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Der Israelit · 1936-11-19 · Heft 46 (19.11.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 46 (19.11.1936)
Date
1936-11-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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w<mr y l Wh'; Seite 6 Nr. 46 r a e 1 i t 19. November 1936 Zwei aktuelle Palästinabücher. Der zuletzt durch sein zeitgemäßes Reisewerk über Abessinien 'berühm tgewordene englische Journalist L a d i s 1 a v Farago hat soeben unter dem — nicht ganz korrekten — Titel „Palestine on the eve"*) (Palästina am Vorabend) seine Erlebnisse und Erfahrungen im heiligen Lande, das er während der Monate Mai und Juni dieses Jahres, also nicht mehr am Vorabend, sondern während der Unruhen be reiste, in einem reizenden, 276 Seiten starken Buche niedergelegt. Aber das Buch ist nicht nur seiner Form nach reizvoll und von Anfang bis zu Ende samt seinen 60 herrlichen photographi sehen Aufnahmen fesselnd für den Leser, son dem es ist ein ernstes Buch, das zur rechten Stunde auf manches Unbeachtete oder halb Verschüttete helles Licht wirft und dadurch dem Politiker wie dem Kulturhistoriker reiche Anregung und Belehrung zu bringen geeignet ist. Farago hat sich bemüht, die Meinungen der Araber, der Juden und der Engländer aiis den verschiedensten Schichten der palästinensischen Bevölkerung zu erforschen, objektiv wiederzugeben und manchmal mit wohlwollender Kritik zu beleuchten. Er ist mit seinen Sympathien offensichtlich auf Seiten der Juden, versteht es aber glänzend, die arabischen Argumentationen verständlich zu machen. Von politischer Bedeutung ist Faragos Bericht über seine Unterredung mit Emir Abdullah, der ihn mit einer Botschaft an die Jewish Agency nach Jerusalem betraute; wenn auch ein unmittelbarer Erfolg durch diese Initiative nicht erzielt wurde, enthält die ganze Schilderung doch gewisse Fingerzeige für eine konstruktive jüdisch-arabische Politik. Die Gegensätze zwischen Stadt und Land, jüdischem und arabischem Familienleben, Kwuzoth und PJCA-Kolonien, Histadruth, Revisionisten und altjüdischer Bevölkerung weiß Farago anschaulich herauszuarbeiten und durch tausend kleine, charakteristische, selbsterlebte Züge zu illustrieren. Obgleich er gerade vom alten Jischuw kaum mehr gesehen hat als ein paar lange Barte — Agudas Jisroel wird nur einmal flüchtig erwähnt — und von der oveltgeschichtlichen Tragik des Kampfes zwischen Modernismus und jüdisch-religiöser Tradition keine Ahnung hat, gelingt es ihm doch manchmal, wie durch Blitzlichtaufnahme, auch von diesem inherjüdischen Ringen etwas zu erhaschen. So, wenn er berichtet, wie jemenitische Gartenbesitzer auf den *) Palestine ön the eve by Laddslav Farago. London. 1936. Putnam 42 Great Russell Street.! Vorwurf eines Angestellten des Keren kajemeth: „Schämt Ihr' Euch nicht, arabische Arbeiter auf jüdischem Böden zu beschäftigen?" einfach ant Worten: ,,Schämen sich die Ghaluzim nicht, daß sie am Sabbat rauchen?" Fein und zurückhaltend, aber gerade darum um so eindrucksvoller ist die Kritik, die Farago an dem höchst „un romantischen", (manchmal stark an Sowjetrußland erinnernden) ehelichen Leben der Kwuzoth übt, dessen scheinbar „natürliche", in Wirklich keit höchst unnatürliche Bindungslosigkeit zur Unterhöhlung der seelischen Gesundheit der Menschen führt und Patienten für die psychoanalytischen Nervenärzte in ,Fülle produziert. So rächt sich am jüdischen Volke, früher" oder später, ij e d e r Abfall von seiner Lebenslehre — "plKl "p»n XT1 .. Den positiven ethischen Leistungen der Chaluzim wird Farago in einer ganzen Reihe von Kapiteln vollauf gerecht, wobei es an rührenden, manchmal packenden Zügen nicht fehlt. Die Schwierigkeit der Situation, in der sich die englische Bürokratie in Palästina befindet, weiß Farago einleuchtend darzustellen, wobei er. es auch an einer gewissen Kritik nicht. fehlen läßt. Auch er konstatiert eine durchgehende Voreingenommenheit zahlreicher englischer Beamten für die „'bequemere" arabische Bevölkerung, von der keine Beschwerden an das Colonial Office oder an englische Parlamentsmitglieder