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Der Israelit · 1936-11-19 · Heft 46 (19.11.1936) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 46 (19.11.1936)
Date
1936-11-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Feuilleton- Beilage Der Israelit Nummer 46 1936 Der Tempelbau zu Heikenbrunn. Roman von Alice Landsberg in Wiesbaden. (Fortsetzung.) . Wie,-ihn cias beglückte zujhöreh, daß . Judenn kinder «Jceine^-Scheusale»! sondern;Kihder wieeft waren, nur daß sie eä nicht sö gnt und schön hätten wie ejr'. Sie schilderte^das Leben der jüdischen Jugend in der Gasse, erfülli> von Lernen undxStreben nach Besserem. Die Augen ides Knaben wurden groß und fragend iiüd es bedrückte etw<£s se/in Herzchen. : . -..>.'*' , ^'-'.^ ', s ivMüssen Judenkinder," fragterier einmal seine Mutter, Limmer traurig sein?" ."' •' ' " 3eine Mütter faßte nach seiner Hand. Sie, erkannte in dem Knaben das unfaßbare Problem, das mit'der Existenz der Juden in der Welt bisher noch keine Lösung fand/; . , s Deshalb drückte sie ihn nur an sich und meinte: ,,G'tt liebt alle Menschen —";t; Aber im Sinne des Knaben lag ein anderes Wünschen und er hatte mit dieser Antwort nicht genüg. Gewiß, jüdische Menschen hätten ihre Festtage, nur daß sie anders hießen wie bei ihnen selbst. Purim — o, er merkte es sich schon — das war Fastnacht ähnlich, Pessach war wie Ostern ' und sonst die andern Festtage hatten gleichen Bestimmungen zu dienen. Trotzdem waren sie Juden und sie Christen. Trotzdem hörte er im Gesinde feindliche Stimmen, gegen die Juden, und begriff sich und Mutter nicht, die daran etwas Schlimmes fanden. Er kniete, wie man es ihn lehrte, vor dem Altar und'wartete, ' daß sie ihn erleuchte. Denn er fühlte, jeder Mensch, wenn er noch so jung ist, kann irgend etwas für alle Menschen tun. Und .er war so tapfer in .seiner kleinen Seele, so bereit, Opfer zu bringen, soweit er den Begriff Opfer verstanden hatte. ' Er müßte, , wenn er allen Menschen etwas bringen Sollte, etwas finden, was dem lieben G'tt gefiel, zu dem doch auch die Juden gehörten. " Er liebte seine Mutter"unsäglich, weil sie ihm alle Güle ihres mütterlichen Herzens zuneigte. Für sie hätte er sein: ritterliches junges Leben von ganzen fünf Jahren gelassen, wenn er diese Opferbe^itfc&aft 'schön' Gegriffen Hätte. Abener liebte; versteckt und insgeheim, auch Githa; denk e> erkannte^iti ihrdie -feine gütige FraufErVar'in'emem Dilemma,' wie ei sich*ver-' ■ iJi*., '?* 'TJ'i;>- 'Tk ^jTVi:- r- .v ■' .•; -po.., 'VJ-\ ^tJÜl^ einbaren k/pnnte,<n.die frqmme christliche Mjutfcsrj und i-das^f romme.jüdisxjhe^-:Mädohenrr£asti in.gleiRi chem!aMJaße^lieben titf können;; s'- s»«*^*--^. « Es,. e£sehr.eckte. .ihn, dies und die_ ]£rkennt$is," daß jdies ajn,i rEn$e 3 ^nipht richtig' $T|r% ■, $eni Augen G'ttes.' - -t<J »jr.i-.O h/y^ iJi "■■■a Vor dem strengen'Priester Dominik ängstigte er siöh> vielleicht' hä,tte '$er, ihm .^e^'^e^^zei-, genkönnen, der zur; Wahrheit führte, denuer diente;" ihr 'doch; ,Aber: vor den - schmalen -Lip-: pen, ^nv ^äen{>sp(: si^ßäjA^^^Wj^ie verstuinn^^se^^^iji' •G^uß^ß^^\^^z^0^ haltend tcatl-eridrehi Pfärrherrnte^tgfe^ reut^esrädc1i;:^griri«^r wieder foW'WäT^Ä BIGhti gefragt zu haben* . n ." ..'n:f**' ,,s"n**~"? i%;j$jpr|£^ Aussplrugri IjtlW-A 4$$-*1Pwk& 'fi$$0]k$'$. allein .deh-i .rec^tent.^Wieg: . -.••ji.x.- n'Aur.ü «-.^jy z^ul- Öls gal) iÄüÄ^eiö^ sicÜ!«©lb$ti«ii> mühen; eine/ Lösung für sein so jbeklpmmenes Fragen1:'?