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Der Israelit · 1936-11-19 · Heft 46 (19.11.1936) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 46 (19.11.1936)
Date
1936-11-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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19. November 1936 Der Israelit Nr. 46 Seite 11 antwortliche Regierung einzusetzen; daß die allmdische Mohammedaner-Konferenz Kritik an der englischen Regierung übt, weil sie die Aspirationen der Araber niederschlage und jüdische Einwanderung erzwinge. Werde man bei der Festlegung der künftigen Politik in Palästina auf die öffentliche Meinung in Indien in angemessener Weise Rücksicht nehmen? In schriftlicher Beantwortung dieser Anfrage erklärte Unterstaatssekretär Butler, der Staatssekretär für Indien, Marques» of Zetiand, werde über die Haltung der indisch-mohammedanischen öffentlichen Meinung gegenüber der Lage in Palästina ständig auf dem Laufenden gehalten. Es sei ihm bekannt, daß nach einem von dem Rat der 'indischsmohammedaai1 sehen Liga erlassenen Aufruf der 19. Juni von Mohammedanern in einer. Reihe großer Städte als „Palästina-Tag" begangen wurde, und daß von'einer Versammlung mohammedanischer Führer in Sianla am 26, September ein& Resolution gefaßt wurde, in der die Maßnahmen der englischen Regierung kritisiert werden. Zwei Tage darauf wurde vom Vizekönig eine Abordnung empfangen, wobei der Vizekönig den mohammedanischen Führern die gegenwärtige Palästinapolitik der englischen Regierung ausführlich auseinandersetzte. Die Regierung Sr. Majestät habe auf die mohammedanische öffentliche Meinung in Indien über die englische Politik in Palästina in angemessener Weise Rücksicht genommen und werde dies weiter iun. Stimmen der englischen Presse zur neuen. Schedule. London, 8. Nov. Die Ausgabe einer wesentlich kleineren Einwände* rungsschedule für Palästina als bisher wird von der englischen Presse als ein Versuch aufgefaßt, einen Ausgleich zwischen den einander entgegengesetzten Forderungen von Juden und Arabern herbeizuführen. „Daily Telegraph" erklärt, die Kürzung der jüdischen Einwanderungsquote werde weder die Araber zufriedenstellen, die eine vollständige Einstellung der Einwanderung wünschen, noch die Juden, die ihre Fortsetzung mindestens im bisherigen Ausmaße verlangen. Sie sei vielleicht als ein Symbol dafür gemeint, daß die Kommission bereit ist, die Beschwerden der Araber, daß sie überflutet werden, aufgeschlossenen Sinnes zu überprüfen, nicht aber von dem Mandat abzugehen, auf das wir verpflichtet sind, und auf dem jüdische Einwanderung in Vergangenheit und 2ukuöft beruhen muß. Die „Times" schreibt: Dieser Mittelweg wurde von den Zionisten kritisiert und wird von den Arabern heftig angegriffen, es ist aber sein Verdienst, daß er den Araberführern keinen Grund für die Annahme bietet, daß die Gewalt ihr Ziel erreicht hat, und daß Cr 'diejenigen ermutigt; die einen Kompromiß zwischen Arabern und Zionisten befürworten. Im „Evening Standard" wird erklärt, die Regie* rung habe durch das Zugeständnis einer Kürzung anerkannt, daß die Fortdauer der Einwanderung während der Arbeit der Kgl. Kommission einen wirklichen Beschwerdegrund bildet. Ist die Beschwerde berechtigt, so sei teilweise Unterdrückung nicht der Weg zur Meisterung der Lage. Vielmehr sei vollständige Einstellung der einzig richtige Kurs. „Manchester Guardian" widmet der Festsetzung der Einwanderungsquote einen Leitartikel, in dem ebenfalls erklärt wird, die neue Schedule stelle weder Juden noch Araber zufrieden. Die Juden könnten «ich mit Recht darüber beklagen, daß die Schedule diesmal bis auf 1800 Zertifikate nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus politischen Ursachen gekürzt wurde. Deshalb könne idieser Schritt dahin interpretiert werden, daß die Regierung den Arabern in gewissem Grade nachgegeben habe. Ansprachen bei dem Treffen der jüdischen Kriegsteilnehmer