Harm onie beeinträchtigen. Die jüdische Auswanderung aus Deutschland. (Nach einem Berichte des Hilfsvereins.} Der Hilfsverein übermittelt folgende Darstellungen seiner Arbeit im Jahre 1935: Die auswanderungspolitische Arbeit des Hilfsvereins zerfiel im vergangenen Jahre in zwei sehr verschiedene Abschnitte. Während sich die Auswanderungsbewegnug nach nichtpalästinensischen Ländern in den ersten 7—8 Monaten in verhältnismäßig bescheidenen Grenzen hielt, da die Lage der Juden in Deutschland bis zu einem (gewissen Grade stabilisiert erschien, führte die Entwicklung der Dinge im Hochsommer und vor allem der Erlaß der Nürnberger Gesetze im September zu einem gewaltigen Anwachse^ des Auswanderungsdranges, das den Hilfsverein vor außerordentlich umfangreiche Aufgaben Stellte. Dabei brachte der starke Einfluß politischer und psychologischer Faktoren, der häufig zu einem sprunghaften Ansteigen der Zahl der Auswanderungswilligen von einem Tag zum anderen führte, eine große Erschwerung der Arbeit mit sich, da es natürlich unmöglich war, den Apparat des Hilfsvereins — dessen sonstige Aufgaben zurzeit ganz hinter der Auswanderungspolitik zurücktreten müssen — den wechselnden Anforderungen so schnell anzupassen. Während in den Monaten Januar bis Juli sich der Nettobetrag der vom Hilfsverein gewährten Auswanderungsunterstützungen monatlich zwischen Mk. 19.000 und 20.000 bewegte, stieg er dann in den folgenden Monaten außerordentlich rasch an, um im Dezember eine Summe von über Mk. 70.000 zu erreichen. Wurde aber die Notwendigkeit der Auswanderung von den deutschen Juden immer stärker empfunden, so legten die Verschärfung der deutschen Devisenlage und die daraus folgenden Gesetze der Auswanderung aller einigermaßen vermögenden Schichten immer größere Schwierigkeiten in den Weg, während die Einwanderungsbeschränkungen, die trotz fortschreitender Besserung der Wirtschaftslage in den meisten überseeischen Ländern noch von der Krise her bestanden, die Zuwanderung unbemittelter Arbeitskräfte nach wie vor ungemein erschwerten. So kam es, daß zwar die jüdischen Auswanderer, die in den überseeischen Ländern Eingang fanden, zu einem sehr großen Teil wirtschaftlich festen Fuß fassen konnten, daß aber die Zahl derer, die man' überhaupt zur Auswanderung bringen konnte, im Verhältnis zu dem bestehenden Auswanderungsdrang leider recht gering^war. Als Haupteinwanderungsgebiete stellten sich im Jahre 1935 noch meihr als früher die großen überseeischen Länder heraus, insbesondere die Vereinigten Staaten, die ABC-Staaten Südamerikas (Argentinien, Brasilien und in geringerem Grade auch Chile) und in sehr bedeutendem Maße auch Südafrika. Dagegen wurde die Zuwanderung nach europäischen Ländern im Laufe des Jahres immer schwieriger und fand auch aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht die gleiche Förderung wie die nach Uebersee. Eine zuverlässige Statistik über die jüdische Auswanderung aus Deutschland 1935 ist leider zurzeit nicht möglich, doch geben die folgenden Zahlen, die freilich nur die vom Hilfsverein finanziell unterstützten Personen umfassen, gewisse Anhaltspunkte für die geographische Verteilung der Auswanderung. Die sehr zahlreichen Fälle, in denen Auswanderungswillige sich vom Hilfsverein nur beraten lassen und dann die Auswanderung selbst vollziehen, sind in den folgenden Angaben nicht enthalten: Nach europäischen Ländern: Zahl der Fälle: 766 Zahl der Personen: 927 Betrag der Unterstützungen: RM. 43.509.50 Nach überseeischen Ländern: Zahl der Fälle: 1088 Zahl der Personen: 1617 Betrag der Unterstützungen: RM. 293.677.56 Diese Zahlen geben ein eindrucksvolles Bild der Zerstreuung in höchster Potenz, der die auswandernden deutschen Juden unter den gegenwärtigen Umständen leider unterworfen sind und zeigen gleichzeitig auch