zu 'befürchten sind. Bedeutsam sind die politischen Visionen, die Farago in einem der letzten Kapitel des Buches entwickelt und die ihn zu einem eindrucksvollen Plädoyer für ein jüdisches Palästina im Interesse des Empire führen. Er schildert die Schwierigkeiten, die sich durch die Haltung Persier-s und Afghanistans der Offenhaltung des Landwegs nach Indien für England in den Weg stellen; ihrer könne man nur von Palästina aus Herr werden. Wenn gar Aegypten eines Tages versage, sei Alexandrien als Flottenbasis durch Haifa zu ersetzen, ja durch einen Kanal von Gaza bis Akaba am Roten Meere lasse sich eine Konkurrenz/für den Suez-Kanal auf rein englischem Gebiete herstellen. „Palästina und sein Schwesterland Transjordanien haben für die Briten eine vielleicht noch größere Bedeutung 1 s für die Juden. Jedoch sind beide berufen, sich bei der Formung der Zukunft auf einander zu verlassen. Ohne die Judenwürde Palästina ein reih arabisch es L a n d g e b 1 i eib e n sein, das frühe r oder später für England V eor 1 o - r e n g e g a n gen wäre u n d d e s sVn«' B e - f r i e d u n g zu k o s t s p i e Ii g sein w &-r d e. Die Juden haben den Charakter des Landes bereits verändert. Sie stehen fest auf der: Seite Englands, von dem ihr Schicksal abhängt und sie sind immer bereit, englische Interessen bis zum äußersten zu schützen, weil sie wissen, daß diese ihren eigenen entsprechen." Soweit Farago. Die politische Erkenntnis, die er mit diesen Worten vertritt, leitet passender Weise zu dem-fast gleichzeitig erschienenen neuen Werke Lord Melchetts über, das von jüdischer Seite die gleiche These mit glühender Beredsamkeit verficht.**) Melchett sucht zunächst in einer offensichtlich zur Aufklärung eines nichtjüdischen ^Leserkreises bestimmten Darstellung die heutige Situation der Juden in Europa,' und 1 - alsdann den historischen Werdegang ihres Völksgeschickes zu zeichnen. Von „Abraham bis Disraeli" ist dieser Abriß der jüdischen Geschichte überschrieben und man muß, bei aller Dürftigkeit des religiösen Wissens des Autors, doch .anerkennen, daß er sich, bemüht hat, die Irrationalität der ganzen jüdischen fExis.teäiz und die grandiose. Einheitlichkeit' der jüdischen Geschichte mit Eindringlichkeit herauszuarbeiten. Für Melchett, der ja, wie er selber bekennt, getauft war, und erst durch die Logik des zionistischen Nationalgedankens der Judenheit zurückgewonnen wurde, ist der Zionismus zum Religionsersatz geworden, so daß, wenn man seine immer wieder durchbrechende Verwunderung über das „Wunder" jüdischen Geschichtserlebens auf sich wirken läßt, ein schmerzliches Gefühl zurückbleibt. Soll der Konflikt zwischen anerzogenem Skeptizismus und Rationalismus und ehrlicher Gläubigkeit wirklichunüberwindbar bleiben? Es scheint so. Die Kapitel über den Zionismus in seinem Werden und seiner Praxis sind die besten des Buches. Man erfährt dabei mancherlei Interessantes, das nicht allgemein bekannt ist. So z. B. die Tatsache, daß die definitive Lostrennung Transjordaniens von Palästina durch die» englische Politik ursprünglich keineswegs beabsichtigt war, sondern lediglich einen Schächzug darstellte, um (jede Möglichkeit französischer Expeditionen zum Schutze des syrischen Mandatgebietes gegen transjordanische Ueberfälle auszuschließen. Die Entscheidung erfolgte unter dem Druck des britischen Engagements in Irland, das **) Thy Neighbour. ByLord Melchett. London. 1936: Frederick Muller Ltd. 29; Great James Street. W. C. 1, . Kleines Feuilleton, Neue Jugendliteratur, „Lastträger bin ich!" nennt sich ein Buch/\ das Jügehdgeschichten aus Palästina enthält; Es ist , yon Jaakow...Simon verfaßt und vom Verlage^ . „Ked.em'', Berlin, herausgegeben. Die Illustrationen'stammen von Bernhard . Gelbart. Es ist zunächst die tragische' Geschiente eines verlassehen jemenitisch'en Waisenjungeri> der ^keinen höheren Ehrgeiz < hat, als Lastträger zu werden. Es folgen aber dann noch hübsche. Bilder aus dem kleinen Leben in den Armeleutewohhungen der Jemeniten und Schilderungen des Festlebens am Schwuoth, 15. Schwat usw. in Erez Israel und zum Schlüsse eine Apotheose