%üf finden. S?IKfcJ3ULJ3u In dem Augenblick dieser Erkenntnis war es ihm plötzlich ein Leichtes, den Knoten zu lösen. " T 4;■ ■' :" - ' " 17. Wie ein Lauffeuer ging das Gerücht durch Heikenbrunn: , Beim Bürgermeister war ein Aufruf von einem 'Unbekannten eingegangen, der die Bürger, mit schwersten Beschuldigungen gegen die Juden : Heikenbrunns, warnte, ihre Kinder um Juden- *; ostern zu hüten. i Nun ierst merkte man, 'wie tief im Frühling ) man schon" drinnen war und die Blüten ihren' f herben Duft von den Höhen und im Tal spendej ten.i Es war berauschend schön inHeikenbrunn;' , doch die Menschen sahen nicht viel davon, es sei denn ein Schwärmer oder Liebesleute wurden 4 darauf aufmerksam. ■ i Der Brief aber erinnerte an die Frühlingszeit; jafi Ostern und Pessach. 1 , _ Wenn man auch lachte — in Heikenbrunn spielte man gern den Aufgeklärten — packte man : doch die. Kinder?cnwäi*me,. schob sie scheltend i vor sich her und suchte Gründe, um sie ins Haus i zu sperren. . Atemlos konnte eine Frau durch die Straßen hasten, um ihr „Geliebtes" im Straßendreck spielen zu sehen. Dann schämte sie sich und zerrte laut kreischend den kleinen Jungen nach Hause. ■ In Amtskreisen ging'man weniger unvernünftig vor. Mäh versuchte, dem anonymen Briefschreiber auf die Spur zu kommen. Der eifrigste Schwätzer blieb Burkhardt und war doch selbst der Schreiber der; beißenden Zeilen. Wie er insgeheim die dummen Kollegen verspottete^ ihre- Grübeleien verachtete und sich selbst als Held sah. Er nannte seinen Gedanken, den Brief zu schreiben, geradezu genial.u Seit .Kind auf verstand er Schriften aller Art anzufertigen, einen eigenen Gharakterzug besaß er in seinen Buchstaben dadurch nicht. Er wollte es auch nicht, seine Schrift sollte stets neutral bleiben, deshalb fiel auch keinem ein, einer der Schreiber der Kanzlei habe diesen Wisch angefertigt. Wahrhaft stolz war er. auf dies Kunstwerk, Er wunderte sieht (wie klug er hatte handeln können. Am Abend noch saß er trübsinnig in der Schenke und wußte nicht, was anfangen vor innerer. Rachsucht. ,Zu frisch noch lag die letzte Szene der ^Wpchevin ihm. Er bekannte, sie war scheußlich, aber nicht für ihn. . Was konnte, er dafür, daß. er sich volltrank und seiner-Sinne nicht-mehr mächtig war. Zum erstenmal .wieder, h.atte3jer sich einen^aingetrunken, wie. einiVerdursteterj^türztejer jSicfh, in .Alkpholfluten. und; der ytf^.§pfa&ckteymefe$ßsgxt als .nach ejner Ruhepause von langen. Tagen,.;o 5 : ... ., Bei solchem Tun verrann die Zeit und die Gläser wurden immer rascher leer. Weiß der Te^ftf^^e^ wollte, flog er auf das Pflaster vor,» die Schenke. t VT«! -y;U*»- fii wfrrr>?;Ä „ Das ereignete sich alles an meinem bonntagyormittag, und er begann früh mit der Trinkerei, aber er stand doch noch fest äuf -den Füßen. Die Githa,, ,das./idprti,-^orn^ übgri; Jie,i.,§i;raj3e^ sei Und deö'föineni R-pok sorglichhhojb; Aus.-dem Stofä des Kleides käm° geT^5B rÄef ätömVaubendeÜ)hft/' h -ts/ii^i?A w hm) ■yij'-.V*-': -i«,--.; •., m^Mr^ffm-,^^ JTfü .v .,;«.,-.. id ji;>, ^d'Githä kam ybn^ de»JBurgj wohin.;sie^ein. MeK n'e's Ge^ehehk' triif'lür einen lihtentag ihttes kind* '■'.ir&f- :>C-:-jA*;-t»i-Jt«i_. xvmä Lti~~a v&r^uuijM e^*ibe&c^4e^x^aii8»4>etre(teiUfckfttt«{ii]|d i^sein andererr'^ls- Prosper 'Sterenber^ war.