Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 46 (19.11.1936)
- Date
- 1936-11-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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19. November. 1936 D e r I s r a e 1 i x Nr. 46 Seite 9 glied der Repräsentantenversammlung gehört der Mittelpartei an. Die neun Stellvertreter bestehen aus drei Liberalen, drei Zionisten, zwei Konservativen und einem Mittelparteiler. An erster Stelle der Eiuheitsliste steht der gegenwärtige Vorsitzende der Synagogengemeinde Köln, Albert B e n d i x , an zweiter Stelle R.-A. Dr. Hans C allmann (beide der religiös-liberalen Fraktion zugehörig}. Bevölkerungsbewegung in. der Gemeinde Aschaffenburg, München, 12, Nov. Die Jüdische Gemeinde in Aschaffenburg zählte Ende des Jahres 1932 675 Seelen. Am 10. September 1936 hatte sie nur noch 525 Personen. In den Jahren 1933 bis 1936 sind 280 Personen fortgezogen; von ihnen sind 123 ausgewandert und 98 nach Orten innerhalb Deutschlands verzogen. 46 der 123 Auswanderer gingen ins europäische Ausland, .30 nach Palästina, 28 nach den Vereinigten Staaten, 12 nach Südafrika, 6 nach Südamerika. Oesterreich. Mehr als ein Drittel der Kriegsgefallenen des Leopoldstädter Bundesgymnasiums waren Juden. Wien, 11. Nov. Im Bundesgymnasium in Wien*Leopoldstadt wurde eine Gedenktafel für die im Kriege gefallenen Lehrer und Schüler dieses Gymnasium® enthüllt, Mehr als ein Drittel der Gefallenen waren Juden, deren Namen nunmehr verewigt wurden. Anläßlich dieser Denkmalsenthüllung fand auch im Leopoldstädter Tempel eine Feier statt, bei der Ober* rabbiner Dr. Taglicht darauf hinwies, daß die Blutopfer der Juden im Weltkriege kein dankbares Geschlecht in der Gegenwart vorfinden. „Die Opfer der Juden für ihr Vaterland sind eine natürliche Pflichterfüllung. Mit derselben Selbstverständlichkeit verlangen wir jedoch in aller Welt unser Recht auf Leben." Der Denkmalsenthüllung selbst wohnte Oberrabbiner Dr. Taglicht als Vertreter der jüdischen Gemeinschaft bei. Schweiz. Außerordentliche Palästina-Tagung der Ständigen Mandatskommission einberufen. Genf, 11. Nov. Die Ständige Mandatskommission des Yölkerbundes hat beschlossen, für das Frühjahr 1937 eine außer* ordentliche Tagung einzuberufen, die ausschließlich der Erörterung von Fragen des Palästina-Mandats gewidmet sein soll. Mit Rücksicht auf die Einberufung dieser außerordentlichen Tagung ist die Behandlung sämtlicher Petitionen, die sich auf Palästina beziehen, von der Mandatskommission zunächst zurückgestellt worden. Unter diesen Petitionen befinden sich neben verschiedenen Beschwerden von arabischer Seite bekanntlich auch solche Denkschriften, in denen die jüdischen Palästinaforderungen unter zionistisch-revisionistischen Gesichtspunkten vorgetragen werden. Die tatsächliche Einberufung der außerordentlichen Tagung der Mandatskommission hängt noch von der Zustimmung des Präsidenten des Völkerbunds* rates ab. Der Beschluß, eine besondere Palästina* tagung im Frühjahr abzuhalten, wurde gefaßt, um der Mandatatimacht die nötige Zeit zur Vorbereitung des Materials zu lassen. Polen. Verhandlungen über ein polnisch-palästinensisches Clearing-Abkommen abgeschlossen. Warschau, 9. Nov. Wie der ITA. mitgeteilt wird, sind die Verhandlungen über ein polnisch-palästinensisches Clearing-Abkommen bereits abgeschlossen. . Die gut informierte „Gazetta Handiowa'' weiß über dieses Abkommen zu berichten, daß die Kapitalien der Auswanderungslustigen bei einem besonderen Cheaiing'Institut -eingezahlt werden sollen. Die Auszählung in Palästina erfolgt, erst, wenn sich ein entsprechender Saldo auf Grund des polnisch=palästinensischen Warenaustausche® ergibt. Die Reihenfolge der Auszahlung richtet sich nach der der Einzahlungen in Warschau. Das