Englands. London, 9. Nov. Feldmarschall Lord M i 1 n e hielt im Anschluß an die G<ef a 11 en eng ed e nk f ei e r der jüdi sehen K rie g s t«dln ehm er Engl ands in der Ajbert Ha& #ber daje wir feereite kurz belichtet has ben, eine Ansprache, in der er die versammelten jüdischen Kriegsteilnehmer .als „Kameraden im Dienste des Königs" begrüßte. Wer die Ehre gehabt habendes Könige Rock zu tragen und wem die große und stolze Auszeichnung zuteil geworden sei, im Weltkrieg zu dienen, müsse auch der heutigen Armee als Kamerad gelten. Der Marquis of Reading gedachte der 50.000 Juden des Britischen Reiches, die vor zwanzig Jahren ebenso wie Millionen ihrer Mitbürger stolz darauf waren, des Königs Uniform zu tragen. Denjenigen, die auch heute von dem leidenschaftlichen Begehren erfüllt seien, eine Uniform zu tragen, stehe dieselbe wie Jamal® zur Verfügung. Es würde ihnen besser anstehen, in der Uniform des König® den Frieden des Reiches zu schützen, als im East End den Frieden zu stören. Der Leiter des Kameradschaftsabends, Hauptmann Neville L a s k i, verlas ein Huldigungstelegramm an König Eduard VIII. und die darauf eingetroffene Grußbotschaft des Königs. Es sprachen noch der Oberrabbiner des Britischen Reiches, Dr, J. H. Hertz, Leon G1 u c k ® t e i n für die Abteilungen aus der Provinz und der Schatzmeister der British Legion, Major J. Brunei Cohen, der den Toast auf den Vorsitzenden ausbrachte. Hauptmann Neville Laski dankte mit einem Trink* spruch. Italien. Keine Neuorientierung Italiens in der Judenfrage,, Rom, 13. Nov. Von einem hohen italienischen Staatsbeamten wurde es in einem Gespräch mit einem Vertreter der ITA. entschieden in Abrede gestellt, daß die italienische Regierung, wie dies von dem sowjetrussischen Blatt „Iswestja" behauptet worden ist, eine Aenderung ihrer bisherigen Haltung gegenüber den Juden nnd einen judenfeindlichen Kurs einzuführen beabsichtige. Die Meldung der „Iswestja", erklärte der Gewährsmann, sei so lächerlich, daß die italienische Regierung es nicht für erforderlich gehalten habe, sie zu dementieren. In Italien werde zwischen den Bürgern kein Unterschied gemacht, welcher Rasse oder welchem Glauben immer sie angehören mögen. Palästina. Brief aus Palästina. Jerusalem, 17. Nov. Unter der Oberfläche. — Das doppelte Gesicht ' der »Awoda iwrith", — Der Weg zu den heiligen Stätten. — Der Bürgermeisterstreit in Tel Awiw und was uns dabei auffällt. Es ist nun nach Außen alles wieder in bester Ordnung. Die Autobusse verkehren, der Ausnahmezustand ist aufgehoben. Und dennoch! . . . Unter der Oberfläche brodelt es weiter. Die Streik - unruhen wurden durch einen Boykott abgelöst, der, wie es scheint, mit der gleichen Kraft und Energie durchgeführt werden soll, wie der Streik. Etwas einseitig ist dieser Streik. Die Araber sollen bei Juden nicht kaufen, dürfen aber an sie verkaufen. Man will nicht noch einmal zu nahe an den Geldbeutel des Fellachen herangehen. Unter diesen Umständen bekommt das Problem der Awoda Iwrith eine besonders brennende Aktualität. Die „jüdische Arbeit" muß natürlich durchgeführt werden und Ast vom gesetzestreuen Teil der Bevölkerung auch durchgeführt worden, wenn auch nicht mit dem blinden. Fanatismus derer, die dauernd gegen n*w n*my/, wie sie es nennen, wettern und hinterher selber da® Fleisch von den Arabern kaufen. Abgesehen von der religiösen Seite 'dieser Angelegenheit, ist daraus zu ersehen, wie wenig ernst es diesen Kreisen in Wirklichkeit um das Prinzip der „jüdischen Arbeit" ist. Nach einer unglaublichen Meldung des „Haarez" hätten am letzten Donnerstag Dutzende von Juden auf dem Markte in Haifa ihr Geflügel von Arabern schlachten lassen, — weil die Schochtim die Schächtgebühr um ein paar Kupfermünzen erhöht hatten. Das .geschah in der Stadt, wo die Awoda Iwrith mit größter Schärfe proklamiert und durch Posten durchgeführt wird. Zu den erfreulichsten Symptomen der Beruhigung gehört die