^''JßK. ihnA- Eben trat er wieder aus dem Haus, wollte sich freundlich der schönen Jungfrau zuwenden und sah die schmierige Hand Burkhardt auf ihrem sich wehrenden Arm. Das Bild war in den Augen Prospers unzweideutig. Er wußte mehr, als David und Githa ihm verrieten. Deshalb war sein > Zorn mächtig, als er den Zudringlichen von dem : Mädchen riß, beutelte wie in Jugendzeit und ihm links und rechts eine herunterhieb auf beide Wangen. „Die Liebkosung darfst du als Lohn mit nach ' Hause nehmen," hörte er noch jetzt Prospers grollende Stimme sagen und ballte beide Hände zu harten Fäusten. Warum schlug er nicht auch zu, murrte er vor sich hin ins Glas. Er kannte aber Prospers Fäuste, gegen die zu wehren es .sich nicht lohnte. Er zog. stets den Kürzeren. So ein sauberer Genosse ... Burkhardt sah im Glase kleine Bläschen aufsteigen und ehe sie zerspringen, spiegelten sich die Gesichter jener vielgehaßten Menschen in ihnen. Zuerst David, den er haßte und ihm die Erfolge mißgönnte. Dann jene Maid. Nun gesellte sich zu diesem Paar noch Prosper, dem er ohnedies nie Sympathie entgegenbrachte. Das vergaß er dem Kerl nicht, daß er ihn auf offener Straße prügelte. Er hatte es vorgezogen, schleunigst. zu verschwinden, aber das derbe Lachen des Junkers klang ihm noch lange in den Ohren wieder. Und während er so mißmutig vorm Glase saß, den Genuß scheuend und doch ersehnend, jedoch den Beutel leer und. den Kopf voll brummender Sorgen, kam ihm die Sucht, irgend etwas anzustellen, das ihm Genugtuung schaffen konnte um jeden Preis. Er spürte den Frühling anders wie die Menschen um sich. Ihm trieben sie unsaubere Säfte. ins Blut und veranlaßten ihn, an Judenostern zu denken. Von da bis zum Schreiben war kein großer Schritt." Er zahlte hastig seine Gläser Wein und begab sich früh nach Hause. Im verwahrlosten Raum, der ihm allein noch im Hause gehörte, — denn die Muhme starb vor einigen Tagen und deren Gläubiger, die zugleich jene Burkhardts waren, keiften sich unv den Rest des verschuldeten Hauses, — schloß er sich ein. In der dumpfigsten Straße der Stadt lag das Haus. Einstmals'war es sehr schön gewesen, als der Ahne Burkhardts,'ein geachteter Mann, ebenfalls Schreiber der Stadt, es Sich noch etwas kosten ließ, die giebligen StPckwerke des Hauses in Ordnung zu halten. Ein wenig bucklig war es ja gebaut, aber es blieb schmück im säuberen Gewände, den hellen 1 FensteVn und den sauber gestrichenen Türen. Solide aus Steinen gebaut, würde es lange ^Jahrzehnte harten.''Darin hatte er recht, der gute Ahne, nicht aber, daß sein äußerer Schmuck sich so lange erhielt. * '^jÖer' (yerjiiel '.'schon' tsn'ter seinem Enkel, der| ein;^Spieler'."war^ und. keinen Pfiennig hinterließ, als iBurkHardt allein auf der Welt stand. Ihm selbst fiel es. nicht ein, den Besitz zu verscho- . . ■ : \ . ■ , ,1^1. ',■ ■ t . . , , .' J ■ - . . ' , nern. Er haßte das Häus mit seiner alten Einrichtung, denn ihm schwebte prunkvolles Inventar vor, und das Gegebene, Eigene verachtete er; Keine Trauer war in ihm, als er Haus und Gegenstände.:'unten i den Händen der; alten, nach-r f lässigen. Muhme^der Sehwestep, de,§; Vaters, und . Mitbesitzerin, ,des^Hauses,, ypllig,.verfallen; sah. Niclrt einen Ringer, rjüh^te, er, um den Untergang . zur yermeiden., Als, sie;,starb, .'fiel. ^das.ljm^Ks^ aufceqht.e^haltene Hausrecht . in sich zusammen? 'iEiaie ,$Jtube ,(^n:fte; ,er, . apf L^b^ejit. bg&süxea,.', sö.;stand;;im Gru^^huch^ .^..„i. - dieser - dürftigsten aller fStufoen,/;> die r den Haäsfckt ~ vielmehti f unbrauchbares Gerüinpel, das man ihm gnädig überließ ^-^' Jbargi brütete

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