Clearing-Abkommen soll sowohl von den Auswanderern der Kategorie A (Besitzer eines Mindestkapitals von 1000 Pfund) als auch von den Handwerkern mit einem Mindestkapital von 250 Pfund und den Einwanderern mit einem Mindestkapital von 500 Pfund in Anspruch genommen wer= Die Woche, Frankfurt a. M. Die Synagoge in N i e - doraula (Hessen) besteht 100 Jahre. Die Jüdische Gemeinde, die zu den ältesten in Hessen gehört, geht auf das Jahr 1503 zurück. Sie zählt jetzt 51 Seelen. Breslau. Das Jüdische Reform-Realgymnasium in Breslau wird im kommenden Schuljahr eine Oberprima eröffnen. Königsberg. Vorstand und Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde Königsberg beschlossen den Verkauf der Synagoge in dem zum Gemeindebezirk gehörigen Ostseebad Cranz. Die Synagoge ist im Jahre 1911 auf Anregung und mit Unterstützung des Kommerzienrafs George Max für 60.000 RM. erbaut worden, wurde aber seit einigen Jahren kaum noch benutzt. RegeinSburg. Nach einer Entschließung der Stadtverwaltung Regensburg vom 30. Oktober dürfen jüdische Schülerinnen von nun ab das städtische von Müller'sche Mädchenlyzeum nicht mehr besuchen. Bamberg. Die „Bayerische Ostmark" berichtet, daß mit dem 5. November die Bamberg er Volksschulen judenfrei geworden seien. Die vorhandenen im schulpflichtigen Alter stehenden 37 jüdischen Kinder befinden sich in einer eigenen Schule, die in einem Nebenraume der Synagoge untergebracht ist. Sie werden von einem jiidisehen Lehrer unterrichtet. Posen. Die Jüdische Gemeinde in G n e s e n , zu der die Juden in dem Städtchen R o g o w bisher gehörten, hat die Synagoge in Rogow verkauft, da dort nur noch ein einziger Jude lebt. München. Die alte Gemeinde Dittlefsroda übergab vor einiger Zeit dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden in München einen alten Kultgegenstand und zwar ein zinnernes Waschgerät für Kohanim. Wien. Anläßlich des 80. Geburtstages des Bundeskulturrates Prof. Dr. Frankfurter überreichte Minister Pertner dem Jubilar persönlich das ihm vom Bundespräsidenten Miklas verliehene Komturkreuz des österreichischen Verdienstors dens mit dem Bande. Stockholm. Im Alter von 72 Jahren ist in Stockholm der Vorsitzende der dortigen Jüdischen Gemeinde, Dr. Fürstenberg, gestorben. An der Beisetzung Dr. Fürstenbergs, der Leibarzt des Königs von Schweden war, nahmen auch Mitglieder der kgl. Familie teil. Warschau. Anläßlich der Feier des polnischen Unabhängigkeitstages ist auch einer Reihe jüdischer Persönlichkeiten, unter ihnen dem Redakteur der Warschauer Tageszeitung „Moment", Beer Ileanowicz, die Erinnerungsmedaille verliehen worden. Krakau. Im 67. Lebensjahre ist in Krakau der frühere Vorsitzende des Jüdischen Parlamentsklubs, Rabb. Dr. Jehoschua (Osias) Thon gestorben. Dr. Thon war kurz nach einer Predigt am vergangenen Jomkippur schwer erkrankt. Wilna. Eine Gruppe von hundert Nationaldemokraten hat auf das Gebäude der in Wilna erscheinenden agudistischen Tageszeitung ,,Wilnaer Tog" einen Ueberfall verübt. Sämtliche. Fenster des Gebäudes wurden zertrümmert, die Telefonleitungen durchschnitten. Der Drucker Alexander S ch weikel wurde so schwer mißhandelt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Jerusalem. In Kfar Hachugim im Emek ist «in Grabstein für den im vergangenen Jahre im Kampfe mit arabischen Banden gefallenen jüdischen Polizeisergeanten Mosche Rosenfeld enthüllt worden. Viele hunderte Siedler aus allen Kolonien des Emek und der Polizeikommissar des Kreises nahmen an der Feier teil. New York. An Bord desi amerikanischen Dampfers „Excalibur" ist am 11. November in New York die erste im Hafen von Tel Awiw verladene Sendung eingetroffen. Sie besteht aus 500 Kisten Karmelwein lind anderen Palästinaprodukten. Wie der Importeur dieser Waren mitteilt, sind