Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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17. April-1936 Der Israelit Nr. 16 Seite 3 1.-!' I (Fortsetzung VonVSeite 1.); ' .;< ■.;; ~'; .'. > ."'v •. | Es muß aber auch gesagt ^erdeii, daß5 es •einige Ranken — 'keine nationalen gibt, die ijsioh in-L dieser ' schweren Zeit durchaus ij.hrer .'Pflichten bewiißtisind und ihre Kundschaft' so weit als möglich' stützen. Man ward sich diese "Banken' für bessere Zeiten merken. - Es jcann mit Recht behauptet werden: wenn die Banken aus ihrer Engherzigkeit heraustreten würden, könnte diese sogenannte Krisis bald überwunden sein. Ich möchte noch etwas Erfreuliches über die Krankenhausverhältnisse Tel Awiws -berichten. Bekanntlich besitzt Tel Awiw — eine Stadt von •etwa 150 000 Einwohnern — nur ein verhältnismäßig kleines! Krankenhaus, so daß nur Schwer-: krankej dort aufgenommen werden können. Ich will mich nicht übjer die Einrichtungen, Leistungen und Verwaltung der Hadassah äußern, auch nicht über das Kaschruth, jedenfalls herrschte bisher jauf diesem Gebiet eine furchtbare' Kalamität, Iii nichtgenügend anzuerkennender Weise haben sich vor etwa einem Jahre einige dreißig, meist deutsche Aerztei zusamtnengetan und gemeinsam ein Krankenhaus unter dem Namen „Assutah" errichtet, selbstverständlich mit streng koscherer Küche. Dieses Krankenhaus .steht auf einer solch medizinischen, modernen und hygienischen Höhe, daß es jeder europäischen Großstadt zur Zierde gereichen kann. An dieser Anstalt arbeiten nebst einigen bewährten aus dem Osten stammenden Aerzten, die besten deutschen Kräfte, Kapazitäten ersten Ranges, «die uns ">"Wfl in seiner Gnade in den letzten drei Jahren ins Land igeschickt hat. Wir haben es iheute nicht mehr nötig, nach Europa zu reisen, um große Professoren aufzusuchen, es fällt •einem heute schon schwer, die Entscheidung zu treffen, welchem von den vielen Autoritäten man sich anvertrauen soll. Nicht genügend Lob kann man den : Schwestern der „Assutäih" spenden. Nicht zu sagen, mit" welcher Liebe sie 'die Kranken betreten, sie;Jsind zufrieden und stolz, wenn der Kranke zufrieden ist. Es gibt auch oft ein Wiederseihen mit Schwestern aus den jüdischen Krankenhäusern' in Berlin, Frankfurt usw. Dank den Männern, die uns zu dieser Heilstätte verholfen haben. . . So sehr Erfreuliches sich über die deutschen Aerzte sagen läßt, so wenig Günstiges kann man über das gesellschaftliche Zusammenleben der hier wohnenden deutschen Juden berichten. Vor etwa VA Jahren wurde der „Ichud" ins Leben gerufen, der als ein konservativ kultureller Zusammenschluß der deutschen Juden gedacht war. Leider hat'; er das sich gösetzte Ziel nicht innegehalten und bildet sich auf Betreiben einiger Vorstandsmitglieder immer mehr als gemeindepolitischef Verein — nach Berliner Vorbild — aus, woran jedoch die meisten der Mitglieder kein Interesse , häiben; Den n^ST5' und konservativen Elementen1 fehlt es i hier, an jeglichem! Zusammenschluß, obwohl die Zahl dieser Eingewanderten beute nicht .mehr gering ist, Es sind aber letzthin auch geeignete Männer und Führer ins Land gekommen, und wir hoffen, daß jetzt viel Ersprießliches-für das thoratreue Judentum, für deri Aufbau Erez Jisrc-els in unserem Sinne, im Sinne der n&npft; jfllri geleistet werden wird. jiEiniges über die^Steuer:^ des; j dürfte* die Leser des „Israelit" interessieren. Es Ii wird hier keine Einkommensteuer, Vermögenssteuer,; i i Umsatzsteuer, oder Wie sonst die Stjejdern alle^ heißen mögen, . erhoben. Der Staat erjijebt überhauptkeine" direkten Steuern, dä die Zölle/'i Katj^terä^ts^ den Etat, des Lan^es;0^! weiteim decken^iso daß große Uebers^hü!$seerheben als ■5*$P&er! .die Ziimn^erstetier, j diej \ allerdings sebr ungerecht verteil! ist. Für jedei; Zimmer muß eine Steuer, etwa 7 Pröz; der Miete entrichtet werden. Es ist dieses natürlich eine sehr ungerechte Verteilung. Ein armer FamiHenyater, der für seine zahlreiche Familie eine Dreizimmerwohnung haben muß, muß .dieselben Steuern zahlen, wie z. B. ein vermögender Junggeselle, der sich eine Luxus-Dreizimmerwohnung hält. I Ein noch weit größeres Unrecht ist es jedoch, da,ß die nVlTj?, die jüdische Gemeinde nach demselben System, der Anzahl der Zimmer, diepGerdeindeabgaben erhebt. Der arme Mann, der eine Dreizimmerwohnung für seine Familie haben muß, zahlt dieselbe Steuer wie der Millionär,, der drei Zimmer bewohnt. Ich weiß nicht, ob es sonst in