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Der Israelit · 1936-11-19 · Heft 46 (19.11.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 46 (19.11.1936)
Date
1936-11-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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"WT i < Seite 10 Nr. 46 D er Israel Ii 19, November 1936 chen dafür, daß Waclawski, der einer der Anführer der antisemitischen Ausschreitungen war, durch einen fehlgegangenen Schuß einer sedner Genossen den Tod fand —, bildeten die teilnehmenden nationalistischen Studenten aller Warschauer Hochschulen in der Zahl von etwa 2000 geschlossene Züge und marschierten durch die Hauptstraßen. In der Marszalkowska schlugen die Demonstranten an zahlreichen jüdischen Geschäftshäusern die Schaufensterscheiben ein, verhöhnten und mißhandelten, jüdische oder jüdisch aussehende Passanten. Auch im Gebäude des regierungs* freundlichen Blattes „Kurjer Poranny" wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Als Polizei einschritt, wurde sie mit einem Steinhagel empfangen, wobei mehrere Polizisten verletzt wurden. Erst in den Nachmittagsstunden konnte den Exzessen ein Ende gemacht werden. Etwa 200 Personen wurden verhaftet. Auch an der Wilnaer Universität kam es zu antijüdischen Ausschreitungen, als nationaldemokratisch© Studenten während einer Vorlesung des Chirurgen Prof. Michada die jüdischen Studenten zwingen wollten, sich auf „Ghetto-Bänke" zu setzen. Als die Juden der Aufforderung nicht Folge leisten wollten, erzwangen Nationaldemokraten den Abbruch der Vorlesung. Das Kreisgericht in Bialystok verhandelte gegen eine Gruppe Bauern des Kreises Knyszin, die di« Wohnungen aller Juden des Dorfes demolierten, den jüdischen Einwohner Mendel Rubin aufzuhängen, den Juden Zacharewicz zu ertränken versuchten und die übrigen Juden des Dorfes fürchterlich mißhandelten. Das Gericht verurteilte sieben Angeklagte zu je sechs Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist. Fünf Anges klagte wurden freigesprochen. Judenfeindlicher Doppelmörder verurteilt, Warschau, 13. Nov. Das., Krekgericht in Radom hat Alexander B a - r y 1 k a, der am 24. Februar d. J. den 70jährigen Leib Tannenbaum und den 40jährigen Melech Goldwasser durch Axthiebe ermordet hat, zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Mörder war der Tat geständig. Bei den ermordeten Juden hatte er fünf Zloty geraubt. Zu seiner Verteidigung erklärte er, er habe den Mord unter dem Einfluß von Artikeln in der nationaldemokratischen Presse verübt, in denen gefordert wurde, daß die Juden aus Polen vertrieben werden. Der Staatsanwalt erklärte, es handle sich zwar um einen Raubmord, doch habe der Täter äugen1 scheinlich unter dem Eindruck gestanden, daß, wie dies von gewissen Kreisen propagiert wird, bei der Beurteilung eines aus Rassenmotiven verübten «Mordes mildernde Umstände in Betracht zu ziehen sein. Außer der Verurteilung zu' zwölf Jahren Zuchthaus wurden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte für zehn Jahre abgesprochen. Den Hinterbliebenen der beiden Opfer wurde eine symbolische Entschädigung von je einem Zloty zuerkannt. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß der Angeklagte es nur seiner Jugend zu verdanken habe, daß er nicht schwerer bestraft wurde. » Warschau, 11. Nov. Aus dem Städtchen Jafolonka-Koscdola, wo vor einigen Tagen pogromartige antijüdische Ausschreitungen sich ereignet haben, wird mitgeteilt, daß die Fenster sämtlicher jüdischen Wohnungen und Geschäfte eingeschlagen und der jüdische Friedhof geschändet 'wurde. Dennoch wurden zwei Greise, der 75jährige Aron David Weißberg und der 85jährige Schmuel Szniadowicz, die sich gegen die Angreifer zur Wehr setzten, verhaftet. In der Näh© de® Dorfes Dembia, Kreis Kielce, wurde der Jude Meir Feigenblatt