aus vielen Gegenden Amerikas Vorbestellungen auf Waren eingetroffen, die im Hafen von Tel Awiw verladen werden. ^sgsgmden. Arbeitereinwanderer und Chaluzim unterliegen weiter den Devisenvorschriften, Arbeitereinwanderer, die mit ihren Familienangehörigen nach Palästina reisen, können einen Betrag von 1000 Zloty, Allein* stehende nur 500 Zloty mit sich nehmen. Man erwartet von dem Abkommen eine Steigerung des Exports von Röhren, Holz, Orangenkisten und landwirtschaftlichen Geräten aus Polen nach Palästina. Jüdische Gemeinden in Polen sollen sich an der Auswandererfürsorge beteiligen. Warschau, 12. Nov. Die Exekutive der jüdischen Auswandererhilfsgesellschaft ,,Jeas" hat die Vorstände aller jüdischen Gemeinden in Polen aufgefordert, in den Etat für das neue Jahr Zuschüsse zur Förderung der Auswandererfürsorge einzustellen. Gleichzeitig hat das Präsidium des „Jeas" beschlossen, bei den zuständigen staatlichen Stellen vorstellig zu werden, um zu verhindern, daß solche Zuschüsse, wie dies in den vergangenen Jahren wiederholt geschehen ist, von den Wojwod* Schäften aus den Gemeinde-Etats gestrichen werden. Rektor der Lemberger Universität lehnt Einführung von „Ghetto-Bänken" ab. Warschau, 13. Nov. Der Rektor der Universität Lemberg hat es abgelehnt, die Forderung der nationaldemokratischen Studenten nach Einführung von „Ghetto-Bänken" für die Juden zu berücksichtigen. Einer Abordnung der nationaldemokratischen Studentenschaft, die ihm diese Forderung überbrachte, erklärte der Rektort „Wir werden nicht zum 12. Jahrhundert zurückkehren". Da die Abordnung daraufhin erklärte,- keine Gewähr für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung übernehmen zu können, verfügten die Hochschulbehörden die Schließung der Universität und der Technischen Hochschule für unbestimmte Zeit. Die Wilnaer Universität ist geschlossen worden, nachdem es neuerlich zu judenfeindlichen Aus5 schreitungen der nationaldemokratischen Studenten gekommen war. Bei diesen Unruhen war auch der Dozent Dr. Michael Rubinstein, ein Sohn des Abgeordneten Rabbiner Rrbinstein, sowie der christliche Dozent Hurynowicz tätlich angegriffen worden, der Dr. Rubinstein zu schützen versuchte. Schwere judenfeindliche Ausschreitungen in Lodz. — Zwei Juden getötet. Warschau, 10. Nov. In Lodz ist es zu schweren judenfeindlichen Aus* schreitungen gekommen. Nationaldemokratische Exzedenten schlugen die Fensterscheiben eines kleinen jüdischen Cafes ein und verletzten den Inhaber des Cafehauses, Josef Berkowicz, und drei Gäste, durch Schüsse schwer. Zwei Täter wurden verhaftet. Die vier verletzten Juden wurden ins Krankenhaus gebracht, wo der 43jährige Berkowicz und der 30jährige Israel Wendel ihren Verletzungen erlagen. In Wilna kam es anläßlich nationaldemokratischer Kundgebungen zum Jahrestag des Todes des Studenten Waclawski zu Ausschreitungen. In vielen jüdischen Häusern und Geschäften wurden die Fenster zertrümmert, zahlreiche jüdische Passanten wurden erheblich verletzt. Die Polizei, die die Ruhe wieder herstellen wollte, wurde mit Steinen und Knüppeln angegriffen. Zwölf Polizisten wurden verwundet, zwei von ihnen schwer. Drei Studenten und eine Studentin wurden wegen öffentlicher Gewalttätigkeit verhaftet und werden vor Gericht gestellt werden. Aehnliche Exzesse ereigneten sich auch in anderen polnischen Universitätsstädten. * * * Warschau, 10. Nov. Warschau war am Montag, den 9. November, wiederum Schauplatz schwerer antisemitischer Aus» schreitungen der nationalistischen Studentenschaft. Nach einem Trauerg'ttesdienst für den Studenten Waclawski, der vor einigen Jahren im Verlauf von blutigen Angriffen der Nationaldemokraten auf jüdische Studenten der Wilnaer Universität von unbe* kannter Hand getötet wurde — alle Anzeichen spre-