einer Kehilla der ganzen1 Welt eine so ungerechte Besteuerung gibt. Es kümmert sich weder im Staat, noch in der Stadtgemeinde, oder in 4er Kehilla irgend jemand darum, wie hoch das Einkommen eines Menschen ist. Man wird nur :gefragt, wieviel Zimmer hat Deine Wohnung? Wer keine eigene Wohnung hat, sondern in einer Pension oder * als Untermieter wohnt, zahlt überhaupt keine Steuern. Für reiche alleinstehende Leute ein Eldorado. .Tnrwnm.uc- Wochenrundschau, Pessachnachklänge, Wie die ITA. feststellen; kann, wies dieses Jahr die Beteiligung aller jüdischen Schichten am Pessachfeste und besonders an den Sederabenden in Berlin wie überall in den Großstädten einen gewissen Rekord auf. An vielen Orten wurden auf Anregung der Verbände öffentliche Sederabende .veranstaltet. Die jüdischen Restaurants in den Großgemeinden erfreuten sich an den Sederabenden so großen Besuchs,, daß ihre Räume nicht ausreichten. Kindern aus ganz kleinen Gemeinden wurde Gelegenheit geboten, in größeren Naohbargemeinden einen Seder zu erleben. - So erfreulich all dieses ist, so kann doch die wahre, restlose Freude uns erst aus der vollen Auswirkung dieser Feiern im gesamtjüdischen Leben des Tages erblühen. Der Auszug aus M i z r a j i m hatte seine Bedeutung nur als Ausgangspunkt für das spätere Volkswerden Israels, als Weg zum Sinai, an dem, nach einem tiefen Talmudwort, alJe jüdische Seelen, die bereits abgeschiedenen sowohl wie die noch ungeborenen, gestanden haben, so daß jeder Jude die Verpflichtung auf den Sinai, auf alle sich aus den Sedererzählungen für die Gesamtheit und iden Einzelnen ergebenden Konsequenzen mit zur Welt bringt. Wir wollen an der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit jener Veranstalter der Sederabende und an der Bedeutung der Veranstaltungen nicht zweifeln, aiber andererseits wollen wir es nicht verschweigen, daß alle Sedereindrüoke verpuffen und restlos verhallen werden, wenn, nicht die jüdischen Erzieher sich angelegen sein' lassen, dem „Bauen", wie der Volksmund se?it altersher die Sederfeier nennt, ein W ie i t e r b au e n anzuschließen, damit! der Bau des Judentums vom (Fundamente bis zur Dachzinne vollständig dasteht. . , . , Unsere Hoffnung wird;..ein wenig getrübt, wenn wir . sehen, was offentiiche ..Organe;■;heute hoch.unseren Kindern als V^iil^ereikmg; zunijjSeder bieten dürfen. Da finden! wir in einem; viel verbreiteten jüdischen Blatte, das sich bei der Verteidigung der jüdischen Ehre nach außen unleugbare Verdienste erworben hat, die Darstellung eines Seders in Wort und Bild, und zwar in dem Teile:des Blattes, ider für die Kinder und jugendlichen Leser bestimmt ist. Wir sehen,, wie der Großvater im Sessel fest einschhimmert, während —- n a ,c h dem Chäd Gadjoh-Gesang— der Enkel ihm" das Afikoman aus den Kissen entwendet. Es folgt die etwas umständliche Aus-,; lösung der heiligen Substanz. Der Geldbetrag, nicht allzu groß, wird sofort vom; Großvater an den Enkel ausbezahlt, womit j.sich dieser .gleich am Morgen,;also;; am ersten Pesrsachtage, im erstbesten Laden: 'Schokolade kauft, Schokolade gegen Afikoman! Wir fürchten, die Schokolade wird der einzige Eindruck einer solchen Sederfeier bleiben! . . . Nicht etwa, daß wir diese Entstellung und Geschmacklosigkeit in ernstliche Beziehung zu jenen öffentlichen Seder Veranstaltungen,, bringen wollten, aber bei dieser Gelegenheit soll doch einmal der Bildbericht, gegen den viele Kinder, merkwürdigerweise bei uns, Beschwerde erhoben, festgenagelt werden. Auch andere Zeitungen mühen sich zur Zeit, ihren Lesern die jüdischen Bräuche und ihre Begründung zu erklären, oft in einer grotesken Art, die stark auf .die Lachmuskelaa wirkt. Aber es ist dabei gar niöht zu lachen. Es liegt hier ein ernstes Erziehungsproblem vor, das gesteigerte Beachtung verdient. Der Palästinarundfunk und seine Nebengeräusche. Am 30. März wurde in Jerusalem der P a - lästin arund funk eröffnet. Die erste Störung ist da. Die Führer des gegen den jüdischen Jischuw gerichteten Teiles der Araber regen sich über alle Maßen darüber auf, daß das hebräische Programm der Rundfunkgesellsohaft den Namen Erez Israel gebraucht, und sie brachten es wirklich fertig, daß auf behördliche 11 DER ISRAELIT « das älteste jüdische Wochenblatt in Deutschland, unterrichtet Sie sachlich u. umfassend über alle Geschehnisse von Bedeutung für Judentum und Judenheit in aller Welt. 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