von Banditen zuerst furchtbar gequält und ausgeraubt und zum Schiaß ermordet. Er hinterläßt eine Frau und mehrere kleine Kinder. In Lawrikow bei Rawa-Ruska in Ostgalizien überfielen Banditen das Haus des Jizchak Waldmann, richteten dort Zerstörungen an und zündeten es schließlich an, Sie gaben au/ alle B&wohner Schüsse ab. Die Frau Waldmanns und sein ältester Söhn wurden in lebensgefährlichem Zustand ins Kranken- •' haus gebracht, ' Eine Abordnung der Rabbiner bei Marschall Rydz-Smigly. Warschau, 13. Nov. Der Marschall von Polen, R yd z - Smigly, empfing eine Abordnung des Verbandes der Rabbiner Polens, die ihm die Glückwünsche zum Fest der polnischen Unabhängigkeit überbrachte. Tausend Zertifikate aus der neuen Schedule für Polen7 Warschau, 10. Nov. In den Kreisen des Warschauer Palästinaamtes wird behauptet, daß von den 1800 Zertifikaten, die im Rahmen der neuen Schedule bewilligt wurden, 1000 in Polen verteilt werden soll. Man erwartet, daß auf Grund dieser Zertifikate bereits Ende November der erste Transport von Palästinaauswanderern aus Polen abgehen wird. Frankreich. HICEM erwirkt einen Aufschub der Maßnahmen gegen jüdische Einwanderer in Paraguay. P a r is, 11. Nov. Zu der Meldung über die von der Regierung von Paraguay verfügten Ausweisung aller in den letzten zwei Jahren in die Hauptstadt Asuncion eingewanderten Juden teilt die Leitung der HIAS-ICA Enugration Association (HIGEM)> in Paris mit, daß es der Intervention eines Sonderbeauftragten von HICEM gelungen ist, einen Aufschub der Maßnahmen zu erlangen, durch die die Einwanderer gezwungen werden sollen, entweder das Landesinnere aufzusuchen, um sich dort der Landwirtschaft zu widmen oder Paraguay zu verlassen. Die Verhandlungen über die zukünftige Lage der Einwanderer werden fortgesetzt. Rumänien. Entschädigung für die Opfer des Antisemitismus in Rumänien gefordert. Bukarest, 11. Nov. Der Sekretär des Verbandes der rumänischen Juden in Amerika, Hermann Speier, erstattete der Jah* reskonferenz des Verbandes einen Bericht, in dem er eine gemeinsame Aktion der jüdischen Verbände Amerikas und Europas zur Abwehr des Antisemitismus in Rumänien verlangte. Ferner gab Speier bekannt, daß die Leitung des Verbände« mit Rücksicht darauf, daß Ministerpräsident Tatarescu sein einer Abordnung des Verbandes in Bukarest gegebenes Versprechen, die judenfeindliche Propaganda zu unterdrücken, nicht gehalten habe, der rumänischen Regierung durch Vermittlung des rumänischen Gesandten in Washington eine Denkschrift überreichen ließ, in der Entschädigung der Opfer des Antisemitismus verlangt wird. Aus verschiedenen Teilen des Landes werden Ausschreitungen gemeldet, die die von der sonntägigen Kundgebung in Bukarest zurückkehrenden Cuzisten gegen Juden verübt haben. Ernste Unruhen haben sich in Pascani, Barlad und Vaslui ereignet. Zu ihrer Unterdrückung mußten Polizeiverstärkungen aus anderen Städten herangezogen werden. England. 21 Engländer während der Unruhen in Palästina gefallen. London) 13. Nov. Im Unterhaus teilte auf Anfragen der Unterstaats* Sekretär für das Luftschiffahrtswesen, Sir Philip S a s s o o n, mit, daß 'die Zahl der englischen Verlu&te ohne Berücksichtigung der Polizei vom 15. April bis 14. September 1936 121 Mann betrug, von denen 21 gefallen oder an Verletzungen gestorben sind. Festakt anläßlich des 80. Geburtstages von Dr. Moses Gaster. L o n d o n , 2. Nov. Anläßlich des 80, Geburtstage« des sephardischen Oberrabbiners von London und bedeutenden. jüdischen und rumänischen Folkloristen, Dr. Moses Gast er, wurde dem Jubilar im Rahmen eines Festaktes ein von Dr. Bruno Schindler und Dr. A. Marmorstein herausgegeb euer S a m m-e 1 b a n d von Studien über semitische P h i 1 o 1 o gi e und Literatur, jüdische Geschichte und Philosophie und die Folklore vieler