Freimachung djer Weg® zu den Heiligeastätten. Am jüngsten Sabbat konnte nach sechs Monaten wieder, a f;f,e n 11 i c h e r G1 t't ee<di e n © t a n der Westmauer abgehalten werden, Man sah aschkenasische und orientalische Juden. Am 11, Mar* cheschwan erhielt auch das Rahelgrab bei Bethlehem wieder starken jüdischen Besuch. Auf Bemühung der Agudas Jisroel und des Waad Leumi war für den Sicherheitsschutz genügend gesorgt. Trotzdem kann man nicht sagen, daß der alte Status vollkommen wiedergekehrt sei. In größeren Gruppen ist der Zugang zur Westmauer möglich, Einzelne, die es wagten, auf eigene Faust dahinzugehen, wurden überfallen, mit Steinen beworfen und in einzelnen Fällen ernstlich mißhandelt. Auch an das Rahelgrab können sich einzelne Personen noch nicht hinwagen. Die Araber wissen genau, was diese Heiligenstätten für uns bedeuten. Aber auch die Administration sollte es wissen und für den genügenden Schutz sorgen. Die jüdischen zentralen Stellen, so wollen wir hoffen, werden gewiß nicht versäumen, diesen primitivsten jüdischen Wünschen den gehörigen Nachdruck zu verleihen. Der Bürger meisterstreit in Tel Awiw, der zunächst damit seinen Abschluß fand, daß mit einem Federstrich der Regierung der bisherige Vizebürgermeister Rokac hyan die Spitze der Irijah gestellt wurde, berührt uns .§icht so unmittelbar, da wir leider ein starkes jüdisches Interesse in unserem Sinne bei beiden Kandidaten nicht voraussetzen können. Es bleibt die traurige Tatsache zu Recht bestehen, daß in der Stadt Tel Awiw, die G. s. D. noch ein großes gesetzestreues Kontingent hat, die religiösen Interessen im Stadtrate so gut wie gar nicht vertreten sind. Uns in Jerusalem fällt es auf, daß gerade in Tel Awiw, wo doch die Orthodoxie den „extremen Charakter", wie man ihn uns Jerusalemern vorwirft, nicht hat und nicht hervorkehrt und zuweilen auch zu gewissen Konzessionen bereit ist, sie bei all der Nachgiebigkeit nicht fertig gebracht hat, einen Einfluß auf die Geschäfte der Stadtverwaltung zu gewinnen. Dagegen ist gerade die „extreme" Agudas Jisroel in Jerusalem ein starker Faktor des öffentlichen Lebens, mit dem alle Teile des Jischuw rechnen müssen. Vielleicht könnte daraus die Lehre gezogen werden, daß feste Standhaftigkeit uns niemals zum Schaden gereicht. Ueber 'die Sitzungen und gemeinschaftlichen Beratungen der Agudas Jisroel und des Waad Leumi in Sachen der Untersuchungskommission sind Ihre Leser durch die Tagesmeldungen bereits orientiert. Mn. G. P. Die neue Regierung" des Irak wünscht freundschaftliche Beziehungen zu allen Religionsgemeinschaften. Jerusalem, 12. Nov. Wie aus Bagdad gemeldet wird, hat der neue Ministerpräsident des Irak, Hikmat Suleiman, die Oberhäupter aller Religionsgemeinschaften, darunter auch der jüdischen, besucht und ihnen versprochen, daß die neue Regierung freundschaftliche Beziehungen zu allen Religionsgemeinschaften und nationalen Minder* heiten aufrecht erhalten werde. Strategische Straßen und Bahnen in Palästina. Jerusalem, 10. Nov. Die von der Palästinaregieriung vor einigen Jahren in Angriff genommene Chaussee Gaza=Akaba, ist in diesen Tagen fertiggestellt worden. Die 20 m breite Straße ist so stark gebaut, daß auf ihr ein lebhafter Verkehr von Militärkraftwagen und schwerer Artillerie vor sich gehen kann. Nunmehr hat die Regierung auch den Plan für den Bau einer Eisenbahnlinie von Gaza nach Akaba fertiggestellt und bestätigt. Mit dem Bau der neuen Linie, die parallel zur Straße geführt werJ den soll, wird in der nächsten Zeit begonnen werden. Innerhalb eines Jahres soll die Bahnlinie fertiggestellt sein. Ein großer Heeresflughafen bei Akaba steht vor der Vollendung. Feier des Waffenstillstandstages in Palästina. Jerusalem, 11. Nov. Der Waffensülktand&tag ist am 11. November eindrucksvoller als jemals seit der Besetzung Palästinas durch England gefeiert worden. Die Mitglieder der

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