auf Chaim Nachman Bialik. Gut geschrieben igt das-Buch,,noch besser. illustrier|t und-.vorn Standpunkt der nationalen Erziehung r^ch't geschickt , zusammengestellt. Wir für unsere Kinder hätten beispielsweise eine Schilderung des*'Schwuaus als Fest des Sinai lieber gestehen, als eine Bikkurim= .feier von heute. Eine innere Geschlossenheit und 'Stileinheit ist dein Jugendbuch nicht abzusprechen. Ein jüdisches J u g e n d b u c h gib'f uns auch der jüdische Verla £'y Berlin, mit"' dem sechstein Jkhrganjg ■d&s J-ü dis clai e n J,u g-e n d/k a.l e.n d;et .S>, der von Emil Bernhard JCohn herailS^ftgeben wird, literarisch und. künstlerisch, überragt dieser Kalender seine Vorgänger bei weitem, nicht'zülätzt mieden Bildern und Versen, die wir früher nichfrgefrade grftck-! lieh finden konnten. Einige Nummern, wie „Königin Saba besucht Salomo" und; Anderes sprechen das Gemüt des Kindes sehr an. IDie Erzählung „Land in Aufruhr" greift in .die Verhältnisse des Tages hinein und leidet unter dem Mangel an der nötigen Zettdistanz. Worte von Herzl wird man' in einem jüdischen Jugendbuch zionistischer Provenienz nicht unangebracht finden, aber , eine Gegenüberstellung von _ Mosch» cund. Hepzl mutet .auch dann >. reichlich ger j schmacklo^ an, (wenntdiV Veite©gutsind.,"'Wie biet die zionistischen, unäf n.6uhebraischen- Großen, ii-.- 'ä. Beii 1 Yehuda, Achad ' 'Häani; -Sbkolöw;. dem - Kihderh vorgeführt-werden, sollte, auch uns_als Muster^dienen, .wenn, wir., in gesetzes^treuen,.;Jugendbüchern von j dehen.^wir. ,leider nicht soviel'haben lüns&re Jugend ■ jna.it unseren wirklich' )^&6#Ukt-Großm'Hw früherer '< und sp'ät'e'rer Zeit bekärihtniächenPÖas' schöm reichlich abgegrast^ -Thema der;„Ghölmfer Narren ' wird hier noch einmal in einigen Variationen aufgefrischt. Arabische Typen und Innenansicht der in Kirchen ver* wandelten alten Synagogen von Toledo werden' in vortrefflichen, dem Jüdischen Lexikon entnommenen Bildern gezeigt.; Auch .'biblische Bühnenspiele; werden von denJCindern> -mit /Freuden aufgenommen werden. .Auch, dieses Jugendbuch ist auf die nationale^ Jugenderziehung abgestimmt' \ und' es1' mußJ zugegeben werden, [daß diV Autoren sich iti''recht'igeschickter Weise'difeser Aufgabe unter ziehen»''» :i;r-\ :\. ••••ii .i , ,-i <■. a;. '.. '\ .,' '. h '- Neue Sehoekenbücher* V " Es Sind in d'eh letzten1'Tagen erschienen: Annette yon-Dröste-HülsteDif: D i.e J tod e nihnfth e. Mit;einem NkchworJ:-und #m Bericht August, von Haxth^iißen^: „Geschichte eines Algierer, Sklaven"^ Bücherei Nr. 68.' In Pappe gebunden Mk.;J 1.25. < '■ ■ 11 ii lujiMj.uiuu^w iii. **mm Lu-dwig Strauß: schnür. Märchen Z a übe r d t a c h e n - Bücherei Nr. 69> I» Di e für Kinder, Pappe gebunden M. 1.25. Theodor Mommsen: J u d a e a, ,u n d. d i e Juden. Mit einem Nachwort von Eugen'Täubler. Bücherei Nr. 70. In Pappe gebunden " M;' V.25, r; - Ausführliche Besprechungen behalten wir uns vor. f,.;:F» ]Vi, in ,.G.; ,.^ir^hatjerii Ihre Vorschläge a'n die Landesbrgani1säti!on''der Ägüdas Jisrö^r ^wertergeleitet, die^sich^ mit Ihn'eh' direkt ' in-Verbindung^ «setzenowird. Treuer Abonnent. 1. Das dürfte heute nicht ratsamsein.,; 2.. Der Jßrauch .mutet niqht sehr jüdisch an, aber die angeführte Stelle iin Perek inüß nicht als )->i, vielleicht nur als Mib n«? (guter Rat) aufgefaßt werden;" -3. Ja.': ' .y:-_'\ . •. M. G. in H. Es ist bei uns nicht übUch, Artikel über! S i lhJe r-h o c_h z e,i t %n zu; tbringen.. Eine entisprech'endje. NqtizJn der, Rubrik „Famiuienhachqcnteii'' kann erscheinen. , , ' ■ - '■ r-'^^^^''y(^'h^zen^^er^ $chrift üeift ürid'weijden Sie'sich sfcfron^a'n" eatie' Warschauer^Buchr handlhng, etwa^.'! S-m ö:tek<| n v Maranö^ska. 32, gvenf den .müssenbi.i }Ur*".'?cri;')?-'k i.•>,-.^ j,-.-js \Xi) . .^ Eooi^l. -T>eE ^eburi^ag ist am,29. Tischri. Kiisi^9^iia^.dle "3i<ir9, ^j^zu 'leienenV' ' (",; Zrj H.!in, BV ['^Vo^^ht^^~--t6v{riäfBetracht;- "' ,-J. $£ in^D. TU0:ettn6';^i^db^<jiäm^^e eihti «"p» besitzt; ist"' so" sell^tverMändKoh) dWßi'nfen es&nicht erst bekärintgebeir muß^! r.'Mv.i^S'. iraiiii . b i- -ii

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