Länder überreicht. Die Sammlung trägt den Titel „Orient und Okzident". Sir Herbert Samuel sprach Dr. Gaster den Dank für seine Leistungen auf wissenschaftlichem und jüdisch-politischem Gebiet aus. Für die Rumänische Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied Dr. Gaster ist, sprach der Legationsrat der Londoner Gesandtschaft D. N. Ciotori. Weitere Ansprachen hielten Prof. S. H. Hocke und Mr. Coats Lake im Namen der Gesellschaft für Folklore, Gustave Tuck im Namen der jüdischhistorischen Gesellschaft, Prof. N. D. J o p s o n im Namen der Gesellschaft für Volkskunde der Zigeuner, Prof. Dr. D. S. Margoliouth, Präsident der Royal Asiatic Society, und Arthur de C a s s e r e s , der an die Ausweisung Dr. Gasters aus Rumänien und die bald darauf in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Bedeutung erfolgte Einladung zur Rückkehr sowie auf seine Mitarbeit in der jüdischen, Kulturbewegung und für Palästina hinwies. Oberrabbi1 ner Dr. G a s t e r dankte ergriffen für die ihm erwiesene Ehrung. Polen und der jüdische Palästina-Aufbau. Erklärungen des polnischen Außenministers in London. London, 10. Nov. Der polnische Außenminister Oberst Joseph Beck hat Vertretern der Presse in London erklärt, die polnische Regierung stehe den jüdischen Aspirationen in Palästina und der jüdischen Auswanderung aus Polen nach Palästina mit Sympathie gegenüber. Die Lage der Juden in Polen bezeichnete Oberst Beck mit Rücksicht darauf, daß die Juden einen hohen Prozentsatz der Bevölkerung bilden und vorwiegend in den Handelsberufen zusammengedrängt sind, als ein ernstes soziales Problem. Der polnische Außenminister ließ nichts darüber verlauten, ob er bei seinen Besprechungen mit der englischen Regierung die Frage der jüdischen Auswanderung aus Polen nach Palästina bereits erörtert hat. Von zuverlässiger Seite wird jedoch der ITA. mitgeteilt, daß er seine Absicht, dies bei erster Gelegenheit zu tun, bekundet habe. Es heißt, daß bei diesen Besprechungen auch der Plan der Auswanderung von 80.000 Juden jährlich aus Polen nach überseeischen Ländern erörtert werden soll, JudeBfrage als mathematisches' Problem? London, 13. Nov. Lord Melchett veröffentlicht im „Spectator" einen Aufsatz, in dem er einen großzügigen Auswanderungsplan zur Lösung der Judenfrage in Mittels und Osteuropa entwickelt. Lord Melchett schlägt vor, daß jährlich 35.000 junge Juden im Alter von 18 oder 19 Jahren aus Polen auswandern sollen. Dadurch würde im Laufe von zwanzig Jahren die Zahl der Juden in Polen um die Hälfte verringert werden. Wenn in die* sen Plan auch Deutschland, Oesterreich, die Tschechoslovakei .und Rumänien einbezogen werden,, so würden jährlich 60,000 bis 70.000 junge Juden nach Palästina kommen, wodurch die Lösung der Judenfrage in diesen Ländern nur noch ein einfaches mathematisches Problem darstellen würde. Eine solche zionistisch© Lösung sei das einzige Mittel, um au verhindern, daß die jüdische Jugend durch den Antisemitismus in radikal-politische Lager abgedrängt werde. Der Verfasser fordert eine Konvention der europäischen Mächte zur Lösung der Judenfrage, die sonst verhängnisvolle Formen annehmen müßte. (Siehe auch „Zwei aktuelle Palästinabücher" auf Seite 6.1 Palästina und Indien. London, 13. Nov. An den Unterstaatssekretär für Indien, R.*A. B u tler, wurde von dem Abgeordneten Galla eher die Frage gerichtet, ob es ihm bekannt sei, daß die öffentliche Meinung Indiens gegen die in Palästina gegen die Araber getroffenen Maßnahmen sei, daß in vielen Teilen Indiens-ein Palästina-Tag abgehalten wurde; daß führende indische Mohammedaner äii die englische Regierung den Appell gerichtet haben, das Mandat aufzugeben und eine der Bevölkerung ver- SäMK^i 'Wi"Tir^PaaBB8BHiag»^'^-->>«'»>'-ty-

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