die außerordentlichen Schwierigkeiten jeder auswanderungspolitischen Arbeit: Die Verhältnisse in einer Fülle von Ländern müssen verfolgt und alle sich dort etwa bietenden Möglichkeiten müssen ausgenutzt werden, weil zurzeit noch jede Aus- WSß^mi Kurze Worte zum Buche der Opfer. Die menschliche Betätigung setzt sich aus Gedanken, Wort und Tat zusammen. War die Handlung schlecht, so sühnt sie der Opfernde durch Verbrennung der Nieren (rnxsv nv^D)» durch Wortbekenntnis und durch Aufstützen der Hände aufs Opfertier (Tat). Dann rrtnyn ns EPS^ni zerlege man aber alles Sinnliche und Sündhafte nnis nnai und analysiere das Werk des n"S\ es bleibt nichts übrig (Alschich). Beim Vn?n nxon' dem Gemeindeopfer, heißt es "tvn Kon? der Führer, der nicht richtig geführt hat, ist verantwortlich für die Sünde der Gemeinschaft. (Baal Haturim). Die Hauptbestandteile des Opfers sind das Blut; und das Fett des Tieres, Das Blut treibt den Menschen zur Tat an, das Fett bewirkt Trägheit, die die Tat behindert. Aus Tun und Nicht tun «Vi n»y) (npjw besteht die Pflichtenlehre. Hat man aber im. Leben oft das Fett wirken lassen, wo eher das Blut am Platze gewesen wäre, d. h. eine Pflichttat versäumt und umgekehrt, das Blut in sich aufwallen lassen, wo das a^ndas Gesetz der Trägheit, ratsamer gewesen wäre, so opfert man zur Sühne Dil a^n- •ia ipw raten ttsi ipun iy nV^n In der ganzen Nacht des Golus, bis zum Morgen der Erlösung, solange Tempel und Altar uns fehlen, lodere das Feuer des Altars in ihm — im Herzen des jüdischen Menschen. (Scheloh.) Kleines Feuilleton. Ritual und Liturgie in der Schocken-Bücherei. , Man kann darüber verschiedener Meinung sein, ob es angebracht sei, Ritual und Liturgie in die modernen Buchausgaben einzubeziehen. Der Schökken-Verlag tut es und der Erfolg muß abgewartet werden. Eine H a g g a d a s c h e 1 Pessäch ging uns erst nach Fertigstellung der Pessach-Nummer zu. Sie zeigt moderne, um nicht zu sagen übermoderne Aufmachung und ist mit Kommentar, Einführung, Anhang und weitgehenden Bemerkungen von E. D. Golds c h m i d t versehen. ' Das Kind, das gewohnt ist, eine heitere, lustige Haggada in lichter hebräischer Schrift mit sinnfälligen farbenfrohen Bildern in der Hand zu haben, wird keine Freude an dieser in ihrer buchtechnischen Vollkommenheit doch grau, ernst und düsteren Haggada haben. Der Vater, der wiederum nicht gewohnt ist, wissenschaftlichen Ballast, wie er hier aufgespeichert ist, am Sedertisch abzuladen, sondern den Kindern in alter, einfacher Weise zu erzählen, wird auch nicht versucht sein, mit solcher Gelehrsamkeit Freude in die Herzen der Kleinen und Großen zu leiten. Der Wissenschaftler aber und der ernst Ringende wird in dieser Haggada wiederum einen guten Wegweiser haben. Aehnliches ist vom Kompendium der Dinim und Bräuche zu sagen, das im gleichen Verlage unter dem Titel „Das Jahr de© Juden" erschienen ist. Wir halben heute die ausgezeichnet verdeutschten „Kizzur Schulchan Aruch-Ausgaben" und andere Bücher, die auch den des Hebräischen unkundigen Juden mit sicherer Hand durch das religiöse Leben des Tages führen. Wozu die fremd und kalt anmutenden Kunstwerke über das Heiligste im Alltage? Auch dieses Buch .scheint uns mehr für den geschaffen zu sein, der sich über das Gesetz „orientieren" will, als für den, der es zu beachten gedenkt. Schickt man dieses voraus, muß man eingestehen, daß der Verlag in Moritz Zobel einen Kundigen und Berufenen für diese Aufgabe gefunden hat. Einzelnes wäre vielleicht zu (bfenstanden, im Ganzen beherrscht Zobel die Materie ausgezeichnet; und die hier gemachten Vorbehalte richten sich nicht gegen ihn, auqh weniger gegen den Verlag, als überhaupt gegen die Methode, intern Religiöses in moderne Kunstrahmen einzufangen.

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